Ich würde die Flinte noch nicht ins Korn werfen.

Das Bundesgericht hat erst entschieden, dass auf eine Beschwerde des Heimatschutzes nicht eingetretten wird, der eigentliche Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts Sesselbahn Ja/Nein steht noch aus. Und auch dieser kann dann immer noch vor Bundesgericht weitergezogen werden. In diesem Sinne hat die SWAG erst einen Etappensieg erungen.
Was allerdings nichts daran ändert, dass die Chancen des Heimatschutzes, die Sesselbahn vor den Gerichten durchzukriegen, gering sind. Denn die Gerichte werden sich nicht von Emotionen ("die schöne alte Sesselbahn") leiten lassen, sondern von nüchteren Fakten. Und da habe zumindest ich bis jetzt kein Gesetz gefunden, welches der SWAG weder verbietet, die Sesselbahn abzureisen und die Gondelbahn zu bauen, noch sie zwingt, die alte Sesselbahn gegen ihren Willen stehen zu lassen. Und es wäre auch nicht fair: Die Ersatzbauten für die gleichen Anlagen in Kandersteg, Braunwald wurden mehr oder weniger widerstandslos bewiligt, nur am Weissenstein "tut man nun blöd" und zwingt den Betreiber nun seit bald drei Jahren zu einem Baustopp, obwohl man dem Betreiber rein rechtlich nichts vorwerfen kann.
Mir wären die Sesseli auch lieber als die Gondelbahn. Aber ich bin dagegen, den Erhalt zu erzwingen und den Betreiber vor den Richter zu zerren. Vor Gericht gehören Menschen, die gegen die Gesetze verstossen haben, aber sicher nicht die SWAG, die sich rein rechtlich nichts hat zuschulden kommen lassen.
GMD schrieb:
Genauso schnell wird es dann mit der SWAG finanziell bachab gehen, wenn sie merken dass ihr ultramoderner und über 10 Millionen teurer Neubau leer durch die Gegend gondelt. Denn um mit einer 08/15 EUB zu fahren, wie sie der normale Besucher bereits aus den Bergen kennt, wird sich niemand auf den Solothurner Hausberg verirren. Und überhaupt, warum Gondelbahn fahren wenn man mit dem eigenen Auto auch hochkommt? Hier wäre der grosse Vorteil der historischen Bahn gewesen: Man hätte dem Gast etwas geboten was er, zumindest in der Schweiz, nur noch hier bekommt. Aber eben, man will ja unbedingt auf Möseralm im Kleinen machen, darum auch der geplante Funpark.
Schon vor dem Bau zu spekulieren, wie sich die Nachfrage entwicklen wird und schon einen Flop vorauszusagen, ist doch Kaffeesatzleserei. Keiner von uns kann in die Zukunft schauen und bereits jetzt schon wissen, wie sich die neue Bahn (wenn sie denn kommt) entwickeln wird. Dass Du mit der neuen Bahn nicht mehr auf den Weissenstein fahren wirst, glaube ich Dir sofort. Doch deine Interessen können nicht pauschal auf alle anderen angewandt werden. Für viele ist die Bahn ein schlichtes Transportmittel in ein Naherholungsgebiet und einige ziehen die Gondel unter Umständen gar dem Sesseli vor.. Und mit der Sperrung der Strasse sind alle Voraussetzungen geschaffen, damit an den Hauptauslastungszeiten an Wochenenden die Bahn dann auch benützt wird.
In Kandersteg hatten wir die gleichen Verschwörungstheorien betreffend "auf die Schnauze fallen" mit der neuen Gondelbahn. Diese fährt nun, fährt erfolgreich mit schwarzen Zahlen und ist beliebt, wie in den Geschäftsberichten des Betreibers nachgelesen werden kann.
Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass hier Salamitaktik betrieben wird: Zuerst mal der Neubau durchdrücken. Dann wegen der mangelnden Auslastung die Zusatzattraktionen also unbedingt nötig deklarieren. Stellt sich die Politik quer (wegen des Naturparks) droht man einfach mit dem Verlust von Arbeitsplätzen und schon knicken die meisten Politiker ein. So ein Funpark ist natürlich auch nicht gratis zu haben, aber da die Banken aufgrund der vermutlich schon ziemlich schiefen finanziellen Lage abwinken dürften, darf dann einmal mehr die öffentliche Hand mit einem Darlehen (wenn möglich noch zinslos) in die Bresche springen. Diesselbe öffentliche Hand darf dann auch im Falle eines Konkurses die Scherben zusammenwischen.
Verschwörungstheorie Nr. 2. Weder können verbotene Zusatzattraktionen "einfach so" bei schlechten Zahlen trotz Verboten durchgedrückt werden, noch ist die öffentliche Hand verpflichtet, bei schlechten Zahlen mit Steuergeldern einzuspringen und drittens dürften die Betreiber nicht so blöd sein, wie sie hier teilweise hingestelt werden. Die können auch rechnen und werden die nun zu bauende Kapazität wohl kaum mit Handgelenk mal Pi konzipiert haben, sondern sich dabei was überlegt haben, zum Beispiel, dass die Bahn auf Tage ausgelegt wird, wo die Bahn der einzige Zubringer auf den Weissenstein sein wird.