Skifahren rund um München
Das reicht noch nicht
Jetzt ist der Winter weiß – wie es sich gehört. Inklusive Beiwerk: Staus, Verspätungen, Unfälle. Wie aber sieht es in den Skigebieten rund um München aus? Laufen inzwischen alle Lifte?
Von Julia Teichmann
Diese Saison hat es der Winter spannend gemacht. Lange Zeit tat er so, als würde er einfach grün bleiben und mal ausprobieren wie es ist, Frühling zu sein. Doch Ende Januar hat er sich seiner Pflichten besonnen. Und es schneit, und schneit, und schneit.
Aber auch wenn der Winter sich jetzt von seiner üppigen Seite zeigt: Für einen Vollbetrieb der Skigebiete rund um München liegt nach wie vor zu wenig Schnee.
Oswald Pehel, Marketing-Leiter von Chiemgau-Tourismus e.V., war am Dienstag selbst auf der Winklmoos-Alm: "Da war kein Skibetrieb. Die Warmperiode zuvor war einfach zu lang. Bis wieder eine Grundlage da ist, die man für den Skibetrieb präparieren kann, muss man sicher noch einige Schnee- und Frosttage warten. Nächste Woche dann wird es in den Tallagen der Chiemgauer Alpen – also Ruhpolding, Reit im Winkl und Inzell – hoffentlich ausreichen."
Zumindest, um Langlauf-Loipen zu spuren: Diese seien nämlich wesentlich einfacher und mit weniger Schnee zu präparieren als Skipisten.
Ebenfalls bescheiden sieht es am Spitzingsee aus. Ingo Brockmann vom "Skiverleih Spitzingsee" geht vor die Tür und steckt einen Zollstock in den Neuschnee. 4,5 Zentimeter ist das Ergebnis, und das ist sogar rekordverdächtig, denn: "Bis jetzt war nichts. Aber wer das nicht überlebt, hat falsch gewirtschaftet. Durch den Winter mit außergewöhnlich viel Schnee letztes Jahr habe ich ein Polster."
Besonders traurig findet Ingo Brockmann die Situation für die Gäste, die in der Hoffnung auf Schnee anreisen: "Bis vorgestern haben wir dann eben das Nordic-Walking Programm durchgezogen. Für mich ist das allerdings kein Ausgleich zum Skiverleih – die meisten haben ihre eigenen Stöcke dabei."
Sonne und Bergluft genießen
In der Ferienzeit wurden die Gäste am Spitzingsee mit Bussen bis in das ca. 120 Kilometer entfernte österreichische Kaltenbach auf den Gletscher gefahren. Sie seien zufrieden gewesen, meint Brockmann, obwohl die Kosten auf sie umgelegt wurden. "Hauptsache, sie fühlen sich wohl und kommen wieder!"
Am Brauneck in Lenggries fährt die Gondelbahn auf den Berg – und das ist schon die einzig gute Nachricht. Wer also die Aussicht und die Bergluft genießen will, kann am vorraussichtlich sonnigen Sonntag einen Ausflug auf den Gipfel machen. Für wintersportliche Aktivitäten liegt trotzdem zuwenig Schnee.
Karin Ledermann von der Brauneck-Bergbahn ist frustriert: Am heutigen Mittwoch sieht es genauso schlecht aus wie gestern. Wir haben höchsten 10 Zentimeter Neuschnee. Wir hoffen auf das Wochendende – aber im Moment geht bei uns nichts."
Peter Ries, Tourismusdirektor von Garmisch Patenkirchen, kann da vergleichsweise froh sein: Er hat wenigstens die Zugspitze in seinem Wirkungsbereich, auf der gegenwärtig beste Bedingungen herrschen.
Ein Intermezzo mit Paukenschlag
In den tieferen Lagen, also im sogenannten Klassik-Gebiet, das Hausberg, Alpspitze und Kreuzeck umfasst, laufen aber auch nicht alle Lifte. Der Kreuzwankl und die neue Hausbergbahn fahren zwar, und oben auf dem Hausberg liegen 20 Zentimeter Pulverschnee – doch gerade seine locker-flockige Konsistenz eignet sich schlecht als Beschneiungsgrundlage. "Da muss es ein bisschen mehr schneien – aber wir haben noch Hoffnung," so Ries.
Die Hoffnungen von Skiverleihern, Liftbetreibern und Tourismus-Beauftragten will Christian Freuer vom Deutschen Wetterdienst sicher nicht zerstören, wenn er ankündigt: "Der Wintereinbruch gerade ist nur ein Zwischenspiel. Schließlich gibt es ja auch Intermezzi mit Fortissimo und Paukenschlag."
Von Freitag auf Samstag soll es zwar noch mal kräftig schneien, in den Staulagen der Skigebiete kann das bis zu 20 Zentimeter Neuschnee bedeuten. Am Sonntag wird es aber dann wohl schon sonnig, wenn auch noch frostig kalt.
In der nächsten Woche wird der Winter dann vorraussichtlich wieder übergehen zu dem, was er dieses Jahr am Besten kann: Den Frühling mimen. "Die Frostgrenze wird zunächst auf 800 und dann auf über 1000 Meter ansteigen", prophezeit Freuer, "es wird wieder mild."