Pitztaler Gletscherbahnen wollen erneut eine Talabfahrt
Die Pitztaler Gletscherbahnen geben sich beim Projekt einer Abfahrt ins Tal nicht geschlagen. Ein neues Projekt liegt dem Land zur Genehmigung vor.
Vor fast drei Jahren, im Februar 2003, stiegen die Chefs der Pitztaler Gletscherbahnen auf die Notbremse. Sie zogen ihr umstrittenes Projekt einer Abfahrt vom Gletscher ins Tal wieder zurück. Hintergrund der damaligen Aktion war es, dass ein negativer Bescheid des Landes befürchtet wurde.
Doch jetzt melden sich die Pitztaler im Innsbrucker Landhaus zurück. Sie haben ein überarbeitetes Projekt eingereicht. Alles daran ist neu, auch der Name. Die Abfahrt vom Gletscher ins Tal heißt jetzt "Sicherheitsweg". Die Route wurde neu trassiert. 22 Sprengmasten sind vorgesehen, um Lawinen auf Knopfdruck auslösen zu können. Kosten: mindestens 1,5 Mio. Euro.
Durchschnittsskifahrer dürfen aufatmen. Der Sicherheitsweg weist ein Gefälle von unter 25 Prozent auf. Nach der Farbenlehre des alpinen Skisports klassifiziert er sich damit als leichte Abfahrt. Die Variante des Jahres 2003 wäre hingegen bis zu 45 Grad steil und damit als schwierig (schwarz) einzustufen gewesen.
Abfahrt unverzichtbar
Hans Rubatscher, Chef der Pitztaler Gletscherbahnen, betrachtet die Abfahrt als unverzichtbar. Skifahrer sollen auf ihr ins Tal gelangen, falls die unterirdische Stollenbahn - die derzeit einzige Aufstiegshilfe ins Gletscherskigebiet - ausfällt.
"Kleinere Störfälle" habe es schon gegeben, berichtet Rubatscher. Stundenweise sei die Bahn gestanden oder langsam gelaufen. Die Betriebsleiter würden zur Talabfahrt drängen. Denn seit der Brand-Katastrophe in der Stollenbahn von Kaprun 2001 denke man über ein Mehr an Sicherheit nach.
Hoffnung auf grünes Licht
Der Tiroler Landtag hatte nach Kaprun eigens den Gletscherschutz gelockert, um Projekte wie die Talabfahrt zu ermöglichen.
Rubatscher glaubt, dass das neue Abfahrtsprojekt grünes Licht erhält. Derzeit durchlaufen die Unterlagen die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Dass ein solches Verfahren nötig ist, bezeichnet Rubatscher als rechtlich strittig.
"Maßnahmen zur Abwehr einer unmittelbar drohenden Gefahr für das Leben oder die Gesundheit von Menschen", sind nämlich vom Tiroler Naturschutzgesetz ausgenommen. Als eine solche Maßnahme sieht Rubatscher die Talabfahrt. Er behält es sich vor, diese Rechtsmeinung geltend zu machen, falls das Land die Talabfahrt ablehnt.
Weitere Ausbauten geplant
Im Landhaus ist man von der UVP-Pflicht überzeugt. "Sonst bräuchten wir ja bald gar keine Naturschutzverfahren mehr", sagt Umweltlandesrat Hannes Gschwentner. Aus seiner Sicht ist die Talabfahrt neu noch nicht entscheidungsreif. Die Behörde habe weitere Unterlagen von den Pitztalern angefordert.
Die Talabfahrt ist nur ein Teil der Pitztaler Ausbauwünsche. Unverändert ist auch die Erschließung des Linken Fernerkogels geplant. Dies wäre als Vorleistung für den Zusammenschluss mit dem Skigebiet auf dem Ötztaler Gletscher gedacht.
Lange herrschte zwischen beiden Tälern Funkstille. Laut Rubatscher wird jetzt über die Skischaukel wieder konkret verhandelt.