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Olympische Winterspiele 2014- Sotschi

Schwoab schrieb:
Arme Natur....es ist mal wieder eine Schande wie dort entscheiden wurde!
Ich freue mich schon auf Spiele, bei denen wenig Flair und Stimmung rüberkommt, und die NATUR der große Verlierer sein wird....aber so sind sie halt diese Kommites, egal ob IOC, Uefa, Fifa oder Sonstige...Geld regiert die Welt!

Das Beispiel mit Leipzig ist übrigens sehr gut!

sorry aber ich kanns nicht mehr hören, wir (damit meine ich deutsche, schweizer, franzosen, österreicher) haben in den alpen auch alles vollgepflastert, und die russen sollen nun nicht das recht haben einen winzigen teil ihres gebirges zu erschließen???
 
und die russen sollen nun nicht das recht haben einen winzigen teil ihres gebirges zu erschließen
Fakt ist, dass der Westkaukasus Weltnaturerbe der UNESCO ist.
Weiter oben habe ich geschrieben, warum dem Dresdner Elbtal dieser Titel entzogen werden soll - was ist dann mit dem Titel für den Kaukasus?
Okay, die UNESCO braucht ja auch Geld und da wird es auf ein paar Milliönchen nicht ankommen. :D
 
Ich habe gerade einen Artikel von Tom Kirschey, Leiter der AG Kaukasus des NABU - was es so alles gibt :oops: - gefunden.
Von der Küste bergauf ändert sich das Klima plötzlich. Ab 1300 Höhenmeter aufwärts ist der Winter schneereich. Dem Wanderer eröffnet sich der Blick auf eine nahezu unberührte Berglandschaft, bedeckt mit blütenreichen Bergwiesen und dichten Wäldern, durchzogen von glasklaren Gebirgsbächen, in der Bergwisente, Westkaukasische Steinböcke, Bären, Wölfe und Luchse umherstreifen. Kaum vorstellbar, dass die olympischen Bauvorhaben in diesen wertvollen, teilweise unberührten Naturlandschaften errichtet werden sollen.
Sieben olympische Bauten sind direkt im Nationalpark Sotschi geplant, die Bobbahn, das Olympische Dorf und die Biathlonanlagen sogar in der schmalen Pufferzone des Staatlichen Kaukasischen Biosphärenschutzgebietes, einem seit 1999 als Welterbe der Menschheit von der UNESCO anerkannten Totalreservat. Alle anderen Objekte sollen in einem noch weitgehend natürlichen Tal mit Sumpfgebiet angesiedelt werden, das als wichtiges Rastgebiet für Zugvögel dient. Die Entscheidung der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die südrussische Stadt Sotschi zum Austragungsort der XXII. Olympischen Winterspiele zu machen, löste daher bei russischen und internationalen Umweltschutzorganisationen große Entrüstung aus.
»Der Westkaukasus ist eines der bedeutendsten Zentren biologischer Vielfalt der Erde und Lebensraum der letzten Bergwisente Europas. Für 16 Tage Olympische Winterspiele soll wertvollste Natur unwiderruflich zerstört werden«, kritisierte NABU-Vizepräsident Thomas Tennhardt. Annette Baumann, Leiterin der Bundeskontaktstelle Internationale Arbeit der Grünen Liga, klagt: »Das Weltnaturerbe Westkaukasus ist das einzige Beispiel einer großräumigen, weitgehend unbeeinflusst gebliebenen Hochgebirgslandschaft Europas und Westasiens und steht seit über 120 Jahren unter Naturschutz.«
Nach Angaben der Sozialökologischen Union Russlands wurde im Vorfeld der Entscheidung auf Teile der Bevölkerung von Sotschi und der betroffenen Bergdörfer erheblicher Druck ausgeübt, Grundstücke und Wohnhäuser den Bedürfnissen der Olympiaplanung unterzuordnen. Vertreter von 47 russischen Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen haben gegen die Entscheidung protestiert. »Das IOC hat seine erst in Turin 2006 bekräftigten Grundsätze ad absurdum geführt, Natur- und Umweltschutzaspekte bei der Auswahl der Austragungsorte zu berücksichtigen,« sagt Andrej Rudomacha, Leiter der Umwelt-Wacht Nordkaukasus.
Dresdner
 
Habe ein etwas gespaltenes Verhältnis zur Winterolympiade in Sotschi.
Einerseits finde ich es gut, daß so ein Ereignis mal in einer seit vielen Jahren "vergessenen" Ecke stattfindet und der Kaukasus ist ja nun nicht gerade ein Kleinstgebirge(die paar Quadratkilometer für die Anlagen werden sich schon finden lassen), andererseits habe ich so ein komisches Gefühl, daß in Sotschi allein das Geld das Sagen haben wird(und da ich sowohl vor 1990 als auch nach 1990 mit sowjet./russ./GUS-Leuten bzw. -Institutionen zu tun hatte, habe ich auch eine gewisse Portion Skepsis, daß da alles einigermaßen reibungslos klappen wird).
Selbst wenn man als Hauptcredo "Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum" hat und dazu ordentlich Selbstvertrauen in sein Improvisationstalent hat, wird es nicht leicht sein.
Ich drücke allen die Daumen, daß es klappt. Aber ein kleiner Zweifel bleibt schon(habe 1987 einige Gebäude/Hotels der 1980er Sommerolympiade in Augenschein genommen und hatte einige Befürchtungen leider übertroffen vorgefunden, aber es bleibt die Hoffnung, daß diesmal es deutlich besser wird). Ich fürchte da werden allerhand einflußreiche Leute mitreden wollen(von solchen Begleiterscheinungen wie Korruption mal ganz zu schweigen, die gibt es ja in fast allen Ländern, allerdings in Rossija etwas ausgeprägter als in Mitteleuropa) und deren Nachteil ist aber, daß sie von der Planung und Realisierung von solchen Großprojekten nahezu keine Ahnung haben. Es gibt genug fähige Planer in Rußland, da habe ich keine Sorge, aber diese werden heute wieder so gegängelt, daß man meinen könnte, daß die ruhmreiche UdSSR noch existiert.
Zur UNESCO ist alles gesagt, wer das Theater in Dresden erlebt, dem ist die UNESCO etwas suspekt oder unverständlich. Deswegen würde ich den Weltkulturerbestatus vom Teilkaukasus nicht überbewerten wollen.

Trotzdem hoffe ich, daß der schöne Kaukasus in Folge der 2014er Winterspiele nicht flächendeckend mit Seilbahnen/Liften/Hotelanlagen und anderem überflüssigen Zeug zugepflastert wird. Manchmal ist es auch vorteilhaft, wenn kein Geld da ist.

Rajiv
 
Ich hätte die Winterspiele auch lieber in Salzburg gesehen, aber wie wir ja bereits von der 2006er-Entscheidung gegen Sion gelernt haben, gewinnt nicht immer die beste Bewerbung. Im Vorfeld sind ein paar etwas zweifelhafte Dinger gelaufen:

- Sicherheitslage: Österreich unsicherer als Südkorea mit angrenzenden Nordkoreanischen Atombombenbastlern und als Südrussland mit der Nähe zu Tschetschenien?

- Stimmung der Bevölkerung: Umfragen werden von Londoner Institut nicht in Flachau sondern im Flachgau durchgeführt. Demokratische Kritik schlechter als mundtotgemachte Bewohner eines repressiven Staates?

- nachhaltige Spiele: lieber komplett neuerschließen als auf bestehender Infrastruktur aufsatteln...

Den Kaukasus werden die Spiele ökologisch sicherlich nicht in den Ruin treiben, aber die eigenen Richtlinien wurden vom IOC mal wieder musterhaft ad absurdum geführt...
 
Ich dachte eigentlich, dass nach dem Salt-Lake-City-Skandal geplant war, dass nicht mehr das komplette IOC entscheidet, sondern nur noch eine Kommission. Aber das war wohl nicht durchsetzbar, denn damit hätte sich das IOC ja eine seiner Hauptkompetenzen nehmen lassen. Es ist mit Sicherheit ein Problem, dass jedes IOC-Mitglied stimmen darf und wenn man ehrlich ist, dürfte es die wenigsten Afrikaner oder Südamerikaner interessieren, ob im Kaukasus ein Naturreservat vor die Hunde geht oder nicht. Die sehen halt die Kohle und die Versprechungen der Ausrichterländer bzw. deren Sponsoren und so wird dann entschieden. Immerhin ist die Evaluierungskommission vorgeschaltet, die die nicht geeigneten Kandidaten aussortiert.
 
In der Sächsischen Zeitung ist eine detaillierte Skizze mit den Veranstaltungsorten enthalten - leider streikt derzeit mein Scanprogramm.
In Sotschi selbst (328000 EW) finden Eisschnellauf, Short Track, Eiskunstlauf, Curling und Eishockey statt.
Von Sotschi aus führt eine Stichstraße in das 50 km Luftlinie, im Westkaukasus gelegene Krasnaja Poljana. In diesem Ort findet das Skispringen statt. Nordöstlich dieses Ortes befindet sich das Wettkampfzentrum für Langlauf, Nordische Kombination und Biathlon; westlich Bob, Rodeln und Skeleton sowie südöstlich das Wettkampfzentrum für Freestyle, Snowboard und Ski Alpin. Die "Sattelitenwettkampfstätten" sind alle ca. 5 - 10 km von Krasnaja Polana entfernt.
Errichtet werden zwei Olympische Dörfer - in Sotschi sowie am Ort der Schlittenwettbewerbe.
Insgesamt also extrem kompakte Winterspiele. Geplant ist u.a. eine Seilbahn der Superlative - direkt vom Schwarzen Meer in den Kaukasus, wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass auch ein DM eine Seilbahn von 50 km Luftlinie (dazu kommen noch die gewaltigen Höhenunterschiede) bauen kann.
Übrigens dürfte noch ein Österreicher massiv von Sotschi profitieren - der Architekt, der das 2. Olympische Dorf in den Bergen errichtet. Aus welchen Gründen auch immer - es soll ein echtes komplettes alpenländisches Bergdorf entstehen, das aussieht, als wenn es dort historisch gewachsen ist. Auf Stahl- und Betonmonsterbauten wird komplett verzichtet - alles soll feingliedrig in die Landschaft integriert werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Dorf nach der Olympiade das Winterferienzentrum im Kaukasus wird.
Dresdner
 
Die Planung hört sich doch ganz gut an.
Hoffen wir mal, daß alles klappt und sich alles "umweltverträglich" realisieren läßt.
Wenn das wirklich klappt und die Olympischen Anlagen sich gut nachnutzen lassen, dann wäre ja im Kaukasus etwas gelungen, was an anderen Austragungsorten nicht so gut hingehauen hat.

In welcher SZ, also welcher Tag oder welches Wochenende, stand das drin?
Muß nach dem Urlaub erstmal einen Berg Zeitungen durchsehen(und weiß eigentlich gar nicht so richtig wann ich das machen soll).

Rajiv
 
Ach so. Da komme ich erst in 'ner Stunde dazu; habe die SZ zu Hause und nicht im Büro und muß mich da noch etwas gedulden.

Besten Dank!

Rajiv
 
Stani schrieb:
Rozak Hutor (ca 6 km von Krasnaya Polyana), hier wird ein nagelneues Schigebiet entstehen
:kluckscheiss:
Das heisst Roza Khutor. Und ist ein Plato.

Nächste Saison wird die EUB in Betrieb genommen. Bestehen aus 3 Sektionen. Die Gondeln stammen von CWA Typ Omega III/8 LWI.
 
DM soll übrigens keine SEILBahn bauen zwischen Sotschi und dem Ski-Zentrum, sie denken an ein Monorail (warum fällt mir jetzt grad diese eine Simpsons-Folge ein, wo Homer Lokführer wird? :wink: )
 
Wie schon vor ein paar monaten gesagt finde ich, dass Russland als Wintersportnation Winterspiele absolut verdient hat. Mal abwarten wie das wird.

Das Konzept der Spiele hört sich doch recht gut an. Vor allem, dass die Wettkampfstätten so eng zusammenliegen. Ist halt der Vorteil, wenn alles neu aus dem boden gestampft werden muss. Wenn sie es schaffen, die Bauten einigermaßen in die Natur zu integrieren entsteht wohl ein sehr schönes Tourismuszentrum. In Sotschi kannst Du im Sommer unter Palmen baden und im Winter im Hinterland Ski fahren. Geil! :D
 
Erste Ländle-Aufträge für Sotschi

Schwarzach - Im Umkreis von Sotschi, dem Austragungsort der Olympischen Spiele 2014, ist der Wolfurter Seilbahnbauer Doppelmayr seit 2006 mit sechs Anlagen vertreten.
Jetzt hofft man auf Folgeaufträge.

„Wir haben bereits Anfang der Neunzigerjahre die erste Anlage nach Russland geliefert. Seit 2001 haben wir in den GUS-Staaten 50 Anlagen errichtet. Damit sind wir dort sowie in den mittel- und südosteuropäischen Staaten heute klarer Marktführer.“

So Ekkehard Assmann, Marketingleiter des weltweit tätigen Lift- und Seilbahnbauers Doppelmayr. Diese Märkte, die neben den Alpenländern sowie USA und Kanada zu den Kernmärkten von Doppelmayr gehören, verzeichnen ein starkes Wachstum. Doppelmayr erzielt dort bereits 15 Prozent seines Umsatzes.

Nun hofft man bei Doppelmayr auf weitere Aufträge. Denn in Krasnaya Polyana, rund 50 km von Sotschi entfernt, laufen Doppelmayr-Anlagen. Dort erschließt eine Zubringerbahn ein Hochplateau in 1450 Meter Seehöhe, auf dem die weiteren fünf Bahnen errichtet wurden. Damit hat Doppelmayr für den Bau weiterer Bahnen einen Startvorteil. Auftraggeber war der russische „Energieriese“ Gazprom.

In Samara an der Wolga, der sechstgrößten Stadt Russlands, betreibt Doppelmayr eine Produktionsstätte für den russischen Markt und die GUS-Staaten. Dort sind nur Russen beschäftigt. „Sicherheitsrelevante und Know howintensive Produkte werden aber aus Wolfurt nach Samara geliefert“, so Assmann.

Auch der neue Industriellen-Präsident, der Bludenzer Maschinen- und Kesselbauer Hubert Bertsch, kam gestern im Rahmen der Pressekonferenz zur Konjunkturumfrage am „Thema Sotschi“ nicht vorbei. „Dort befindet sich in den kommenden sieben Jahren die größte Baustelle Europas. Infrastrukturen, Straßen, Seilbahnen, Hotel- und Sporteinrichtungen - lauter Bereiche, in denen österreichische und Vorarlberger Firmen ihre Kompetenz längst eindrucksvoll bewiesen haben und in denen sie dank Olympia 2014 ihre Auftragsbücher erneut füllen werden“ , gab sich der Industriellen-Chef beinahe euphorisch. Wichtig: Unter den vielen Regionen in der Ex-UdSSR, mit denen heimische Unternehmen heute gut im Geschäft stehen, sei “ die gesamte Region Krasnodar eine der österreichfreundlichsten“ , so Bertsch.

Wohl auch im Hinblick auf den zumindest erhofften Olympia-Zuschlag für Sotschi hat Bertsch eben erst einen schönen Auftrag perfekt machen können. “ Wir werden in Krasnodar für 2,5 Mill. Euro eine Fleischverarbeitungs- und Käseproduktionsanlage errichten“ , präzisierte er.
Quelle: VN
 
Ist das nicht die Gegend, in der die tschetschenischen Rebellen ihr Unwesen treiben? Wäre doch nicht gerade schlau, dort so ein Riesenanlass durchzuführen.
 
GMD schrieb:
Ist das nicht die Gegend, in der die tschetschenischen Rebellen ihr Unwesen treiben? Wäre doch nicht gerade schlau, dort so ein Riesenanlass durchzuführen.

Ja. Eben. Drum.

Unter dem Vorwand Olympia kann der große Demokrator Putin nun die militärischen Aktivitäten in Kaukasus vervielfachen.
"Hey, was wollt ihr im Westen denn? Das ist alles nur für EURE Sicherheit bei den olympischen Spielen."

Nicht, dass ich für die tschetschenischen Islamisten jetzt sonderlich Sympathie hätte (eher im Gegenteil), aber man muss das alles halt im Kontext sehen.
 
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