• Willkommen im neuen Alpinforum!

    Das Alpinforum ist erfolgreich auf die neue Forensoftware XenForo umgezogen. Benutzerkonten und Foreninhalte wurden übernommen, sodass ihr euch wie gewohnt anmelden könnt.

    Schaut euch gerne um und probiert die neuen Funktionen aus. Solltet ihr Fehler oder Unstimmigkeiten entdecken, meldet sie bitte im entsprechenden Thema.

    Alle Informationen zur Migration und zum neuen Forum findet ihr hier:

    Zur ausführlichen Ankündigung

    Viel Spaß im neuen Alpinforum!

    Euer Alpinforum-Team

Coronavirus 2019-nCoV

Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Mich wundert es doch sehr, dass hier einige wenige an eine Durchseuchung glauben und das als Allheilmittel anpreißen.
Die Wissenschaft hat das ja eindeutig widerlegt. Zumal eine Ansteckung nicht zwangsläufig vor einer erneuten Ansteckung schützt.
Bei einer Todesrate von 0,25% der Erkrankten (was insgesamt deutlich zu wenig sein dürfte) würde das für D 150.000 an Corona verstorbene Menschen bedeuten.
Bei einer 1% Sterblichkeit reden wir schon über 1.000.000 tote Eltern, Kinder, Omas und Opas.
Das wäre weder wirtschaftlich, menschlich, sozial oder psychologisch hinnnehmbar.
Solche Rechnungen überhaupt aufzustellen ist einfach Menschen verachtend!


Gruß!
der Joe
 
Latemar schrieb:
Mich wundert es doch sehr, dass hier einige wenige an eine Durchseuchung glauben und das als Allheilmittel anpreißen.
Die Wissenschaft hat das ja eindeutig widerlegt. Zumal eine Ansteckung nicht zwangsläufig vor einer erneuten Ansteckung schützt.
Bei einer Todesrate von 0,25% der Erkrankten (was insgesamt deutlich zu wenig sein dürfte) würde das für D 150.000 an Corona verstorbene Menschen bedeuten.
Bei einer 1% Sterblichkeit reden wir schon über 1.000.000 tote Eltern, Kinder, Omas und Opas.
Das wäre weder wirtschaftlich, menschlich, sozial oder psychologisch hinnnehmbar.
Solche Rechnungen überhaupt aufzustellen ist einfach Menschen verachtend!
Zum einen kommen mir gerade leise Zweifel, ob deine Rechnung stimmt. Zum anderen glaube ich nicht, dass die Durchseuchung-Fans sich von den Zahlen beeindrucken lassen. Da sind ja nach meiner Wahrnehmung eher die Gedanke dahinter "Wer Covid-19 nicht überlebt, ist halt zu schwach" und "Sind ja eh nur die ganz Alten, deren Uhr eben abgelaufen ist", unabhängig davon, wie viele Leute das dann betrifft. Sehe ich doch richtig, oder?
 
Oliver.O schrieb:
Welchen Informationsstand und welche Quelle hast du da?

Danke für die Rechtstellung! Die Spanne stammte aus seinem Podcast, frag mich nicht welchen, aber gefühlt einiges länger her als September. Ja, die IFR ist natürlich stark Land- und v.a. von der jeweiligen Altersstruktur abhängig. Arme Länder mit vorwiegend junger Bevölkerung haben viel niedrigere Sterblichkeitsraten, DE oder CH eher höhere. Es ging mir um die (zu) schnelle Entkräftigung der Behauptung von ThomasK, dass 0,13% bisschen zu optimistisch sei und 0,2-0,25% ohne medizinischer Behandlung die wahre IFR sei und immer weiter sinke. Schön wärs!

In der Schweiz sind die Intensivstationen bei gleichbleibendem Wachstum in 5(!) Tagen voll:
https://www.tagesanzeiger.ch/flacht-die-corona-kurve-in-der-schweiz-jetzt-ab-218432166203

Hypochondrier und Erkältete (auch "verschleppte", lieber j-d-s) landen da nicht - endlich Einsicht, meine Herren?
 
Latemar schrieb:
Bei einer Todesrate von 0,25% der Erkrankten (was insgesamt deutlich zu wenig sein dürfte) würde das für D 150.000 an Corona verstorbene Menschen bedeuten.
Bei einer 1% Sterblichkeit reden wir schon über 1.000.000 tote Eltern, Kinder, Omas und Opas.
Das wäre weder wirtschaftlich, menschlich, sozial oder psychologisch hinnnehmbar.
Solche Rechnungen überhaupt aufzustellen ist einfach Menschen verachtend!
Die Gesellschaft wird künftig gar nicht umhin kommen, solche Rechnungen anzustellen. Es sei denn, Du akzeptierst, dass wir bei jeder mittelschweren Grippewelle (die IFR einer Grippe liegt so in der Größenordnung von 0,1%) sofort wieder in einen Lockdown und Schockstarre verfallen. Die Frage ist aber, ob wir diese andauernde Angst vor dem Tod wirtschaftlich, menschlich, sozial und psychologisch verkraften werden. Oder ob wir alle irgendwann einmal durchdrehen und in jedem Menschen nur noch einen Superspreader sehen, der uns heimtückisch durch seine schlecht sitzende Maske das Leben nehmen möchte.
 
In den letzten 2-3 Tagen ist die Zahl der Neuinfizierten in der Schweiz nach dieser Statistik um 1/3 auf 6.000 zurückgegangen. Ist dies ein Fehler in der Statistik?
 
NeusserGletscher schrieb:
In den letzten 2-3 Tagen ist die Zahl der Neuinfizierten in der Schweiz nach dieser Statistik um 1/3 auf 6.000 zurückgegangen. Ist dies ein Fehler in der Statistik?
Die CH / das BAG meldet die Fälle bis zu einigen Tagen rückwirkend und die vom WE erst wieder ab Montag.
Die Zahlen der letzten ca. 3-5 Tage sind daher unvollständig und noch zu klein.
Hier wird es erklärt: https://www.srf.ch/news/schweiz/coronavirus-so-entwickeln-sich-die-corona-zahlen-in-der-schweiz
 
Pancho schrieb:
alpennon schrieb:
(...) endlich Einsicht, meine Herren?

Du stellst dir das nicht ernsthaft so einfach vor, oder....? ;D
Ne, da muss erst die Warteschleife vorm Spital durchlaufen werden. Dann vielleicht.
NeusserGletscher schrieb:
Die Gesellschaft wird künftig gar nicht umhin kommen, solche Rechnungen anzustellen. Es sei denn, Du akzeptierst, dass wir bei jeder mittelschweren Grippewelle (die IFR einer Grippe liegt so in der Größenordnung von 0,1%) sofort wieder in einen Lockdown und Schockstarre verfallen. Die Frage ist aber, ob wir diese andauernde Angst vor dem Tod wirtschaftlich, menschlich, sozial und psychologisch verkraften werden. Oder ob wir alle irgendwann einmal durchdrehen und in jedem Menschen nur noch einen Superspreader sehen, der uns heimtückisch durch seine schlecht sitzende Maske das Leben nehmen möchte.
Diese Rechnung wird regelmäßig angewendet. Nennt sich dann Restrisiko. Das liegt dann aber eher in dem Bereich von einem Vorfall in 10.000.000 Fällen. Zu deutsch: 10 Millionen Fahrgäste kommen sicher oben an und dann rutscht ein Kind aus dem Sessel. Da diese Zahl aber immer noch zu hoch ist, sind die ganzen Kindersicherungen in den neuen Liften verbaut.

Zu dem anderen muss ich dir Recht geben. Da sind wirklich so Momente, an den ich mich Frage, ob das noch gut für ein funktionierendes Zusammenleben ist. Maske hin, Abstand her. Macht beides Sinn und ist wichtig.
Nur der Apotheker aus Todtnau mit seiner umgebastelten Gasmaske, der gibt mir zu denken. Mit eigenen Augen gesehen und wird hier https://www.google.com/search?q=apotheke+todtnau&oq=Apotheke+to&aqs=chrome.1.69i57j0l4.8870j0j7&client=ms-android-gigaset&sourceid=chrome-mobile&ie=UTF-8#lkt=LocalPoiReviews&trex=m_t:lcl_akp,rc_f:nav,rc_ludocids:9207994118625780222,rc_q:Schwarzwald%2520Apotheke,ru_q:Schwarzwald%2520Apotheke,trex_id:Ik6Gpb bestätigt.
Und auch so manch Eltern, die alles desinfizieren, das eventuell in die Nähe ihrer Kinder kommen könnte sind auch so ein Spezies, die ich kritisch sehe. Da sind wirklich welche gewesen, die haben das Geländer, das Drehkreuz und den Coster komplett ausgeputzt. Ob das dann noch was bringt?
 
NeusserGletscher schrieb:
Die Gesellschaft wird künftig gar nicht umhin kommen, solche Rechnungen anzustellen. Es sei denn, Du akzeptierst, dass wir bei jeder mittelschweren Grippewelle (die IFR einer Grippe liegt so in der Größenordnung von 0,1%) sofort wieder in einen Lockdown und Schockstarre verfallen.

Solche Rechnungen werden bereits angestellt, in der Schweiz gelten 100'000.- jährliche Behandlungskosten pro gewonnenes Lebensjahr als gerechtfertigt. Ein Menschenleben hat für das Bundesamt für Raumentwicklung einen Wert von 6,5 Mio Franken, ähnlich in der Flugindustrie.
IFR der saisonalen Grippe ist eher um die 0,04% bei uns (Seroprävalenzstudie), auch da gibt es viele unentdeckte milde Verläufe. Dies ist jedoch nicht Mal der springende Unterschied, sondern dass sich ohne Impfstoff a) Risikogruppen, die 30-40% der Bevölkerung ausmachen, sich nicht davor schützen können und b) die schiere Anzahl Infektionen aufgrund der daraus fehlenden Immunität das Gesundheitswesen überwältigen kann, wie aktuell in Regionen der Schweiz bereits geschieht.

Good news: Es kostet relativ wenig, das Risiko weiterer Pandemien stark zu senken, indem Menschen weniger Kontakt mit wilden Tieren und jenen aus Massentierhaktung pflegt - mit wertvollen Nebeneffekten.
https://www.bbc.com/news/science-environment-54721687
 
alpennon schrieb:
Dies ist jedoch nicht Mal der springende Unterschied, sondern dass sich ohne Impfstoff a) Risikogruppen, die 30-40% der Bevölkerung ausmachen, sich nicht davor schützen können und b) die schiere Anzahl Infektionen aufgrund der daraus fehlenden Immunität das Gesundheitswesen überwältigen kann, wie aktuell in Regionen der Schweiz bereits geschieht.
In Deutschland haben sich in vergangenen Jahren angeblich nur 10% der Bürger gegen Grippe impfen lassen. Mehr als 20% wäre auch nicht möglich gewesen, weil einfach nicht mehr Impfdosen bestellt wurden. Zudem schützt eine Grippeimpfung nur bedingt gegen eine Infektion, weil die Labore nicht wissen, welche Viren und deren Mutationen sich in der kommenden Saison besonders verbreiten. Also an dem fehlenden Impfschutz kann es nicht liegen, dass es bei Corona nun anders läuft.

Dass nun wieder einmal viele Krankenhäuser an die Grenzen ihrer Belastbarkeit geraten, hat neben Corona auch eine ganz einfache Ursache: Wir haben schlicht viel zu wenig Personal. Das ist keine neue Erkenntnis, für Deutschland wurde schon vor knapp einem Jahrzehnt berichtet, dass 50.000 Fachkräfte in den Krankenhäusern fehlen. Wir zahlen jetzt mit dem Lock-Down auch die Zeche für eine seit Jahrzehnten verfehlte Gesundheitspolitik, welche nur auf Privatisierung und Rendite aber nicht auf den Menschen ausgerichtet war und ist. Die gleichen Heuchler, die heute in politischen Ämtern Solidarität von den Menschen einfordern, stehen selbst für eine genau entgegengesetzte Politik. Nicht an Ihren Worten, an Ihren Taten werdet Ihr sie erkennen.....

Mir ist nur schleierhaft, wieso die Bundesregierung dann in dieser Situation medienwirksam 26.000 Beamtmungsgeräte bestellt, wenn man eigentlich nicht einmal genügend Personal hat, um eine ausreichende Betreuung der vorhandenen Plätze zu garantieren. Die Steuergelder, die man für diese reine Propagandamasche verschwendet hat, hätte man besser in die Aufstockung des Personals investiert. Oder den Pflegern als steuerfreien Bonus überwiesen, die im Frühjahr Doppelschichten gefahren haben.
 
Das „Ventilator“ Thema war ein Hype als man noch wenig wusste und viele dachten, man werde durch die Beatmung geheilt. Und plötzlich haben alle geordert und jeder hatte Angst er komme zu kurz. Das WC-Papier für Staaten.

Das mit dem Personalbedarf ist sicher ein wunder Punkt, würde uns jetzt aber auch nur bedingt helfen. Kein vernünftiger Mensch würde die Kapazität des Gesundheitswesens auf eine Spitzenbelastung auslegen, die alle 100 Jahre - oder auch nie - auftritt. Das zu finanzieren wären wir zu normalen Zeiten schlicht nicht bereit gewesen.

Und selbst wenn man jetzt nach der Krise aufstocken würde. Niemand kann garantieren dass wir beim nächsten Notstand nicht ganz andere Spezialisten und Gerätschaften brauchen.

Lange Rede kurzer Sinn: Das Ganze relativieren zu bringt nichts, wir müssen die aktuelle Herausforderung mit den Mitteln angehen die wir haben.
 
Pilatus schrieb:
Das mit dem Personalbedarf ist sicher ein wunder Punkt, würde uns jetzt aber auch nur bedingt helfen. Kein vernünftiger Mensch würde die Kapazität des Gesundheitswesens auf eine Spitzenbelastung auslegen, die alle 100 Jahre - oder auch nie - auftritt. Das zu finanzieren wären wir zu normalen Zeiten schlicht nicht bereit gewesen.
Bis in die Mitte der 1980er Jahre war dies finanzierbar. Da hatten wir deutlich mehr Pflegekräfte pro Einwohner und das bei einer auch weniger überalterten Gesellschaft. Dann kam die Erosion der Staatsfinanzen durch Steuergeschenke an Konzerne und Reiche und der Privatisierungswahn. Der Zwang zu Kosteneinsparung und Steigerung der Rendite wurde auf dem Rücken der Menschen und auf Kosten der Qualität der Versorgung ausgetragen. Wenn man in normalen Zeiten seine Arbeit ohne Hektik und Stress erledigen kann und auch mal Zeit für ein Gespräch mit den Patienten hat, dann hat man in Krisenzeiten eine stille Reserve, die sfort verfügbar ist. Wenn man dagegen schon in normalen Zeiten am Limit fährt, dann hat man im Fall einer Krise nicht die Möglichkeit, noch ein paar Kohlen nachzulegen.

Gesundheit ist halt ein Zweig allgemeiner (staatlicher) Daseinsvorsorge, der nicht privaten Interessen zur Steigerung der Rendite ausgeliefert werden darf. In Deutschland gab es in den letzten Jahrzehnten dutzende Gesundheitsreformen. Sie dienten alle nur dem Zweck, den Mangel zu verwalten, keine einzige hat die Probleme an der Wurzel bekämpft. Am Ende gabe es für die unmittelbar Betroffenen nur mehr Bürokratie, mehr Arbeit, weniger Peronsonal und unterm Strich weniger Geld. Aus diesen Grund haben auch viele Pfegekräfte in diesem Bereich in den letzten Jahren entweder das Land verlassen oder haben ihren Beruf aufgegeben.

So lange wir über Kapitalrenditen von 10-15% in diesem Bereich reden, kann mir niemand erzählen, wir hätten nicht genügend Geld, um mehr Pfleger einzustellen.
 
NeusserGletscher schrieb:
Pilatus schrieb:
Das mit dem Personalbedarf ist sicher ein wunder Punkt, würde uns jetzt aber auch nur bedingt helfen. Kein vernünftiger Mensch würde die Kapazität des Gesundheitswesens auf eine Spitzenbelastung auslegen, die alle 100 Jahre - oder auch nie - auftritt. Das zu finanzieren wären wir zu normalen Zeiten schlicht nicht bereit gewesen.
Bis in die Mitte der 1980er Jahre war dies finanzierbar. Da hatten wir deutlich mehr Pflegekräfte pro Einwohner und das bei einer auch weniger überalterten Gesellschaft. Dann kam die Erosion der Staatsfinanzen durch Steuergeschenke an Konzerne und Reiche und der Privatisierungswahn. Der Zwang zu Kosteneinsparung und Steigerung der Rendite wurde auf dem Rücken der Menschen und auf Kosten der Qualität der Versorgung ausgetragen. Wenn man in normalen Zeiten seine Arbeit ohne Hektik und Stress erledigen kann und auch mal Zeit für ein Gespräch mit den Patienten hat, dann hat man in Krisenzeiten eine stille Reserve, die sfort verfügbar ist. Wenn man dagegen schon in normalen Zeiten am Limit fährt, dann hat man im Fall einer Krise nicht die Möglichkeit, noch ein paar Kohlen nachzulegen.

Gesundheit ist halt ein Zweig allgemeiner (staatlicher) Daseinsvorsorge, der nicht privaten Interessen zur Steigerung der Rendite ausgeliefert werden darf. In Deutschland gab es in den letzten Jahrzehnten dutzende Gesundheitsreformen. Sie dienten alle nur dem Zweck, den Mangel zu verwalten, keine einzige hat die Probleme an der Wurzel bekämpft. Am Ende gabe es für die unmittelbar Betroffenen nur mehr Bürokratie, mehr Arbeit, weniger Peronsonal und unterm Strich weniger Geld. Aus diesen Grund haben auch viele Pfegekräfte in diesem Bereich in den letzten Jahren entweder das Land verlassen oder haben ihren Beruf aufgegeben.

So lange wir über Kapitalrenditen von 10-15% in diesem Bereich reden, kann mir niemand erzählen, wir hätten nicht genügend Geld, um mehr Pfleger einzustellen.
Perfekt auf den Punkt gebracht. Kann man imho 1:1 auf Österreich übertragen.
 
NeusserGletscher schrieb:
Pilatus schrieb:
Das mit dem Personalbedarf ist sicher ein wunder Punkt, würde uns jetzt aber auch nur bedingt helfen. Kein vernünftiger Mensch würde die Kapazität des Gesundheitswesens auf eine Spitzenbelastung auslegen, die alle 100 Jahre - oder auch nie - auftritt. Das zu finanzieren wären wir zu normalen Zeiten schlicht nicht bereit gewesen.
Bis in die Mitte der 1980er Jahre war dies finanzierbar. Da hatten wir deutlich mehr Pflegekräfte pro Einwohner und das bei einer auch weniger überalterten Gesellschaft. Dann kam die Erosion der Staatsfinanzen durch Steuergeschenke an Konzerne und Reiche und der Privatisierungswahn. Der Zwang zu Kosteneinsparung und Steigerung der Rendite wurde auf dem Rücken der Menschen und auf Kosten der Qualität der Versorgung ausgetragen. Wenn man in normalen Zeiten seine Arbeit ohne Hektik und Stress erledigen kann und auch mal Zeit für ein Gespräch mit den Patienten hat, dann hat man in Krisenzeiten eine stille Reserve, die sfort verfügbar ist. Wenn man dagegen schon in normalen Zeiten am Limit fährt, dann hat man im Fall einer Krise nicht die Möglichkeit, noch ein paar Kohlen nachzulegen.

Gesundheit ist halt ein Zweig allgemeiner (staatlicher) Daseinsvorsorge, der nicht privaten Interessen zur Steigerung der Rendite ausgeliefert werden darf. In Deutschland gab es in den letzten Jahrzehnten dutzende Gesundheitsreformen. Sie dienten alle nur dem Zweck, den Mangel zu verwalten, keine einzige hat die Probleme an der Wurzel bekämpft. Am Ende gabe es für die unmittelbar Betroffenen nur mehr Bürokratie, mehr Arbeit, weniger Peronsonal und unterm Strich weniger Geld. Aus diesen Grund haben auch viele Pfegekräfte in diesem Bereich in den letzten Jahren entweder das Land verlassen oder haben ihren Beruf aufgegeben.

So lange wir über Kapitalrenditen von 10-15% in diesem Bereich reden, kann mir niemand erzählen, wir hätten nicht genügend Geld, um mehr Pfleger einzustellen.

Das von Pilatus skizzierte Szenario wäre auch damals nicht finanzierbar gewesen, wurde es auch nicht. Ich VERMUTE auch sehr stark, dass es damals deutlich weniger Intensivbetten pro/100000 Einwohner gegeben hat. An dem was Du schreibst ist allgemein vieles richtig. Wäre es "wie damals", würde es aktuell aber nicht viel helfen (jedenfalls nicht so viel wie Du offenbar denkst).
 
NeusserGletscher schrieb:
So lange wir über Kapitalrenditen von 10-15% in diesem Bereich reden, kann mir niemand erzählen, wir hätten nicht genügend Geld, um mehr Pfleger einzustellen.
Es ist weit weniger eine Frage des Geldes als der menschlichen Ressourcen. Wir greifen ja eh schon zu einem beträchtlichen Teil auf eingebürgerte oder ausländische Fachkräfte zu. Es gibt in D schlicht zu wenig Personal für diese Arbeiten.
Man muss eher daran arbeiten, dass das Personal effektiver genutzt wird. Es ist zu viel Bürokratie zu erledigen und das oft auch noch mit veralteten Computern und langsamen Internet oder auch veralteter Software. Krankenhauspersonal will Menschen helfen und nicht dem Bürokratiemonster verfallen.

Man kann sicher darüber diskutieren, on die Privatisierung von Krankenhäusern sinnvoll ist. Aber man sollte dabei schon berücksichtigen, dass ein Krankenhaus, das Gewinne abwirft meist besser ausgestattet ist und besser bezahltes Personal hat. Denn Gewinn entsteht hier durch zufriedene Patienten.


Gruß!
der Joe
 
hook schrieb:
An dem was Du schreibst ist allgemein vieles richtig.

Absolut!

Als grundlegende Kritik sicher einige Gedanken wert!

Bezogen auf das akute Thema habe ich einmal mehr das Gefühl, dass da irgendwas nicht ganz stimmt, sagen wir mal, mit der „inneren Uhr“...

NeusserGletscher hätte also vor Jahrzehnten ohne akute Bedrohung die Verwendung enormer Mittel für eine diffuse Pandemievorsorge befürwortet, während er die jetzt akut eingetretene Bedrohung gerne schon mal mit medial aufgeladener Hysterie betitelt?

Warum denke ich, dass er damals, hätte es einen entsprechenden Plan gegeben, auch dagegen gewesen wäre?

Keine Ahnung wieso ich das denke, wirklich nicht... :wink:

Wie auch immer, man sollte sich das merken, aber akut das einsetzen, was da ist.
 
Haha das glaube ich auch nicht. Und dass das in den 1980er Jahren alles besser gewesen wäre ist auch eine Illusion.

Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass der Gesundheitssektor gemessen an der Gesamtwirtschaft damals deutlich kleiner war und es auch weniger Ärzte/Pfleger pro 100‘000 Einwohner gab.

Die Intensivmedizin wie wir sie heute kennen stand auch noch am Anfang ihrer Entwicklung und bei vielen Krankheiten konnte man noch nicht viel mehr als den Spontanverlauf zu beobachten.
 
Pancho schrieb:
NeusserGletscher hätte also vor Jahrzehnten ohne akute Bedrohung die Verwendung enormer Mittel für eine diffuse Pandemievorsorge befürwortet, während er die jetzt akut eingetretene Bedrohung gerne schon mal mit medial aufgeladener Hysterie betitelt?
An eine Pandemie habe ich da nie gedacht. Aber immer, wenn in den letzten Jahrzehnten die neoliberalen Schmierfinken in den Medien einer Reduzierung von Krankenhausbetten und Standorten das Wort geredet haben, dann habe ich in meinen Kommentaren grundsätzlich als Argument angeführt, dass wir in den Krankenhäsuern die Reserven brauchen, um für den Fall einer schweren Grippe die Versorgung zu garantieren.

Pilatus schrieb:
Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass der Gesundheitssektor gemessen an der Gesamtwirtschaft damals deutlich kleiner war und es auch weniger Ärzte/Pfleger pro 100‘000 Einwohner gab.
Naja, ich bin nun auch kein Freund von VerDi und traue deren Zahlen nur bedingt, aber wenn man wollte, dann konnte man in den letzten Jahrzehnten deutliche Worte aus Kreisen von Ärzteschaft und Pflegern zu der Personalpolitik hören.

Außerdem wird unsere Gesellschaft immer älter und die Mobilität hat zugenommen. Nicht nur wegen Urlaubsreisen, sondern auch der immer weiteren Wege zur Arbeit, zum Einkaufen oder zur Schule.

Nebenbei, all dies wäre für die meisten Menschen ohne Mehrkosten zu haben. Man muss nur die Geschäftemacher aus dem Tempel vertreiben, den Bürokratie-Wasserkopf und die Zahl der Krankenkassen reduzieren und die Praktiker von unsinnigen Dokumenationsballast befreien. Der Unsinn mit dem Fallpauschalen, die völlig falsche Anreize setzen und dazu verführen, Gelder für unsinnige Maßnahmen zu verschwenden, gehören abgeschafft. Wenn dann noch alle in die gleiche Kasse zahlen und die Einkommensobergrenzen wegfallen, können bei bessere Pflege die Beiträge sogar für die meisten Menschen sinken. In Norwegen gibt es zum Beispiel keine Beitragsbemessungsgrenze und dort kosten die Sozialversicherung, die auch Krankheit abdeckt, nur 8,2% vom Bruttoeinkommen.

Hätte die Politik in den letzten Jahren ihre Hausaufgaben gemacht, dann würde jetzt niemand von einer drohenden Überlastung der Krankenhäuser reden.
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Zurück
Oben