Dann will ich mal meine Erfahrungen beisteuern. Möglich, dass ich damit etwas Öl bis Feuer gieße...
Zunächst Mal:
Ich fahre nun schon länger viel im Winter im Gebirge und habe so Einiges an Fahrzeugen und Antriebskonzepten erfahren können.
Was ich nicht fahre, sind kleine, tief verschneite und besonders steile Nebenstrecken. Ich bewege mich im Winter:
80% Autobahn, davon ca 2/3 schnell
5-10% Stadt auf 400müNN
10-15% Gebirge, Pässe bis ca. 2300 müNN, gut ausgebaut und gut geräumt.
Dafür gelten also meine Erfahrungen bei Schnee.
Es sind NUR meine Erfahrungen und keine gesellschaftlich als allgemein gültig anerkannten (scheinbaren) Weisheiten.
Allrad: Wir hatten mal einen Subaru. Im Gegensatz zu allen 2WD Fahrzeugen auf Schnee extrem vorteilhaft. Traktion um Welten besser, zieht sich sehr schön um Kurven herum und aus Ihnen hinaus.
Heckantrieb:
Früher BMW E30 mit 175er Winterreifen ohne jegliche Regelsysteme. Anstrengend zu fahren,erfordert hohe Aufmerksamkeit wegen unruhigem Heck und bergab ohne ABS ebenfalls mit viel Bedacht zu bewegen. Traktion allgemein schwach, da kaum Gewicht auf der Antriebsachse und kein Sperrdifferential. Kurven und bremsen bei Nässe extrem schlecht. Auquaplaning dagegen sehr gut.
Später E30 mit ABS und 195er Winterreifen. Ähnlich aber tendenziell etwas besser.
Trotz Allem und vielen Passfahrten jedoch nur ein Mal 1997 in einer Verwehung stecken geblieben und Ketten benötigt.
E46: Dank ASC und später DSC wesentlich entspannter. Traktion spürbar besser.
Zunächst mit 205/55r16 rundum.
Dann vor ca. 5-6 Jahren der Wechsel auf Mischbereifung 225/40r18 vorn und 255/35r18 hinten. Ergebnis: keinesfalls schlechter im Schnee als 205. Traktion eher verbessert. Kurvenlage ebenfalls keinesfalls schlechter. Bei wenig Schnee auf der Straßedefinitiv besser.
Nachteil: bei Schneematsch (nur in diesen Situationen bei 80kmh +x) auf der Autobahn spürbar früheres Aufschwimmen. Dann Reduktion der Geschwindigkeit unbedingt anzuraten.
Bei Trockenheit und Nässe (kein Aquaplaning) um Welten besser als die 205er Bereifung. Deutlich besseres Bremsverhalten und überirdisch verbessere Tempostabilität.
Später noch mal kurz zurückgewechselt auf neue 205er: Gefühlt keinesfalls besser als die Breitreifen.
In 12 Jahren NIE Ketten gebraucht. Ein Mal wegen Kettenobligatorium einen Umweg gefahren.
Frontantrieb:
Mein Fazit: Je kleiner und leichter das Fahrzeug, desto besser funktionier er.
Peugeot 205, VWPolo 1983 etc. könnte auch ohne Regelsysteme super sportlich über die Straßen jagen. Top Traktion mit 155- 175er Reifen im Schnee. Skoda Fabia geht auch sehr gut.
ABER: Je größer und schwerer das Fahrzeug wird, desto mehr schwinden die Vorteile dahin bzw. Es treten zunehmend die Nachteile die der Frontantrieb bei schweren und leistungsstarken Fahrzeugen allenthalben mit sich bringt, auch bei Schnee auf.
Dazu ist folgendes Video interessant:
Nun nochmal das Thema Breitreifen im Schnee:
Erst einmal kommt es sehr auf das Fahrzeuggewicht an.
Wo 155-175 oder 195 bei Fahrzeugen zwischen 800kg bis 1200kg noch als richtig galten, können bei 1400-1700kg schon 205, 225 oder sogar 255 richtig sein.
Außerdem hat sich die Reifentechnologie mit den Lamellen entwickelt, die Straßen werden intensiver geräumt und alte Grundsätze sind nicht mehr uneingeschränkt anwendbar.
Aktuell fahre ich nun ein knapp 1700kg schweres Fahrzeug und habe mich im Winter für die Mischbereifung 225 vorn und 255 hinten entschieden.
Ebenso habe ich mich für den Heckantrieb und gegen Allrad entschieden.
Warum?
Zunächst der Antrieb. In meinem Fall (BMW) bin ich von den Allradlern nicht so ganz überzeugt weil : 1. höher gelegt. 2. Kein konventionelles Sportfahrwerk lieferbar. 3. Unsportliche Fahrdynamik, wenn man wie ich keinen M nimmt. 4. Einschränkungen in der Reifenwahl auf BMW zertifizierte *markiere Runflats bei eingeschränkter Formatwahl, da die sensible Steuerung in Verbindung mit dem Mitteldifferential ggf. zu Problemen der Regelung und im schlimmsten Fall zu Gewährleistungsproblemen Bein Antriebsstrang führen kann, wenn man den Wagen „Freestyle“ bereift. Letzteres habe ich getan, was bei Heckantrieb kein Problem ist. Ebenso habe ich das günstige M Sportfahrwerk und der Verbrauch ist das ganzes Jahr über geringer. Günstigerer Kaufpreis.
Wirklich Probleme zu bekommen ist möglich aber seltenst wahrscheinlich. Das muss ich eben in Kauf nehmen.
Ich habe seit über 20 Jahren keine Ketten trotz Heckantrieb gebraucht, also weiter Heckantrieb, der sich auch sonst sehr gut fährt. Ebenso bringt die Breitreifenvariante in 99% der Fahrsituationen teils enorme Vorteile. Also Mischbereifung 225 255.
Zum Thema Breitreifen und Mischbereifung folgender Link.
Es wurde viel durcheinander getestet, aber die Hankook Bereifung hat die bessere Traktion, wenn hinten die breiteren 255er drauf sind:
https://www.auto-motor-und-sport.de/test/winterreifentest-2018-sportwagen-mischbereifung/
Das „lebendige“ oder schwierige Fahrverhalten spielt mE keine Rolle, da ohnehin alles weggeregelt wird.
So, daraus kann jetzt jeder machen, was er will...
Bitte darauf achten, ob eure Einsatzbefingungen anders sind.
Wie heißt es bei den TireRack Tests immer: It depends on how, where and what you drive...