Weshalb sollte es "unrealistisch" sein, den Gotthard Strassentunnel für ein paar Jahre zu sperren? Bis 1980 war er durchgehend gesperrt.
Hochwertige Güter mit hoher Wertschöpfung wie bspw. Maschinen, Anlagenteile, substantielle Rohstoffe u.dgl. reisen gut und gerne mit der Bahn, oder falls nötig per Umweg über Brenner oder St. Bernadino.
Das billige Massenkonsumgut zB. Müller Joghurt bleibt aber halt dort wo es Hergestellt wird, und erreicht halt nicht mehr die Lidl Landschaften in Norditalien. Soll meinen dass eine Tunnelsperre zulasten jener Produktogistik geht, die sich leicht regional ersetzen lässt. Es täte wahrscheinlich sogar gut! Wie ein frisches Bad nehmen. Mal was neues, hin zu anderen Perspektiven.
Früher gabs mal Interfrigo, Kühltransporte per Bahn. Die wurden eingestampft, denn mit den Selbstausbeutungsvorteilen des LKW-Verkehrs via Strasse kann die verhältnismässig starre Eisenbahnorganisation heute nicht mehr konkurrieren. Jeder Cent den die Transportleistung pro Streckenlänge weniger kostet, wird dazu eingesetzt, die Waren weiter zu transportieren, damit den Absatz zu erhöhen. Und Teile dort herstellen, wo es noch billiger ist....
Es ärgert mich, heute in meiner ehemaligen Heimat eine früher unvorstellbare Anzahl an Lebensmittelprodukten vorzufinden, die von sonstwoher kommen aber nur nicht aus der Region. Es sind keinesfalls Produkte, die es regional nicht gäbe. Es sind vielmehr Produkte, die eine vielleicht etwas gemächlerische regionale Produktion k.o. geschlagen haben.
Zb. ist die Milchproduktion heute nahezu inexistent in Norditalien!! "Trasporto Latte" stand früher hinten drauf auf den Tanklastern aus dem Norden. Heute ist das diskreter, es zeugt per Gesetz nur mehr ein grünes eckiges Symbol davon, dass da Lebensmittel transportiert werden.
Sogar Brot zum Aufbacken durch den hamsterradlaufenden Fakebäcker oder sogar fertig in Plastik verpackt kommt viele hundert Kilometer von sonstwoher dass es einem schwindlig wird. Brot! Zu meiner Kindheit gab es das beim echten Bäcker, aus von ihm hergestelltem Teig, nach seiner Kunst und Geschicklichkeit. In seiner Würde. Beim nächsten Bäcker gab es anderes Brot. Unvorstellbar heute, da gibt es Brot im Franchisingsystem. Mit viel Aufwand von professionellen Food Designern entworfen. Viel Marketing, durchaus spannende Technologie, europaweite Logistik. Tausende Regeln und Normen, Verordnungen und Zertifizierungen. Viel Know-How drumherum. Und so schmeckt es dann auch.
Zu einfache Transportlogistik fördert dies.
Auch deshalb finde natürliche geographische "Hindernisse" schön. Bis 1980 hiess es nun mal die Gotthardstrasse ist im Winter zu. Na und. Da kam man halt nicht von Süden nach Andermatt. Na und, es ging halt weniger weit woanders hin. Na und.
Es gibt Wohlstand und absurden Überwohlstand... je nach Betrachtungs- und Profitweise.