Es wird gebaut auf 3303 Metern ü. M.
Die Vorarbeiten für die neue zweite Sektion der Luftseilbahn Corvatsch sind im Gang
Auf 3303 Metern haben die Vorarbeiten zur Erneuerung der zweiten Sektion der Luftseilbahn Corvatsch begonnen
Über den Gipfeln des Südtirols, aber auch im Norden türmen sich dunkle Wolken, die Luft ist schwül, noch aber ist am späten Dienstagvormittag über dem Engadin blauer Himmel zu sehen. Bei der Bergstation der Luftseilbahn Corvatsch auf 3303 Metern über Meer geniessen Feriengäste aus aller Welt bei acht Grad Plustemperatur die noch freie Sicht auf die nahen, mittlerweile grauen Gletscher und den Piz Bernina. Oder den Blick nach unten auf die beeindruckende Seenplatte des Oberengadins. Die Touristen lassen sich auch nicht stören von eher ungewohnten Tönen in dieser Höhe: Am Corvatsch wird gebaut.
Möglichst wenig Helitransporte
Der gelbe Kran auf dem Swisscom-Gebäude, mit einer Kranbahn aufgebaut, ragt in den blauen Himmel. Heraufgebracht wurde er zerlegt und mit Hilfe eines Helikopters. Ansonsten wird beim Material diesen Sommer möglichst auf Lufttransporte verzichtet. Die bestehende Seilbahn erfüllt die Funktion des Zubringers bei den Vorarbeiten für die neu zu erstellende zweite Sektion. Im nächsten Jahr, wenn die alte Bahn abgebrochen wird, ist der Heli dann mehr gefragt.
«Wir bauen um die alte Station herum», erklärt Bauleiter Roland Schmuckli von der spezialisierten Zuger Firma Biad das Geschehen in diesem Sommer. Erstellt wird die künftige Seilverankerung bei der Bergstation. Der Endausbau des neuen Gebäudes mit zwei asymetrischen Einstiegen ist 2008 vorgesehen. «Das Stationsgebäude wird höher sein, aber gleich breit bleiben», sagt Schmuckli. Und ergänzt zur gewählten Bauweise bei der Seilverankerung im heiklen, vom Klimawandel stark mitbetroffenen Gebiet am Corvatsch: «Die erstellten Pollerräume aus Beton dienen als Ballastbauten für die höheren Seilkräfte der neuen Bahn.»
Das Gebäude selbst wird nach hinten verlängert und der benötigte Beton direkt neben der Baustelle «angemacht». Was Vorteile habe, sagt Schmuckli. So brauche man keine Zusatzmittel wie bei einem Transport des Betons mit dem Helikopter. Im Herbst werde man allerdings Frostschutz beifügen müssen.
Reduzierte Leistung
Jeweils fünf bis zehn Arbeiter, ausschliesslich aus der nahen Provinz Sondrio, sind in luftiger Höhe an der Arbeit. Eine schwierige Tätigkeit, denn die dünne Luft strengt an und fordert ihren Tribut. Auf 80 Prozent beziffert Roland Schmuckli die mögliche Leistung der Bauarbeiter im hochalpinen Gelände. Sie werden körperlich enorm gefordert. Die Arbeiter fahren täglich mit der Bahn hinauf und wieder runter, bei Gewittern oder Sturm bleibt die Tätigkeit eingestellt, die Gefahr bei Blitzschlägen oder Wind wäre für die Arbeiter zu gross.
Bisher seien die Verhältnisse ideal gewesen, freut sich Roland Schmuckli. Zur Schneeschaufel habe man nur einmal greifen müssen, im Tal sei man zweimal aufgrund der Wetterverhältnisse geblieben. Das Vorhaben laufe nach Programm: «Wir sollten Mitte bis Ende September mit den Vorarbeiten fertig sein.»
Im Sommer 2008 bekommt die Bergstation dann definitiv ihr neues Gesicht. Die bisherige WC-Anlage und das alte Dach werden abgebrochen, neue Toiletten, eine neue Kläranlage und ein neues, erhöhtes Dach gebaut. «Die obere Terrasse bleibt wie sie ist», ergänzt Schmuckli. Ebenso das Restaurant.
Aushub für Fundamente
Das Zwölf-Mio.-Projekt der Corvatschbahn sieht eine neue Pendelbahn mit zwei je 100-plätzigen Kabinen vor. Dazu bedarf es nicht nur der Vorarbeiten auf dem Gipfel für die Seilverankerung, sondern auch solcher für neue Masten. Für Mast eins gleich oberhalb der Mittelstation Murtèl sind die Aushubarbeiten im Gang, vier Fundamente an einem neuen Standort sind nötig.
Die zweite Luftseilbahnsektion der Corvatschbahn bleibt im Winter 2007/08 in Betrieb, im Sommer 2008 ist sie aufgrund des Neubaus geschlossen.