Kabinenbahn löst den alten Sessellift ab
Übergabe des Planfeststellungsbeschlusses: Regierungspräsident Lutz Klein(l.) übergibt den Bescheid an den Aufsichtsratsvorsitzenden der GmbH, Martin von der Heide. Foto: Winterberg
Übergabe des Planfeststellungsbeschlusses: Regierungspräsident Lutz Klein(l.) übergibt den Bescheid an den Aufsichtsratsvorsitzenden der GmbH, Martin von der Heide. Foto: Winterberg
Willingen. Wer zu Siggi auf die Hütte möchte, jedoch nicht laufen oder radeln will, der steigt in den Ettelsberg-Sessellift. Aber nicht mehr lange. Noch bis zum 4. November bleibt die alte Anlage in Betrieb. Dann soll ab Anfang Dezember eine hochmoderne Kabinenbahn die Gäste nach oben befördern.
Dafür greift die 63-köpfige Seilbahngesellschaft tief in die Tasche. Mit sechs Millionen Euro ist der Neubau veranschlagt. 47 geschlossene Kabinen, die jeweils Platz für acht Personen haben, bewältigen dann die 240 Meter Höhenunterschied zwischen Berg- und Talstation in 4,5 Minuten. 2400 Gäste können damit pro Stunde auf den Willinger Hausberg gefahren werden. Das sind dreimal soviele wie jetzt in fast dreifach höherem Tempo.
Ebenerdig einsteigen Die Kabinen werden beim Einschweben in den "Bahnhof" vom schnell fahrenden Förderseil zum Ein- und Aussteigen abgekuppelt. Kinderwagen, Rollstühle oder Mountainbikes können einfach und ebenerdig hineingeschoben werden. Gebaut wird die Bahn von der Firma Doppelmayr (Bodensee), die sechs von 10 Bahnen weltweit konstruiert und auch die Bahn an der Willinger Schanze gebaut hat.
Am Dienstagabend brachte Regierungspräsident Lutz Klein aus Kassel den Planfeststellungsbeschluss ins Upland. Damit ist die Genehmigung so gut wie sicher. Wenn keine Einwände erhoben werden, soll es im Mai mit den Bauarbeiten losgehen. Als "Quantensprung und Bereicherung für die Gemeinde" bezeichnete der RP das mutige Projekt, das allein von der GmbH gestemmt wird.
Schon vor einigen Jahren hatten die Seilbahner über eine neue Anlage nachgedacht, dann aber 2002 zunächst den Hochheideturm für rund 2 Millionen Euro gebaut. "Wir haben uns entschlossen, mit dem Aussichtsturm erst ein neues Ziel und nun anschließend einen neuen Weg dorthin zu schaffen", erklärt Seilbahngeschäftsführer Jörg Wilke die Strategie.
Der neue Kabinen-Lift verläuft etwa 30 Meter versetzt zur bisherigen Trasse und kreuzt die alte Bahn, die im November komplett abgebaut wird, an nur einem Punkt. Aufwändigster Bereich ist der zweigeschossige Bau der neuen Talstation mit Kassen- und Kontrollgebäude sowie Garage für die Gondeln. Vorgelagert im Gebäude wird ein Skiverleih für die Wintermonate und ganzjährig eine Flugschule untergebracht. In der neuen Talstation werden keine zusätzlichen gastronomischen Angebote eingerichtet. Der Trakt mit dem bisherigen Café bleibt bestehen. Die Bergstation wird auch kompett neu gebaut, aber weitaus spartanischer. Und die Hütte von Siggi soll im Laufe des Jahres aufgewertet werden.
Neue Trasse Unmittelbar mit dem Bau der Kabinenbahn verbunden ist ein weiteres ehrgeiziges Projekt der Uplandgemeinde: die künstliche Beschneiung. Eigentlich sollten die Kanonen schon längst weißes Pulver schießen, doch die Genehmigung eines solchen Projektes mitten in einem FFH-Gebiet erwies sich als nicht ganz unproblematisch. Auch hier muss ein Planfeststellungsverfahren durchlaufen werden. Laut Regierungspräsident Klein ist aber ein "Licht am Ende des Tunnels" sichtbar.
Willingens Bürgermeister Thomas Trachte zollte den Seilbahngesellschaftern Respekt vor solch einer hohen Investition. Dank neuer Bahn, Wasserspeicher und künstlichem Schnee sei die Gemeinde bald zukunftsfähig aufgestellt. Die Willinger rechnen damit, dass sie sehr bald grünes Licht aus Kassel für ihre Beschneiung bekommen. Denn dann sollen in die Erdgräben für die Seilbahn-Verkabelung in einem Rutsch auch die Wasserleitungen für die 50 Schnee-Erzeuger (Kanonen) verlegt werden.
Künstliche Beschneiung Das Projekt "Beschneiung" kostet 10,5 Millionen Euro. 5 Millionen müssen die vier Liftbetreiber aufbringen, davon ein gutes Viertel die Seilbahn GmbH. Das Land hat 3 Millionen Euro Unterstützung bewilligt, der Landkreis 500 000 Euro. Die Gemeinde selbst bringt zwei Millionen Euro ein. Wilke: "Vereinfacht gesagt: die Gemeinde sorgt fürs Wasser, die Liftbetrieber für den Schnee."
Am 1. Januar 1971 ging der Ettelsberg-Lift übrigens an den Start. Eine Millionen Mark hatte die GmbHdamals investiert. Mittlerweile sind rund 7 Millionen Gäste zu Siggi hoch chauffiert worden. Da manche Gäste auch Zehnerkarten gekauft haben dürften, liegt die Zahl der Fahrten um ein Vielfaches höher.