@downi:
aber den wählt wiederum im Norden
Weißt, wenn jetzt das 2002er Schattenkabinett am Start wäre, dann hätt ich sicher weniger Probleme mich bei dieser Wahl zu entscheiden. S'Cleverle als Superminister, wie das damals vorgesehen war, das fand ich shcon gar nicht blöd.
Was mir bei rot-grün fehlt ist vor allem qualifiziertes Personal. Das beschränkt sich nämlich nach meiner Meinung auf Schröder und Fischer, eventuell noch Bulmahn (die übrigens aus unserem Wahlkreis kommt). Danch sieht es viel leerer aus, als ich selbst lange Zeit dachte (zur Information: ich hab in meinen jungen Jahren mal gelegentlich für die SPD gearbeitet, der Stadteil / das Dorf, wo ich herkomm ist so eine SPD Hochburg, da kennt man sich). Es mangelt mir bei der SPD einfach grundsäztlich an Formaten wie Schmidt (einer der von mir meistgeachtetsten Politiker der dt. Geschichte überhaupt) und den anderen alten Haudegen, die sie mal hatten. Stattdessen haben wir in den zweiten dritten und vierten Reihen der SPD ein Liga junger arroganter und mit reichlich wenig Lebenserfahrung ausgestatteter Nachwüchsler, ohne Ecken und Kanten und stromlinienförmig in den Fluß "Parteikarriere" eingetaucht. Sigmar Gabriel - auch hier habe ich das zweifelhafte Vergnügen mich bereits mir ihm persönlich unterhalten zu haben - ist eigentlich das beste Beispiel für diese SPD Generation. Haut drauf (und nicht mal gut), wenn es angesagt ist, sich zu profilieren und reiht sich ein, wenn er meint, dass es besser ist nicht aufzufallen. Und übrigens etwa der überheblichste Mensch, den ich je getroffen hab. Wenn man dann noch die Ulla Schmidts der SPD und deren Gesundheitsreformen sieht, dann bleibt wenig Sympathie für diese Partei.
Was die Grünen angeht, so halte ich ihnen vieles zu Gute, und hab dennoch meine Schwierigkeiten mit ihnen. So ist jedenfalls die Grüne Politik noch von Idealen geprägt. Ob diese nun richtig oder falsch sein müssen - allein ihre Existenz halte ich für unsere heutige politische Welt für beachtlich und sehr begrüßenswert. Desweiteren ist der ganz fundamentale Teil der Grünen ja auch heute eigentlich weniger relevant, die Realos haben sich durchgesetzt und die Partei ist trotz der extremen Gegensätze eigentlich erstaunlich konsensfähig geworden. So viele realtitätsferne Spinner gibts da glaube ich nicht mehr. Man muss ihnen weiterhin zu Gute halten, dass - was immmer man nun Windkraftanlagen halten mag - sie beinahe die einzigen sind, die mal nicht nur für die nächste Legislaturperiode Politik machen. Allein wirtschaftlich betrachtet werden wir mit fossilen Brennstoffen und Kernenergie nicht mehr viel holen können, die Zeit wo man hier exportieren kann, neigt sich dem Ende. Demgegenüber stört mich an den Grünen vor allem, dass sie noch viel zu durchsetzt sind vom lobbyistischen Gutmenschtum und leider nicht wirklich gute Gesetze schreiben können. Wer meint, ein Antidiskrimierungsgesetz verabschieden zu können, was das bewirkt auf das sein Name schließen ließe, hat mit rechtspolitik wenig Erfahrung. Ich empfehle hier das Seminar von Prof Treiber zum Gewährleistungsstaat, rechtswissenschaftl. Fak. der Universität Hannover.
Sowohl bei SPD und Grünen vermisse ich einfach die Kader. Tolle Ideen alleine helfe noch niemanden. Man braucht fähige Leute, die diese in wirkungsvolle Gesetze gießen, die Konsequenzen dieser Gesetze abschätzen können und entsprechend gestalterisch tätig sind. Gerade im Bereich Wirtschaft / Finanzen, aber auch in der Gesundheitspolitik siehts da m.E. ganz schwarz (ha ha) aus im rot-grünen Lager.
Was die FDP angeht, so muss ich sagen, dass ich sie persönlich nicht als Spaßpartei empfinde. Im Gegenteil, ich finde dass sie durchaus wichtige Fragen aufwerfen und auch interessante Alternativen vorschlagen. Konstruktive Kritik ist heutzutage schon viel wert! Dennoch kann ich mich mit dem liberalen Grundgedanken nicht anfreuden, es gehen mir zu viele Werte verloren, die mir wichtig sind. Außerdem mag ich das liberal auf Teufel komm raus sein nicht, das erinnert dann schon manchmal wieder an manch Grünen Idealisten....
Auf die PDS werde ich an dieser Stelle nicht groß eingehen, ich finde sie als Oppositionspartei und teilweise als Stimme der neuen Bundesländer durchaus wichtig, stehe politisch etwa 180° zu dieser Partei und halte ihre Vergangenheit für sehr zweifelhaft, was man allerdings einigen der westdeutschen Parteien in der Nachkriegszeit genauso vorhalten kann.
Sollte die linke Wahlalternative überhaupt eine Chance haben, so hätte sie meines Erachtens als oppositionelle Stimme auch ihre BErechtigung. Anfangen kann ich nicht so viel damit, anderseits überzeugen mich die Leute trotz konträre politischer Einstellungen von ihren Persönlichkeiten her eher als die meisten SPD MdBs.
Kommen wir schließlich zur CDU. Hier ist meine Meinung sehr gespalten. Grundsätzlich meine ich, dass die CDU in ihrer Basis und den Reihen der MdBs, die nicht jeden Tag im Fernsehen sind, viele fähige Leute hat, die in Sachen Wirtschaft und Recht, aber auch was eine gewisse Fähigkeit praktikable Vorschläge zu machen angeht, mich durchaus überzeugen. Nun ist das aber sehr zwiegespalten, mit der norddeutschen CDU kann ich nämlich sehr wenig anfangen. Politikerinnen wie Ursula von der Leyen braucht nämlich kein Mensch. Nicht mal bei den Grünen, aber vor allen Dingen nicht bei der CDU. Oder Herrn Carstensen von der Förde. Oder... ... ... Auch auch mit Christian Wulf kann ich wenig anfangen. Nicht umsonst ist der hier wiederholt gescheitert: der Mann hat meines Erachtens wenig Profil. Er profitiert derzeit daraus, dass er sich aus parteipolitischem Geplänkel rausgehalten hat, aber das macht ihn auch nicht profillierter. Er erinnert mich etwas an Schröder früher, hält sich alle seine Optionen offen, verscherzt es sich mit niemandem und sieht zu, dass er sich nicht zu konkret äußert, und damit dann eben auch niemanden vor den Kopf stößt. Im übrigen wurde unter seiner Federführung hier in Niedersachsen eine Poltik gemacht, die ich in vielen Punkten für sehr bedenklich halte und eher einer roten Regierung zugeschrieben hätte. Dazu gehören die Abschaffung gerichtlicher Instanzen und (angeblich, das will ich noch mal prüfen) des Kurssystems in der Oberstufe. Allein letzteres, sollte es sich als wahr herausstufen, wäre ein Schritt 30 Jahre zurück. Wie reden einerseits von Eliteunis, und nehmen dem Nachwuchs gleichzeitig die Chance, sich zielgerichtet durch LKs auf die Uni vorzubereiten???? Wir lassen die Jungs in 12 Jahren Abitur
machen, aber lassen sie dann zwei Semester länger Maschbau stufieren, damit sie das, was sie nicht im Mathe LK gelernt haben, nachholen können????
Na ja, wer jetzt aufgepasst hat, weiß ja welche Partei überbleibt, und wo meine Sympathien liegen. Dass ich sie hier nicht wählen kann, macht die Wahl für mich nicht leichter. Hey Downie, kannst mir nicht Deine Stimme in Augsburg geben? Oder kann ich bei dir gerade mal meinen Hauptwohnsitz anmelden?
