Besten Dank für Ihr Mail vom 22. Juli. - die erste Ausgabe vom 22. Juni habe ich nicht erhalten.
Sie regen an, die alte Gumenbahn zu erhalten. Ja, diesen Gedanken haben wir auch schon intensiv behandelt.
Ein Nostalgie Schiff, eine Nostalgie Lok, ein Autooldtimer haben alle etwas gemeinsam. Es ist nur das Objekt selbst zu restaurieren - verkehrt wird auf dem aktuellen Trassee von heute (wobei natürlich ein See nicht der Neuzeit anzupassen ist....). Kostenaufwand und Risiko sind abschätzbar.
Anders bei einer Seilbahn. Eine Seilbahn ist ein Komplettsystem bestehend aus Antrieb, Stützen, Drahtseil, Fahrmittel und Stationsbauten. Sie kann / darf nur fahren, wenn alle Bestandteile des Elektromechanischen Teils den aktuellen Standards entsprechen. Das Seil wird periodisch erneuert (bei der Gumenbahn ist es heute 5-jährig), alle andern Teile stammen aber aus dem Jahre 1947. Die Auflagen des BAV sind deutlich strenger geworden.
Dadurch müsste die SB Gumen für 4 Mio erneuert werden, um im annähernd heutigen Look während rund 7 - 10 Jahren weiter verkehren zu können. Dabei wären u.a. einige Masten zu verlängern, resp. aufzustocken. Da dies technisch nicht machbar ist, müssten sie trotzdem neu gebaut werden. Dies damit der Seilauflagedruck auf den Rollen genügend stark ist, was heute an der untersten Sicherheitsgrenze liegt. Masten und Fahrmittel weisen Alterungserscheinungen auf - das Material aus den Endvierziger-Jahren ist nicht für die Ewigkeit bestimmt. Ein Neubau/Nachbau drängt sich auf.
Wenn die SB Gumen auch für diesen Betrag retrogefittet würde, wäre die Transportkapazität nicht höher als heute, dh. rund 380 Personen pro Stunde. Auch wenn wir mit der neuen Bahn nicht eine Hochleistungseinrichtung für über 2000 Personen pro Stunden bauen wollen, so muss diese sehr bescheidene Kapazität doch rund verdoppelt werden, um den heutigen Ansprüchen gerecht zu werden. Die Nostalgie-Sesselbahn braucht auch in jedem Fall mehr Personal für den Betrieb als eine moderne Gondelbahn.
Wenn Sie nun 4 Mio in ein Retrofit-Programm investieren und dies in 7-10 Jahren abschreiben, dann sind die Finanzierungskosten wesentlich höher als wenn Sie knapp 8 Mio in eine neue Bahn investieren und diese in 2530 Jahren abschreiben müssen. Die Gäste sind aber keinesfalls bereit, für eine Fahrt auf den Gumen plötzlich viel höhere Beträge zu bezahlen. Dies im Gegensatz zu einer Bahnfahrt im Nostalgie-Express.
Alles in allem - die Idee der Erhaltung der Nostalgie-Sesselbahn wird zwar von vielen begrüsst und hätte wirklich Charme, aber aus finanziellen Gründen ist dies für uns keinesfalls machbar. Auch glauben wir nicht, dass eine Sammlung soviel Geld zusammenbringen würde, um das Projekt zu rentabilisieren. Wir betreiben eben nicht die Dampferflotte der SGV oder der CGN.
Im übrigen haben die beiden andern von-roll-Sesselbahn-Betriebe in der Schweiz, Kandersteg-Oeschinensee und Weissenstein, je anfangs 90er Jahre nach 40 Betriebsjahren ein Retrofitprogramm durchgezogen. Beide Projekte sahen rund eine Mio an Investitionen vor - gekostet hat's bei beiden schlussendlich rund 2 Mio und glücklich sind sie dabei nicht geworden. Beide müssen bis 2007 / 2010 allerspätestens durch eine neue Bahn ersetzt werden. Sie betrachten die ins Retrofit eingesetzten Mittel als eine Falschinvestition und speziell die Weissensteinbahn kämpft wiederholt mit dem definitiven Aus......
Es tut mir leid, Ihnen keinen bessern Bericht geben zu können. Aber vorläufig können Sie noch bis im April 2005 mit der Gumenbahn das Nostalgie-Sesselbahn-Feeling geniessen.