31.03.2010
Nach wie vor ist nicht bekannt, was die unkontrollierte Fahrt der Kasten-Bahn am Donnerstag ausgelöst hat. Der verunglückte Mitarbeiter liegt immer noch im Spital.
Brülisau. Am Fusse des Hohen Kastens tappt man nach wie vor im dunkeln, wie es zum Seilbahnunglück kommen konnte. Istvan Szalai, Geschäftsführer des Seilbahnbauers Garaventa AG mit Hauptsitz in Rotkreuz ZG, kann sich das Unglück mechanisch nicht erklären: «Wir haben bisher keine Kenntnis davon, dass ein Bauteil versagt hat.» Die Garaventa AG ist jedoch nicht an den Untersuchungen beteiligt.
Dafür aber die Sisag AG, Hersteller von Steuerungs- und Informationssystemen für Seilbahnen, aus Schattdorf UR. «Für eine präzise Aussage ist es zu früh», sagt Erich Megert, Leiter Marketing, auf Anfrage.
Keine neuen Erkenntnisse
Die Sisag AG war am Unglückstag vor Ort und hat die Behörden begleitet. Auch eine erste Analyse des Fahrtenschreibers führte zu keinen neuen Erkenntnissen über den Unfallhergang. Offen bleibt somit auch die Frage, ob die automatische Überwachung der Fahrtgeschwindigkeit versagt hat. «Die Auswertung des Fahrtenschreibers hat uns nicht dazu veranlasst, tiefere Systemprüfungen oder Marktmassnahmen zu ergreifen», sagt Megert. Auch der zuständige Innerrhoder Untersuchungsrichter Herbert Brogli kann vorerst keine detaillierten Informationen liefern: «Solange keine Resultate vorliegen, ist es zu früh dafür.»
Schadensausmass beziffern
Gestern kam der Verwaltungsrat der Hoher Kasten Drehrestaurant und Seilbahn AG zusammen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Fakt ist: Eine technische Crew hängt am Montag die beiden Kabinen ab und überführt sie in die entsprechenden Werke zur Revision. Dort wird das Ausmass des Schadens beziffert. «Das gibt uns Aufschluss darüber, wie lange die Bahn stillsteht», sagt der Technische Leiter Martin Fässler. Wann der Betrieb des Drehrestaurants wieder aufgenommen wird, hängt ebenfalls von der Revisionsdauer der Kabinen ab. Der Material- und Personentransport stellt dabei nach wie vor das grösste Problem für das Gipfelrestaurant dar.
Der stellvertretende technische Leiter der Seilbahn ist mit einem doppelten Beckenbruch bis auf weiteres im Spital. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, sich immer wieder nach «seiner» Bahn zu erkundigen. «Er hat mich angerufen und nach dem Stand der Dinge gefragt», sagt Martin Fässler. Er wolle ihn persönlich über die Umstände in Brülisau informieren. Besuche beim 72jährigen Innerrhoder, einem ehemaligen Mitglied der Innerrhoder Regierung, waren bis gestern nicht möglich – er wird abgeschottet. «Bei seinem Gesundheitszustand das richtige Vorgehen», sagt Verwaltungsratspräsident Emil Koller. «Wir hoffen, dass wir ihn am Wochenende besuchen können.»
Der 72-Jährige ist tief mit der Kastenbahn verwurzelt und arbeitet trotz des Pensionsalters weiter für das Unternehmen. «Die Bahn ist sein Kind. Er verfügt über ein riesiges Hintergrundwissen», sagt Fässler.
Quelle:
http://www.tagblatt.ch/aktuell/ostschweiz/sg-os/Unglueck-bleibt-ein-Raetsel;art192,1518105