Seilbahnjunkie schrieb:
(...)
Im Endeffekt tut das hier aber auch nichts zur Sache, denn die Seilbahnen muss man hier mit ihren Alternativen vergleichen und da spielen nur die Kosten eine Rolle, nicht die Einnahmen.
Wenn ein ÖPNV-Verkehrsprojekt geplant wird, dann fertigt man die Standardisierte Bewertung an. Die Standardisierte Bewertung ist ein wirtschaftswissenschsaftliches Verfahren, dass die Saldendifferenzen zwischen MIT-Fall (Projekt wird realisiert) und OHNE-Fall (Projekt wird nicht realisiert) ermittelt.
Im Zähler des Bruches stehen dabei die Nutzendifferenzen, d.h. es wird geprüft, welcher
Zusatznutzen bei der Realisierung des Projekts erreicht wird. Dabei spielen die Reisezeitdifferenzen eine Rolle, die eingesparten Schäden durch weniger ausgestoßenes COx, NOx und SOx, die eingesparten Schäden durch weniger Unfälle, die eingesparten Verletzten und Toten durch die höhere Sicherheit, der notwendige Flächenbedarf und vieles andere mehr. im Zähler werden dann die laufenden Betriebskosten von der Nutzendifferenz abgezogen.
Im Nenner stehen dann die Investitionsaufwendungen für das Projekt.
Wenn der gesamte Bruch, den man Nutzen/Kosten-Indikator nennt, größer als 1,00 ist, dann ist dieses Projekt nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) förderfähig, d.h. der Vorhabensträger bzw. Bauherr bekommt bis zu 90% des Investitionsaufwandes von Bund bzw. Land (Entflechtungsmittel) erstattet.
Im Falle des Europaparks Rust müsste man zeigen, dass die 3S-Bahn eine ÖPNV-Maßnahme ist. Wenn also künftig in der 3S-Bahn auch beispielsweise das Baden-Württemberg-Ticket als gültige Fahrkarte gelten soll und die Regelungen des ÖPNV entsprechend, dann könnte - sofern der Nutzen/Kosten-Indikator größer als 1,00 ist - die 3S-Bahn mit Hilfe von Steuergeldern finanziert werden.
Sinnvoll wäre dann, dass in diesem Fall die Gemeinde Rust einen Gemeinderatsbeschluss fasst, selbst die Anlage zu errichten.
Zum Marktanteil des ÖPNV:
Grundsätzlich ist es so, dass der Marktanteil zwischen ÖPNV und MIV, also der Modalsplit, eine variable Größe ist. Sofern man gleichzeitig mit dem Bau der 3S-Bahn vertraglich eine deutliche Erhöhung der Parkplatzgebühren vereinbart (5 € für den ganzen Tag beim Europapark Rust sind viel zu wenig; angemessen wären meiner Meinung nach Parkgebühren von 30 € für den ganzen Tag), ist ein Marktanteil der Seilbahn von 40% durchaus realistisch.
Anzumerken ist beispielsweise, dass alleine etwa 20% der Besucher aus der Schweiz kommen, was für den ÖPNV ideal ist. Zum einen sind die Schweizer extrem bahnaffin und zum anderen ist die Lage des Europaparks Rust im Sinne der Eisenbahn ideal, da sich der Verkehr von der Schweiz aus zum Europapark Rust auf der Achse Basel - Freiburg - Offenburg bündelt. Zwar würde nach dem Bau einer 3S-Bahn auch in Zukunft kein einziger ICE oder IC in Ringsheim halten, aber mit einem ITF-Taktknoten könnten die von Chur, Zürich, Lugano, Luzern, Brig, Basel, Bern, Interlaken, Lausanne und Geneve anreisenden Schweizer gleich in Freiburg (Breisgau) vom Fernverkehr in den Regionalverkehr umsteigen.
Zur Tagesganglinie: Es ist nicht so, dass am Morgen innerhalb von 2,5 Stunden alle Besucher Richtung Europapark Rust fahren und abends innerhalb von 2,5 Stunden zurück. Es bleiben nur etwa 60% der Besucher (fast) den ganzen Tag. Es gibt auch Abendtickets, die den Besucherstrom entzerren.
Zugegeben: Das Fahrgastaufkommen wäre für die 3S-Bahn durchaus eine Herausforderung, aber sollte machbar sein.
Zum Fahrplan: Für den Regionalverkehr wird sowohl in Offenburg als auch in Freiburg, die beide IC/ICE-Halte sind, jeweils ein Vollknoten im Sinne des Integralen Taktfahrplans angestrebt. Sobald die Rheintalbahn viergleisig ausgebaut ist, kann man dann auch die Symmetrieminute 00 bzw. 30 erreichen. Von Offenburg nach Ringsheim fährt die RB ca. 20 Minuten und von Freiburg nach Ringsheim ca. 32 Minuten.
Je nach Haltepolitik ist sie dann zwischen Offenburg und Freiburg 52 Minuten unterwegs. Bei einem ITF-Vollknoten zur Symmetrieminute 00 bzw. 30 in Offenburg und Freiburg wäre also die Abfahrt der regulären Taktzüge in Offenburg und Freiburg 04 und 34, sodass in Ringsheim Richtung Norden zur Minute 06 und 36 und Richtung Süden zur Minute 24 und 54 gefahren würde. Die Verstärkerzüge für den Europapark Rust kann man dann nach dem viergleisigen Ausbau entsprechend einfügen. Aktuell geht das noch nicht, weil sich die Regionalzüge auf der aktuell zwischen Offenburg und Freiburg nur zweigleisigen Rheintalbahn die Trassen mit den IC/ICE-Zügen teilen müssen. Hinzu kommen noch die Güterzüge, die aber nicht so sehr das Problem sind, da durch die niedrigere Geschwindigkeitsdifferenz zwischen Güterzügen und Regionalbahnen Überholungen und Trassenkonflikte zwischen Güterzügen und Regionalbahnen deutlich seltener sind als zwischen Regionalbahnen und IC/ICE-Zügen.
Wenn man davon ausgeht, dass die Verstärker REs in der Hochsaison mit 9 - 10 Dostos fahren, dann steigen etwa 1300 Personen aus einer Verstärker RE aus. Um die 1300 Personen aus dem Zug wegzuschaffen, braucht die 3S-Bahn dann etwa 13 Minuten. Allerdings steigen nicht alle Fahrgäste in Ringsheim aus. Um das genau zu ermitteln, bräuchte man eine Sensitivitätsanalyse.
So, wie die Sachlage aussieht, sollte eine 3S-Bahn mit 6000 pph aber gut gerüstet sein, den Besucheransturm zu bewältigen.
In diesem Beispiel Rust kommt noch hinzu, dass die 8,5 m/s völlig ausreichen, sodass man nicht eine 3S-Bahn für 12,5 m/s entwickeln muss, obwohl das hier - weil in Rust für große Stationen Platz genug ist - kein unüberwindliches Hindernis wäre. In 9 Minuten vom Bahnhof Ringsheim zum Eingang des Europaparks ist ein sehr gutes Angebot; da sind 8,5 m/s Geschwindigkeit ideal. Dem Verkehrsstrom entsprechend würde man wohl alle Kabinen am Bahnhof Ringsheim garagieren. Man braucht etwa 60 Kabinen; wahrscheinlich wäre es sinnvoll, die Garage in Ringsheim für 60 Kabinen und am Europapark Rust für ca. 12 Kabinen auszulegen. Dann hat man zusätzlich noch eine betriebliche Reserve für Hotelgäste am Europapark Rust oder für Mitarbeiter - je nachdem.
Als punktuelle Ergänzung sind die 3S-Bahnen im Flachland und in Städten ein sehr gutes ÖPNV-Verkehrsmittel. Es ist einfach eine politische Entscheidung, ob man die Verkehrswende wirklich will oder warten will, bis auf der Straße alles zusammenbricht und möchte, dass die Klimaerwärmung noch rasanter beschleunigt wird.