Alpenorte melden lang erwarteten Neuschnee
Die ersten Flocken sind zögerlich gefallen, die Temperaturen rutschen widerwillig unter Null - der weiße Winter naht, und langsam kommt der Skibetrieb in den Alpen in Gang. Die Touristiker üben sich in Optimismus, währenddessen der Alpenverein Wandertouren im Grünen empfiehlt.
St. Moritz/Ischgl - Gezittert wird noch immer in den Wintersportregionen - inzwischen aber wegen der Minustemperaturen, nicht mehr wegen des ausbleibenden Schnees. Nachdem in vielen Orten der Alpen der Auftakt zur Skisaison nur unter erschwerten Bedingungen über die Bühne ging oder sogar verschoben werden musste, sieht es inzwischen etwas besser aus. Die lange erwarteten Flocken sind in vielen Regionen endlich gefallen. Der Skibetrieb läuft zwar noch nicht auf vollen Touren - dafür aber die Schneekanonen.
Immer mehr Bergbahnen nehmen mittlerweile ihren Betrieb auf. Ein Großteil der Pisten ist allerdings noch nicht befahrbar. In der Ostschweiz und im Westen Österreichs ist am vergangenen Wochenende neuer Schnee hinzugekommen, hieß es heute beim Wetterdienst Meteomedia in Wien. Unter 1000 Metern liege aber nichts.
"Die große Masse der Skigebiete hat noch Probleme", bestätigt Andrea Händel vom Deutschen Alpenverein (DAV) in München. Denn der frisch gefallene Schnee bleibe bei strahlendem Sonnenschein und mildem Wetter nicht lange liegen. "Wir empfehlen aber trotzdem hinzufahren und zum Beispiel zu wandern. Man kann in den Bergen auch etwas unternehmen, wenn kein Schnee liegt."
Gute Chancen für Raabs Skigaudi
Touristiker zeigen sich dagegen optimistisch: "Die Lage hat sich entspannt", lautet die Einschätzung von Constanze Dietrich von der Österreich Werbung in Berlin. Vor allem in höher gelegenen Gebieten funktioniere der Skibetrieb mittlerweile gut. In Tirol habe es bis auf 1000 Meter geschneit. "Zum kommenden Wochenende machen die meisten Skigebiete in unserer Region auf", sagt Gieri Spescha von Graubünden Ferien in Chur in der Schweiz.
Erleichtert sind viele Tourismusverantwortliche vor allem über die Entwicklungen am Thermometer. Der Saisonauftakt litt auch unter den milden Temperaturen, doch inzwischen gibt es Frost. "Wir haben hier minus sechs Grad", sagt Andreas Steibl, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Paznaun/Ischgl. Wenn es deutlich wärmer wäre, könnten auch die Schneekanonen nicht zum Einsatz kommen. "Die waren vor dem Ski-Opening 24 Stunden im Dauerbetrieb", sagt Steibl.
Zum Saisonauftakt am 2. Dezember war in Paznaun/Ischgl trotzdem nur ein Teil des Skigebietes offen. "Mittlerweile haben wir auf den Pisten ausreichend Schnee und unten im Dorf noch zehn Zentimeter." Die Schneekanonen werden nach wie vor gebraucht. "Wir erwarten aber für das nächste Wochenende weiteren Neuschnee", sagt Steibl.
Demonstrativ gelassen gibt sich auch Martin Ebster, Tourismusdirektor in St. Anton am Arlberg: Von den 86 Liften und Bahnen waren heute nur rund ein Drittel offen. Anders als noch in der ersten Dezemberwoche ist Skifahren aber durchaus möglich. "Die Hauptabfahrten sind offen", sagt Ebster. "Wir haben nachts klare Minusgrade. Und unsere Schneekanonen haben schon viel produziert." So steht auch die verschobene Ski-Gaudi mit Stefan Raab nun am 15./16. Dezember auf dem Programm. Der für sportliche Ambitionen bekannte Moderator steigt beim "Großen TV total Parallelslalom" auf die Bretter. "Die Piste ist renntauglich", sagt Ebster. "Wir sind uns zu 95 Prozent sicher, dass es am Slalomhang keine Schwierigkeiten gibt."
Erste Schwünge auf Kunstschnee
Neuschnee meldet auch Kitzbühel. "Wir haben außerdem den großen Vorteil, dass wir schon mit wenig Schnee gute Skibedingungen bieten können", sagt Georg Heckenberger, Vorstand der Bergbahnen Kitzbühel. "Schließlich haben wir kein steiniges Gelände." Der Naturschnee allein hat allerdings noch nicht für optimale Bedingungen gesorgt: "Wir hatten die Schneekanonen aber schon zwei Tage im Einsatz", sagt Heckenberger. "Es kann natürlich gerne noch Neuschnee dazukommen." Der komplette Skibetrieb sei voraussichtlich ab Weihnachten möglich.
Das Skigebiet Flumserberg in der Ostschweiz will bei rund 50 Zentimetern an diesem Mittwoch (13. Dezember) den Betrieb aufnehmen. Dann sollen Skifahrer auf zum Teil künstlich beschneiten Pisten bis zur Talstation Tannenboden auf 1400 Meter abfahren können. Allerdings werden noch nicht alle Pisten geöffnet sein. In Engelberg in der Zentralschweiz sind die Gletscher-Pisten am Titlis seit Ende November geöffnet. Dort liegen 60 Zentimeter Schnee.
Auch an der etwas tiefer gelegenen Gerschnialp konnten Skifahrer auf Kunstschnee schon erste Schwünge hinlegen. Am Donnerstag und Freitag sollen nach den Plänen der Titlis-Bahnen weitere Pisten am Jochpass und unterhalb des Gletschers für Skifahrer freigegeben werden. In St. Moritz im Engadin sind bislang 54 von 350 Pistenkilometern befahrbar. Ohne Kunstschnee geht es aber nach Angaben von Andri Schmellentin von den Bergbahnen Engadin St. Moritz nicht. Deshalb werden auch in St. Moritz jede Nacht die Schneekanonen angestellt.
Von Annika Graf und Andreas Heimann, gms