"Wie ein Schlag ins Gesicht”
Land stoppt aus Sicherheitsgründen die Talabfahrt am Pitztaler Gletscher – Berufung angemeldet
Das Land sagt aus Sicherheitsgründen Nein zur Talabfahrt am Pitztaler Gletscher. Im Tal herrscht Empörung, Berufung wird eingelegt. Die Touristiker fordern die Politik auf, alte Versprechen einzulösen. Aus für die Talabfahrt am Pitztaler Gletscher. Aus Sicherheitsgründen sagt das Land. Im Tal herrscht Empörung, Frustration und Enttäuschung.
Aus für die Talabfahrt am Pitztaler Gletscher. Aus Sicherheitsgründen sagt das Land. Im Tal herrscht Empörung, Frustration und Enttäuschung.
Derzeit wird am Pitztaler Gletscher gebaut: Bis zum Frühwinter sollen ein Sechser-Sessel und eine Achter-Gondelbahn fertig sein. Investitionskosten: 15 Millionen Euro. Für ein weiteres Bauvorhaben kam vergangene Woche aber das Aus.
SICHERHEIT. Seit fünf Jahren kämpfen die Pitztaler um die Talabfahrt. Ein Argument ist die sichere Entleerung des Schigebietes, falls ein Störfall bei der Stollenbahn auftreten würde. Die Umweltschutz-Abteilung des Landes (der Bescheid wurde am 20. Juni ausgestellt) sieht die Sache anders: Die Abfahrt sei weder schnee- noch lawinensicher, die Entleerung würde Stunden dauern, Fußmärsche seien nicht zumutbar. Über die Absage der Umweltschutz-Abteilung des Landes ist Prokurist Mag. Willi Krüger mehr als frustriert: "Jahrelang hat uns die Politik grünes Licht versprochen. Jetzt diese Entscheidung mit fadenscheinigen Argumenten. Wo bleibt die Handschlagqualität?” Er kündigt auf jeden Fall Berufung an. "Zuerst beim Umwelt-Senat in Wien, wenn es sein muss dann beim Verwaltungsgerichtshof. Jetzt schon liegen zahlreiche Indizien auf grobe Verfahrensmängel vor”, sagt Krüger und ergänzt: "Ein Jurist, nicht ein Sachverständiger hat den Bescheid ausgestellt.”
VERSPRECHEN. Empörung auch in St. Leonhard. Bürgermeister Rupert Hosp ist stinksauer auf das Land: "Mit dieser Entscheidung sind wir aus allen Wolken gefallen. Niemand versteht’s, das ist für uns wie in Schlag ins Gesicht.” Der Sicherheitsweg sei nach wie vor unverzichtbar, die Politik habe ihn schon lange versprochen. "Wie die 3.000 Leute an einem schönen Wintertag sicher ins Tal kommen, wenn die Stollenbahn ausfällt, hat mir aber bisher keiner beantworten können. Wenn etwas passiert, muss ich als Bürgermeister den Kopf herhalten, nicht die Damen und Herren im Landhaus”, ist Hosp entrüstet. Er argumentiert weiters mit der Schaffung eines Bauweges: "Derzeit werden ein Sechser-Sessellift und eine Achter-Gondelbahn gebaut. Maschinen müssen unten mühsam zerlegt und oben wieder zusammengebaut werden, damit sie im Tunnel transportiert werden können. Das kann’s doch bitte nicht sein.” Der Gemeinderat werde jetzt weitere Schritte beraten. Dazu zählen auch Gespräche mit der Tiwag über den Taschachspeicher.
POLITIKER. Naturschutz-Landesrätin Dr. Anna Hosp fühlt sich nicht angesprochen und verweist an LR Lindenberger: Da es ein UVP-pflichtiges Verfahren sei. Lindenberger erklärt: "Laut Landesbescheid ist die fachliche Beurteilung für den Sicherheitsweg negativ ausgefallen. Deshalb wurde die Genehmigung versagt. Das muss vorerst so akzeptiert werden.” Laut Lindenberger dauert diese Diskussion nun schon jahrelang an - er selber sei im Zuge seines Amtsantrittes wie die Jungfrau zum Kind zu diesem Thema gekommen.
STIMMEN. LA Mag. Jakob Wolf fehlt das Verständnis für die Entscheidung des Landes: "Die fadenscheinigen Argumente sind für mich nicht nachvollziehbar. Lange hat man den Pitztalern die Talabfahrt versprochen. Sie verkommen immer mehr zum Spielball der Politik”, ärgert sich Wolf. Auch FPÖ-Landesobamnn Gerald Hauser verspricht sich weiterhin für den Sicherheitsweg einzusetzen. "Damit Bergbahnenbenützer im Notfall rasch ins Tal gelangen können.” Freude hingegen bei den Grünen: "Das ist der richtige Schlusspunkt eine jahrelangen verlogenen und peinlichen Diskussion”, freut sich Umweltsprecherin Maria Scheiber. "Eine Abfahrt, die man nur zeitweise benützen kann, die schwierig zu befahren und obendrein von Lawinen bedroht ist, ist eben nicht dazu geeignet, eine sichere Entleerung eine Schigebietes zu gewährleisten”, ergänzt die Landtagsabgeordnete.