TPD schrieb:
Back on topic, der Artikel trifft den Nerv der Problematik mit der Initiative und ihren Folgen:
sie schiesst einseitig auf einen bestimmten Ausschnitt eines Problems, vergisst aber gleichzeitig, dass nur regionale, durchdachte Pläne eine wie auch immer definierte Entwicklung ermöglichen. Diese werden mit dem "Pauschal-Abschuss" der Initiative nun erschwert bis verunmöglicht.
Nun muss man etwas ausholen und zunächst ein paar Dinge in Erinnerung rufen
1) Für bestimmte Regionen war die touristische Entwicklung ein Segen, ökonomisch, ob in jedem Fall ökologisch ist regional sicher unterschiedlich
2) generell gesagt können Skigebiete wirtschaftlich betrieben werden und die nötigen Finanziellen Polster für Ersatz / Erneuerung schaffen, wenn Sie in Orten liegen mit hohem Anteil an warmen Betten (typisches Bsp. Zermatt) und haben finanzielle Probleme, wenn die kalten Betten überwiegen, (Klassiker hierfür ist Crans Montana). Diese beiden Beispiele und die entsprechende Studie dazu habe ich zuerst auf französisch in der Les Temps gelesen, d.h. irgendwann zwischen 2003 und 2006, lange vor der Initiative
3) Die Studie aus 2) ist in den relevanten Gremien in der CH längst bekannt und akzeptiert, entsprechend wurde längst versucht zu reagieren, Bsp. die Anzahl neuer Erstklass Hotels in Crans Montana, lokale Zweitwohnungs-Kontingente, das Rock Resort in Laax als bewirtschaftetes Objekt, welches (*Sünde im Forum*) neue Bahnprojekte zurückstehen liess, die "Cube" Projekte on Laax und Savognin etc.
4) Um solche Projekte zu verwirklichen braucht es Investoren und wer in touristische Projekte investiert, will und soll damit Geld verdienen, sonst wird nichts investiert d.h. es entwickelt sich nichts
5) Wer in Hotels investiert kann damit ein kleines Vermögen machen... vorausgesetzt er beginnt mit einem grossen

Aussnahmen im High End Bereich möglich
6) Jeder Investor entscheidet individuell für sich, wie er investieren möchte, und wenn seine Ideen nicht umsetzbar sind, wird er i.d.R. eher nicht investieren als Geld verheizen. Das führt leider in gewisser weise auch dazu, dass zeitweise "alle in eine Richtung laufen"
Es ist unbestritten, dass zumindest regional die Tendenz zu Zweitwohnungen einer gesunden Entwicklung der Gesamtregion wenig dienlich war, jedoch ohne gesamtplanerische Parameter die einzelnen Investoren / Vorbesitzer in einem Rechtstaat gleich behandelt werden mussten, womit Argument 6) eher verstärkend in Richtung geschlossene Fensterläden wirkte.
Ferner stand praktisch jedes Hotel auf dem Prüfstand, denn während viele Hotels operativ gerade genug Gewinn abwerfen, stellt sich spätestens bei der nächsten grösseren Investition die Frage "lohnt sich das angesichts der erwarteten Zukünftigen Erträge"? Bei einer vernünftigen Renovation incl. zeitgemässem Wellness etc. (ohne geht's ja im 4* Bereich garnicht mehr, im 3* nur bedingt) reden wir schnell mal von 10 Mio.+x.
Plan B: aushöhlen, Zweitwohnungen bauen, verkaufen.
Ich bin sicher, es gibt Fälle, wo Überzeugung u/o Familientradition das Hotel gerettet haben, rein wirtschaftliche berechnungen dürften bei diesen beiden Alternativen immer eindeutig gewesen sein.
Aber: Die Umwandlung des Hotels hat möglicherweise die Familie nicht ernährt, das frei gewordene Kapital war möglicherweise "wertvoller" als die Investition, d.h. aber nicht, dass gleichzeitig alle Familienmitglieder, die bisher im Hotel gearbeitet haben, davon bis ans Ende Ihrer Tage leben können.
Die Rettung war eine vernünftige Misch-Rechnung, d.h. die Familie hat weiterhin ein vernünftiges Auskommen aus täglicher Arbeit = Hotel, aber die notwendigen Investitionen wurden getragen durch den Bau und Verkauf von Wohnungen auf Baulandreserven, die zum Hotel / der Familie gehören.
Folglich, wer sein Hotel retten konnte, vom operativem Einkommen leben konnte, hat sich dennoch für das Hotel entschieden, auch wenn das ggf. nicht gewinnmaximierend war. Lieber ein paar Wohnungen verkaufen und Chef im eigenen Haus sein, als alles verkaufen und angestellt kellnern gehen...
Wenn nun Herr Sawiri in Andermatt kein Hotel finanzieren kann, weil ihm Herr Weber in die Villen spuckt, dann trifft Herr Weber vor allem unendlich viele kleine und mittlere Hotelbetriebe, die sich zum Vorteil ihrer Heimat bisher, dank einer vernünftigen, und m.E. vom Bundesrat weiterhin angestrebten, Mischrechnung über Wasser gehalten haben.
Dabei ist es irrelevant, ob die Zielgruppen und die Planung einer touristischen Region eher dem Idealmodell "Illhorn" folgen oder dem Idealmodell Ischgl. Beide funktionieren nicht ohne eine zielgerichtete Gesamtplanung und diese wird verunmöglicht, wenn eine Planungskomponente pauschal abgeschossen wird.
Hier liegt der Kardinalfehler der Initiative und daran wird sie scheitern, entweder in der Umsetzung oder in Gegenbewegungen, wenn die Auswirkungen spürbar werden!