Marvin schrieb:
Du vergisst einen ganz wichtigen Punkt: die Schweiz braucht die diversen bilateralen Verträge mit der EU. Die EU aber braucht die Schweiz nicht und sitzt damit am längeren Hebel. Warum also sollte die EU nachgeben und eines ihrer wichtigsten Prinzipien hergeben?
Du kannst jetzt gerne wie in anderen Foren (z.B. Spiegel) beissreflexartig mit den üblichen Keulen kommen (siehe auch Zitat), zeigst aber lediglich damit dass Du ausser Phrasen keinerlei Ahnung von Wirtschaft hast. Fakt ist dass die Schweiz und die EU sehr gut verzahnt sind und in Punkte Import und Export voneinander abhängen. Da ist nix mit "kappt die Leinen".
Wer meint, in dem Alpenstaat wohnen nur kleine hunzelige Bergtrolle, welche sich von Käse und Schoki ernähren, immer mal wieder ins Alphorn pusten und ihren Unterhalt mit Schwarzgelder und Touristenerpressung bestreiten sollte dringend einmal Nachhilfe nehmen. Genf ist ist eine der wichtisgten Drehscheiben im Rohstoffhandel. Ca. 50% des weltweiten Handels bei Getreide und Ölsaaten sowie ein ordentlicher Anteil am Rohöl wird darüber gehandelt und Zug ist die Drehscheibe für Bergbauprodukte. Wer Firmen wie Glencore, Nestle, Novartis, Roche, Swatch, Givaudan, ABB, Richemont und einige weitere nicht kennt sollte dringend einmal nachsehen, welche Umsatz- und Gewinnzahlen diese aufweisen oder beim nächsten Supermarkt-, Drogerie oder Arztbesuch genauer nachsehen, was da hinten auf den Etiketten der Packungen klebt.
Ich habe mich mal etwas hier in meinem Umfeld umgehört, und die eindeutige Antwort für das "Ja" war:
Wachstum ist gut, aber nicht um jeden Preis. Angekündigt waren etwa 5000-8000 Leute pro Jahr, die aufgrund des Abkommens mit der EU kommen sollten, und damit hatte keiner ein Problem. Jetzt rollen jeodch jedes Jahr etwa 80000 Leute in die Schweiz. Die Bevölkerung nimmt somit pro Jahr 1% zu und muss diese in einer Gegend unterbringen, welche aufgrund der Geografie (Berge etc.) jetzt schon eine Besiedlungsdichte der Niederlande aufweist (etwa 400 Leute/km2 - doppelt so hoch wie in .de). Damit einher gehen allerlei Probleme wie überfüllte Züge/Strassen und steigende Mietpreise. Somit waren recht viele einfach für "Erhalt der Schweiz auf Kosten von Wachstum". Vielleicht hat die Truppe mit dem Lied hier nicht ganz so unrecht:
http://www.youtube.com/watch?v=MTSitlFXEX8 - wer weiss
Gleichzeitig findet zumindest in einigen Teilen (Tessin) ein Verdrängungskampf statt, bei denen Leute aus dem Süden in die Schweiz wandern und dort für weniger Geld (gerne auch schwarz) arbeiten, was der dortigen Bevölkerung stinkt. Entsprechend hoch war doch auch das Resultat für die Kontingente.
Ich seh es neutral und bin gespannt auf die Auswirkungen. Aber lieber leide ich als Wähler unter meiner eigenen Fehlentscheidung (und mache mich dafür dann verantwortlich) als dass ich alle 4 Jahre irgendwelche Volksvertreter ernenne, welcher irgendwelche Dinge für "alternativlos" erklären und mich bis zur nächsten Wahl wie ein Ochse am Nasenring durch die Manege und zum Schlachter ziehen.