Bereicherung für den Tourismus
Bühlertal/Schwarzwaldhochstraße (gero/eh) - Die Betreiber des Bühlertallifts Hundseck wollen nicht länger von den Launen der Natur abhängig sein. Sie beantragten deshalb den Bau eines Speichersees für eine maschinelle Beschneiung. Der Technische Ausschuss des Bühlertäler Gemeinderats gab dazu am Montagabend grünes Licht.
Der See mit einer Fläche von 2200 Quadratmetern und einer Tiefe von 8,50 Metern soll zwischen der Talstation und der Landesstraße Richtung Hundsbach entstehen; also in jenem Bereich, in dem sich früher das Freibad und die Tennisplätze des Kurhauses Hundseck (Hammer & Maushardt) befanden.
Hauptamtsleiter Frank Bühler stellte das Projekt im Technischen Ausschuss vor. Bevor eine Baugenehmigung erfolge, müssten die Pachtverträge neu geordnet werden. Hierüber werde der Gemeinderat voraussichtlich im Oktober befinden. Für das Projekt stehe außerdem noch die Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde aus; ebenso der Abschluss des wasserrechtlichen Verfahrens. Aus Sicherheitsgründen wird der Speichersee, der zusätzlich als Löschwasserteich dienen soll, eingezäunt.
Den Bauaushub wollen die Antragsteller für eine Erweiterung des Parkplatzes von derzeit 130 auf 265 Stellplätze zur B500 hin nutzen. Die gesamte Parkfläche würde damit von 5800 auf dann 9600 Quadratmeter vergrößert.
Die Ausschussmitglieder befürworteten einstimmig die Initiative des Familienunternehmens als Beitrag zur Bereicherung des Tourismus' an der Schwarzwaldhochstraße und lobten ausdrücklich den unternehmerischen Mut. "Wir begrüßen die Pläne sehr und wollen auch gegenüber den Behörden alles tun, um dieses Vorhaben zu unterstützen", versprach Bürgermeister Hans-Peter Braun. Von der Parkplatzvergrößerung erhoffe man sich eine Entspannung der Verkehrssituation. Diskutiert wurde, ob es alternative Lösungen zur engen Parkplatzzufahrt gebe. Das sei von der Zustimmung privater Grundstückseigner abhängig, hieß es von Verwaltungsseite.
Daniel Karcher, der zusammen mit seiner Schwester Natalie den Bühlertallift betreibt, möchte die technische Beschneiung auf jeden Fall im Skiwinter 2012/13 in Betrieb nehmen. Das aufwendige Genehmigungsverfahren, das Baurecht, Wasserrecht, Verkehrsrecht und Naturschutz zu berücksichtigen hat, habe sich durch zusätzliche Gutachten in die Länge gezogen. Ein frühester Baubeginn sei allerdings aufgrund naturschutzrechtlicher Bestimmungen (Vogelbrut) erst ab 15. Juli kommenden Jahres möglich.
1700 Meter Rohre und bis zu sechs "Kanonen"
Entzogen wird das Wasser für den Speichersee dem Gressbach etwa 800 Meter unterhalb der alten Bühlertäler Skihütte. Er entspringt auf dem Pfrimackerkopf und verfügt mit 15 weiteren, kleinen Quellen über eine auskömmliche Schüttung. An der Entnahmestelle wird eine Pumpstation in Garagen-Größe errichtet. Das Rohrnetz bis zum Speichersee hat eine Länge von rund einem Kilometer. Auf dem Skihang ist ein weiteres 700 Meter langes Leitungssystem notwendig. Im Endausbau sind bis zu sechs Schneemaschinen vorgesehen. Derzeit werden Angebote verschiedener Hersteller eingeholt. Außerdem haben die Geschwister Karcher bereits für den kommenden Skiwinter den Ausbau der Liftbar mit einem erweiterten Speiseangebot im Visier, zumal immer noch nicht klar ist, welcher Nutzung die Höhengaststätte Hundseck entgegensieht. Dem Pächter wurde auf Ende Oktober gekündigt (wir berichteten).
"Weiterhin auf der Tagesordnung" steht eine Revitalisierung des Hundseck-Nordhangs, für den Karcher mit der Gemeinde Ottersweier im Dezember 2009 einen zunächst auf ein Jahr begrenzten Optionsvertrag geschlossen hat. Eine Ertüchtigung der beiden Lifte lohnt sich nach Expertenmeinung nicht mehr, so dass vor einer Neuinbetriebnahme zunächst ein Genehmigungsverfahren eingeleitet werden müsse. Zu prüfen gelte es ferner, ob auch ein gut erhaltener Lift aus dem Alpenraum genüge. "Wir gehen Schritt für Schritt vor", sagt Daniel Karcher, schließlich handle es sich um gewaltige finanzielle Dimensionen weit jenseits des 500 000-Euro-Bereichs. Auf jeden Fall gelte: "Das Projekt ist nicht aufgegeben."