Nahezu alle im Walsertal sprechen sich für eine Modernisierung am Ifen aus. Mich mitinbegriffen. Ich behaupte auch gar nichts anderes.
Jedoch sollte jede Modernisierung, mit Verstand getätigt werden - vor allem dann, wenn ein einzigartiges Naturjuwel wie Ifen/Gottesacker involviert ist.
Ich würde ja gar nichts sagen, wenn es keine Alternativlösungen geben würde! Aber dem ist nunmal nicht so.
Wenn man sich heute an schönen Herbsttagen (Hochsaison für Wanderer) oder an tollen Skitagen einmal im Kleinwalsertal umsieht, dann wird man feststellen, dass das Kleinwalsertal bis zum Rand voll mit Autos auswertiger Gäste ist. Ich weiß nicht, wie oft ihr schon hier wart, aber ich als Einheimischer kann sagen, dass es von Jahr zu Jahr immer schlimmer wird - und das belegen die in meinem vorigen Beitrag erwähnten Zahlen ohne jegliche Zweifel.
Die KBB verfolgen seit Jahren die Geschäftsidee, mit möglichst vielen Tagesausflügerln den Winterbetrieb zur Profitmaximierung zu nutzen. Es werden Dumping-Preise an die nächstgelegenen Städte und deren Reiseunternehmen angeboten: Busfahrten hin & zurück inklusive Tageskarte für bis zu 10 €uro weniger gegenüber dem Tageskartenpreis welcher direkt im Kleinwalsertal angeboten wird. Es werden also ganz bewusst Tageskarten der KBB als Massenware an einen Großabnhemer verkauft, welcher außerhalb des Tales Tagesreisen ins selbige anbietet. Damit fahren die KBB scheinbar recht gut, die Steigerung der Beförderungszahlen der letzten Jahre sprechen für sich. Es sind Steigerungen zu beobachten, obwohl im Gegenzug die Nächtigungen stetig fallen. Hallo Tagestourismus! Und was bringt dieser Tagestourist dem Kleinwalsertal ansich? Rein gar nichts, außer Verkehr, Überfüllung und Müll. Dieser Gast lässt dem Gastronom im Walsertal keinen Cent zurück...lediglich die Bergbahnen profitieren, wenn die vollen Busse aus Ulm oder Stuttgart auf den Parkplätzen der KBB halten, um Massen an Skifahrern ins Gebiet zu schleusen - welche im Falle dass sie der Hunger plagt einfach bequem eines der vielen Panoramarestaurants aufsuchen werden.
Und dies ist eine Tatsache, die so zu hundert Prozent die letzten Jahre stattgefunden hat und den KBB einen mächigen Umsatz beschert hat. Daran gibt es nichts zu rütteln.
Und wenn jetzt genau dieses Unternehmen (KBB) der Bevölkerung im Tal die geplante Panoramabahn samt Panormarestaurant am Alpbord als die "Zukunft für den Nächtigungsgast" schmackhaft machen will, dann sollten spätestens jetzt bei JEDEM die Alarmglocken leuten.
Vom Sommertourismus habe ich bereits weiter oben gesprochen - aber es scheint hier immer noch nicht die Botschaft angekommen zu sein, dass das Walsertal nicht nur für den skifahrenden Gast steht, sondern im Winter als auch ganzjährig eine breite Vielfalt in seinem Angebot parat hält. Das ist ein großer Vorteil gegenüber anderen Destinationen - man hat mehrere Standbeine.
Dass nun seitens der KBB und der involvierten RaibaHolding propagiert wird, dass diese Panoramabahn das Kleinwalsertal zu einem attraktiven Skigebiet aufsteigen lässt, ist einfach blanker Unsinn, zumal nicht ein Meter neue Piste entsteht. Das Geld könnte um einiges sinnvoller verwendet werden, bspw. um den Ifen zu modernisieren UND das Walmendingerhorn. Beim letzteren Gebiet könnten die gesparten 15 Mio., welche die Panoramabahn kosten soll, bspw. in eine Expansion des Pistenangebots investiert werden - bspw. eine Abfahrt nach Baad inkl. Lift. DAS würde ein Attraktivitätssteigerung mitsichbringen!
Dass nun seitens der KBB und der involvierten RaibaHolding propagiert wird, dass die Panoramabahn den Nächtigungsgast ansprechen wird und als positive Folge die Übernachtungszahlen im Tal wieder steigen werden, widerspricht dem Verlauf der letzten zehn,elf, zwölf Jahre. In diesem Zeitraum wurden Millionen von Euro in die Investitionen in Bahnen, Lifte und Beschneiungsanlagen gesteckt - aber mit dem Ergebnis, dass der Nächtigungsrückgang im Winter nicht aufgehalten werden konnte. Die getätigten Modernisierungen waren wichtig - keine Frage! Aber dass man nun ohne rot zu werden behaupten will, dass die Panoramabahn die Situation bzgl. der rückläufigen Nächtigungszahlen im Winter verbessern soll, ist für mich nicht nachvollziehbar.
Wenn man etwas weiter denkt, dann wird einem durch simples Rechnen schnell klar, dass das sogenannte Gesamtkonzept der KBB nicht schlüssig ist: die KBB rechnen laut eigenen Angaben mit 6000 Skifahrern an Spitzentagen im neuen Gebiet Horn/Ifen. Es wird behauptet, dass die Walmendingerhornbahn als zweiter Einstiegspunkt in das Ifen-Gebiet dienen soll. Wenn man sich die Talstation der Walmendingerhornbahn heute ansieht, wird man nicht selten große Warteschlangen zu sehen bekommen. Es ist mehr als fraglich, ob die Walmendingerhornbahn in Zukunft, wenn also noch mehr Leute den Dienst dieser Bahn nutzen werden (um zum Ifen gelangen zu können) diesem Ansturm mit lediglich 450 Personen/Stunde gewachen ist. Wie gesagt, selbst heute sind lange Wartezeiten dort keine Seltenheit - wie wird es also in Zukunft aussehen? Zum Vergleich: die geplante Panoramabahn wird rund 1000 Personen/Stunde transportieren können. Wenn man jetzt hofft, dass am Horn in naher Zukunft etwas passiert, dann darf ich an die Worte der KBB bei der Vorstellung des Projekts erinnern: "Mit der Realisierung des Gesamtprojekts (Modernisierung Ifen + Panormabahn) ist der finanzielle Rahmen der KBB bis auf Weiters ersteinmal erschöpft". Heißt also, dass am Walmendingerhorn keine Kapazitätssteigerung stattfinden wird sondern es wird eine Verschlechterung der Situation eintreten - längere Wartezeiten an der Talstation und höchstwahrscheinlich an den anderen zwei Anlagen! Sieht so Qualität für den Nächtigungsgast aus? Wohl kaum.