Doping im Radsport
D'Hont rudert zurück
Ullrich doch nie persönlich gespritzt - Ex-Masseur kündigt weitere Aussage an
Der frühere Telekom-Masseur Jef D'Hont hat seine massiven Doping-Vorwürfe gegen Jan Ullrich wieder etwas zurückgenommen. Der Belgier sagte, dass er Ullrich nie persönlich eine EPO-Spritze gesetzt habe. Er wolle aber bald mehr zu dem Thema sagen.
Zuvor hatte D'Hont den Tour-Sieger von 1997 noch schwer belastet. "In Frankreich habe ich ihm einmal das Mittel gespritzt. Ich habe es ihm in den Arm gespritzt. Das dauert ungefähr zehn Sekunden, das ist so, als ob man einem zuckerkranken Patienten Insulin gibt", sagte D'Hont der Bild am Sonntag.
Ullrich schweigt weiter
Im niederländischen Radiosender NOS ruderte D'Hont dann wieder ein Stück zurück. In dem populären Sportprogramm "Langs de Lijn" erklärte der Belgier, dass er persönlich Ullrich nie EPO verabreicht habe. Auf die Frage des Moderators, wer Ullrich denn nun gespritzt habe, gab D'Hont keine eindeutige Antwort. Er kündigte allerdings an, in drei Wochen mehr zum Thema Jan Ullrich zu sagen.
Ullrich setzt sein Schweigen derweil fort. "Wir haben zu der Sache nichts zu sagen", sagte sein Manager Wolfgang Strohband gegenüber "Spiegel online". "Sie werden von mir kein Dementi hören, und eine Pressekonferenz ist auch nicht geplant."
Geständnisse ausgelöst
D'Hont hatte mit seinem Buch das Ausmaß des Dopings im Spitzenradsport enthüllt und die Geständnisse der vergangenen Tage ausgelöst. "Ich weiß nicht, ob er jemals Doping wollte. Aber er hat damals mitgemacht, weil es alle taten", sagte D'Hont über Ullrich.
Dennoch zollte D'Hont Ullrich großen Respekt: "Wenn alle sauber gewesen wären, hätte Ullrich zehnmal die Tour gewonnen. Mindestens!" Ullrich hat bislang immer bestritten, zu unerlaubten Mitteln gegriffen zu haben: "Ich habe nie jemanden betrogen oder geschädigt."
Morddrohung erhalten
D'Hont habe nach seinen Enthüllungen sogar eine Morddrohung erhalten. "Einmal, am Telefon. Ein Mann hat gesagt: Ich mach dich kaputt, ich mach dich tot. Das war ein Belgier, der seine Telefonnummer nicht unterdrückt hatte. Das habe ich nicht ernst genommen", sagte der Betreuer, der nach seiner Buch-Veröffentlichung auch einen Anruf vom inzwischen geständigen Ex-Telekom-Fahrer Udo Bölts erhalten hatte: "Er fragte mich: Komme ich auch vor? Und: Musst Du die Ärzte so belasten?"
Dass D'Hont, dessen Buch in Belgien auf Platz eins der Bestsellerlisten steht, erst jetzt auspackt, lag daran, dass sein Sohn lange Zeit als Betreuer beim Telekom-Team angestellt war. Er hoffe nun, dass auch in anderen Ländern, Teams auspacken werden. "Dort ist Doping auch Bestandteil, das weiß ich."
Betrugsverdacht nicht ausgeräumt
Bereits am Freitag haben die Anwälte Ullrichs erneut Widerspruch gegen die Überstellung von Beweismitteln an die deutsche Justiz eingelegt. "Der Einspruch ist jetzt bei uns eingegangen", sagte die Bonner Staatsanwältin Monika Ziegenberg der "Süddeutschen Zeitung". Nachdem ein Schweizer Gericht dem Rechtshilfeersuchen der ermittelnden Bonner Staatsanwaltschaft stattgegeben hatte, nutzten die Ullrich-Anwälte die Berufungs-Frist bis spätestens diesen Samstag.
Die Beweismittel waren bei einer Razzia auf Ullrichs Anwesen im schweizerischen Scherzingen sichergestellt worden. Die Staatsanwaltschaft in Bonn ermittelt wegen des Verdachts des Betrugs. Zur Möglichkeit, dass sich die jüngsten Doping-Geständnisse einer Reihe seiner ehemaligen Kollegen des damaligen Team Telekom positiv auf Ullrich auswirken könnten, weil von einer Täuschung nicht die Rede sein könne, sagte Ziegenberg: "Nur der Umstand, dass es alle gemacht haben, schließt eine Täuschung nicht aus."
Mit Material von dpa und sid