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Gletscher-Abschmelzung

Heuer ist die Schneelage auf den Gletschern besonders gut. Was sagen die Experten, ob und wann ein Ausapern zu erwarten ist? Ich glaube vor einigen Jahren blieb die Zugspitze 365 Tage weiß.
 
Das kann wohl niemand genau sagen.
Aber da sich zu Beginn der nächsten Woche bereits die nächste Schneepackung für Lagen über 2500m andeutet kann man sich zumindest mal aus dem Fenster lehnen und sagen so spät wie schon lange nicht mehr.
 
Wir hatten das Thema glaube ich ja schonmal diskutiert.

Die Schneemengen des Winters und auch des Frühjahres sind im Grunde genommen ziemlich unbedeutend.

Viel entscheidender sind die Hitzewellen im Somer. Sobald es wie in den letzten Jahren mal zwei, drei Wochen Hitze gibt ist auch sehr viel wieder weg. Aber klar, ein bisschen länger dauert die Schmelze schon. Aber nicht so dass man sagen kann, dass die Ausaperung deswegen erst im August oder so erfolgt.

Was die Gletscher brauchen würden im Sommer wären kühle verregnete Sommer. zB 2014, und damals war meine ich der Winter sogar recht schneearm.
 
Gleitweggleiter schrieb:
Wir hatten das Thema glaube ich ja schonmal diskutiert.

Die Schneemengen des Winters und auch des Frühjahres sind im Grunde genommen ziemlich unbedeutend.

Viel entscheidender sind die Hitzewellen im Somer. Sobald es wie in den letzten Jahren mal zwei, drei Wochen Hitze gibt ist auch sehr viel wieder weg. Aber klar, ein bisschen länger dauert die Schmelze schon. Aber nicht so dass man sagen kann, dass die Ausaperung deswegen erst im August oder so erfolgt.

Was die Gletscher brauchen würden im Sommer wären kühle verregnete Sommer. zB 2014, und damals war meine ich der Winter sogar recht schneearm.

Hmm...also so ein bisschen wundert mich die Aussage, dass die Schneemengen im Winter und Frühjahr "im Grunde genommen ziemlich unbedeutend" seien. Klar schmilzt bei 3 Wochen mega Hitzewelle da einiges weg. Aber ich habe mehrere Berichte von absoluten Experten im Kopf die schon die Schneeauflage am Ende des Frühlings/zu Beginn des Sommers als wichtig betonen.
Hier z.B.
https://www.srf.ch/news/schweiz/weniger-schnee-keine-erholung-fuer-gletscher-schneedecke-geht-zurueck
sagt das ein Glaziologe der ETH Zürich ziemlich klar, dass das schon ein wichtiger Faktor ist. Und ich gehe stark davon aus, dass der weiß wovon er redet.
Und ich habe auch von österreichischen Glaziologen ähnliches gelesen.
 
Da hab ich allerdings vielerorts anderes gelesen. Grade oben hats diesen Winter so viel runtergeschneit, teils liegt da noch 5 Meter auf 3000 Meter.
Ich hab das Gefühl, dass die Gletscher oben ehe an dicke zunehmen werden, wenn das Wetter klimawandelbedingt feuchter wird. Oben wirds immer mehr schneien, was unten als Regen runterkommt. Wenn die Schneefallgrenze dann stets oder zumindest sehr oft ü2500 ist, auch im sommer, ist das gar nicht so unwahrscheinlich. Die grossen Gletscherzungen wirds dann trotzdem tendenziell weniger geben, weils halt unten warm bleibt. Und wenns ganz oben nicht zuuuu warm ist, bleibt dann der Schnee oben liegen und nährt vor allem die Flächengletscher ü3000, schätze ich. Darf halt nicht dauerhaft auf ü3000 im plusbereich liegen, bzw keine 4Wochen-hitzeperioden haben mit 0-gradgrenze auf 4500 m.
Naja, ist halt der Wunsch Vater des Gedankens.
 
zonk schrieb:
Da hab ich allerdings vielerorts anderes gelesen. Grade oben hats diesen Winter so viel runtergeschneit, teils liegt da noch 5 Meter auf 3000 Meter.
Ich hab das Gefühl, dass die Gletscher oben ehe an dicke zunehmen werden, wenn das Wetter klimawandelbedingt feuchter wird.

Wenn immer wieder Jahre dabei sind so wie in den letzten Jahren, wo 80%, 90%, oder sogar noch mehr von der Gletscherfläche ausapert und es kaum noch Nährgebiete gibt, werden die die Gletscher auch oben nicht an Dicke zunehmen. Und auch wenn es momentan so auschaut, als könnte diesen Sommer mal etwas mehr Schnee oben übrig bleiben und die Gletscher nicht ganz so weit ausapern: Tendenziell werden die Jahre mit hoher Ausaperung häufiger werden und die Jahre mit geringerer Ausaperung noch seltener werden. Von daher ist dieser Gefühl, wie du ja auch selbst geschrieben hast, nur Wunschdenken.
 
M.W. dauert es ca. 15 Jahre bis kumulierte Schneeschichten sich in Eis verwandeln.
Ein Gletscher schmilzt schneller als er entsteht.

Aber klar, eine dicke Schneeschicht schützt erst mal vor schnellem Schmelzen.
 
Würde mich mal interessieren, inwieweit höhere Schneeauflagen im Frühjahr ins Gewicht fallen, wenn man davon ausgeht dass es einen normalen Sommer mit Hitzwellen gibt.

https://www.hnd.bayern.de/schnee/iller_lech/zugspitze-10961?addhr=false&begin=12.06.2023&end=12.06.2024
Mal naiv angenommen der Schnee schmilzt genauso schnell im Sommer wie letztes Jahr, komme ich hier anhand der Daten auf -7cm/Tag.
Würde die große Schneeschmelze für die Zugspitze ab Ende dieser Woche anfangen, wäre in ca. 50-60 Tagen Schluss, also Mitte August.
Das wäre ein Monat länger als letztes Jahr. Aber wahrscheinlich kann man sich das nicht so einfach zusammenrechnen.
 
Bocky schrieb:
Würde mich mal interessieren, inwieweit höhere Schneeauflagen im Frühjahr ins Gewicht fallen, wenn man davon ausgeht dass es einen normalen Sommer mit Hitzwellen gibt.

https://www.hnd.bayern.de/schnee/iller_lech/zugspitze-10961?addhr=false&begin=12.06.2023&end=12.06.2024
Mal naiv angenommen der Schnee schmilzt genauso schnell im Sommer wie letztes Jahr, komme ich hier anhand der Daten auf -7cm/Tag.
Würde die große Schneeschmelze für die Zugspitze ab Ende dieser Woche anfangen, wäre in ca. 50-60 Tagen Schluss, also Mitte August.
Das wäre ein Monat länger als letztes Jahr. Aber wahrscheinlich kann man sich das nicht so einfach zusammenrechnen.

Der Saharastaubeintrag im Frühjahr hat auch einen Einfluss. Je mehr Staub sich auf dem Schnee ablagert, desto mehr Sonnenlicht wird absorbiert anstatt reflektiert und erhöht somit die Abschmelzrate des Schnees. Auch eine Kombination aus Wind und geringer Luftfeuchte beschleunigt die Schmelze, Föhnwetterlagen oder Hochdruckwetter wirken da besonders, letztere vor allem in höheren Lagen.
 
Dazu ist vllt diese Seite ganz interessant:
https://dachsteingletscher.info/

Die "Echtzeit Massenbilanz" bildet die genäherte Bilanz des Hallstätter Gletschers ab. Momentan liegt so viel Schnee wie nie seit 2011. Bei der bisher maximal gemessen Ablation wäre die Massenbilanz etwa Anfang September bei Null, bei der bis minmal gemessenen ergäbe das zu Ende Oktober auch "nur" eine ausgeglichene, keine positive Massenbilanz. Jedes weitere mögliche Schneefallereignis würde das ganze ein paar Tage nach hinten verschieben.
Für ein wirklich gutes Gletscherjahr ist das noch nicht genug. Aber eine so extreme Eisschmelze wie in den vergangenen beiden Jahren ist quasi ausgeschlossen.
Aktuell liegen über den Gletscher gemittelte 2,7m Wasserequivalent - also gut 27m Neuschnee.
 
noisi schrieb:
Die "Echtzeit Massenbilanz" bildet die genäherte Bilanz des Hallstätter Gletschers ab. Momentan liegt so viel Schnee wie nie seit 2011. Bei der bisher maximal gemessen Ablation wäre die Massenbilanz etwa Anfang September bei Null, bei der bis minmal gemessenen ergäbe das zu Ende Oktober auch "nur" eine ausgeglichene, keine positive Massenbilanz.

Muss das nicht "Anfang Oktober" statt "Ende Oktober" heißen" ? Denn am 1.10. beginnt ein neues Haushaltsjahr.

Ich würde der Grafik folgendes entnehmen:
- Bei günstigen Witterungsverlauf für Gletscher ist die Massenbilanz zum 1.10. ausgeglichen, eventuell minimal positiv.
- Bei ungünstigen Witterungsverlauf für Gletscher ist der Massenverlust zum 1.10 irgendwo zwischen 500 und 1000 mm Wasseräquivalent. (Der Durchschnitt von 2006 bis 2021 liegt bei 1200 mm Wasseräquivalent. Der maximale Massenverlust bei 2100 mm Wasseräquivalent.)
 
Früher, waren Sommerschneefälle relativ normal. Zwar waren die meist nach einigen Tagen wieder abgeschmolzen, aber in diesen Tagen ist der Gletscher nicht abgetaut. Dazu trägt auch die gute Reflexionsfähigkeit von Neuschnee bei.
Auch weil diese Sommerschneefälle inzwischen weitgehend fehlen, schmelzen die Gletscher in mittleren Höhenlagen alle kontinuierlich ab. Da wird auch ein schneereicher Winter nichts ändern. Relativ wahrscheinlich wird ein warmer und langer Sommer die Gewinne im Winter zu nichte machen. Die Meerestemperaturen sind immer noch deutlich über dem Durchschnitt.
 
Gibt es eigentlich im zentralen Alpenraum (jetzt mal von den 4000ern der Schweiz und Frankreich/Italien abgesehen) überhaupt noch Gletscher, die ohne Seilbahnfahrt, Hochtour oder Kletterei fußläufig erreichbar sind?
 
Gepatsch-Ferner im Kaunertal: mit dem Auto die Gletscherstraße bis ca. 1800m, dann ca. 90-120min per pedes einen einfachen Wanderweg hinauf.

Glockturm-Ferner ebenfalls im Kaunertal: bis 2400m mit dem Auto, dann 2-3h bis zum kümmerlichen Rest dieses "Gletschers".
 
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