Af schrieb:
@ThomasK: Bitte nicht vergessen, dass die STUB (zumindest N bis Er) Voraussetzung für den neuen Stadtteil Siemens City ist. Ohne STUB hätte Siemens den Stadtteil ggfls. nicht weiter verfolgt... Aber hier Erlanger Strasse bis zur Uni\Siemens war eine schnelle Verbindung Notwendig... Dafür können Massen an Bussen 30\30e entfallen... So gesehen wird das eine Bahn von Er. Zentrum bis N Zentrum. Mit der Ubahn gehts hier weiter nach Fürth Zentrum....
Im Zillertal sind das wesentlich weniger potenzielle Fahrgäste, von denen auch nur ein Kleiner Teil wirklich auf die Bahn Umsteigen würde...
Ich räume ein, dass dadurch, dass die Zahl der Fahrgäste im Zillertal zunächst einmal im Vergleich zur Relation Herzogenaurach - Erlangen - Nürnberg Nord von der Grundgesamtheit her geringer ist. Aus diesem Grund werden nach meiner Einschätzung im Zillertal PULL-Maßnahmen alleine nicht ausreichen, um eine volkswirtschaftliche Rechtfertigung zu erzielen. Da müsste mit massiven PUSH-Maßnahmen, d.h. insbesondere Restriktionen gegen den MIV (massive Preiserhöhungen, Abbau von Parkplätzen, Fahrverbote usw.) nachgeholfen werden, wenn man die Eisenbahn bis Hintertux volkswirtschaftlich rechtfertigen will.
Das Problem ist eben, dass die negativen externen Effekte vom Autofahrer nicht bezahlt werden.
Florian86 schrieb:
An die StUB hatte ich auch gedacht und mich wirklich diebisch gefreut, dass Erlangen vernünftig abgestimmt hat, nachdem schon bei der Abstimmung im Landkreis das Kirchturmdenken zu sehr zu Tragen kam. Aber natürlich hinkt der Vergleich mit der Zillertalbahn schon.
Ansonsten ist die ÖPNV-Nutzung vs. MIV immer eine Abwägung. Ich fahr sehr gerne Bahn, aber eher nicht mit viel Gepäck, somit eben in der Regel nicht zum Skifahren. Wenn man entsprechend nah am Bahnhof wohnt oder es in der Stadt in der man wohnt einen praktischen P+R Parkplatz gäbe, käme die Bahn aber grade für Tagestrips für mich schon in Frage. Von der Philosophie her begrüße ich aber jeden Bahnausbau, der attraktivere Fahrtzeiten/Takte ermöglicht, da:
1. somit ein Wechsel vom Auto zum ÖPNV für mich attraktiv werden könnte
2. selbst wenns für mich selbst nicht attraktiv ist, den ÖPNV zu nehmen, so doch sicher für andere, was insgesamt den Autoverkehr reduzieren sollte
Österreich und Südtirol (und die Schweiz sowieso) scheinen mir in Sachen Bahnausbau tatsächlich sehr viel weiter als wir in Deutschland:
- Begeistert war ich z.B. vom Haltepunkt Percha (Kronplatz) an der Pustertalbahn, da ist ja der Bahnsteig wirklich in die Gondelstation integriert, näher gehts fast nicht. Im Vergleich dazu muss man so gut wie über jeden Parkplatz sehr viel weiter laufen. Auf dieser Bahn gab es durch viele attraktivitätssteigernde Maßnahmen (neue Haltepunkte, Bahnhofsmodernisierung, Fahrrad- und Autoparkplätze an den Bahnhöfen, neue Züge, Halbstundentakt) von 2006 - 2011 eine Verdreifachung der Fahrgastzahlen (Jan - Nov: 312.000 zu 980.000).
- Verlängerung Bahnstrecke Trient - Male nach Marilleva im Jahr 2003 -> Anschluss zum Skigebiet in Daolasa und Marilleva
- 2015 wurde wohl eine Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Grödnerbahn beauftragt
- 2014 gabs einen Ideenwettbewerk zum Wiederaufbau der Bahn Rovereto - Gardaseee + Verlängerung nach Tione di Trento
- schon angesprochen hier: Vinschgerbahn (2 Mio Fahrgäste im Jahr) + Dolomitenbahn (die meines wissens dann aber nicht auf der ursprünglichen Trasse verlaufen soll)
Ja, es gibt zahlreiche Projekte, die man jetzt in Norditalien in Angriff nehmen will. Ich bin aktuell nicht ganz auf dem Laufenden, aber die Regierung Renzi will alleine für den Schienennahverkehrsausbau in einer ersten Tranche 3,5 Milliarden € zur Verfügung stellen. Die großen Fernverkehrsmaßnahmen wie das Hochgeschwindigkeits T mit dem T-Stamm Milano - Bologna - Firenze - Roma - Napoli und dem T-Querbalken Torino - Milano - Verona - Venezia - Trieste wird aus dem Fernverkehrsetat bezahlt, der aktuell in einer ersten Zahlung mit ca. 5,5 Milliarden € ausgestattet ist. Hinzu kommen dann noch die Fördermittel aus den Regionen und ggf. Kommunen.
Ich denke schon, dass sich da in den nächsten 20 Jahren einiges tun wird. Natürlich können solche Projekte wie die Reschenpassbahn, Dolomitenbahn, Gardaseebahn usw. nicht alle mal so eben nebenbei finanziert werden. Das sind Großprojekte, die einen gesamtgesellschaftlichen Konsens, so wie in der Schweiz, benötigen. Ohne gesamtgesellschaftlichen Konsens bekommt man solche Riesenprojekte wie einen 57 km langen Gotthardtunnel unter 4 Bergketten durchzubauen, damit die Eisenbahn 250 km/h fahren kann, nie durch.
Jetzt will z.B. auch Sand in Taufers eine Eisenbahn haben, die dann später Richtung Luttach verlängert werden könnte. Es wird noch eine gewisse Zeit dauern, bis man das so macht wie in der Schweiz, dass man die Mineralölsteuer erhöht und die Autofahrer am Ausbau der Eisenbahn finanziell beteiligt, was ich sehr vernünftig finde. In Österreich läßt man die Autofahrer die Koralmbahn und die neue Semmeringbahn mitzahlen; das kann ich ausdrücklich nur begrüssen.
Beim von dir angesprochenen Projekt der Grödnertalbahn wird es nach meiner Einschätzung ziemlich schwierig. Etliche Bereiche sind zugebaut. Ich habe mir auch schon einmal Gedanken gemacht. Fakt ist, dass es bereits bis nach Wolkenstein sehr schwer wird, die Bahn zu reaktivieren. Aber wenn man annimmt, das es gelingt, dann stellt sich die Frage - wie weiter?
Es gab vor dem ersten Weltkrieg uralte Pläne weiter zu bauen über das Sellajoch und Pordojjoch bis nach Arabba. Allerdings halte ich eine Eisenbahn über das Pordojjoch für ziemlich unrealistisch.
Ich denke einfach, dass zwischen Wolkenstein und Arabba eine Eisenbahn suboptimal ist. In diesem Fall würde ich einen ÖPNV mit Seilbahnen aufbauen. Da die jetzigen Seilbahnen zwischen Wolkenstein und Arabba auf die Skifahrerbedürfnisse ausgerichtet sind und nicht auf den ÖPNV, wäre es in diesem Fall notwendig, für den ÖPNV eigene Seilbahnen zu errichten. Zu prüfen wäre dann noch ein Seilbahnabzweig nach Canazei. Selbstverständlich könnten dann die ÖPNV-Seilbahnen von den Skifahrern mitbenutzt werden.
Ich räume aber ein, dass zwischen Wolkenstein, Arabba und Canazei selbst mir eine Eisenbahn etwas zu abenteuerlich wäre. Zwar bekäme man das mit einem gewaltigen technischen Aufwand (Schneeschleudern usw.) hin, dass man auch im Winter über den Pordoj fahren könnte, aber hier halte ich dann doch ÖPNV-Seilbahnen für sinnvoller.
Allerdings ist es aus verkehrsplanerischer Hinsicht in der Tat eine echte Herausforderung im Grödnertal und dann weiter bis nach Arabba und Canazei mal einen ordentlichen ÖPNV aufzubauen. Ich bin im Jahr 2011 das letzte Mal dort mit den Bussen unterwegs gewesen. Der Fahrplan war ja eine einzige Lachnummer. Über das Pordojoch fahren die letzten Busse gegen 17.30 Uhr. Es darf gelacht werden.
ski-chrigel schrieb:
Haltepunkt Percha (Kronplatz) an der Pustertalbahn, da ist ja der Bahnsteig wirklich in die Gondelstation integriert, näher gehts fast nicht.
Die 10m zwischen Zug und Drehkreuz sind kaum mehr zu toppen. Das hatten wir auch genutzt (
http://www.alpinforum.com/forum/viewtopic.php?p=5065549#p5065549). Doch leider ist das die völlige Ausnahme. Auch heute bei meinem Ausflug ins Engadin per Bahn ist das längst nicht mehr so bequem (
http://www.alpinforum.com/forum/viewtopic.php?p=5070747#p5070747). Und drum wird die Bahn beim Wintersport nie eine reelle Chance haben gegen das Auto.
Die Pustertalbahn ist erst einmal ein Pilotprojekt, was gut gelungen ist. Immerhin ist sie jetzt endlich auch mal elektrifiziert.
Der nächste Schritt sollte der Bau der Riggertalschleife sein. Dann kann man über eine Erhöhung der Geschwindigkeit und einen zweigleisigen Ausbau nebst 15-Minuten-Takt und zusätzlichen Fernzügen reden.
bergfuxx schrieb:
Warum soll eigentlich eine zusätzliche Flach-EUB bei Zell gebaut werden, wenn man genausogut auch die Trasse der ZTB zu den Talstationen der EUBn verlegen könnte? Das Über- oder Unterqueren der Bundesstraße dürfte nun kein Problem darstellen. Zudem kann die Bahn dann bis Aschau auch am Zillerufer verlaufen, oder hatte Erlach noch einen Bhf?
Was die Notwendigkeit eines Kfz im Zillertal begründet, würde ich gern mal wissen. Bei den bisherigen Wochenurlauben dort musste ich feststellen, dass die Verknüpfung zwischen Bahn und Bus schon ziemlich gut war. So habe ich mal ganz bewusst die Karre die ganze Woche stehen lassen und war jeden Tag in einem anderen Gebiet zu genüge skifahren und kann mich nicht beschweren, dass ich durch die Fahrten der letzten Verbindungen (Skibus zum Bhf) zu kurz gekommen bin. Den Tag des Versackens mit den Mitarbeitern der Elchbar jetzt mal ausgenommen... :lol:
Sicherlich wäre eine Trassenverlegung der Zillertalbahn in Zell am Ziller möglich. Ich denke aber, dass eine ca. 800 m lange EUB in der Ebene mit einem zusätzlichen Haltepunkt der Zillertalbahn kostengünstiger wäre. Und die zusätzliche Fahrzeit in der 0. Sektion fällt ja nur beim Ersteintritt in das Skigebiet an; bei Wiederholungsfahrten benutzen dann die Skifahrer logischerweise die 0. Sektion nicht mehr. Und beim Ersteintritt fährt der Skifahrer gerade mal in der 0. Sektion 3 Minuten, was keinen interessieren dürfte.
Die kürzeste EUB, die ich kenne, ist in Lermoos. Die ist nach meiner Schätzung vielleicht 300 m lang und hat eine Höhendifferenz von vielleicht 80 m. Ich habe mich damals schwer gewundert, dass es auf diesem Pipifaxanfängerhang gleich eine kuppelbare 8er-EUB mit Kabinen sein muss.

Bei 300 m Länge und 80 Höhenmeter hätte ich eher auf einen fixgeklemmten Doppelsessel getippt. Na gut, die Ansprüche der Leute steigen eben.

Wenn ich manchmal am Grubigstein im Sommer wandere, sehe ich, wie die Kabinen in den Stationen garagiert sind. Die Bahn fährt nur im Winter.
Aber im Talgrund von Zell am Ziller würde ich dann auf jeden Fall die Karspitzbahn verlängern. Das sollte kein Problem sein, hier eine 8er-EUB als Sektion 0 anzubauen; den Anbau hat man ja auch am Schwarzsee in Zermatt gemacht. Allzu teurer dürfte die 800 m lange Tal-EUB in Zell am Ziller nicht werden.
Im Sommer bietet es sich an, die Zwischenstation zwischen der Sektion 0 (EUB in der Ebene im Tal) und der Sektion 1 überhaupt nicht mehr als Einstiegsmöglichkeit anzufahren. In Zermatt macht man das auch so, das im Sommer die Stationen Aroleid und Furgg geschlossen sind. Die EUB fährt dann mit ihren Kabinen einfach durch Aroleid und Furgg durch ohne Ein- und Ausstiegsmöglichkeit für die Sommerfahrgäste. Das sieht man hier sehr gut. Furgg ist im Sommerbetrieb geschlossen:
https://youtu.be/baEHrYryVp0?t=20m38s
Genauso könnte man das in Zell am Ziller auch machen, denn 800 m in der Ebene zu wandern ist im Sommer für die Bergwanderer sowieso kein Problem und der originäre Quelle/Zielverkehr an der heutigen Talstation der Karspitzbahn dürfte im Sommer extrem gering sein, wenn die Sektion 0 fährt und man ideal in die Zillertalbahn umsteigen kann.
Aber ok, wenn diese Lösung nicht gewünscht würde, dann kann man auch die Zillertalbahn verlegen, was aber spürbar teurer sein dürfte als eine 800 m lange EUB. Da müssen sich dann eben die Gemeinde Zell am Ziller, der Bezirk Schwaz und das Land Tirol mit der Zillertalbahn und der Bergbahn zusammensetzen und diskutieren, was sie wollen.
Wenn das 150-Millionen € Paket für die Zillertalbahn ein Erfolg sein soll, dann sind meiner Meinung nach unbedingt flankierende Maßnahmen notwendig. Die Karspitzbahnsektion 0 ist lediglich ein Vorschlag von mir; sie ist keinesfalls offizielle Planung. Nach meinem Kenntnisstand gab es darüber bisher auch noch gar keine Diskussion.
In der Terminologie mancher Foristen ist also die Karspitzbahnsektion 0 ein Hirngespinnst. :lol: