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Luftfahrt Topic

Auf MS Windows komme ich später zurück, ggf. in einem anderen Topic. Grosses Problem ist das weltweite Common Cause Risiko in unzähligen verschiedensten Bereichen.


Was genau bei Skyguide passierte ist weiterhin unklar. Diverse Angaben der CH Medien waren falsch oder zumindest sehr ungenau. Selbst gewisse Aussagen eines Skyguide Presseprechers erschienen mir entweder formal falsch (implizit bzgl. Single Point of Failure in einer Redundanten Netzwerkkonfiguration) oder zu wenig formal formuliert.

Mal den Untersuchungsbericht abwarten, die SUST (Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle) befasst sich mit dem Zwischenfall.

Soweit steht (angeblich) fest, dass ein Ethernet Switch eine Fehlfunktion aufwies, ob dies wirklich rein hardwarebedingt war (also kein Firmwareproblem, in gewissen Fällen können Firmwarefehler von reinen Harwarefehlern nicht klar unterschieden werden) ist nicht 100 % Sicher, vermute aufgrund diverser direkten Aussagen von Skyguide (also nicht umformulierte Wiedergaben der Medien), dass es sich um einen Hardwareausfall handelte.
Eine Cyberattacke wurde volräufig ausgeshlossen, jedoch warte ich auch hier auf eine formale Bestätigung. Rein theoretisch kann man durch Remote Access einiges umkonfigurieren und in gewissen Fällen sogar Hardware beschädigen oder Fehler erzeugen, die dann als Hardwarefehler interpretiert werden obwolh die Hardware nicht beeinträchtigt wurde.

Dass irgendeine Netzwerkkomponente ausfällt gehört zu den üblichen zu erwartenden Zwischenfällen, mehr als unkritisch beeinschränkende Auswirkungen sollten aufgrund der üblichen Redundanzen dann auch nicht auftreten.
Die Sicherheitsrelevanz der Flugsicherung erlaubt hoffe ich mal keinen Single Point of Failure, solche Netzwerke haben nichts mit den 08/15 Spielereien der allgegenwärtigen Bastelinformatikern zu tun (so etwa MS Softwareingenieur Kindergartenniveau) und die müssen auch sehr strikte konfiguriert werden und regelmässig müssen die Redundanzen dann auch getestet werden.

Grundsätzliche Frage ist, weshalb das Backupsystem nicht funktionierte. Wie die funktionnelle Redundanz ausgeführt ist, wurde nicht näher erläutert.

Als Vergleich, wobei in der Aviatik spezifische Regeln gelten: In kritischen Industriebereichen sind 3-fach modulare redundante Sicherheitssteuerungen (TMR) üblich, bei sehr hohen Verfügbarkeitsanforderungen werden sogar 4-fach redundante Systeme eingesetzt (QMR). Aus Kostengründen sind i.d.R. je nach Kritikalität nur Teile von Steuerungen in der jeweiligen Anforderungsstufe ausgeführt, nicht die gesamte Steuerung.

Ziel solcher Steuerungsarchitekturen ist es, einerseits eine unterbruchsfreie (rückwirkungsfreie) Fehlertoleranz zu gewährleisten und andererseits können einzelne Subsysteme während dem Betrieb gestestet werden in dem Fehler gewollt generiert werden, die jedoch rückwirkungsfrei unterdrückt werden (z.B. durch Voting, siehe auch Partial Stroke Tests im Prozessbereich). Hier mal vereinfacht beschrieben.

Als Grund weshalb das Backupystem nicht auslegungsgemäss funktionierte, könnte ich mit Probleme bei den Netzwerkparametrierungen vorstellen. Ist jedoch eine reine Vermutung meinerseits. Aus eigener Erfahrung gehe ich davon aus, dass bei Netwerkproblemen die Ursache häufiger im Bereich der Paramtrierung zu suchen ist, als das echte Hardwarefehler auftreten.

Im EDV-Bereich kann eine hohe Verfügbarkeit nur durch Redundanz erreicht werden. Bei der Sicherheit sind die Meinungen geteilt, IMO gewichtet man zuwenig die Diversität, leider werden aus Kostengründen immer mehr homogene Systeme eingesetzt.

Der militärische Bereich der Skyguide Flugüberwachung wurde nicht beeinträchtigt. Die NOTAMs wurden durch die Österreicher ausgegeben (gem. Medien). Habe die Einzelheiten nicht näher verfolgt, werde wie erläutert auf die Berichte warten.

Wäre interessant zu wissen, was wie genau beeinträchtigt wurde, u.a. auch die Bildschirmanzeigen und der Funkverkehr.
 
Lagorce schrieb:
CH Luftraum vorübergehend geschlossen.
Diesen Unsinn hat Skyguide in einer Medienmitteilung verbreitet und die Medien haben dies 1:1 übernommen. Völliger Quatsch. Erstens waren nur die Flugverkehrsleitstellen Genf und Zürich betroffen (IFR-An-/Abflüge und -Überflüge) und zweitens kann ausschliesslich der Schweizer Bundesrat einen Luftraum sperren.
Ich war zu genau diesem Zeitpunkt VFR zwischen Buochs und Payerne unterwegs. Beide Skyguide-Stellen, wie auch alle anderen regionalen Skyguide-Einheiten arbeiteten völlig normal.
 
Das militärische System blieb im Betrieb. Angeblich war nur GVA betroffen (nicht ZRH), aus Sicherheitsgründen wurden jedoch beide Flughäfen für An- und Abflüge gesperrt (dixit Skyguide Angestellte in Interviews). Für sachdienliche Infos wird man auf die Berichte warten müssen, gewisse Infos der Medien waren falsch und zudem waren auch gewisse Aussagen vom Skyguide Presseprecher formal technisch betrachtet falsch.

Vollredundante vernetzte Systeme sind nicht so selten, nur müssen die auch entsprechend gestestet werden, z.B. durch Ausschalten von Komponenten, Lösen von LWL-Steckerverbindungen, usw. Ähnlich wie bei Netzersatzanlagen bei denen man oft nicht mit mittelspannungsseitiger Abschaltung (Oberspannungsseite der Netztrafos) testen wagt, zumindest nicht mehr nach der Erstabnahme.

Bei Skyguide gehe ich davon aus, dass die Menge der effektiv in Echtzeit zu übertragenden systemkritischen Daten recht gering ist (meine damit natürlich nicht die Rohdaten von Radarsystemen, da diese lokal vorverarbeitet werden).


Bzgl. Aviatik hat es mich allerdings stets erstaunt, wie gross die Probleme mit dem Gepäck sind. Weshalb man nicht seit langem auf RFID Tags gesetzt hat und einigermassen zuverlässige Logistiksysteme in einem Milliardengeschäft einsetzt, ist mir nach wie vor ein Rätsel. Hatte selbst mehrmals Gepäckprobleme, besonders oft mit British Airways. Im Vgl. ist FedEx und sogar die CH Post zuverlässiger und dies ohne RFID und in einem weniger kontrollierten Umfeld.

Zu Sicherheitslücken kann ich mich nicht öffentlich äussern, da gibt es je nach Flughafen doch einige Unterschiede.
Zudem mal abwarten wo vereinzelte für den Einsatz in der Ukraine vorgesehen MANPADS und NLAWS nach Kriegsende auftauchen werden. Frage mich, weshalb die (zumindest US-made) Flugkörper nicht vom US DoD mittels GPS deaktiviert werden können. GPS Empfänger ist entweder bereits vorhanden oder kostet fast nichts und sowas ist technisch problemlos ausführbar.
 
Lagorce schrieb:
Das militärische System blieb im Betrieb. Angeblich war nur GVA betroffen (nicht ZRH), aus Sicherheitsgründen wurden jedoch beide Flughäfen für An- und Abflüge gesperrt
Nicht nur Departure und Arrival, sondern auch die ACC (Überflüge) waren betroffen. Drum war der Schweizer Luftraum quasi leer. Mein Flug von Buochs nach Payerne erntete deswegen extreme Beachtung und wurde weltweit (!) auf Radar24 der meist angeklickte Flug an diesem Tag. Es wunderten sich wohl alle, wieso da noch ein Flugzeug unterwegs war:
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Ja, es wird eine ausführliche Untersuchung geben. Und auch das Schweizer Luftraumkomittee, in dem ich als Verteter der Hängegleiter Einsitz habe, ist sehr am Ergebnis interessiert. Das, was in diesem Fall gelaufen ist, geht gar nicht. Skyguide hatte mangels funktionierenden System Austrocontrol beauftragt, den Schweizer Luftraum für VFR und IFR via Notam zu sperren. Sowas darf Skyguide nicht. Wie bereits geschrieben kann dies nur der Bundesrat. Aber dessen verlängerter Arm, das BAZL, hat leider keinen Pikett-Dienst, der nachts um 3 Uhr, als das Problem erkannt wurde, etwas hätte entscheiden können. Auch dieser Umstand muss geändert werden.
Jedenfalls gab es Gleitschirm-Piloten, die sich wegen diesem Notam nicht mehr trauten, fliegen zu gehen. Formal korrekt, faktisch völliger Unsinn.
 
Anderes Thema. Passend zum Alpinforum:
Edelweiss hat gestern einen „neuen“ Airbus A320 mit dem Namen „Madrisa“ in Betrieb gesetzt. Er ist zwar schon neunjährig, flog vorher unter anderem Namen bei Swiss und wurde nun neu bemalt. Mein Schatz ski-andy, passionierter Spotter, musste ihn heute unbedingt fotografieren. Da wir grad auf Ibiza weilen, erfolgte dies heute Abend hier:
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? Wieso aus der Zeit gefallen? Leider nicht ganz die Hälfte der Zeit wie bei der Concorde, aber dennoch eine tolle Sache. Wobei es natürlich ein bisschen ein Problem bei so kurzen Routen aus Nordamerika nach Europa ist, da ist es von der Ostküste eh schon kurz genug. Kaum hat man sich gemütlich hingelegt, ist man schon da. Nachtflüge unter 10 Stunden sind eh nicht so schön finde ich. Aber wahrscheinlich müsste man dann die Flugzeiten anpassen.

@ski-chrigel: Bist Du mal Concorde geflogen?
 
br403 schrieb:
? Wieso aus der Zeit gefallen? Leider nicht ganz die Hälfte der Zeit wie bei der Concorde, aber dennoch eine tolle Sache. Wobei es natürlich ein bisschen ein Problem bei so kurzen Routen aus Nordamerika nach Europa ist, da ist es von der Ostküste eh schon kurz genug. Kaum hat man sich gemütlich hingelegt, ist man schon da. Nachtflüge unter 10 Stunden sind eh nicht so schön finde ich. Aber wahrscheinlich müsste man dann die Flugzeiten anpassen.

@ski-chrigel: Bist Du mal Concorde geflogen?

Aus der Zeit gefallen, weil der Mehrverbrauch nicht in die Zeit passt ;) Natürlich wärs toll in 10 Stunden in Australien oder Neuseeland zu sein ;)
 
Das Magazin geht da hart ins Gericht. Technisch kann ich dazu nicht viel sagen. Organisatorisch ist man nun aber viel besser vorbereitet auf so einen Fall. Skyguide weiss, was zu tun ist und sperrt künftig nicht einfach den ganzen Luftraum, sondern nur die betroffenen Elemente. Davon durfte ich mich kürzlich selber überzeugen.
 
ski-chrigel schrieb:
Lagorce schrieb:
Das militärische System blieb im Betrieb. Angeblich war nur GVA betroffen (nicht ZRH), aus Sicherheitsgründen wurden jedoch beide Flughäfen für An- und Abflüge gesperrt
Nicht nur Departure und Arrival, sondern auch die ACC (Überflüge) waren betroffen. Drum war der Schweizer Luftraum quasi leer. Mein Flug von Buochs nach Payerne erntete deswegen extreme Beachtung und wurde weltweit (!) auf Radar24 der meist angeklickte Flug an diesem Tag. Es wunderten sich wohl alle, wieso da noch ein Flugzeug unterwegs war:
Hättest du deinen Fug mal vorher im Forum oder per PN angekündigt, dann hättest du mindestens einen Beobachter mehr gehabt.
Dafür fliegst du aber mit Transponder, was ja eigentlich doch bei Sichtflügen und im unteren Luftraum nicht notwendig ist oder?
 
Also wenn ich jeden Flug anmelden würde, hätte ich viel zu tun 😅
Doch, Transponder sind faktisch auch im unteren Luftraum obligatorisch. Wenn man keinen hat, zB weil es ein Oldtimer ist, dann ist man davon ausgenommen. Aber wenn einer an Bord ist, muss man ihn auch einschalten, sobald man die Platzrunde verlässt.
 
ski-chrigel schrieb:
Also wenn ich jeden Flug anmelden würde, hätte ich viel zu tun 😅
Ich meinte ja nicht offiziel, sondern nur z.B. hier im Forum :D
ski-chrigel schrieb:
Doch, Transponder sind faktisch auch im unteren Luftraum obligatorisch. Wenn man keinen hat, zB weil es ein Oldtimer ist, dann ist man davon ausgenommen. Aber wenn einer an Bord ist, muss man ihn auch einschalten, sobald man die Platzrunde verlässt.
Ok ist das nur in der Schweiz so oder auch in Deutschland?
 
ski-chrigel schrieb:
Ja, in ganz Europa. Das ist eine EU-Verordnung (SERA13001) seit Oktober 2017.
Also dann wohl eher was Europäisches was die Schweiz übernommen wurde, andersherum ist es nur schwer vorstellbar, ohne der Schweiz zu nahe zu kommen. Ich schätze nur die Schweizer so ein, als würden Sie niemals über andere Länder bestimmen wollen.
 
Ähm, dass die Schweiz in Europa liegt, weisst Du schon, oder? :wink: Im Ernst, die Schweiz ist EASA-Mitglied und MUSS europäische Regeln übernehmen, ausser sie beantragt eine Derogation (Abweichung), der die EASA dann zustimmen muss. Leider verhält sich die Schweiz oft wie ein Musterschüler und setzt alles sehr schnell um, während sich andere Staaten manchmal viel Zeit lassen, neue EU-Verordnungen in nationales Recht zu überführen. Deutschland weigert sich manchmal sogar ganz und ohne eine Derogation seit Jahren, zB. bei der nach EU-Recht illegalen Zuverlässigkeitsprüfung oder bei der unsinnigen Flugleiterpflicht auf kleinen Flugplätzen. Oder Italien und Frankreich schlampen bei der neuen Zoll-Regelung (privater Verkehr ohne Waren darf neu aus dem Schengen-Bereich kommend auf jedem Flugplatz landen, ohne Zoll). Die hat Deutschland glücklicherweise schnell umgesetzt, obwohl die Zollbeamten sich da schwer taten.
 
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