Jan Tenner schrieb:
WackelPudding schrieb:
Man müsste in meinen Augen in Regionen, in denen eine zu definierende Größe überschritten wird, verpflichtende Massentests durchführen
Und da dreht sich doch die Argumentation bei vielen hier schon im Kreis! "Diese zu definierende Grenze ist doch willkürlich!! Soll mir mal einer sagen, warum die Grenze plus 1 so viel mehr Risiko bedeutet, wie die Grenze minus 1!! Die Krankenhäuser sind doch noch gar nicht voll!!11!!"
Auch bei verpflichtenden Massentest bräuchte man die Mithilfe der Bevölkerung. Aber genau die ist fraglich, wenn für jeden einzelnen als Ergebnis ja dabei rauskommen könnte, dass er dadurch in Quarantäne müsste oder in seiner persönlichen Handlungsfreiheit eingeschränkt wird.
Es haben alleine schon im Forum genug Leute erklärt, dass ihr Mittragen von Maßnahmen ausschließlich an eigenen persönlichen Vor- und Nachteile gekoppelt ist und nicht daran, was man sinnvoll wäre, um die Epidemie in den Griff zu bekommen.
Das ist das große Problem beim Aufstellen der Maßnahmen!
Man kann sicher trefflich streiten, welche Grenze das sein soll - keine Frage. Ich halte die Neuinfizierten/100.000/7d ja auch nicht für alleine aussagekräftig - in diesem Fall ist das aber doch erst einmal egal.
Wenn man hier aber verbindliche Regeln aufstellt, wäre das ja schonmal ein Fortschritt gegenüber dem Status Quo, bei dem es ja durchaus vorkommt, das man bei steigenden Inzidenzen, die man in der Öffentlichkeit ja fast ausschließlich betrachtet, lockert und bei fallenden Inzidenzen, so wie jetzt, verschärfen will. Ich halte es da nicht für verwunderlich, dass einige Menschen nicht mehr durchsteigen und in Folge dessen die Maßnahmen in Gänze in Frage stellen.
Deadlines sind aber ja grundsätzlich in unserer Gesellschaft keine völlige Unbekannte. Ich denke, wir kämen damit schon klar

Der springende Punkt wäre doch vielmehr, dass die Grenzen, an Hand derer gehandelt wird, nachvollziehbar sein müssen und da hilft es schon mal, wenn man weiß, dass bei Wert X, Y passiert.
Die Notwendigkeit der Mithilfe der Bevölkerung bei verpflichtenden Tests ist aber bei weitem nicht so groß, wie bei freiwilligen Tests
Man könnte und sollte es ja eher auch so verkaufen: "Wenn du zum Test kommst, hast du eine große Wahrscheinlichkeit, einen negativen Test zu erhalten. Wenn du gar nicht kommst, wird angenommen, dass du Corona-positiv bist und entsprechend in Quarantäne musst".
Es ist sicherlich ein Problem, dass viele Menschen die Maßnahmen nur nach ihren persönlichen Vor- und Nachteilen bewerten. Ich halte dies aber für eine Folge der chaotischen Kommunikationspolitik, weswegen die Akzeptanz der Maßnahmen, auch aus Egoismus, nicht mehr die Gleiche ist, wie wir diese im Frühjahr hatten. Diese Entwicklung jetzt aufzuhalten ist wahnsinnig schwierig und ich sehe gerade keine Tendenzen, dass die Politiker dies aktuell maßgeblich versuchen würden.
Es gab, gibt und wird sicherlich immer gute Konzepte geben, die Corona-Situation zu verbessern - die tatsächliche Umsetzbarkeit aufgrund der Akzeptanz in der Bevölkerung in Folge des unpopulären und wohl wenig wirksamen Dauerlockdowns wird aber tendenziell in meinen Augen immer schwieriger. Massentests könnten da in meinen Augen ein tragbarer Kompromiss zwischen Mitwirkung eines jeden Einzelnen und langsamer Wiederherstellung der Normalität sein.