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Neues im Oberengadin

  • Ersteller Ersteller Anonymous
  • Erstellt am Erstellt am
Hatte die Diskussion in meinem skifahrenden Bekanntenkreis.
Mir sind die Aufstiegshilfen im Grunde egal, finde Sessel schon bequem.
Meine Argumente für SL (weniger Leute auf den Pisten) fanden 0,0 Gehör. Einhellige Ablehnung - von Frauen u. Mädchen noch vehementer.

Starli liegt vollkommen schief.
 
Nö, aber wer mit "Bullshit" provoziert, muss mit Antworten rechnen.
 
Starli hat definitiv etwas provoziert und liegt meiner Meinung nach auch nicht richtig, denn die Mehrheit möchte wirklich moderne Anlagen. Auch wenn ich Starlis Meinungen immer sehr schätze, kann ich diese nicht unterstützen.
Wie Fab schon meinte, sind Schlepplifte für die meisten einfach ein Dorn im Auge. Vor Allem Frauen finden die sehr unangenehm und sagen mir auch, dass ich bei der Skigebietswahl auf viele Sessellifte schauen soll. Und da ich oft in gemischten Gruppen unterwegs bin, kann ich sagen, dass das zu mindestens bei mir im Bekanntenkreis eine "Forderung an das Skigebiet" ist. Genauso werden von vielen Hauben gefordert, auch wenn man sie selten schließt. Das sind halt einfach ein paar Komfortpunkte die man heute bieten sollte um konkurrenzfähig zu sein. Im Engadin finde ich den Komfort eigentlich recht angemessen, gerade das Skigebiet Corviglia besteht ja eigentlich nur aus kuppelbaren Sesselbahnen. Nachteil ist hier die Signalbahn, die hoffentlich wirklich bald ersetzt wird. Während mehrtägiger Skiurlaube im Engadin sind wir selten mehr als einen Tag am Corvatsch gefahren, weil man dort einfach mehr Skier abschnallen muss bzw. Schlepplift fährt. Ich habe auch ein paar Freunde mit denen ich auch die kleineren oder Skigebiete mit alten Anlagen ansteuern kann, die sind aber in der Minderheit.
 
Fab schrieb:
Vor Jahren hat der Bürgermeister genau diese Klage geführt. Der Milliardärsauftrieb im Februar + Berichte der Yellow Press über den Multimilliardärsslum Suvretta haben das Image von Moritz so fixiert, dass Leute aus der Unterschicht (Rechtsanwälte , Zahnärzte etc.) es gar nicht versuchen nach Moritz zu gehen.
Es dürfte auch an den hohen Preisen für Übernachtung und den Nebenkosten liegen, wenn Wintersportler um solche Gebiete einen Bogen machen.
Chlosterdörfler schrieb:
Das ist ein weiterer Grund warum es nicht mehr vorwärts geht, die „alte“ Stammkundschaft verkauft ihre Liegenschaften an gut betuchte. Die neuen Besitzer sehen das Objekt hehrer als Wertanlage an. Dazu kommt das sie weniger bereit sind die Ferienwohnung in ihrem Bekanntenkreis zu „vermieten“.
Die Gentrifizierung beim Wohnungsangebot verläuft viel subtiler. Milliardäre können ganz andere Preise aufrufen als die Mehrzahl der Bürger, die ihr Geld mit eigener Arbeit verdienen muss. Gibt es im Erbfall zwei Erben, dann kann der eine aufgrund der Mondpreise den anderen nicht auszahlen. Schwups, entsteht das nächste leerstehende Anlageobjekt. Gäbe es in der Schweiz nicht relativ restriktive Bestimmungen in Bezug auf Zweitwohnungen und den Erwerb durch Ausländer, dann sähe es noch viel schlimmer aus.

Die Branche spricht in diesem Zusammenhang auch von kalten Betten. Die Infrastruktur muss für wenige Spitzentage im Jahr ausgelegt sein, die in der Nebensaison dann nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden kann, weil die zahlreichen Anlageobjekte den für zahlende Gäste benötigten Platz blockieren. Orte wie Zermatt und St. Moritz bieten darüber hinaus auch noch Ausländern mit Wohnsitz in der Schweiz die Möglichkeit der Pauschalbesteuerung. Die so privilierten Reichen zahlen dort im Vergleich zu Ihren Einkommen nur Steuern zum Sozialhilfetarif. Die Steuerausfälle müssen von den Normalverdienern aus den EU-Ländern getragen werden und die können sich den Urlaub in der teueren Schweiz dann immer weniger leisten. Damit schiessen sich die Ferienorte letztendlich selbst ins Knie.

Die Gemeinden könnten statt dessen auf kalte Betten eine Leerstandsabgabe erheben und so ihren Haushalt aufbessern und die Infrastruktur bezahlen.
 
Bei uns in Deutschland erheben immer mehr Gemeinden eine Zweitwohnsitzsteuer, das wäre auch schon ein Anfang.
 
Starli hat definitiv etwas provoziert und liegt meiner Meinung nach auch nicht richtig, denn die Mehrheit möchte wirklich moderne Anlagen.
Na das weiß ich selbst und hab auch nie was anderes behauptet?!

Es geht hier aber nicht um irgendwelche Mehr- und Minderheiten, es gibt hier 2 Behauptungen, Aussagen, Definitionen, die keinen Spielraum für irgendwelche Ausnahmen lassen:

maria13 schrieb:
Wer Nostalgie sucht, geht Touren.
Das ist eben quatsch. Nicht jeder, der "Nostalgie sucht", geht Touren. Da bräuchte es nur einen (und ich bin nicht allein) um diese Aussage zu Widerlegen. (Und nicht alle Tourengeher sind Nostalgie-Sucher, aber das wurde hier ja auch nicht behauptet)

maria13 schrieb:
Wer Pistenspass sucht, der sucht moderne Anlagen
Auch das ist quatsch. Schon allein weil es genug gibt, denen die Anlagen egal sind (müssen also keine Nostalgielift-Fans sein), für die die Nähe zählt oder die Kosten oder sogar die Pisten (!!) oder andere Gründe.
 
Die beschriebenen Probleme mit dem eigenen Ruf (passt nicht, zu eng, hab keinen, falsch, ...) und den Appartements (kalte Betten, tote Orte und damit wenig Umsatz außerhalb der Ferien/Wochenenden) haben wir im ganzen Alpenraum und anderswo, mal mehr mal weniger. Das ist nichts besonderes. Nur die Preisklasse ist ungewöhnlich.
 
Generelle Frage:
Gibt es eigentlich überhaupt ausreichend "Nostalgie"-Suchende?
Wobei ich einen Unterschied zwischen Nostalgie einerseits sowie entschleunigt und ruhig andererseits sehe. Denn man kann auch modern und trotzdem entschleunigt und ruhig sein.
Und mit ausreichend meine ich jetzt nicht die vielleicht paar dutzend oder hundert Forumsmitglieder hier die davon schwärmen und deshalb bestimmte Skigebiete lieben und auch hinfahren.
Denn die jeweilige Bahngesellschaft muss dann mit diesen Nostalgiesuchenden einige Tausender mehr in der Kasse haben, damit es relevant wird.
Ich sehe hier das Potenzial als eher vernachlässigbar an bzw. bei ganz wenigen ausgesuchten Betrieben wie Kampenwand oder Predigtstuhl.

Wobei wir hier so langsam richtig OFF-Topic werden.
 
starli schrieb:
Es geht hier aber nicht um irgendwelche Mehr- und Minderheiten, es gibt hier 2 Behauptungen, Aussagen, Definitionen, die keinen Spielraum für irgendwelche Ausnahmen lassen:

Definitiv, da muss ich meine Aussage revidieren und bin wohl durch das Lesen der weiteren Kommentare in eine andere Richtung geleitet worden. Beispiel für Pistenspaß mit alten Analgen ist hier im Engadin eindeutig der Corvatsch, tolle Pisten und in der Regel Schlepplifte und Großkabinenbahnen, die zwei KSB sind auch schon recht alt und die an der Furtschellas auch nicht unbedingt komfortabel. Das Skifahren am Corvatsch ist ja auch ein wenig "nostalgisch", wo steht man sich sonst noch so gerne für eine Großkabinenbahn auf den Gipfel so oft an, auch wenn die Bahn nun neu gebaut wurde.
 
DiggaTwigga schrieb:
wo steht man sich sonst noch so gerne für eine Großkabinenbahn auf den Gipfel so oft an, auch wenn die Bahn nun neu gebaut wurde.
...oder wartet 20min bis die nächste Fahrt ist?
 
Schneeloewe schrieb:
Gibt es eigentlich überhaupt ausreichend "Nostalgie"-Suchende?
Die Mehrheit der Wintersportler ist wohl eher am Pistenspaß oder an Skihütten interessiert. Ich bin zwar auch ein Nostalgiefan, aber bei Transportanlagen in Skigebieten stehen für mich Komfort und Geschwindigkeit im Vordergrund. Solange die alte Anlage ihren Zweck erfüllt, ist es OK. Ansonsten sammele ich antike Anlagen lieber auf alten Ansichtskarten.
 
Ausgangspunkt für die Diskussion um "Nostalgie" war ja die geplante Schließung der Lagalp, die mich sehr nachdenklich und betroffen gemacht hat. Immerhin habe ich Ende der 60er in Sils-Maria noch am alten SL oberhalb des Dorfes das Skifahren erlernt und bin bis Anfang der 80er regelmäßig dort gewesen. Zuletzt war ich im Oberengadin Mitte der 90er in einem Clubhotel in Signal für eine Woche - als "Belohnung" für's Diplom :biggrin:
Und Lagalp war für mich damals sportlich eine Herausforderung und landschaftlich ein Traum! Nach dem Bekanntwerden der Schließung habe ich mir mal überlegt, warum ich seitdem nicht mehr im Oberengadin war. Der Hauptpunkt ist für mich die Hotellerie und Gastronomie.
1.) Sind die Preise seit vielen vielen Jahren auch für Schweizer Verhältnisse heftig durch die Decke gegangen
2.) Stimmt die Qualität dafür nicht mehr, sprich die Unterkünfte wurden nicht im gleichen Maße renoviert/saniert/neu gebaut, wie sie teurer wurden
3.) Ist es ein Quantitätsproblem. Es gibt keine "gesunde" Durchmischung der angebotenen Betten zwischen Sternehotels, Mittelklassehotels, Gasthöfen (ich glaube, das Wort kennt man im Oberengadin gar nicht..), Privatzimmern und Ferienwohnungen. Das ist z.B. im Wallis deutlich besser.
Da ich aufgrund der Entfernung nicht ohne Übernachtung im Oberengadin Skifahren möchte, habe ich schon häufiger nach Unterkünften gesucht. Aber im nahen Umkreis von Corvatsch oder Corviglia oder Pontresina nie was gefunden, was vom Preis-Leistung gestimmt hat. Entweder hätte ich über den Julier oder Richtung Unterengadin ausweichen müssen. Und das war mir dann zu mühsam.....und bin lieber z.B. auf der Lenzerheide geblieben :naja:
Das Thema alte Anlagen stand bei mir nie im Vordergrund. Ich fahre heute viel in die Quatre Vallees oder in die PdS, da gibt es in Teilbereichen noch eine Menge älterer und unkomfortablerer Lifte als am Corvatsch :wink:
Wobei mir heute nach mehreren langen SL hintereinander schon die Beine ein bisschen schwerer werden........man wird verwöhnter........und das "Gemotze" der weiblichen Mitfahrer ist auch unüberhörbar :biggrin:

Für mich gab es schon damals zwei Riesenprobleme bzgl. Lagalp: zum einen war die Fahrt von Sils bis zur Lagalp mit dem Skibus mörderisch lang und unkomfortabel. Zum Anderen hat mich die fehlende Verbindung zur Diavolezza gestört. Das ist für mich der Kardinalfehler, daß man die beiden Gebiete nicht verbinden durfte/wollte. Ohne Auto war´s noch viel aufwändiger, um mal spontan von einem zum anderen Gebiet zu kommen.

Aber zum Abschied werde ich nächstes Jahr doch noch mal kommen und noch einmal Lagalp fahren. Sicher ! :D
 
Ich kann alle verstehen, die die Lagalb vermissen werden, da sie einfach schön liegt.
Die Argumentation der Gesellschaft finde ich allerdings auch schlüssig und kann verstehen, dass man sich im alpinen Skibereich, nur eines von etlichen Standbeinen, neu positionieren will bzw. muss.
Zumal man sich anscheinend mit der Schließung der Lagalb ein Stillhalten der Umweltverbände "erkauft" hat und nun sorgloser in die anderen Gebiete investieren kann ohne große Einsprüche erwarten zu müssen wie bei der Hahnenseebahn oder der Neuordnung / Modernisierung des Gebietes Corvatsch, zumal die Hahnenseebahn ja vorher bekämpft wurde.
Das ist in meinen Augen viel wert.
 
Tom76 schrieb:
Immerhin habe ich Ende der 60er in Sils-Maria noch am alten SL oberhalb des Dorfes das Skifahren erlernt
Und ich war immer im Irrglauben, dass das 76 in Deinem Namen Deinen Jahrgang bezeichnet :roll:

Ja, dass die Verbindung zur Diavolezza nie kam, war der grösste und wohl entscheidenste Fehler. Vermutlich nebem dem, dass ich Pendelbahnen ätzend finde, auch der Grund, warum ich in all den vielen Jahren nur ein einziges Mal auf der Lagalp war.

Wenn man die Lagalp wirklich gegen die Hahnenseebahn "eintauschen" kann, dann ist das eine wirklich gute Sache, aber ich glaube nicht, dass dies mit den Umweltverbänden abgemacht ist. Im Gegenteil, man gibt hier den grössten Joker leichtsinnig auf.
 
Ich stelle schon seit Jahren fest, dass die Schweiz gegenüber Europa 20 Jahre hinterher hinkt. Auch bei den Fehlentwicklungen. In kleinen Gemeinden, wo heute noch eine Post oder ein Supermarkt ist, hat man diese in Deutschland schon vor Jahrzehnten geschlossen.

Die Schliessung von Lagalb erinnert mich an die Schliessung der "unrentablen" Nebenstrecken bei der DB ab den 1970ern. Man muss nur genügend dieser Nebenstrecken schliessen, dann fehlen plötzlich auch auf den Hauptstrecken die Fahrgäste.

Die Verbindung von Diavolezza nach Lagalb klappt doch auf Ski ganz passabel. Die PB habe ich auch nicht als Hindernis wahrgenommen. Negativ ist mir nur aufgefallen, dass der letzte Bus lange vor der letzten Gondel fährt. Von Prontresina aus ist Diavolezza / Lagalb bei schlechtem Wetter eine gute Alternative. Bei meinem letzten Urlaub in Pontresina war ich mindestens 1/3 davon auf Diavolezza / Lagalb. Ich bezweifle, dass sich Diavolezza ohne Lagalb auf Dauer halten wird.
 
Was habt ihr nur immer alle mit dem Bus? Ich wüsste nicht, dass die Berninabahn Wintersperre hat.
 
Was ich mich einfach Frage ist, wer denn überhaupt noch Richtung Diavolezza geht wenn Lagalb zu ist. Eine kurze Sesselbahn und sonst immer wieder mit der Luftseilbahn hochfahren, das wird sicher auch nicht mehr Leute dorthin bringen...

Kann mich gut erinnern dass vor ca. 8 Jahren sogar Pläne für Neuerschliessungen an Diavolezza konkret waren. Die Grünen haben sicherlich dazu beigetragen dass das nicht verwirklicht wurde, aber auch nach der Fussion 2007 hat die bisherige Geschäftsleitung lieber die Hahnenseebahn, die ja wohl auch nicht gebaut werden kann bevorzugt, als Halt auch mal in die schwächeren zu investieren :sauer:

Wenn Sie im Engadin so weiter machen, dann seh ich leider ziemlich schwarz für die Region.. Allerdings ist das leider nicht die einzige Region in der Schweiz, wo auf Rücken der kleineren Gebiete gespart wird
 
ski-chrigel schrieb:
Ja, dass die Verbindung zur Diavolezza nie kam, war der grösste und wohl entscheidenste Fehler. Vermutlich nebem dem, dass ich Pendelbahnen ätzend finde, auch der Grund, warum ich in all den vielen Jahren nur ein einziges Mal auf der Lagalp war.

Wenn man die Lagalp wirklich gegen die Hahnenseebahn "eintauschen" kann, dann ist das eine wirklich gute Sache, aber ich glaube nicht, dass dies mit den Umweltverbänden abgemacht ist. Im Gegenteil, man gibt hier den grössten Joker leichtsinnig auf.
Zustimmung, dass das Fallen lassen der Bondo Verbindung der Hauptfehler war.
Am Lagalb hätte man dann theoretisch auch 1-2 KSBs anstatt der PB hinstellen können. Trotz mehr geschlossenen Tagen wegen Wind wären dann die Frequenzen sicher gestiegen.
Das "Eintauschen" haben die Umweltverbände übrigens abgelehnt und wenn man sich beide Areale im Sommer mal genauer ansieht ist es auch klar, warum das nicht akzeptiert wurde.

Jetzt ist es einfach so, dass man mit der Lagalb Schließung Tatsachen schaffen will. Man will einfach die Hahnenseebahn durchsetzen - koste es was es wolle - und zwar für die endgültige Konzentration auf St.Moritz. Das ist der Hauptgrund und nichts Anderes. Wirtschaftliche Gründe allein sind das nicht (die kommen nur gerade gelegen), denn dann könnte man wohl auch gleich den Frühjahrsbetrieb auf der Diavolezza und auch diverse andere Betriebszeiten einschränken.
 
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