Ist München olympiatauglich?
Hält die U-Bahn durch, sind genug Betten vorhanden, stimmt das Image? Acht Fragen zur aktuellen Diskussion um eine Bewerbung für die Winterspiele 2018 - und die Antworten.
Welche Sportarten könnten in München stattfinden?
Im Prinzip ist nur klar, welche Sportarten in der Großstadt München schwer möglich sind: alle alpinen und nordischen Wettbewerbe, für die sich Garmisch zuständig fühlt. Auch Rodeln oder Skispringen gehört in die Berge. Theoretisch wäre es allerdings denkbar, einige der Kurzstrecken-Wettbewerbe abzukoppeln und in München zu veranstalten. Beim Langlauf-Sprint-Weltcup "Tour de Ski" am 31. Dezember 2006 im Olympiastadion hat München bewiesen, dass auf Kunstschnee vieles möglich ist. Problemlos könnte man im Olympiapark auch einige wichtige Eis-Disziplinen veranstalten: Eiskunstlauf, Eishockey, Eisschnelllauf. Für einen Snowboard-Wettwerb auf olympischen Niveau dürfte der Olympiaberg dagegen nicht geeignet sein. Aber der Skiverband München (SVM) möchte auf dem Fröttmaninger Berg einen Skilift mit Beschneiungsanlage und Flutlicht errichten. Wenn es nach dem SVM-Vorsitzenden Axel Müller geht, würden dort die alpinen Freestyle-Wettbewerbe stattfinden.
Welche Anlagen müssten dafür gebaut beziehungsweise modernisiert werden?
Eine heikle Frage, weil noch keiner die genauen Anforderungen des IOC kennt. Arno Hartung, Pressesprecher der Olympiapark GmbH, gibt sich deshalb auch sehr zurückhaltend. Dass die Olympiahalle von September 2007 bis 2009 für 50 Millionen Euro modernisiert wird, könnte sich als Vorteil erweisen. Internationale Wintersportwettbewerbe fanden hier bereits statt: "Bei der Eishockey-WM 1993 und bei der Eiskunstlauf-WM 1991 haben wir bewiesen, was wir können", sagt Hartung. Geplant ist übrigens auch eine neue kleine Halle am Olympiaturm, die genutzt werden kann.
Welche Konkurrenten könnten Münchens Bewerbung gefährden?
Da wären zunächst auf nationaler Ebene Berlin und Hamburg, die eine Bewerbung für Sommerspiele erwägen, was auch der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach, grundsätzlich begrüßt. Doch wird der DOSB erst einmal entscheiden müssen, ob er Sommer- oder Winterspiele will. International wird sicher das südkoreanische Pyeongchang weiter mitbieten, genauso wie Österreich/Schweiz oder die Schweiz mit Sion im Wallis.
Was kann München von Turin lernen?
Sehr vieles. "In Turin hat es nicht gefunkt. Die Einheimischen interessierten sich nur für die eigenen Sportler. Da war keine Atmosphäre", so die Einschätzung der SZ-Olympiareporter. Es gälte, so sagen sie, "die Spiele mit Leben zu füllen".
Ist die U-Bahn noch olympiatauglich?
Klare Antwort: ja. Wer bei der Fußball-WM 2006 gleichzeitig 60 000 Fahrgäste gen Olympiapark und 40 000 in die Arena transportieren kann, muss auch vor Winterspielen nicht um den Schlaf bangen. Vor allem der Olympiapark gilt als bestens erschlossen. MVG-Chef Herbert König ist optimistisch: "Von uns aus kann Olympia gerne kommen."
Reichen die Verkehrsverbindungen nach Garmisch aus?
Mit der Bahn sind es knapp eineinhalb Stunden bis Garmisch, ein Ausbau der teilweise nur eingleisigen Strecke wird zumindest diskutiert. Autofahrern steht mit der A 95 eine leistungsfähige Verbindung zur Verfügung. Problem: Die A 95 ist nicht an den Autobahnring angeschlossen. Bis 2018 ist jedoch der Luise-Kiesselbach-Platz komplett untertunnelt, so dass wohl kein allzu großes Olympia-Chaos zu erwarten ist. In Garmisch gibt es ohnehin jede Menge Verkehrsplanungen - für eine untertunnelte Westumfahrung etwa, die direkt zu den Skigebieten führt. Auch hofft das Innenministerium, die Umfahrung Oberau samt Tunnel fertig stellen zu können.
Wo soll das Olympische Dorf stehen?
Freie Flächen sind in München Mangelware. OB Christian Ude setzt daher auf die Konversion - also die Umnutzung von Arealen, deren Wohnungsbauten in die Jahre gekommen sind. Wo genau die Planer ansetzen sollen, sagt Ude noch nicht. Klar ist aber, dass ein U-Bahn-Anschluss unbedingt nötig ist. Ude verspricht sich von einem neuen Olympischen Dorf, dass es danach den Wohnungsmangel in München lindert. Bei den Winterspielen in Turin entstand das "Villagio Olimpico". Nun werden die insgesamt 120 000 Quadratmeter Geschossfläche als Gästehäuser der Stadt, Büros und Sozialwohnungen genutzt.
Sind genug Betten vorhanden?
Tourismusamt-Chefin Gabriele Weishäupl beantwortet diese Frage mit einem klaren Ja. Bereits jetzt glänzt München mit einer Kapazität von 40 000 Hotelbetten, und es sind weitere Hotels im Bau oder in der Planung. Das habe für die Fußball-WM gereicht, das werde auch in gut zehn Jahren genügen. Eine Stadt, die jedes Jahr zur Wiesn sechs Millionen Besucher verkrafte, werde auch die Olympiagäste gut unterbringen können.
Mit welchem Image will sich München bewerben?
Wenn es gelingt, den vom IOC geforderten Standard zu erreichen, ohne dafür die Landschaft mit Beton zu versiegeln, könnte München auf die Ökologie setzen. Angesichts der Klimadebatte wäre es sicher ein Vorteil, würden die Spiele geplant, wie es die Grünen fordern: nachhaltig, ökologisch und klimaneutral. Da viele Sportstätten hier und in den Alpen bereits existieren, könnte die Ökologie tatsächlich zum Trumpf werden. Eher zweifelhaft ist, ob sich München damit brüsten sollte, die erste Stadt zu sein, die sowohl Sommer- als auch Winterspiele ausrichtet. Das könnten einige Länder als zu viel des Guten empfinden. Abzuraten ist auch von zu viel Bier, Brezn und Blasmusik - das driftet doch zu sehr ins Provinzielle.