Kreon100 schrieb:
So Kraftausdrücke kann ich immer nicht nachvollziehen. Kommt sicher auf die Region an, aber hier in Hamburg ist der ÖPNV eher sausackstark. Freitag bis Sonntag durchgehende U-Bahn und S-Bahn-Verkehr, Nachtbusse, Schnellbusse, kurze Taktung, extra Busspuren. Hier braucht kein Mensch ein Auto. Ich habe allerdings auch eines, das aber eigentlich nur zum Bierkisten fahren und Wochenendausflüge. Auf dem Dörpen mag das anders aussehen...
"Saustark" ist nu aber auch kein quantifizierbarer oder messbarer Gradmesser.
Lest mal das Buch "Schaden in der Oberleitung" oder schaut euch ein Interview mit dem Autor auf youtu.be an.
Dieser hat akribisch die Veränderungen in ÖPNV und auch ÖPV in Deutschland in den vergangenen JahrZEHNTEN protokolliert. Es sind schleichende Veränderungen, welche von der Allgemeinbevökerung kaum / gar nicht wahr genommen werden. Was aber bei langfristiger Beobachtung und Datenauswertung klar ersichtlich wird: Es geht beständig bergab. Es wurden (weiß es nicht mehr genau) zwischen 25-40% aller Gleise stillgelegt und oder abgebaut!
Wie soll auf so einem ausgedünnten "Netz" noch mit hoher Qualität (Taktung, Zuverlässigkeit) gefahren werden? Das wird immer schlechter - natürlich vor allem auf dem Land. Aber gerade dort ist es eben AUCH notwendig Alternativen zum Auto zu haben.
Ein anderer Punkt: Nach Jahrzehnten kommt die Politik ENDLICH auf den Trichter, dass der OPV attraktiver ist, wenn es einen
Taktfahrplan gibt. Dieser verkürzt Umsteigezeiten (die einen großen Teil bei JEDER Fahrtstrecke ausmachen) enorm und wird im Ausland (Schweiz) seit Jahrzehnten erfolgreich genutzt! Dummerweise wird durch hirnrissige Projekte, wie Stuttgart21 eine sinnvolle Taktung komplett verunmöglicht, weil durch die Reduzierung der Gleise die Lienen nicht gleichzeitig im Bahnhof aufeinander warten können. Es kommt dann zu so grotesken Dingen, dass mindestens 50% der Fahrgäste, welche umsteigen wollen eine extrem lange Zeit auf ihren Anschlußzug werden warten müssen, weil dieser aufgrund der Gleisbelegungen bereits abfahren musste!
Bahn in Deutschland ist schlicht und ergreifend extrem schlecht gemanaged, was in dem oben genannten Buch mit Hunderten von Beispielen eindrucksvoll und nachvollziehbar BELEGT wird.
Ein Beispiel aus meinem Wohnort:
Wenn ich in München an den Wallberg mit dem Auto fahre brauche ich 1Std 04, mach' ich das gleiche mit OPV dauert es 1Std 50 - fast das doppelte!
Am Rückweg kann es mir leicht passieren, dass kein Bus mehr von der Bahn zurück nach Tegernsee fährt. Dann wird es ganz ekelig.
Und noch was aus München. Ich wohne nun schon mind. 20 Jahre hier. Die U-Bahn ist ja noch ganz gut, wurde aber auch immer weiter eingekürzt. Die U4 fährt bspw. abends nicht mehr die ganze Strecke und man muss immer Umsteigen. Nachts fahren weniger Bahnen, Die Preise werden immer höher und das Angebot wird kaum ausgebaut. Wenn doch (2. Stammstrecke) wird wieder der Fehler gemacht, Symtome zu behandlen, statt Ursachen. Die meisten Verspätungen bei der S-Bahn ergeben sich nicht WEGEN der Stammstrecke, sondern MIT. Die Ursachen sind fast immer in den Aussenästen zu suchen. Diese sind oft nur Einspurig, so dass bei einer Verspätung in der einen Richtung sich diese auf das ganze Netz ausbreitet! Wie kann es sein, dass es bei viel befahrenen S-Bahn Strecken noch Einspurige Abschnitte gibt?
Darüber hinaus: Die 2. Stammstrecke bedient eine leicht andere Strecke. Für alle Fahrgäste, welche zum Marienplatz wollen, ist die unattraktiv und sogar kontraproduktiv, weil dadurch der Takt für den Marienplatz auf der jeweiligen Strecke praktisch HALBIERT wird! Für alle Fahrgäste, welche eigentlich ein komplett anderes Ziel haben, wäre ein Ausbau um NEUE Strecken (z.b. Südring) wesentlich interessanter. Sie müssten dann ggf gar nicht mehr durch die Innenstadt fahren und hätten einen kürzeren Fahrtweg. Zudem wäre dieser Ausbau um FAKTOREN preiswerter.