Aus dem Kölner Stadt-Anzeiger:
Kölner Seilbahn-Panne: Staatsanwaltschaft sichert vier weitere Gondeln.
Dass die Gutachter vom TÜV Austria das empfohlen haben, kann nach meiner Fernbeurteilung nur den Grund haben, dass man schauen möchte, ob man auch an diesen Gondeln Kontaktspuren mit dem Hilfsseil findet.
Weiß jemand, ob das Hilfsseil, so wie in der
Bekanntmachung der KVB angekündigt, bereits entfernt wurde?
In der nächsten Woche soll eine Fachfirma aus Südtirol das Hilfsseil entfernen, ...
Da ich gerade am "richtigen" Rechner bin, noch die Diagramme, die ich für den
geographischen Ort Mitte Zoobrücke aus dem Statistischen Windfeldmodell des DWD extrahiert habe:
Mittlerer Windgeschwindigkeit als Funktion der Höhe über Grund.
Für das Spannfeld über der Brücke passen etwa 30 m über Grund. Die Verhältnisse sieht man z.B. im
Bild 295 Zoobrücke in Köln auf der
Webseite von Structurae. Die linksrheinische Seilbahnstütze sollte etwa 29 - 30 m hoch sein.
Wahrscheinlichkeitsdichteverteilung der mittleren Windgeschwindigkeiten für Höhen 10m und 80m.
Auch diese Winddaten gelten wieder nur für Mittelwerte, also z.B. über einen ganzen Tag gemittelt und sagen nichts über Windspitzen oder Böen.
Überschreitungshäufigkeit
Andere Auftragung dieser Daten. Da sieht man z.B., dass man in 10 m Höhe nur ca. 3 Tage im Jahr eine mittlere Windgeschwindigkeit von 8 m/s erwarten kann. Die Höhenabhängigkeit wird genähert durch die sogenannte Hellmann-Approximation v2/v1 =(h2/h1)^alpha beschrieben, wobei der Exponent alpha je nach Rauigkeit des Geländes (Industriebauten, Wald, Hügel, flach, ..) stromauf 0.15 bis 0.30 beträgt. Typisch 0.25, also einfach zweimal Wurzel ziehen aus dem Höhenverhältnis um das Verhältnis der Geschwindigkeiten in verschiedenen Höhen über Grund zu bekommen.
Windspitzen sind ein ganz andere Geschichte. Auch die werden aber vom DWD nachträglich pro Tag für viele Orte berichtet. Zu einem Download kommt man über diese Seite:
Windspitzen bei Sturmschaden.
Für den Tag des Zwischenfalls (30.7) wird in der Tabelle "Tägliche Windspitzen in Beaufort von Deutschland - Juli 2017" für Köln-Bonn der Wert
7 angegeben. Nach üblicher Umrechnung entspricht das in 10m über Grund einem Bereich von ca. 14 - 17 m/s.
Wie schon erwähnt, muss man sich dann auch die lokalen Strömungsverhältnisse anschauen. Ca. 750 m von der Seilbahntrasse entfernt steht das 147 m hohe Colonia-Haus.
Colonia-Haus (aus dem Video zur Kölner Seilbahn von Bergbahnen.org https://youtu.be/p8lZHLl_oxs )
Für den Strömungsnachlauf von Gebäuden
gibt es Faustregeln, die eine merkliche Wirkung auf das Windfeld bis zu 10mal Gebäudedimension stromab annehmen.
Allerdings steht das Hochhaus nordöstlich bis NNO zur Seilbahntrasse. Diese Windrichtung ist in dieser Gegend aber sehr selten. Meist kommt der Wind aus SW bis West. Wenn allerdings am Unfalltag ausnahmsweise mal NO-Wind geherrscht hätte, dann wäre diese Wirkung dringend in eine Ursachenbetrachtung mit einzubeziehen. So was rechnen kann man heute, auch durch Dienstleister, allerdings mit enormem Aufwand und großen Unsicherheiten in der Simulation:
Airflow around tall building
Bei den viel häufigeren Windrichtungen aus W oder SW stellt natürlich die Zoobrücke selbst die wesentlichste Störung des Strömungsfeldes dar, und dann befindet sich die Seilbahn praktisch immer in dem schwierig zu überschauenden Feld der diversen Ablösungs, Totwasser- und Wirbelgebiete. Sieht man schön an dem oben gezeigten Schemabild.