Tja, das ist eine traurige Nachricht! Das Frohlocken wird Rolf Studer übrigens in ein paar Jahren vergangen sein, da bin ich mir ziemlich sicher. Nämlich dann, wenn er feststellt, dass die so heissbegehrte und als einzige Lösung propagierte Gondelbahn sich als Millionengrab entpuppt und die SWAG (oder wie sie sich dann nennt) merkt, dass sie die Investition nicht amortisieren kann und auf riesigen Schulden sitzt. Dann wird wohl wieder die öffentliche Hand den Karren aus dem Dreck ziehen dürfen, während sich die Verantwortlichen still und heimlich aus dem Staub machen.
Warum ich so düster sehe? Weil ich den Weissenstein kenne! Dort oben gibt es - so gut wie nichts! Die Aussicht ist ganz passabel, aber das lockt noch keinen Hund hinter dem Ofen hervor. Dann wäre da noch ein altes Kurhaus, aber das kann man auch nicht unbedingt als must seen bezeichnen. Warum soll also ein Gast einiges an Geld in die Hand nehmen, um mit einer ganz gewöhnlichen 08/15 Gondelbahn dort hochzufahren? Vor allem wenn man noch bedenkt, er kann es ja auch mit dem Auto tun, es gibt bekanntlicherweise eine Strasse dort. An eine Sperrung dieser Strasse, obwohl von den Bahnbetreibern gefordert, glaube ich nicht. Sie hat nämlich auch Verbindungsfunktion, da sie auf der anderen Seite wieder hinunterführt und Solothurn mit dem Hinterland verbindet. Eine Alternative gibt es nicht, der Umweg wäre viel zu gross.
Man braucht also was Besonderes, und zwar was die Seilbahn betrifft, denn alle Attraktionssteigerungen bei der Bergstation verpuffen aufgrund der Erreichbarkeit per Auto. Doch mit einer Gondelbahn, welche für den gewöhnlichen Bürger aussieht wie jede andere auch, wird das sicher nicht erreicht. Warum wohl hat man, um mal ein anderes Beispiel herauszupicken, am Hochstuckli eine EUB mit drehbaren Kabinen gebaut? Weil dort die Situation sehr ähnlich ist und man sich dessen bewusst war! Mit Erfolg wie man sieht. Ich bin mir ziemlich sicher, hätte es eine Standardbahn gegeben, wäre es anders herausgekommen.
Genau da wäre die alte VR101 ein grosser Vorteil geworden! Immerhin wäre sie die einzige Bahn dieses Typs weit und breit und auch Laien sehen sofort, das sie historisch ist. Hätte man diesen dicken Nostalgiebonus geschickt marketingmässig genutzt, es hätte eingeschlagen da bin ich überzeugt von! Denn Nostalgie ist Trumpf und bringt Kundschaft! Das beweist der Erfolg der Dampfschiffe auf Schweizer Seen. Die Situation war da übrigens vor etwa 50 Jahren durchaus vergleichbar: Die Betreiber hätten die alten Kähne am liebsten alle abgewrackt. Die Argumente waren praktisch die gleichen wie bei der VR101: zu teuer in Betrieb und Wartung, nicht mehr zeitgemäss etc. Dank dem engagierten Einsatz von Dampferfreunden, die damals übrigens auch als ewiggestrige Nostalgiker verspottet wurden, gelang es jedoch, 14 Raddampfer zu retten; auch weil sie sich finanziell an den erwiesenermassen höheren Kosten beteiligten (und das immer noch tun). Heutzutage geben sogar die eifrigsten Motorschiffbefürworter von damals zu, dass die "Dampfspinner" Recht hatten. Denn die Dampfschiffe sind wahre Publikumslieblinge und die Enttäuschung ist gross, wenn ein Dampfer aus irgendeinem Grund durch ein Dieselsschiff ersetzt werden muss.
Ein weiteres Beispiel, diesmal auf der Schiene beweist dies ebenfalls. Ich rede von der Furka Bergstrecke. Als 1981 der Furka-Basistunnel eröffnet wurde, wollte die Furka-Oberalp-Bahn (FO) die alte Bergstrecke abbrechen. Dagegen wehrten sich Eisenbahnfans aus ganz Europa, und sie hatten Erfolg. Es dauerte zwar gut 30 Jahre bis die Gesamtstrecke wieder befahrbar war, aber die Bahn selbst ist eine Erfolgsgechichte. Warum? Nicht wegen der eindrücklichen Bergwelt. Die sieht man auch aus dem Auto auf der Passstrasse. Nein, weil da historische Züge mit Dampfloks über den Berg schnauben! Würde man da mit viel wirtschaftlicheren Dieselloks fahren, man könnte es gleich vergessen! So gesehen hat man am Weissenstein eine grosse Chance verpasst, der man in ein paar Jahren bitter hinterhertrauern wird. Aber dann ist es zu spät!