Forensisches Institut Zürich:
Die Überreste der 25 verwendeten Sprühkerzen wurden an mehreren Orten im Untergeschoss der Bar gefunden, vor allem bei den Tischen mit dekorierten Flaschen sowie im Abfallbereich hinter der Theke. Zusätzlich entdeckten die Forensiker in einem als Lager genutzten Nebenraum eine Kiste mit 100 unbenutzten Sprühkerzen.
Weiterhin fanden die Ermittler eine Tasche mit weiteren pyrotechnischen Gegenständen, die vermutlich ein Gast mitgebracht hatte. Sie lag auf dem Boden an der linken Raumseite und enthielt 14 Knallkörper, darunter sechs vom Typ «Thunder King». Keiner dieser Knallkörper wurde durch den Brand ausgelöst.
Brand in italienischem Hotel kurz vor Silvester
Auch bei Hochzeitsfeierlichkeiten in Italien kam es kurz vor der Jahreswende zu einem ähnlichen Fall, wie die italienische Tageszeitung «La Repubblica» berichtete. Auf einer Torte angebrachte Fontänen versprühten dabei Funken, die eine Zwischendecke und die Vorhänge im Kristall Palace in Ariano Irpino (Provinz Avellino) in Brand setzten. Die Gruppe von etwa 200 Personen brach in Panik aus, konnte sich jedoch in Sicherheit bringen.
Brandschutz-Schlamperei in Crans-Montana
SonntagsBlick:
Thomas Matter: Er hat in der Schweizer Fernsehsendung Arena eine aufschlussreiche Aussage zum Brandschutz gemacht. Er betreibt unter anderem eine Kellerbar in Arosa. Bei der Kontrolle wollten die dortigen Brandschutzexperten selbst wissen, welches Dämmmaterial in den Wänden verbaut ist.Nach dem Inferno von Crans-Montana steht die Gemeinde in der Kritik. Blick hat alle kommunalen Verantwortlichen aufgespürt. Ein Ex-Gemeinderat (zuständig für die Sicherheit) ist im Brandschutz-Business tätig.
Hat das Personal genauer unter die Lupe genommen, das seit der Gemeindefusion 2017 politisch und operativ für die öffentliche Sicherheit zuständig war – und damit für den Brandschutz in Crans-Montana. Einige offene Fragen im Zusammenhang mit den Kontrollen konnten dadurch geklärt werden. Andere Befunde werfen weitere Fragen auf. Und manches Detail irritiert.
Da wäre zum Beispiel der Hintergrund von Thibaud Beytrison (56), Ex-Gemeinderat (2017 bis 2020) und erster Verantwortlicher für die Sicherheit in Crans-Montana. Nebst seinem öffentlichen Amt war und ist Beytrison im Brandschutzbusiness tätig. Seit 2015 präsidiert er den Verwaltungsrat eines Unternehmens im Rhonetal, das sich auf «die Entwicklung und Überwachung von Brandschutzkonzepten» für private und öffentliche Einrichtungen spezialisiert hat.
Zudem kommandierte Beytrison von 2007 bis 2014 die lokale Milizfeuerwehr. Und seit 2007 sitzt er in der Geschäftsleitung einer Firma, die unter anderem Akustikschaumstoffmatten verkauft. Auch solche, die sich an Decken anbringen lassen.
Wie passt das alles zusammen? Wie ist es möglich, dass Beytrison und seine Kontrolleure kein Problem in der offensichtlich leicht entflammbaren Deckenverkleidung in Le Constellation sahen? Fotos zeigen, dass die Decke des Partykellers bereits 2015 mit Akustikschaumstoff ausgekleidet war. Und, noch irritierender: Ein Video aus dem Jahr 2019 belegt, dass sich das Barpersonal der Gefahr bewusst war. Ein Kellner sagt darin zu Gästen, die mit Partyfontänen hantieren: «Passt auf den Schaumstoff auf!»
Doch die Behörden sollen nichts gewusst haben? In einer Gemeinde, wo es heisst, dass jeder jeden kennt? Mit all dem konfrontiert, will sich Beytrison nicht äussern.
Sendung: https://www.srf.ch/play/tv/arena/video/ ... 81e3c276df
Meinung: Selbst wenn man die Sprühkerzen verbietet, können Gäste weiteres leicht entzündbares Material in Rucksäcken oder Taschen dabeihaben. Hätten die Brandschutzexperten wie in Arosa von Anfang an so kontrolliert, wäre es nicht zu der Brandkatastrophe gekommen. Selbst wenn der Bauherr die Vorschriften, wie im jetzigen Fall, grosszügig zu seinen Gunsten auslegt.