Link zum Pistenplan
Am 19. 4. 2011 war ich im Skigebiet in Kurzras im Schnalstal, das vom Vinschgau nach Norden zu den zentralen Ötztaler Alpen führt. Das Skigebiet befindet sich direkt am Alpenhauptkamm und somit an der Grenze zu Österreich. Die Talstation der Finaillifte am Gletscher steht sogar auf österreichischem Staatsgebiet. Kurzras liegt auf 2000 Metern übern den Meeresspiegel. Der höchste Punkt des Skigebiets ist die Grawand (Bergstation der Pendelbahn und Bergstation der 4SB Grawand) und liegt auf 3200 Metern. An drei weiteren Stellen (Finaillifte, 2SB Hintereis, 4KSB Teufelsegg) wird die 3000 Meter – Marke überschritten.
Das Skigebiet ist ein Ganzjahresskigebiet mit Revisionspause von Anfang Mai bis Mitte Juni. Der Sommerskibetrieb findet an der 4SB Grawand (möglichst durchgehend), an den Schleppliften Finail (bis Anfang/Mitte August und ab Ende September/Anfang Oktober) sowie an den Sesselbahnen Gletschersee (bis etwa Ende Juli und ab Mitte/Ende Oktober) statt.
Neben der Talstation der Seilbahn befinden die Schlepplifte Glocken I und II (Übungsschlepplifte mit 60 Metern Höhenunterschied). Von dort geht auch die 4KSB Roter Kofel zur Teufelsegghütte auf 2450 Metern Höhe direkt an der Talabfahrt von der Seilbahn. Diese Bahn ist Zubringer zur 4KSB Teufelsegg, die auf 3030 Meter Höhe hinaufführt. Dort sind die anspruchsvollsten Pisten des Skigebiets. Von dort muss man ins Tal hinunter fahren, um in andere Skigebietsteile zu kommen. Die Pisten und Lifte am Gletscher sind nur mit der Pendelbahn erreichbar. Am Gletscher befindet sich die 4SB Grawand (Höhenunterschied knapp 200 Meter) und die parallelen Schlepplifte Finail I und II (Höhenunterschied 250 Meter). Die Abfahrten an den parallelen Sesselliften 3SB Gletschersee I und DSB Gletschersee II (Höhenunterschied 240 Meter) sind auch noch teilweise auf dem Gletscher. Die Pisten im Gletscherbereich sind überwiegend leicht. Unweit der Talstationen Gletschersee steht auch die Talstation der DSB Hintereis, die 400 Höhenmeter hinauf auf fast 3200 Meter führt, jedoch keine Gletscherhänge erschließt und daher auch nur im Winter geöffnet ist. Sie bedient mittelschwere Pisten.
Etwas abseits vom Rest des Gebietes liegt die DSB Lazaun, die vom Tal aus 430 Höhenmeter nach Osten hinaufführt und mittelschwere Abfahrten besitzt, die bis auf den obersten Teil im Wald verlaufen. Etwa 2 Minuten Fußmarsch sind nötig, um zu diesem Teil des Gebietes zu wechseln oder wieder von dort zur Gletscherbahn zurück zu kommen.
Das Wetter war am 19. 4. gut, aber die Fernsicht war durch starken Dunst eingeschränkt. Ich begann meinen Skitag im Bereich Roter Kofel / Teufelsegg, wo es wegen der Südost-Exoposition trotz der Höhenlage sehr früh weich wird. Anschließend war ich für längere Zeit bei der DSB Lazaun. Erst nach Mittag bin ich das erste Mal hoch auf dem Gletscher. Zwischendrin war ich noch einmal bei der 4KSB Teufelsegg, um ab 16.00 Uhr noch zweimal die Gletscherbahn (Betriebszeit bis 16.30 Uhr) rauf und auf der Talabfahrt wieder herunterzufahren. Insgesamt kam ich trotz der vielen fixen Anlagen im Gebiet und eines Beginns erst um 9.30 Uhr auf fast 14000 Höhenmeter, davon 3400 Höhenmeter nach 15.45 Uhr.
Gut gefallen:
+ vielseitiges Skigebiet in hochalpiner Lage
+ Abfahrten am Teufelsegg und an der DSB Lazaun
+ guter Schnee auch am Nachmittag im Gletscherbereich
+ Vollbetrieb Ende April
+ wenig los
Nicht gefallen
- An der 4KSB Teufelsegg habe ich einen im Nachmittagssulz nicht erkennbaren Stein erwischt
(Die folgenden Bilder sind nicht chronologisch geordnet)
Lazaun
oberer Bereich der DSB Lazaun
Landschaft oberhalb des Lazaunliftes. In diesem Bereich befindet sich eine Langlaufloipe, für die die DSB als Zubringer dient.
Abfahrt Lazaun, die leichtere der beiden rot eingestuften Abfahrten an der Sesselbahn
Die gleiche Abfahrt
Blick zur Grawand. An dieser steilen Flanke des Berges geht die Seilbahn hoch. Das Gletscherskigebiet ist hinter der Grawand verborgen.
Zoom zur Bergstation der Gletscherbahn
Blick von der Rennpiste (die steilere der beiden Abfahrten an der Sesselbahn) nach Kurzras. Gut erkennbar ist das untere Stück der Talabfahrt und die Pisten am Glockenlift.
Rennpiste
im unteren Teil der Rennpiste
Der Bereich Lazaun mit seinen überwiegend im Wald befindlichen Abfahrten ist vor allem dann wichtig, wenn am Gletscher starker Wind oder schlechte Sicht ist. Aber auch bei schönem Wetter lohnt sich ein Abstecher zu dieser Sesselbahn, die bald durch eine kuppelbare Vierersesselbahn ersetzt werden soll.
Teufelsegg
Blick von der 4KSB Roter Kofel zur 4 KSB Teufelsegg mit schwarzer Abfahrt Teufelsegg 2. Im unteren Teil gibt es schon einzelne braune Stellen. Beim Teufelsegg könnte es eng werden, ob zumindest eine der Pisten bis Saisonschluss 1. Mai offen gehalten werden kann.
Mittlerer Teil von Teufelsegg 1 (ebenfalls schwarz)
Teufelsegg oberer Teil
Schwemser Spitze, mit 3459 Metern der höchste Gipfel des Kamms, der von der Weißkugel nach Süden verläuft und das Schnalstal auf der Westseite begrenzt. Interessant ist die Skispur oder Snowboardspur in dem steilen Schneefeld links unterhalb des Gipfels.
Blick über den unteren Bereich des Gletscherskigebietes zur Finailspitze.
Zoom zu einem Ausschnitt der Talabfahrt
Steilhang im Mittelteil der Abfahrt Teufelsegg 1 (steilster Hang im Skigebiet)
Die anspruchsvollen Pisten an der 4KSB Teufelsegg sind für den sportlichen Skifahrer die interessantesten des Skigebiets. Leider hat es auf den südwestseitig exponierten Hang nicht mehr allzu viel Schnee. Bei besserer Schneelage bieten sich dort auch vielfältige Möglichkeiten für den Variantenfahrer. Zu beachten ist, dass die Pisten dort wegen der Sonneneinstrahlung trotz ihrer Höhenlage bei solch warmen Bedingungen relativ schnell weich werden.
Gletscherbereich
Blick von der Bergstation der Gletscherbahn ins Tal hinunter. Gut zu sehen ist das unterste Drittel der Rennpiste an der DSB Lazaun.
4SB Grawand
Die kurzen, aber steilen Sesselbahnen Gletschersee. An diesem Tag war nur die 3SB im Betrieb. Die DSB wurde nicht benötigt.
Unterer Teil des Funparks am Gletscher
oberer Teil des Funparks
Die beiden Tellerlifte Finail I und II
Finaillifte mit Abfahrt von oben
Die Abfahrten an den Finailliften sind typische flache Gletscherabfahrten zum Carven ähnlich wie Kaserer 2 in Hintertux oder Daunferner am Stubaier Gletscher. Im unteren Teil überquert die Abfahrt die Staatsgrenze Richtung Österreich.
Am späteren Nachmittag um 16.45 Uhr waren die Sichtbedingungen für Panoramabilder besser. Hier im Bild sind die Weißkugel und die Langtauferer Spitze.
Zoom zur Weißkugel
Wildspitze (rechts) und Hinterer Brochkogel (links)
Blick zum Großen Vernagtferner
Blick nach Süden. Die Ortlergruppe ist nur schemenhaft zu erkennen. Das Bild zeigt, dass bei guter Fernsicht das Panorama dort oben noch wesentlich eindrucksvoller wäre.
Blick zu den Abfahrten an der DSB Lazaun.
Zoom auf den oberen Bereich von Lazaun mit der Langlaufloipe
DSB Hintereis mit zugehörigen Abfahrten
Zoom auf die Piste an der DSB Hintereis
Am Gletscher findet man typische flache bis mäßig steile Gletscherpisten vor. Wenn im Frühjahr Vollbetrieb herrscht, ist dort sicher nicht der interessanteste Teil des Skigebietes. Man kann aber mit der PB schnell Höhenmeter überwinden und anschließend der Talabfahrt diesen Bereich durchfahren und dabei die noch guten Schneebedingungen dort oben genießen. Wenigstens einmal am Tag sollte einem für ein bis zwei Abfahrten auch die Finaillifte ein Abstecher wert sein.
Hintereis
Bergstation an der DSB Hintereis
Blick von der Bergstation Hintereis zum Gletscherbereich mit der 4SB Grawand
Oberer Teil der Abfahrt an der DSB Hintereis
Mittlerer Teil der Abfahrt vom Lift aus
Neben der Bahn befindet sich die Alpenvereinshütte Bella Vista, auf der man auch einkehren kann.
Einst führte die Sesselbahn bis zur Kuppe auf den Grat hinauf. Im Jahr 2003 oder 2004 wurde die Bahn um etwa 80 Höhenmeter gekürzt, damit sie weniger windanfällig ist. Die Piste führte einst flach links herum zum jetzigen Pistenbeginn.
Schade ist die Verkürzung weniger wegen des weggefallenen Piste, sondern vielmehr deshalb, weil man nun nicht mehr den fantastischen Aussichtspunkt am Grat dort oben erreicht. Dort hat man einen Logenblick auf die Weißkugel und den Hintereisferner
Talabfahrt
mittlerer Teil der Talabfahrt zwischen Talstationen Gletschersee und Teufelsegghütte.
Talabfahrt mit Blick auf die Abfahrten an der Teufelseggbahn
Teufelseggabfahrten und Schwemser Spitze im Hintergrund
Teufelsegg oberer Teil
Schlusshang an der Teufelseggbahn. Hier habe ich den Stein erwischt.
Blick auf Kurzras und Lazaun unterer Teil.
letzter Hang der Talabfahrt
am Parkplatz
Die 1200 Höhenmeter bewältigende und laut Pistenplan 8 km lange Talabfahrt präsentierte sich im unterschiedlichen Zustand. Während man oben noch gute Schneebedingungen hatte und auch im Mittelteil die Piste zwar aufgefirnt, aber noch gut zu fahren war, gab es im unteren Teil am Nachmittag schon viel Sulz.
Insgesamt gefällt mir das Skigebiet Schnalstal, wenn Vollbetrieb herrscht, sogar besser als Sulden. Ich wage sogar die Behauptung, das im Frühjahr der Schnalstaler Gletscher sich vor keinem anderen Gletscherskigebiet in den Ostalpen verstecken braucht, wobei die interessantesten Pisten außerhalb des eigentlichen Gletscherbereichs sind. Wer in der Spätsaison ein tolles hochalpines Skigebiet mit deutlich weniger Leuten als z.B. am Stubaier Gletscher oder in Hintertux erleben will, ist im Schnalstal richtig, muss aber dafür natürlich eine weitere Anreise in Kauf nehmen.
Bei den aktuellen Bedingungen (wenig Schnee, Ostern spät im April) sind die hohen Südtiroler Skigebiete Sulden und Schnalstal meiner Ansicht nach die bessere Alternative zu den Tiroler Gletschern.
Anders sieht es, was den Schnalstaler Gletscher angeht, im Herbst und Frühwinter aus: Wenn nur die Gletscherlifte offen sind, ist das Angebot doch eher dürftig und keine gleichwertige Alternative zu den anderen Gletscherskigebieten. Selbst im Nichtgletscherskigebiet Sulden ist Anfang November definitiv mehr geboten. Das könnte sich diesen Herbst zumindest teilweise etwas ändern. Die Erweiterung der Beschneiung an der Talabfahrt soll eine Öffnung der Talabfahrt bis zur Teufelsegghütte ab Allerheiligen ermöglichen. Die 4KSB Roter Kofel fungiert dann als Rückbringer ins Tal.