http://andysauerwein.de/steht-auf/
(Redebeitrag, gehalten auf der Demonstration “Solidarität statt Hass” am 6. Februar 2016, Würzburg)
Ich bin diese Woche viel im Osten unterwegs gewesen und in Leipzig, Erfurt, Dresden, Magdeburg aufgetreten. In Dresden sogar ganz in der Nähe von Heidenau.
Es war schön. Es hat Spaß gemacht. Die Leute waren nett und sogar über die Pegida-Witze wurde gelacht. Was aber daran liegt, dass die Menschen, die pro Pegida und pro AFD sind, selbstverständlich nicht zu meinen Auftritten kommen. Die beschimpfen mich ausschließlich im Internet. Auf Facebook. Und das in einem Deutsch, bei dem ich mir immer denke: Wie umgehen die eigentlich die Rechtschreibkorrektur?
Ich habe bei diesen ganzen rassistischen und ausländerfeindlichen Hetzkommentaren, die man lesen muss, lange gedacht, ich muss versuchen vernünftig zu diskutieren. Geht aber nicht, keine Chance, du wirst als „Gutmensch“ katalogisiert und beschimpft. Mittlerweile poste ich unter jeden Nazi-Kommentar immer Kuchenrezepte. Funktioniert super, solltet ihr auch mal probieren.
„Hallo Pegida-Peter, der sagt: alle abknallen und dann wieder nach Hause laufen lassen!, vielleicht bekommst du ja das gebacken: Schoko-Apfel-Kuchen.“
Das klingt jetzt in erster Linie alles lustig und macht Spaß, aber es hat leider einen sehr ernsten Hintergrund. Wir sind in einer neuen Zeit angekommen, in der es darum geht, Farbe zu bekennen. Braun oder bunt. Schwarz-Weiß-Malerei oder Vielfalt.
Man kann sich nicht mehr herausreden und keine Meinung zur Politik haben, speziell zur Flüchtlingspolitik. Wenn man nichts gegen die Affen von Pegida sagt, dann duldet man das und ist dafür. Wenn man nichts gegen Frauke Petry und ihre Forderung nach einem Schießbefehl sagt, dann macht man sich mitschuldig!
Ganz ehrlich, mich kotzt es an, was man teilweise lesen und hören muss. Und dass viel zu viel ungestraft bleibt und viel zu wenige Brandanschläge aufgeklärt werden, kotzt mich noch viel mehr an. Dass Leute wie Frauke Petry, Beatrice von Storch und Lutz Bachmann deutlich einen an der Klatsche haben, kann jeder vernünftig denkende Mensch erkennen. Mein Kotzstrahl reicht aber mittlerweile bis nach München. Menschen wie Horst Seehofer vergiften die Stimmung in unserem Land und sind die wahren Brandstifter. Wir sind 80 Millionen Einwohner hier. Horst Seehofer pisst sich auf, weil eine Million mehr in unser Land kommen. Wart ihr schon einmal in einem Bus mit 80 Personen und dann will eine Person mehr rein und der Busfahrer sagt: „Nö, das ist mir jetzt zu viel.“? Und wir reden hier nicht von Schwarzfahrern, sondern von Menschen, die ihr Ticket genau so bezahlen möchten, wie alle anderen auch.
Was passiert denn bei einer Obergrenze? Bekommt dann der zweihunderttausendste Flüchtling einen Blumenstrauß, wenn er in Kiefersfelden über die Grenze geht? Ein Foto mit dem Bürgermeister und eine Jahreskarte fürs Schwimmbad? Dahinter steht Flüchtling Nummer Zweihunderttausend und Eins und zu dem sagt man dann: „Oh, ehm…des tut uns jetzt leid….aber wir sind voll.“
Sagt dann Assad: „Achso, die nehmen keine mehr auf? Dann lasse ich das jetzt mit den Fassbomben.“?
Sagen die IS-Kämpfer dann: „Wie, die nehmen keine Flüchtlinge mehr? Das ist denen egal, was wir machen? Hm. Blöd. Dann gehen wir halt nicht mehr köpfen.“, halftern sich ihre erbeuteten Heckler&Koch-Sturmgewehre über und gehen wieder heim?
Sagen die Boko-Haram-Milizen dann: „Wie? Wir können nicht mehr Roden und Brandschatzen? Die Dorfbewohner müssen jetzt da bleiben? Na gut, dann eben doch kein Gottesstaat….“? Obergrenze ist was für Schwachköpfe, die keinen Meter weiter denken. Die glauben, dass man sich einfach abschotten kann, indem man die Augen verschließt und die Grenzen dicht macht. Wer glaubt, dass man mit einer Obergrenze eine ganze Völkerwanderung stoppt, der glaubt auch, dass man einen Wasserfall mit einem Strohhalm kanalisieren kann. Wie wäre es denn stattdessen mit einer Obergrenze für Waffenverkäufe in Krisengebiete? Ich hätte auch schon einen Vorschlag für die Anzahl: Null.
Was da gerade vor unserer Grenze steht, ist das Ergebnis unseres eigenen Verhaltens.
Wir sind mitverantwortlich für die Flüchtlingsbewegungen, weil wir Waffenexporte zulassen.
Und wir sind dafür mitverantwortlich, dass gerade so viele Rechte durch unsere Straßen laufen und ungestraft rassistische Parolen rufen können! Weil immer noch viel zu wenige aufstehen und Nein sagen. Weil viel zu viele schweigend zusehen, wie Kriminelle Brandanschläge auf Asylheime verüben.
Weil PEGIDA ungestraft Hetzkampagnen und Lügen verbreiten darf. Leute, die AFD hat über 12 Prozent! Das sind 12 Prozent zuviel! Es sind immer noch viel zu wenige Menschen hier, eigentlich müsste die ganze verdammte Stadt auf den Beinen sein! Gerade in Würzburg sollte man wissen, was passiert, wenn man die Nazis wieder auferstehen lässt.
Bitte, mobilisiert eure Freunde, Verwandten, holt die Oma aus der Wohnung, geht auf die Straße, steht auf und seid laut! Egal, wo auch immer ihr rechten, rassistischen, braunen Kommentaren begegnet, egal, ob beim, Friseur, beim Bäcker, am Stammtisch oder in der Straßenbahn:
Seid laut, macht Lärm!
Steht auf, sagt Nein zu rechten Parolen!
Sagt Nein zur AFD und ihrer Hetze!
Sagt Nein zu Horst Seehofers Populismus!
Sagt Nein zu Pegida!
Sagt Nein zu Frauke Petry!
Sagt Nein, wo auch immer Unrecht gegen Menschen passiert, die unsere Hilfe brauchen.
Danke.