Gletscher war von Müll überdeckt
Das Mullwitzkees in der Venedigergruppe wurde seinem Namen gerecht. In den letzten Jahrzehnten wurden dort fünf Tonnen Müll illegal deponiert.
Am Mullwitzkees unterhalb des Rainerhorns wurden fast fünf Tonnen Müll eingesammelt.
Foto: Kohlhofer
PRÄGRATEN. Die bisher größte Säuberungsaktion des österreichischen Alpenschutzverbandes wurde in der letzten Woche unterhalb des Defreggerhauses durchgeführt. "Durch den starken Rückzug des Mullwitzkeeses haben wir auf einer Höhe von fast 3000 Metern eine gigantische Mülldeponie entdeckt", berichtete der Obmann des Alpenschutzverbandes, Lothar Petter, am Freitag.
In einer Woche säuberten 13 Studenten die steil abfallende, fast unbegehbare Felswand unterhalb des Schutzhauses und den Gletscher. "Die illegale Mülldeponie war größer als ein Fußballfeld", teilte Petter mit. "Stellenweise war das Gebiet bis zu 50 Zentimeter hoch mit Dosen, Batterien, Propangasflaschen, Kochgeschirr, Spraydosen und Glas bedeckt."
Für den engagierten Umweltschützer sind vorwiegend die ehemaligen Hüttenwirte vom Defreggerhaus für den Naturfrevel verantwortlich. "Vor 40 Jahren war es an der Tagesordnung, den Hüttenabfall auf diese Art und Weise zu entsorgen." Insgesamt wurden fast fünf Tonnen nicht verrottbarer Müll gesammelt und in Transportsäcke verpackt. In dutzenden Hubschrauberflügen und mit Hilfe der Lienzer Tragtierstaffel wurde der Müllberg am Freitagnachmittag zur Johannishütte gebracht.
Auch zwei Nordtiroler Biologiestudenten, Mario Hasslwanter aus Polling und der Pettneuer Simon Götsch, schufteten im Rahmen der Aktion "Saubere Alpen" sieben Tage am Gletscher unterhalb des Rainerhorns. "Wir sind schon seit einigen Jahren bei den Aktionen dabei, so viel Müll haben wir im alpinen Gelände aber noch nie gesehen", berichtete das Duo.
An die Arbeitsbedingungen in dieser Höhe mussten sich die engagierten Studenten erst gewöhnen. "Ohne die kurzfristige Errichtung eines gesicherten Klettersteiges von der Hütte hinunter zum Gletscherrand hätten wir einen täglichen Umweg von fast fünf Stunden in Kauf nehmen müssen", berichteten Hasslwanter und Götsch.
Petter beziffert die Kosten der großen Säuberungsaktion im Nationalpark Hohe Tauern mit 20.000 Euro.