Neandertaler schrieb:
Bei mir war dann die Situation, das ich zur Zeit den Verdacht habe, das auf Grund der hohen Testzahlen sind mehr falsch Positive als real Infizierte auf dem weg sind. Oder liege ich da ganz daneben und mich kann da bitte mal einer aufklären?
Vereinfacht gesagt ist es so: Wen Du einen Test hast, der per Bilderkennung Affen erkennt und Du gehst damit in einen Affenstall, dann kann der Test gar keine "falsch posiitven" Affen melden, weil sich im Affenstall nur Affen befinden. Er kann aber möglicherweise einige Affen fälschlicherweise nicht als Affen erkennen, das wäre dann "falsch negativ".
Wenn nun im Zoo 100 Affen aus dem Käfig ausbrechen während sich gleichzeitig 1000 Besucher auf dem Gelände aufhalten und Du mit einer Software, die 1% falsch posiitve und 1% falsch negative Ergebnisse liefert, versuchst, die Affen wieder einzufangen, dann sieht das Ergebnis so aus: Am Ende befinden sich im Affenkäfig 99 Affen, denn einer wird statistisch ja nicht erkannt. Zustzlich sperrt man aber noch 10 Besucher zusammen mit den Affen in den Käfig, weil die Software sie fälschlicherweise als Affen erkennt.
Wenn man aber nun die Software nur in den Fällen anwendet, wenn man selber ein Lebewesen mit dunklem Fell erkennt, dann wird die Rate der falsch positiven vermutlich auf 0 sinken. Am Ende hat man trotz der fehlerbehafteten Software 99 Affen wieder eingefangen, aber keinen Besucher in den Käfig gesperrt. Weil man halt den unsicheren Test spezifisch eingesetzt hat. Das versteht man unter Prävalenz.
Bei Corona wissen wir aber gar nicht, wie viele Menschen derzeit tatsächich gerade infiziert sind. Das will die Politik ja gerade möglichst breitbandig durch anlasslose Tests ermitteln. Die Politik handelt hier sogar gegen die Empfehlungen der Wissenschaft, weil sie Menschen nur aufgrund des vagen Verdachts testet, weil sie aus "Risikogebieten" kommen sollen. Das hat Einfluss auf die Rate der "falsch positiven", aber die tauchen in keiner mir bekannten Statistik auf. Denn dazu müsste man die positiv getesteten noch ein weiteres Mal mit einem genaueren Test verifizieren. Da ist es einfacher, den Leuten 14 Tage Quarantäne aufzubürden.
Das alleine erklärt aber nicht den Anstieg der Positivenrate in den
Berichten des RKI, welche man durch gezielte Suche auch finden kann.
Ich vermute daher, dass für die Ausweitung der Testkapazitäten vermehrt unsichere oder noch nicht zertifizierte Tests eingesetzt werden, die zwar schnellere Ergebnisse liefern aber um den Preis einer höheren "falsch positiven" Rate. Nur weiß selbst das RKI am Ende nicht, welches Ergebnis am Ende mit welchem Test ermittelt wurde. Sie rechnen einfach die Zahlen zusammen.
Kennt übrigens jemand die "Corona Initiative Deutscher Mittelstand"? Ich kannte sie bis gestern auch nicht. Aber dieser Verein hat sich einmal die Mühe gemacht, die offiziellen Zahlen von RKI & Co in
einer Grafik darzustellen. Wie man auf Seite 10 erkennt, korreliert bis KW 25 die Zahl der positiv Getesteten mit der Zahl derer, die sich in intensivmedizinischer Behandlung befinden ( mit einer zeitlichen Verzögerung von ~ einer Woche). Doch in den letzten Wochen divergieren die Graphen. Warum? Dafür gibt es folgende pausible Erklärungen: Das Virus oder die Form der Ansteckung (Viruslast im Freien) ist ungefährlicher geworden und / oder es fliessen mehr "falsch positive" Fälle in die Statistik ein. Der Rest der Publikation ist auch ganz interessant, jedenfalls mal was anderes.