aus der engadinerpost.ch:
Mehr Komfort für das Furtschellas-Gebiet
Nach gutem Jahr mit Plänen für eine verlängerte Vierersesselbahn Rabgiusa
Die Furtschellasbahn zeigt wieder Aufwärtstrend und im eigenen Skigebiet Erneuerungspläne für die Transportanlagen. Eine Vierersesselbahn soll in Rabgiusa den alten und ungeliebten Skilift ersetzen. Foto: St. Kiener
Die Furtschellasbahn AG in Sils-Maria kann auf ein «zufrieden stellendes» Geschäftsjahr 2003/04 zurückblicken. So steht es im Geschäftsbericht zu Handen der Aktionärsversammlung vom 15. Oktober. Bei Erträgen von 4,284 Mio. Franken (Vorjahr 4,514 Mio.) und Aufwendungen von 3,581 Mio. (3,632 Mio.) resultierte ein Cash-Flow von 16,4 Prozent (19,53%). Abschreibungen konnten in der Höhe von 694 169 Franken vorgenommen werden (624 200). Von den Gesamtinvestitionen sind damit 70,67% abgeschrieben. Der Eigenfinanzierungsgrad hat sich von 57,54% im letzten Jahr auf nunmehr 62,19% erhöht.
70% der Einnahmen gehen auf das Konto des Verkehrsertrages im Winter 2003/04. Trotz einer rekordverdächtigen Sommersaison betrug der Verkehrsanteil dieser Jahreszeit nur gerade 6%. Dem allgemeinen Trend bei Bergbahn-Unternehmungen folgend, verzeichnete die Furtschellasbahn AG im Restaurationsbereich Einbussen. Besonders hoch waren diese bei der Rabgiusa-Hütte, wo ein Minus von 23 Prozent resultierte. «Da dürfte in erster Linie das schlechte Wetter im letzten Winter den Ausschlag gegeben haben», meint Furtschellas-Direktor Markus Moser. Das Hauptrestaurant «La Chüdera» bei der Bergstation der Luftseilbahn konnte anderseits einen Ertragszuwachs um 6% registrieren, was die Betriebsleitung u.a. auf die Optimierung des Angebotes zurückführt.
Weniger Frühjahrsskifahrer
Weitere Zahlen verlangen nach Erklärungen. So hat der Verkauf der Furtschellas-eigenen Fahrausweise im letzten Geschäftsjahr um knapp 25% zugenommen, während jene des Bergbahnenverbundes Engadin/St. Moritz (BEST)um 14,37% eingebrochen sind. Markus Moser führt dies auf den schlechterern März/April zurück. War früher Furtschellas vor allem angesichts der damals schlechteren Verhältnisse auf der St. Moritzer Seite ein eigentlicher Frühjahrsprofiteur, so ist das heute angesichts der Aufrüstung der nahen Konkurrenz im Schneeanlagenbereich anders.
Blickt man auf die Frequenzstatistik so ist ersichtlich, dass der März 2004 mit einem Minus von 29,34% gegenüber dem Vorjahr ins Gewicht fällt. Im Februar war hingegen ein Plus von 17,78% verzeichnet worden. Gesamthaft um 11,06% gesteigert wurden die Frequenzen im Jahrhundertsommer 2003. Wobei der oft schlecht geredete Sommer 2004 ebenfalls gut zu werden verspricht. «Wir liegen im Moment im Bereiche des Vorjahres», sagt der Furtschellas-
Direktor. Ausschlaggebend ist jetzt noch das Wetter bis zum Schliessungstag am 17. Oktober.
Verbesserungen kann die Bahnunternehmung im Bereich des Personalaufwandes ausweisen. Dieser ist um rund 4% auf 35,23% gesunken. Die Doppelbesetzung bei Direktion und Technischer Leitung im Übergangs-Vorjahr hatte damals zu Mehrausgaben im Personalbereich geführt. Den höheren Sachaufwand begründet Markus Moser mit «mehr Revisionen» und dem Leasing von zwei Pistenfahrzeugen. Ausserdem sei das Erscheinungsbild erneuert worden.
Längere Rabgiusa-Anlage?
Viel Lob erhielt die Furtschellas-Crew im letzten Winter von den Ski- und Snowboardfahrern in Sachen Pistenpräparation. Insgesamt während 2481 Stunden ausserhalb der Betriebszeiten der Anlagen, wurde mit den Pistenfahrzeugen an der Herrichtung der Abfahrten gearbeitet. Was gegenüber dem Vorjahr einem Plus von 220 Stunden entsprach. Neu war die Markierung der Pisten an den Rändern, was die Begrenzung der gesicherten Routen deutlich machte.
Angesichts einer sichtbaren Konsolidierung geht man bei der Furtschellasbahn AG nun daran, im eigenen Skigebiet die Komfortsteigerung anzustreben. «Die Qualitätsverbesserung muss im Zentrum unserer Überlegungen sein, damit wir konkurrenzfähig bleiben», sagt Markus Moser. Geplant ist als Nächstes die Ersetzung des bei vielen Skifahrern und Snowboardern nicht sonderlich beliebten Rabgiusa-Skiliftes durch eine Vierer-Sesselbahn. Und dies zur Attraktivitäts- und Komfortverbesserung möglicherweise mit einer um 150 Meter nach oben verlängerten Anlage. Diesbezüglich sind aber noch geologische Abklärungen im Gange.
Gebaut werden soll wenn möglich im Sommer 2005. Dies wäre nicht nur für die Furtschellasbahn von äusserster Wichtigkeit, sondern hätte als nächste Verbindung zum Corvatsch-Skigebiet auch Auswirkungen auf den direkten Nachbarn. «Das ist für uns sicher positiv», sagte Walter Rauch, Kaufmännischer Leiter der Corvatschbahn, gestern auf Anfrage. Mit der Heraufsetzung der Rabgiusa-Endstation würde die Verbindungspiste zwischen den beiden Skigebieten verbessert.
Auf rund 5,2 Mio. Franken werden die Kosten für die neue Sesselbahnanlage Rabgiusa veranschlagt. Möglicherweise wird dieser Vierersessellift ohne Hauben erstellt. Dies um Kosten zu sparen und angesichts der sich immer häufiger zeigenden Tatsache, dass viele Gäste nur noch an schönen Tagen im Skigebiet anzutreffen sind. Die Vergleiche mit früheren Jahren zeigen, dass die Tendenz in diese Richtung geht. Ist es schön, sind die Skigebiete voll, ist das Wetter schlecht, dann sind sie zunehmend leer. Noch in den Achtziger- und zu Beginn der Neunzigerjahre waren die Bergbahnen auch bei schlechteren Witterungsverhältnissen recht gut belegt.
Beschneiungs-Optimierung
Weitere Optimierungsmöglichkeiten sieht man bei der Furtschellasbahn AG in kleinerem Rahmen. So bei den Restaurationsbetrieben im Angebotsbereich. Zudem ist die Erweiterung der Beschneiung ein Thema. Nachdem man die bisherigen Möglichkeiten ausgeschöpft hat, gilt es einen neuen Umweltverträglichkeitsbericht zu erstellen, um die Beschneiung der Pisten im Bereich der Sesselbahn Furtschellas (Alp Munt) und bei der Verbindung zum Corvatsch anzustreben.
Gesamthaft präsentiert sich die Furtschellasbahn nach schwierigen Jahren 1999/2000 und 2001/2002, aber nach guten Ergebnissen ab 2002/2003, wieder optimistisch. Das Unternehmen will mit Elan in die Zukunft und auf Qualität setzen, um sich im Oberengadin seinen Anteil bewahren zu können.
Quelle: Engadiner Post Autor: Stephan Kiener
Ort: 7500 St. Moritz
Datum: 22.09.2004
Rubrik: Tourismus