Ein sehr interessantes Interview mit dem Chef der Stubaier Gletscherbahnen der sich anscheinend entschieden gegen den Ausbau von Mutters wehrt
"Wir müssen die Gletscher füttern"
20.000 Wintersportler kommen pro Wochenende auf den Stubaier Gletscher. Laut Heinrich Klier haben Skigebiete ab 1600 Meter keine Überlebenschance.
TT: 1973 haben Sie trotz lauter Kritik das Stubaier Gletscherskigebiet eröffnet. Dreißig Jahre später können Sie sich über 1,25 Millionen Gäste pro Jahr freuen. Sind Sie stolz auf Ihr Projekt?
Klier: Das wäre der falsche Ausdruck. Ich komme aus einfachem Haus und wurde sehr sparsam erzogen. Ich habe nie einen Schilling Förderung vom Land bekommen. Man verspürt ein tolles Gefühl, wenn man mit der eigenen Seilbahn fährt. Allerdings sehe ich immer wieder Dinge, die verbessert gehören.
TT: An welche Veränderungen denken Sie?
Klier: Ideal wären eigene Abfahrten für Carver und Snowboarder. Ein Grund ist die Tatsache, dass man mit Carvern, die den klassischen Alpinski so gut wie ersetzt haben, mehr Platz braucht.
Mehr Beschneiung
TT: Denken Sie an eine Skigebietserweiterung?
Klier: Stimmt, Pläne für eine Bahn auf das hintere Daunjoch liegen in der Schublade. 2004 werden alle Kräfte in neue Beschneiungsanlagen gehen. Die Investition liegt bei über 80 Mio. Euro. Diesen Sommer mussten wir erstmals die Gletscher beschneien. Wir füttern sie sozusagen und betreiben aktiven Gletscherschutz.
TT: Wie sehr haben die tropischen Temperaturen dem ewigen Eis zugesetzt?
Klier: Es war zum Weinen. Die Gletscher haben um bis zu acht Meter abgenommen. Wir können die Klimaerwärmung nicht mehr wegdiskutieren. Meteorologe Karl Gabl hat für uns eine Studie erstellt, wonach 2100 nur mehr in den Tiroler Gletscherregionen Ski fahren möglich sein könnte. Ich glaube nicht, dass sich die Hitze dieses Sommers wiederholt.
Aus für Skigebiete
TT: Was bedeutet diese Entwicklung für Tirol?
Klier: Skigebiete unter 1600 Metern werden nicht überlebensfähig sein. Schon jetzt geben Banken kaum noch Kredite für solche Anlagen. Deshalb auch meine Kritik an der neuen Bahn in Mieders und den Ausbauplänen um die Mutterer Alm. Für das Skigebiet Mutterer Alm mit einer Verbindung zur Axamer Lizum sollen 20 Hektar Schutzwald geschlägert werden. Das hat es in Tirol noch nie gegeben und wäre tourismuspolitisch ein Wahnsinn.
TT: In der Regierungserklärung wurden Zusammenschlüsse von Gletschern nicht ausgeschlossen. Gibt es dafür Notwendigkeiten?
Klier: Touristisch sinnvoll wäre nur ein Zusammenschluss vom Ötz- und Pitztaler Gletscherskigebiet.
TT: Was erwarten Sie sich von der neuen Regierung tourismuspolitisch?
Klier: Vor allem vernünftige Lösungen mit Weitblick. Man muss anders agieren als bisher. Schon ein alter Bauernspruch sagt, heuen muss man dort, wo Gras wächst. Das heißt, man muss Förderungen auf Räume konzentrieren, wo es intensiven Tourismus gibt. Tirol wird in zwei Regionen fallen: In der einen gibt es eine moderne Industriegesellschaft, in der anderen besteht das Ferienland Tirol.
TT: An den vergangenen Wochenenden zählte der Stubaier Gletscher jeweils rund 20.000 Wintersportler. Was zieht die Leute an?
Klier: Ich muss ein perfektes Produkt anbieten - und das beginnt am Parkplatz mit dem Lächeln des Platzeinweisers. Wir setzen auf Kundenzufriedenheit durch Mitarbeiterfreundlichkeit. Dazu gehört eine kameradschaftliche Führung - ich bin mit allen Mitarbeitern per Du. Was in Tirol zudem oft falsch eingeschätzt wird: Der Gast braucht nicht großartige Events - das wird übertrieben. Was wieder zählt, ist die Natur. Die Leute sollen über die Bergwelt staunen - und das tun sie auch. Deshalb habe ich die Berieselungsmusik an den Schneebars und bei den Liften abgestellt.
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Das Gespräch führten Frank Staud und Irene Rapp.
... obwohl ich befürchte das die 80 Mio Euro für die Beschneiungsanlage doch ein Fehler im Zeitungsartikel waren, aber auch mit 6 Mio kann man schon einige km Piste beschneien 
