Na hier geht es ja ordentlich rund!
Den größten Teil des zweiten Absatzes in alpennons erstem und bisher einzigen Post möchte ich als sachlich und fundiert werten und daher als guten Diskussionsbeitrag ansehen, deshalb hier nochmals die relevanten Aussagen als Zitat:
alpennon schrieb:
Erstmal, wie schon mehrfach geschrieben, ist der Covid-19 kein Grippevirus. Die Coronapandemie wird durch den Virus SARS-CoV-2 verursacht, die Grippe durch Influenzaviren. Die Viren sind nicht verwandt, die Verbreitung, Auswirkungen und Mortalität komplett anders. Die Anzahl Menschen die ein Träger infiziert, R0 genannt, wird vom Covid-19 auf 2-2,5 geschätzt, bei Influenza sind es 1,3. Wer nur ein bisschen Ahnung von Exponentialfunktionen hat, weiss, wie gross dieser Unterschied ist – ungebremst, sprich ohne „Panikmassnahmen der bösen Regierungen“, könnte sich ein Grossteil (50-80%) der Bevölkerung aufgrund fehlender Impfmöglichkeit und hoher R0 in Ausbruchswellen anstecken. Obwohl die meisten Angesteckten (ca. 81%) einen relativ milden Verlauf haben, verläuft es für ca. 19% schwerwiegender, für viele ist ein Spitalaufenthalt notwendig. Selbst das beste Gesundheitssystem auf der Welt kann nicht annähernd so viele Patienten behandeln, eine massive Erhöhung der Mortalitätsrate ist die Folge, so wie in Italien derzeit beobachtbar. Das Gesundheitssystem ist am Anschlag, immer mehr sterben, obwohl die italienischen Massnahmen von den oben genannten Usern als Hysterie bezeichnet wurden. Von den bekannten Fällen sind 3,4% gestorben (Grippe: 0,1%, 31 Mal weniger!), im Schnitt 14 Tagen nach Einsetzen der Symptome. Im besten Fall, sprich mit drastischen Massnahmen und gutem Gesundheitssystem, konnte Südkorea die Rate auf 0,65% drücken. Dies können wir auch erreichen, wenn wir uns an die Vorgaben der Experten halten. Ansonsten riskieren wir alleine in Deutschland über eine Million zusätzliche und unnötige Todesfälle. Angenommen die Eltern sind um die 80, Vater Bluthochdruck, Mutter Diabetes, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass mind. einer davon stirbt, bei 50%!
Den ersten Ansatz sollte man wohl nicht so verfassen, auch wenn man der im Text zum Ausdruck gebrachten Meinung ist, da so eine konstruktive Diskussion erheblich erschwert wird.
Die aktuelle Situation muss sicherlich als absolut beispiellos in der uns bekannten westlichen Welt gewertet werden, da hier medizinische bzw. epidemiologische Überlegungen frontal auf individuelle Rechte bzw. unseren gewohnten Lebensstil treffen. Beispiellos meint auch, dass es keinerlei Evidenz gibt, wie man angesichts unserer Rahmenbedingungen mit einer solchen Epidemie umgehen muss, um den Schaden möglichst gering zu halten. Es gibt hierzu kein allgemeingültiges "Rezept", und viele Experten in vielen Ländern kommen daher logischerweise nicht zu den gleichen Ergebnissen, Regeln, Verboten oder Empfehlungen.
Allen Maßnahmen gemeinsam scheint meines Erachtens eine gehörige Portion Hoffnung, nämlich, dass es mit ansteigenden Temperaturen im Frühling zu einem Rückgang der Erkrankungen kommt wie bei der Influenza, allerdings gibt es durchaus die gerechtfertigte Befürchtung, dass sich das Coronavirus diesbezüglich nicht so verhält wie die Stämme der Influenzavieren.
Nachgewiesen ist wohl eine deutlich erhöhte Ansteckungsgefahr (im Vergleich zu Influenza) und vermutlich eine höhere Anzahl von schweren Verläufen, wobei letzteres noch nicht ganz klar sein dürfte. Warum gerade in Italien so viele schwere Fälle und auch Todesfälle auftreten, ist eine aus wissenschaftlicher Sicht spannende, aus kurativ-medizinischer Sicht höchst wichtige und beunruhigende Frage. Aus meiner Sicht (und das ist nur eine aktuell nicht durch Fakten untermauerte Meinung) könnte es sein, dass die Coronaerkrankung in Norditalien bereits wesentlich früher, also Anfang des Jahres aufgetreten ist und somit die Dunkelziffer an Erkrankten und symptomlosen Virusträgern wesentlich höher ist als die Zahl der tatsächlich nachgewiesenen Infektionen, dann wäre auch die aktuelle Mortalität nicht so hoch wie derzeit aus den Zahlen hervorgeht.
Das lässt aber den Schluss zu, dass im Falle der "Temperaturresistenz" von Corona (also kein saisonales Nachlassen) eine weitere Ausbreitung in Italien m.E. nicht mehr zu verhindern sein wird und damit wohl auch in Europa.
Ich befürchte nämlich, dass die rigorosen Maßnahmen, die in China zu einem (wenn man den Zahlen vertrauen kann) Abflachen der Zahl der Neuinfektionen geführt haben, in Europa vermutlich in diesem Ausmaß nicht durchgesetzt werden können, da sie unserem Verständnis von Freiheit und Selbstbestimmtheit diametral gegenüberstehen.
Alle "Krisen" der Vergangenheit wie etwa die Finanzkrise oder die "Flüchtlingskrise" haben auf das tägliche Leben des Einzelnen im wesentlichen nur marginale Auswirkungen gehabt, das Management einer Epidemie wie dieser geht jedoch vermutlich weit über alles hinaus, was Europa (mit Ausnahme des Balkans) seit dem 2. Weltkrieg erlebt hat.