Na da habe ich ja eine schöne Diskussion angestoßen, freut mich sehr, denn nur so kommt man weiter.
Vielleicht hilft es uns weiter, wenn ich ein wenig erkläre, wie ich zu den oben geposteten Kenngrößen gekommen bin:
Als rational denkender Mensch und auch ein wenig Daten-Freak verweigere ich mich der Feststellung, dass eine keine halbwegs einfachen, nachvollziehbaren und validen Kenngrößen geben sollte, mit denen man auch für Laien die Qualität von Liftsystemen beurteilen kann. Die Idealvorstellung wäre hier natürlich die Fallstudie für jedes Gebiet, möglichst über eine ideale Saison hinweg beobachtet. Da wir für solche Vollerhebungen aber nicht Zeit und Geld genug haben und dabei auch wieder sog. "Interviewer"-Effekte zu berücksichtigen wären (vergleicht mal, wie verschiedene User zur fast selben Zeit die Situation in manchen Gebieten eingeschätzt haben!), greifen wir zu Sekundärdaten, also z.B. zur Seilbahnstatistik, die zwar auch ihre Fehler hat, aber im Großen und Ganzen die Realität wiedergibt. Dass wir die Realität nie vollkommen abbilden können - geschenkt! Wir können nicht Witterung, Freizeitverhalten von Tagesausflüglern, Buchungsverhalten von Urlaubsgästen, technische Pannen o.Ä. berechnen oder stochastisch modellieren um z.B. Wartezeiten vorherzusagen. Was wir aber können ist, die PHm-Kapazität eines Skigebietes mit der Bettenanzahl in der Destination und der Nähe zu größeren Agglomerationen zu vergleichen um dann festzustellen, dass es zur Hochsaison bei Prachtwetter zu Endpässen kommen könnte.
Nun weiter zum Punkt, den Kenngrößen: da es verschiedene Liftsysteme und -typen gibt, die sich unterschiedlich stark unterscheiden und unterschiedlich häufig verbreitet sind, muss man gewisse Typen zusammenfassen um Relationen berechnen zu können. KSB allein würde vielleicht in den USA ausreichen, wo es teilweise nur KSB oder "nicht KSB" als Lifttypen gibt. Was ist also naheliegender als zu dieser Unterscheidung in schnelle Anlagen und langsame Anlagen auf der einen Seite die SLte zu addieren (Poma-SL wären wieder ein Streitpunkt) und auf der anderen Seite EUBs, ZUBs, DUBs, PBs und wie sie alle heißen. Das Kriterium ist hier Schnelligkeit, nicht Kapazität. Kapazitätsstarke Skigebiete gab es in den 1980ern schon auch, schaut euch Plagne oder Tignes an, die wie erwähnt schon Ende der 80er fast nur 3SB oder 4SB gefahren sind. Gewartet wird man damals auch nicht ewig haben, aber es ging recht langsam und nicht wirklich komfortabel vorwärts. Man könnte auch unterstellen dass die genannten "schnellen Anlagen" generell komfortabler sind als die langsamen Typen. Bei "Pferch-PBs" und Stehgondeln gilt dies natürlich nur eher bedingt, aber bei einer Köberl-Funitel-Kabine oder einer Omega III-CWA-Kabine wohl doch. Zudem sollte man die Häufigkeit dieser Anlagen richtig einschätzen. Allzu häufig sind PBs nun wirklich nicht als richtige Ski-Aufstiegshilfen.
Das Gegenargument, eine PB oder 4EUB mit geringer Kap sind nicht positiv weil Wartezeitenverdächtig sehe ich ein und ich weiß aber auch nicht, wie es auszuschalten wäre. Keine Kap-Grenze einführen? Aber wo? Bei 600, 800, 1000 p/h? Dann hat man schnell die PBs oder viele 4EUBs komplett draußen und jeder kann sagen, "okay das ist Mist, warum hast du die Grenze genau hier gezogen".
Problematisch wird es, wenn vom Konzeptionellen abgesehen und der Einzelfall fokussiert wird, was bei einer alpenweiten Übersicht nicht wirklich sinnvoll ist. Wenn man will, findet man natürlich schnell Argumente gegen oder für diese oder jene Bahn, aber gerade die Abstraktion vom Einzelfall ist es, die für mich das Wesentliche dieser Methode ausmacht. Nur wenn die Ausreißer sich häufen (Musterbeispiele: EUBs am Kronplatz, wenig 6KSB in Italien, Poma-SLte), dann muss nachgefragt werden, zur Not mit einem Experteninterview beim Betreiber.
Ich denke jedoch, dass meine Variante halbwegs einfach ist, nicht zu aufwändig zum berechnen, aber viel mehr aussagt, als die reinen Kap- und Liftstrukturaussagen im Skiatlas.
@mastermax: ich bin sehr dankbar für eine konstruktive Kritik (bzgl PB/4EUB), aber ich kann mich des subjektiven Eindrucks nicht entledigen, dass du am Ende des Tages lediglich Pro-Saalbach und Contra-Ischgl-Argumente suchst. Klar zähle ich die Pardatschgrat-Sektionen einzeln, das mache ich in Saalbach aber auch (bitte argumentiere nicht mit der Kohlmais-Bahn, oder steigst du dort regelmäßig an der Mittelstation ein und aus?). Die Pardatschgratbahn "haut" in jedem Fall rein, bei 1252 Hm bringt sie als "antiquierte" 4EUB (1600 p/h) weit über 1 Mio. PHm, nicht auszudenken, die stellen eine 8EUB mit 2800 p/h hin. Die nach deiner Argumentation sehr viel modernere 12 EUB Schönleiten packt übrigens auch "nur" 2048 p/h und produziert auch Warteschlangen.