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Gondelabsturz in Engelberg

Pilatus schrieb:
Alte Gondelbahnen hatten solche Abweiser wie auf dem Foto. Wieso wird das nicht mehr verbaut?
Das hat es früher bei fast allen Seilbahntypen gegeben, bis man irgendwann draufgekommen ist, dass durch das ungünstige Hebelverhältnis schon bei geringer Anprallkraft das Seil aus den Rollen gehebelt wird. Außerdem besteht, neben der Gefahr des Einfädelns in den Abweisern bei starken Querpendelungen, insbesondere bei besonders ungünstig konstruierten Rollenbatterien auch die Gefahr, dass bei einer Seilentgleisung das Seil durch die Abweiser einfach über die Seilfänger hinaus geleitet wird. Diese Abweiser schaden mehr, als sie nutzen.
Sinn machen, wenn überhaupt, nur Führungen in der Höhe der Kabine selbst und die müssten entsprechend hoch, lang und massiv sein, um nicht selbst zur Gefahr zu werden (also flächen- und nicht linienförmig, da sonst die Gefahr des Auflaufens auf den Führungen entsteht, und so lang, dass das Fahrzeug schon vor dem Erreichen der Rollenbatterie zwangsgeführt wird).
Latesn schrieb:
Gemeint ist vermutlich die Kollision mit dem Seilfänger, der hat nämlich wenn man die Freigängigkeitszeichnung aus dem Rotenflue-Bericht ansieht wenig bis keine Freigängigkeit mehr bei den geforderten 0,35 rad.
Wenn natürlich wie bei der Rotenflue und spekulativ auch hier das Torsionsrohr am Seilfänger einhängt während die Kabine noch nicht ansteht (was m.e. ein klares Konstruktionsprinzip ist ... ich schlage selbst wenn ich anschlage so an, dass ich nicht Einhängen kann -> d.h. ich versuche zuerst mit dem Trittbrett anzuschlagen) habe ich natürlich einen gewaltigen Hebel der mir das Seil einfach aus der Klemme reisst.
Ich bin bzgl. des Konstruktionsprinzips ganz deiner Meinung. Allerdings kann man m.E. den Konstrukteuren hier keinen Vorwurf machen, wenn genau bei diesem einen speziellen Klemmentyp trotz Einhaltung der Normen eine atypische Gefahrenstelle entsteht, und das überhaupt nur bei Betrieb außerhalb der Einsatzgrenzen. Das hätte, wenn überhaupt, der benannten Prüfstelle im Zuge des Konformitätsbewertungsverfahrens auffallen müssen - und ich bin mir nicht einmal sicher, ob die dagegen überhaupt etwas einwenden dürften, denn streng genommen wäre die Klemme trotzdem konform, da der Stand der Technik erfüllt wird. Die Frage ist eher, was man jetzt daraus schlussfolgert (sofern es überhaupt die Klemme war, die kollidiert ist). Alle DT-Klemme verbieten, wie einst die Müllerklemmen? Zigtausende Klemmen nacharbeiten? Oder ist das ganze Thema statistisch vertretbar?

Nachdem die Normenreihe aktuell sowieso "redaktionell" überarbeitet wird, könnte man ja vorschlagen, diesen Punkt auch noch aufzunehmen, dann wäre die kostpielige Änderung der Deckblätter wenigsten nicht ganz umsonst.
Beispiel als Ergänzung zur EN 13223 in der typischen Formulierung (bringt aber mehr Probleme, als es löst): "Klemmen und Rollenbatterien müssen so gestaltet sein, dass bei einer Überschreitung der größten Querpendelung nach 6.3.4 die Kollision einer Klemme mit den Einrichtungen der Rollenbatterie nicht zum Abstürzen des Fahrzeuges führen kann."
Kamikatze schrieb:
Anderer Klemmentyp und es ist trotz des ja sehr brutal aussehenden Gondelsalats keine Gondel abgestürzt. Gut, in so einer Situation kann man schlecht abschätzen, wo einfach Glück im Spiel war und wo das ganze konstruktiv abgefangen wurde.
Beim Fahrzeugsalat war es pures Glück, dass die Stütze nicht nachgegeben hat. Eigentlich wäre der Absturz der Fahrzeuge hier sogar gewünscht gewesen.
 
Schmiddi schrieb:
NeusserGletscher schrieb:
Kris schrieb:
Vielleicht wäre es sinnvoll, die Formgebung von Seilfänger und Torsionsstäbe-Zylinder zu überdenken – als Maßnahme der passiven Sicherheit. Aktuell weisen beide Bauteile einander zugewandte Flächen auf, die beim Zusammentreffen wie „Hammer auf Amboss“ wirken.
Gem. Bild im SUST-Bericht trifft die Torsionsstabumhüllung direkt auf die Kante des Seilfängers. Und da so nah ist der Hebel natürlich extrem ... Ich daran gedacht, den Seilfänger leicht tiefer anzubringen, so daß der Torsionsstab mehr Platz zum ausschwingen hätte und in den Raum des Seils auf dem Seilfänger käme (und nicht an dessen Kante).
Bei der Klemme auf deinem Bild kommen zwei Schraubenfedern zum Einsatz.
Sind das nicht zwei Pakete Tellerfedern – in der Art, wie sie in Visperterminen Probleme bereiteten ... (w.i.m.r.e.)
 
Bei manchen älteren Gondeln gibt es große Abweiser an den Masten, die Pardoramabahn in Ischgl hat sowas. Da geht es aber wohl eher darum, dass die Gondeln nicht gegen die Masten knallen.
 
Hatten wir das hier schon?

Tödlicher Gondelabsturz: Titlis-Bahnen lehnten Nachrüstung ab

- Der Fall des tödlichen Absturzes einer Gondel der Titlis-Bergbahnen vergangenen Mittwoch hat Parallelen zu einem Unfall in der Mythenregion, wie Berichte der «Sonntagszeitung» und «Inside Paradeplatz» zeigen.

- Infolge des Unfalls 2019 unterbreitete die Seilbahnherstellerin den Titlis-Bergbahnen ein Angebot zur Nachrüstung, welches die Bahn jedoch ablehnte, wie deren CEO Norbert Patt nun bestätigt.

- Beide Seilbahnen waren vom gleichen Typ und in beiden Fällen wird starker Wind als Auslöser des Unfalls genannt.

https://www.srf.ch/news/schweiz/unfall-auf-gleicher-bahn-2019-toedlicher-gondelabsturz-titlis-bahnen-lehnten-nachruestung-ab
 
Was es hier so schwierig macht ist, dass man so einen Unfall verhindern hatte können, aber dass man bei Technik auch immer Risiken angehen muss. Die sicherste Seilbahn ist die, die gar nicht erbaut worden ist. Dann kan man ja auch nicht abstürzen.
Doch müssen wir uns ständig überlegen, welches Risiki wir für Akzeptabel halten. Jetzt müssen wir vielleicht erkennen, dass wir das Risiko noch weiter minimieren können und auch möchten.
 
Der Bahnbetreiber schlug eine von Garaventa vorgeschlagene Sicherheitsnachrüstung nach dem Unfall an der Rothenfluh beim Mythen aus: Blick ... Die Begründung ist abenteuerlich: Es sei keine zwingende sicherheitsrelevante Aufforderung zur Nachrüstung gewesen, weshalb man habe man kein Angebot für eine Umrüstung eingeholt habe. Zudem habe im Schreiben kein direkter Hinweis auf den Unfall von 2019 gestanden, so dass der Zusammenhang nicht erkannt worden sei. ... Zum einen ist es m.E. ein klarer Fehler von Garaventa, diese Sicherheitsnachrüstung insbesondere bei einer erkanntermaßen windexponierten Bahn nicht mindestens als dringendst angeraten zu deklarieren – im konkreten Fall als zwingend (incl. Erwähnung des Unfalls – was ja die Motivation der Umrüstung ist) – und zum anderen die Betonung der Bahn, Sicherheit stünde zuoberst, schlicht und einfach peinlich und unglaubwürdig ...
 
Kakadu schrieb:
Zudem habe im Schreiben kein direkter Hinweis auf den Unfall von 2019 gestanden, so dass der Zusammenhang nicht erkannt worden sei.
Vor allem diese Aussage finde ich abenteuerlich. Das kann doch nur bedeuten, dass man sich überhaupt nicht mit dem beschäftigt hat, was andernorts passiert ist (zumal das Angebot ja wohl nicht erst 5 Jahre später kam - dazu ist allerdings keine Aussage getroffen).
 
gfm49 schrieb:
Kakadu schrieb:
Zudem habe im Schreiben kein direkter Hinweis auf den Unfall von 2019 gestanden, so dass der Zusammenhang nicht erkannt worden sei.
Vor allem diese Aussage finde ich abenteuerlich. Das kann doch nur bedeuten, dass man sich überhaupt nicht mit dem beschäftigt hat, was andernorts passiert ist (zumal das Angebot ja wohl nicht erst 5 Jahre später kam - dazu ist allerdings keine Aussage getroffen).
Es stellt sich auch die Frage, wie glaubwürdig diese (wohl faule) Ausrede ist. Zum einen wäre es verwunderlich, wenn Garaventa im Angebot den Vorfall am Mythen gar nicht erwähnt hätte – es gab ja einen konkreten Grund für das Angebot. Und zum anderen hat sich die Chefetage solcher Anlagen mit bei der SUST genannten Vorfällen zu befassen, wenn sie ihr Metier ernst nehmen will. Somit wäre es Garaventa abzunehmen, wenn sie davon ausgehen, daß der Vorfall in der Branche bekannt ist – insbesondere von Betreibern desselben Klemmentyps.
 
Wenn man das oben verlinkte YouTube Video anschaut, merkt man schon, dass da zwischen Seilfänger und Torsionsfedergehäuse nicht sehr viel Platz ist:


Screenshot 2026-03-22 at 20-30-17 DT 108 Klemme Wiriehorn - YouTube.png



Da frag’ ich mich schon des Öfteren, was hat der Konstrukteur eigentlich für einen Beruf erlernt?
 
Liftler1976 schrieb:
Da frag’ ich mich schon des Öfteren, was hat der Konstrukteur eigentlich für einen Beruf erlernt?
Im Gegensatz zu den meisten die es irgendwo im Internet jetzt meinen besser zu wissen, den eines Konstrukteurs :!:
Ich finde es empörend wie sich so einige jetzt für ein Technik Genie halten und plötzlich eine Konstruktion die weltweit über die letzten Jahrzehnte millionen Kuppelvorgänge und Stützenüberfahrten problemlos durchgemacht hat angezweifelt wird.
Der Platz mag eng sein, aber es wird einen Grund geben warum die Konstruktion so aussieht wie sie halt aussieht. Und es gibt eine Norm und Betriebsanleitung in der genau steht für welche Situationen der Betrieb der Bahn zulässig ist und welche nicht.
Wenn es bereits stürmt und auch eine Sturmwarnung ausgegeben wurde, dann gibt es keine "unerwartet starke Böe". Es ist mit gesundem Menschenverstand damit zu rechnen dass dann eine solche Böe auftreten kann.
Es ist ähnlich wie am Karren vergangenes Jahr, wenn ich diese Sturmfront schon heranrauschen sehe, dann lass ich die Kabine halt nicht mehr abfahren, auch wenn es die letzte ist bevor alle Leute unten gewesen wären.
Man hätte einfach nicht fahren dürfen. Es liegt am Betreiber sicherzustellen dass eine Situation die die klar definierten Grenzen des Systems überschreitet einfach nicht im Betrieb auftritt.
Ich finde es nicht in Ordnung wie und mit welcher Wortwahl du hier über den Konstrukteuer dieses bewährten Teils herziehst. Meine klare Meinung dazu :!:

Und ganz generell verstehe ich die Berichterstattung die teilweise fast klingt wie "muss die Sicherheit der Seilbahn an sich angezweifelt werden" absolut nicht. Die Wahrscheinlichkeit für einen Reifenplatzer ist höher als dass eine Klemme eine Fehlfunktion hat. Selbst das Flugzeug ist unsicherer als eine Seilbahn. Beim Neuwagen meines besten Freundes war die Mittelkonsole nicht am Fahrzeugboden festgeschraubt, beim Auto meines Vaters war eine Platikverkleidung am Unterboden nicht richtig festgeschraubt. Wenn ich daran denke, Gott bewahre will ich gar nicht wissen welche Schrauben an Autos vielleicht sonst noch so gar nicht angezogen sind 8O
Und trotzdem sitz ich täglich im Auto und auch regelmäßig in der Seilbahn.
Ich kann nur den Kopf schütteln was online gerade so abgeht bezüglich dieses Vorfalls. Wäre ich Hersteller oder Skigebietsbetreiber würde ich die ganzen ahnungslosen Spekulationen fast schon als Rufschädigung empfinden.
 
Reginleif schrieb:
Liftler1976 schrieb:
Da frag’ ich mich schon des Öfteren, was hat der Konstrukteur eigentlich für einen Beruf erlernt?
Im Gegensatz zu den meisten die es irgendwo im Internet jetzt meinen besser zu wissen, den eines Konstrukteurs :!:
Ich finde es empörend wie sich so einige jetzt für ein Technik Genie halten und plötzlich eine Konstruktion die weltweit über die letzten Jahrzehnte millionen Kuppelvorgänge und Stützenüberfahrten problemlos durchgemacht hat angezweifelt wird.
Der Platz mag eng sein, aber es wird einen Grund geben warum die Konstruktion so aussieht wie sie halt aussieht. Und es gibt eine Norm und Betriebsanleitung in der genau steht für welche Situationen der Betrieb der Bahn zulässig ist und welche nicht.
Wenn es bereits stürmt und auch eine Sturmwarnung ausgegeben wurde, dann gibt es keine "unerwartet starke Böe". Es ist mit gesundem Menschenverstand damit zu rechnen dass dann eine solche Böe auftreten kann.
Man hätte einfach nicht fahren dürfen. Es liegt am Betreiber sicherzustellen dass eine Situation die die klar definierten Grenzen des Systems überschreitet einfach nicht im Betrieb auftritt.
Ich finde es nicht in Ordnung wie und mit welcher Wortwahl du hier über den Konstrukteuer dieses bewährten Teils herziehst. Meine klare Meinung dazu :!:

Man darf nicht vergessen, hier ist jemand gestorben, und es gäbe eine Nachrüstung, die hier nicht vorhanden ist! Warum gibt es die Nachrüstung? Weil es bei der Klemme Fehler gibt!

Und das mit den Konstrukteuren meinte ich eher allgemein, wenn ich so manche Konstrukte sehe, zweifle des Öfteren an der Intelligenz der Menschheit, wie schon weiter vorher jemand geschrieben hat, z.B. Boeing 737 Max

Sicher hätte man nicht fahren dürfen, aber hier gibt es ja immer noch meist die Konfrontation Geschäftsführer versus Betriebsleiter, ich habe das seinerzeit live miterlebt.
Wir hätten oft nicht mehr fahren dürfen und hatten viel Glück, dass die Bahn so robust war! Ein paar Sesseln mussten wir dann halt "verschwinden" lassen...
Und die Behörde wurde natürlich nicht informiert...
 
Reginleif schrieb:
Liftler1976 schrieb:
Da frag’ ich mich schon des Öfteren, was hat der Konstrukteur eigentlich für einen Beruf erlernt?
Ich finde es empörend wie sich so einige jetzt für ein Technik Genie halten und plötzlich eine Konstruktion die weltweit über die letzten Jahrzehnte millionen Kuppelvorgänge und Stützenüberfahrten problemlos durchgemacht hat angezweifelt wird.
Sein Spruch war natürlich Polemik – doch das Problem liegt doch nicht beim Konstrukteur (Singular!), sondern bei der Kommunikation zwischen den Konstrukteuren der Klemmen und den Konstrukteuren der Rollenbatterien (incl. Seilfänger) – resp. bei der Chefetage, die entscheidet, welche Informationen die anderen auf welcher Ebene erhalten und was die Vorgaben für die anderen sind.
Der Platz mag eng sein, aber es wird einen Grund geben warum die Konstruktion so aussieht wie sie halt aussieht.
Wetten, daß entweder Klemme, oder aber Seilfänger, leicht anders aussehen würden, wenn die Konstrukteure der beiden Baugruppen von Anfang an die vorgesehenen Platzverhältnisse hätten besser kennen können ...
 
Reginleif schrieb:
Der Platz mag eng sein, aber es wird einen Grund geben warum die Konstruktion so aussieht wie sie halt aussieht. Und es gibt eine Norm und Betriebsanleitung in der genau steht für welche Situationen der Betrieb der Bahn zulässig ist und welche nicht.
Wenn es bereits stürmt und auch eine Sturmwarnung ausgegeben wurde, dann gibt es keine "unerwartet starke Böe". Es ist mit gesundem Menschenverstand damit zu rechnen dass dann eine solche Böe auftreten kann.

Da hat das Wetter wohl nicht die Betriebsanleitung gelesen.

Solche seltenen Unglücke sind meist das Resultat einer Verkettung mehrerer unglücklicher Umstände. Deswegen sollte die Technik so fehlertolerant und idiotensicher wie möglich gebaut werden. Weil man am Reißbrett gar nicht alle möglichen Betriebszustände erfassen kann.

Da ist eine Gondel abgestürzt, ein Mensch ist ums Leben gekommen. Möglicherweise wäre dies nicht passiert, wenn dieser Zylinder eine andere Spitze gehabt hätte, wenn es eine bessere Vorhersage über Winböen gegeben hätte oder wenn verschiedene Abteilungen oder Hersteller und Kunden besser miteinander kommuniziert hätten.

Besonders ärgerlich finde ich, dass es entsprechende Erkenntnisse zu der wahrscheindlichen Ursache gab und sogar eine Lösung angeboten wurde. Aber diese nicht umgesetzt wurde.

Kamikatze schrieb:
Am Ende des Tages sind Flugzeuge (aber auch Seilbahnen) so sicher, weil man draus gelernt hat. Und eben nicht nur ständig Ausreden gefunden hat.

Genau das ist der springende Punkt. Das Dümmste, was man jetzt machen könnte, wäre irgend jemandem die Schuld in die Schuhe zu schieben und alles so belassen, wie es ist.
 
Kakadu schrieb:
Reginleif schrieb:
Liftler1976 schrieb:
Da frag’ ich mich schon des Öfteren, was hat der Konstrukteur eigentlich für einen Beruf erlernt?
Ich finde es empörend wie sich so einige jetzt für ein Technik Genie halten und plötzlich eine Konstruktion die weltweit über die letzten Jahrzehnte millionen Kuppelvorgänge und Stützenüberfahrten problemlos durchgemacht hat angezweifelt wird.
Sein Spruch war natürlich Polemik – doch das Problem liegt doch nicht beim Konstrukteur (Singular!), sondern bei der Kommunikation zwischen den Konstrukteuren der Klemmen und den Konstrukteuren der Rollenbatterien (incl. Seilfänger) – resp. bei der Chefetage, die entscheidet, welche Informationen die anderen auf welcher Ebene erhalten und was die Vorgaben für die anderen sind.
Der Platz mag eng sein, aber es wird einen Grund geben warum die Konstruktion so aussieht wie sie halt aussieht.
Wetten, daß entweder Klemme, oder aber Seilfänger, leicht anders aussehen würden, wenn die Konstrukteure der beiden Baugruppen von Anfang an die vorgesehenen Platzverhältnisse hätten besser kennen können ...
Wer die Normen kennt und ein Lineal zur Hand hat, kann sich aus dem Freigängigkeitsnachweis des alten SUST-Berichts leicht herauszeichnen, dass es für den Seilfänger keine eindeutig bessere Lösung gibt. In jedem Lösungsansatz muss man irgendwo Abstriche machen, hier zwischen nicht erforderlicher größerer Freigängigkeit einserseits und den normativ erforderlichen geometrischen Verhältnissen am Seilfänger andererseits - letztere auch unter Berücksichtigung der Festigkeit (eine Seilentgleisung entspricht energetisch in etwa einer Handgranate). Im Übrigen werden auch Seilfänger für den Entgleisungsfall so ausgelegt, dass das Passieren der Klemme vorzugsweise bei guter Führung und guter Lage des Seiles möglich ist...
Die Flächen stoßen auch nicht, wie behauptet, wie "Hammer und Amboss" aufeinander, sondern in einem ehere flachen Winkel - es ist keineswegs intuitiv, dass es hier aufgrund der Werkstoffeigenschaften zum Schaben und Verhängen kommt. Hier von Unfähigkeit oder gar Fahrlässigkeit auf konstruktiver Seite zu sprechen, ist schon ein starkes Stück.
Und selbst wenn man das alles berücksichtigt hätte... bei diesen Windböen wäre auch eine Kollision auch mit anderen Bauteilen ggf. tödlich verlaufen, bei solchen Verhältnissen zu fahren ist einfach russisch Roulette, zumal die Unberechenbarkeit des Wetters in den letzten Jahren nur schlimmer geworden ist. Man wird sehen, was der Richter dazu sagt.
Btw.: dass ausgerechnet ich einmal die unmoralischen Götter in Blau verteidigen würde, hätt ich auch nie für möglich gehalten.
NeusserGletscher schrieb:
Da ist eine Gondel abgestürzt, ein Mensch ist ums Leben gekommen. Möglicherweise wäre dies nicht passiert, wenn dieser Zylinder eine andere Spitze gehabt hätte, wenn es eine bessere Vorhersage über Winböen gegeben hätte oder wenn verschiedene Abteilungen oder Hersteller und Kunden besser miteinander kommuniziert hätten.
Besonders ärgerlich finde ich, dass es entsprechende Erkenntnisse zu der wahrscheindlichen Ursache gab und sogar eine Lösung angeboten wurde. Aber diese nicht umgesetzt wurde.
EU-Seilbahnverordnung (k.A., wie die Schweizer das handhaben):
Sofern sie dies angesichts der von einem Teilsystem oder Sicherheitsbauteil ausgehenden Gefahren für angemessen betrachten, führen die Einführer zum Schutz der Gesundheit und Sicherheit von Fahrgästen, Betriebspersonal und Dritten Stichproben von auf dem Markt bereitgestellten Teilsystemen oder Sicherheitsbauteilen durch, prüfen die Beschwerden und führen gegebenenfalls ein Verzeichnis der Beschwerden, der nichtkonformen Teilsysteme und Sicherheitsbauteile und der Rückrufaktionen solcher Teilsysteme und Sicherheitsbauteile und halten die Händler über diese Überwachung auf dem Laufenden.
[...]
Hersteller, die der Auffassung sind oder Grund zu der Annahme haben, dass ein von ihnen in Verkehr gebrachtes Teilsystem oder Sicherheitsbauteil nicht dieser Verordnung entspricht, ergreifen unverzüglich die erforderlichen Korrekturmaßnahmen, um die Konformität dieses Teilsystems oder Sicherheitsbauteils herzustellen, es gegebenenfalls zurückzunehmen oder zurückzurufen. Außerdem unterrichten die Hersteller, wenn mit dem Teilsystem oder Sicherheitsbauteil Gefahren verbunden sind, unverzüglich die zuständigen nationalen Behörden der Mitgliedstaaten, in denen sie das Teilsystem oder Sicherheitsbauteil auf dem Markt bereitgestellt haben, darüber und machen dabei ausführliche Angaben, insbesondere über die Nichtkonformität und die ergriffenen Korrekturmaßnahmen.
Sofern der Hersteller hier nicht explizit von Rückruf, Nichtkonformität (was m.M.n. sowieso nicht zutrifft) oder Betriebsgefahr gesprochen hat, kann man dem Betreiber m.E. keinen Vorwurf machen. Die Behörde sah ja scheinbar ebenfalls keinen Anlass.
 
Reginleif schrieb:
Wenn es bereits stürmt und auch eine Sturmwarnung ausgegeben wurde, dann gibt es keine "unerwartet starke Böe". Es ist mit gesundem Menschenverstand damit zu rechnen dass dann eine solche Böe auftreten kann.
Das Wetter hält sich leider nicht an Richtlinien und Anleitungen, welche der Mensch geschrieben hat! Wenn nun eine Sturmfront beispielsweise viel schneller vorrückt als erwartet und die Zeit zum leer fahren nicht mehr reicht, nützen auch Sturmwarnungen leider nur bedingt. Du kannst als Seilbahnbetreiber rechtlich gesehen alles richtig machen, doch die Natur kann dich trotzdem immer ausspielen! Das nur als Grundsatz, ich will nicht behaupten, dass dies im konkreten Fall auch so war. Will es aber auch nicht ausschliessen.

Es ist menschlich, dass man für jedes Unglück einen oder mehrere Verantwortliche sucht, den oder die man zur Rechenschaft ziehen kann. Doch damit droht die Gefahr der Vorverurteilung. Warten wir das offizielle Ergebnis der SUST ab, bevor wir mit dem Finger auf jemanden zeigen!
 
GMD schrieb:
Reginleif schrieb:
Wenn es bereits stürmt und auch eine Sturmwarnung ausgegeben wurde, dann gibt es keine "unerwartet starke Böe". Es ist mit gesundem Menschenverstand damit zu rechnen dass dann eine solche Böe auftreten kann.
Das Wetter hält sich leider nicht an Richtlinien und Anleitungen, welche der Mensch geschrieben hat! Wenn nun eine Sturmfront beispielsweise viel schneller vorrückt als erwartet und die Zeit zum leer fahren nicht mehr reicht, nützen auch Sturmwarnungen leider nur bedingt. Du kannst als Seilbahnbetreiber rechtlich gesehen alles richtig machen, doch die Natur kann dich trotzdem immer ausspielen!

Puh, also in der heutigen Zeit mit hunderten Webcams in jeder Richtung wo das Wetter herkommen kann und Wetterradar, welches im 5 Minuten Takt aktualisiert, von einer Sturmfront überrascht zu werden ist in meinen Augen tatsächlich Unfähigkeit. Selbst ich als meteorologisch interessierter Laie kann ohne kostenpflichtige Tools auf +/- 15 Minuten genau sagen wann es Zeit wird den Weg ins Tal anzutreten bei angesagt eintreffender Kaltfront...
 
Bei allem Respekt, aber du wärst nicht der erste, der von seiner Fortschrittsgläubigkeit überzeugt von der Gewalt der Natur überrascht würde! Wir Menschen müssen uns endlich vom Gedanken lösen, dass wir die Natur berechnen, vorhersagen oder gar beherrschen können! Gerade in den Bergen kann sich das Wetter extrem schnell ändern. Von Sonnenschein zu Gewitter in einer Viertelstunde, abrupte Sturmböen aus heiterem Himmel, das Repetoire ist schier unerschöpflich!

Edit: Rechtschreibung
 
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