BBI-Baubeginn: Erster Spatenstich auf ILA - Wirtschaft hofft auf Aufträge für 300 Millionen Euro
19.3.2006, Potsdam/Berlin (ddp-bln). Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) spricht sich für einen baldigen Start der Arbeiten für den Großflughafen Schönefeld aus. Der erste Spatenstich sollte schon im Mai während der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) stattfinden, sagte Platzeck der «Märkischen Oderzeitung» (Samstagausgabe). Der Vorschlag müsse noch mit der Berliner Seite abgestimmt werden. Der Termin biete die einmalige Chance, die Bauarbeiten symbolisch vor großem internationalem Publikum zu starten.
Die regionale Wirtschaft rechnet beim Bau des Großflughafens mit Aufträgen von 300 Millionen Euro. «Ich gehe davon aus, dass unsere Unternehmen sich 15 Prozent vom Kuchen abschneiden können», sagte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus, Joachim Linstedt. Die Cottbuser IHK betreut im Auftrag der Kammern in Berlin und Brandenburg die so genannte Bieterliste. Bisher ließen sich laut Linstedt bereits 300 Betriebe eintragen. Er rechne in der Bauphase mit jährlich 7000 zusätzlichen Jobs durch den Airport.
Das Bundesverwaltungsgericht hatte am Donnerstag den Ausbau des Flughafens Schönefeld unter Auflagen genehmigt. Dazu gehört ein Nachtflugverbot in der Zeit von Mitternacht bis 5.00 Uhr. Unterdessen kündigte die Linkspartei an, die Interessen der Anwohner zu vertreten. «Die brandenburgische Linkspartei.PDS sieht sich als Anwalt für die Durchsetzung der vom Gericht geforderten Auflagen und insbesondere für die Einhaltung des Nachtflugverbotes», sagte der Landesvorsitzende Thomas Nord. Zugleich forderte er die Ausschreibung kleiner Lose, damit auch klein- und mittelständische Unternehmen der Region berücksichtigt werden.
Wegen des Nachtflugverbots erwägt der Chef der Fluggesellschaft Air Berlin, Joachim Hunold, laut einem Pressebericht, seine Flugzeugflotte nicht mehr in Berlin zu stationieren. »Derzeit landen durchschnittlich zehn Air Berlin-Maschinen zwischen 22.00 und 23.00 Uhr in Tegel und eine in Schönefeld. Die müssten wir - inklusive der davor stattfindenden Abflüge - aus dem Flugplan streichen, wenn ein planmäßiger Verkehr nach 22.00 Uhr auf dem BBI nicht erlaubt wäre«, sagte er.
Da sein Unternehmen für das Jahr 2011 die Stationierung von mindestens 22 Flugzeugen in Schönefeld geplant habe, würde sich die Zahl noch verdoppeln, fügte er hinzu. Es stelle sich dann die Frage, ob die Stationierung von Flugzeugen in Berlin überhaupt noch Sinn macht oder ob man die Hauptstadt »nur noch im Rahmen von Umläufen mit Jets anfliegen soll, die anderswo stationiert sind«, sagte Hunold. Er befürchte, dass die Wirtschaftlichkeit des Flughafens und der Airlines unter den Gerichtsauflagen leiden werden.