jens.f schrieb:
Die Frage ist also:
Hätte der Techniker ahnen können oder müssen, das der Heizlüfter eine Gefahr darstellt?
Ich sage mal "ja", dafür wird der ausgebildet und bezahlt. Handeln nach Norm alleine ist nicht ausreichend. Das Gesetz kennt daher sehr wohl das Handeln "nach den Regeln der Technik". Das Primat "Handeln nach den Regeln der Technik" ist daher vielfach im Arbeitsvertrag con Fachkräften explizit festgehalten. Handeln nach den Regeln der Technik schliesst das Einhalten von Normen ein, und -das ist das wesentliche- geht auch darüber hinaus. D.h. man muß
Regeln ableiten können, auch wenn es (noch) keine explizite Normen dazu gibt. Alles andere ist Trial and Error.
Ist ja wohl logisch oder?
Habe das einige Seiten vorher bereits dargestellt: Die Frage ist auch, ob die Betriebskultur ein Nachdenken und Hinterfragen überhaupt zulässt. Das ist im österreichischen "Wir-Sind-Uns-Alle-Lieb" Betriebsdogma alles andere als gegeben.
Ich befand mich als junger Ing. in genau dieser Situation vor jetzt etwa 15 Jahren, dass ich Schwierigkeiten bekommen habe, eben weil ich nachgedacht habe. Weil ich den Dingen auf den Grund ging, nächtens Schaltpläne studiert habe die keiner mehr ansah weil man das einfach so verwendete obwohl die intrinsisch unsicher waren. Beispielsweise Analogreglerkarten (gabs damals tatsächlich noch...) zur Antriebsansteuerung für Pendelbahnen (u.a.): Klebte da ein Printrelais im falschen Moment fest, würde nach einem Nulldurchgang statt einem "Rückwäts" ein "Vorwärts" der folgenden Leistungselektronik vorgesetzt (wenn ich mich recht erinnere). Oder das Einstellen der Länge der Blockabschnitte (Weglänge) zur Sicherung gegen Zusammenprallende KSB Sessel im Stationsumlauf: Man sendete Einstelldaten vom PC an eine SPS ohne zu prüfen ob die Daten tatsächlich in der SPS ankamen. Abgelesen wurde auch nur am PC.... Oder die Bemessung der Leitungsquerschnitte für die Nachtbeleuchtung einer Sesselbahn: Es ergab sich ein derart großer erforderlicher Leitungsquerschnitt (230V, ein Dutzend Masten über 1...2km Länge, einige 100W pro Masten waren vorgegeben), dass man einfach ein dünnes genommen hat und die Masten aufgrund des Spannungsabfalls allenfalls wie Weihnachtsbäume vor sich her geglimmt hätten....ich erinnere mich noch zu gut an die Gespräche ....(Dem Gesetz wurde offensichtlich mit der nominalen Wattzahl der Lampen genüge getan). Es gab SPS Programmschnippsel, bei denen keiner mehr die Zusammenhänge und Wirkweisen (Personalfluktuation) Sattelfest beherrschte geschweige denn dokumentieren konnte, Programmteile die aber sets per per copy & paste weiter verwendet wurden, in Trial and Error Verfahren.
Und und und....
Kurz: Ich nervte, so wie hier auch im Forum.
Das erste was ich Jahre später tat, als ich von dem Unglück in Kaprun erfuhr, ist nachzusehen welche Firma das Ding elektrisch ausgerüstet hat...war zum Glück eine andere...
Nene, Nachdenken ist oft verdammt gefährlich.... Dumm sein erleichtert paradoxerweise das eine oder andere. Ich bin froh, nicht mehr in dem Laden zu sein. Passt aber letztendlich gut zu dem Vorgehen der Gerichte offensichtlich, die arbeiten ähnlich opportun. Wieder was neues gelernt diese Tage.
Ich habe mir damals Ordner angelegt, in denen ich sämtliche mangelhaft oder vollständig undokumentierten Pläne/Listings mit denen ich zu tun hatte, kopierte, ablegte, und akribisch genau Dokumentierte. Wenn es sein musste jeden Programmzeile, jeden Pin. Gab es keine Textuelle Doku zu den Innereien eines Subsystems, habe ich dieses analysiert, bis auf Transistorebene runter. Ditto für Software. Das tat damals keiner, es konnte wohl auch keiner mehr, alleine aus Zeitmangel.
Man wusste ja "dreh am Anfang den Regler auf Position 8, den anderen dann auf 2 usw...". Mir hat das halt nicht gereicht, ich hatte da Schiss die Dinge einfach so ohne Wissen zu übernehmen. Immerhin hangen da schon mal 100 oder 200kW Antriebsleitung dran. Zumal- und das war das erschreckende- es die anderen auch nicht im Detail wussten.
Die hatten viel Erfahrung wie sich die Systeme außen verhalten, aber nicht unbedingt sicheres Wissen über das Zustandekommen des beobachteten Verhaltens. Vielleicht reichte es ja für sie aus, für mich nicht. Wenn man Systeme zusammenstellt, so meine ich, muss man sehr wohl auch das Gesamtsystem verstehen, um zB. Grenzverhalten antizipieren können.
Meistens geht das Trial and Error ja gut, weil irgendwo noch irgendeine weitere Schaltlogik einschreitet, die dann den Fehler erkennt und das System in einen sicheren Zustand versetzt....aber falls das mal nicht so ist... gute Nacht.
Wie dem auch sei, als ich mein Büro räumte, nahm ich den wichtigsten Ordner mit all den erstellten Dokumentationen mit, viele Diagramme und klitzekleine Kommentare, und versank den Inhalt süffisant in einem Papierkorb in der Mitte eines großen Parkplatzes eines EKZ...ha! Habe ich gejubelt!
Zurück zur Frage, ob die Konstrukteure des SSB Fahrzeugs das Risiko hätten erkennen müssen:
Wenn man dem österreichischen Rechtsverständnis nach von einem Ing. bzw. ausgebildeten Elektriker nicht zu erwarten braucht, dass dieser weise genug ist um keinen grazilen Haushaltslüfter (welcher 2kW an Leistung umsetzt) in einen SSB-Wagen einzubauen, noch dazu in unmittelbaren Kontakt zu drei Strängen an Kunststoffleitungen in denen sich unter hohem Druck leicht entzündbares Öl befindet..... ja dann weiss ich auch nicht mehr weiter...
Nehmts eure Fahrbetriebsmittel doch mit ins Bett (sorry ...).
Wäre dem tatsächlich so, könnte man weder Flugzeug noch Auto beruhigt besteigen. Zum Glück kann man das aber
So, und nun weiss der geneigte Leser vielleicht etwas über mein Verhältnis zum Thema...das ich jetzt wieder schnell vergesse...
@Dachstein: Wunder Dich mal nicht...ich habe seit einigen Jahren mit W. genügend zu tun, um das Wesen von selbiger hinreichend zu verstehen....das tut aber hier nichts zur Sache.