Die Expertin, die die Bundesregierung und die Kanzlerrunde in puncto Ausbruchsdynamik maßgeblich beraten hat, war übrigens Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation und nicht Drosten. Im Moment ist nicht die Stunde der Virologen (zumindest abgesehen davon, was Eigenschaften neuer Virus-Mutationen angeht) sondern die der Experten für Ausbreitung und Eindämmungsstrategien. Die Parameter, mit denen Virologen die Ausbreitungsmodelle füttern, sind hinsichtlich SARS-Cov-2 im wesentlichen bekannt und führen zu einer sehr guten Prognostizierbarkeit des Infektionsgeschehen (wie die Prognosen vom Max-Planck- und Helmholtz-Institut bislang immer wieder im Verlauf der Pandemie gezeigt haben).
Nach übereinstimmenden Medienberichten (u.a. der Bild, die hier zitiert wurde), kam die Empfehlung für den 15km-Radius (eigentlich sogar zum 5km-Radius) von der genannten Expertin und nicht von Söder oder "der Politik".
Nachdem die erwartbare Empörungs-Kakophonie-Welle aus Totalverrissen und Beschimpfungen der Politiker zu dieser Entscheidung durchgerollt ist, würde ich gerne auf den ersten guten und differenzierten Kommentar dazu eingehen, der mir aufgefallen ist:
David93 schrieb:
Für die verschärfte Kontaktbeschränkung habe ich Verständnis. Genau da muss angesetzt werden, denn so überträgt sich das Virus nunmal. Dass demzufolge auch die Schulen erstmal noch zu bleiben ist die logische Konsequenz. Auch wenn es hart ist, und mir die Schüler, insbesondere die Erstklässler, die Abschlussklassen und die, die vor dem Übertritt stehen, leid tuen.
Diesen 15km-Radius dagegen halte ich eher für Symbolpolitik. Man will solche Bilder verhindern wie sie in den vergangenen Tagen in den Medien waren. Einen Effekt davon aufs Infektionsgeschehen kann ich mir nicht vorstellen. Im Gegenteil: Man verärgert diejenigen, die einfach nur im Kreis der Familie oder allein mal ein bisschen raus wollen, abseits der Massentourismus-Ziele. Das trägt nicht gerade zur akzeptanz der Maßnahmen bei, die aber so wichtig wäre. Zudem nimmt man diesen Leuten eine weitere Freizeitbeschäftigung. Hoffen wir mal dass die dann alternativ nicht zu Familientreffen in der Nachbarschaft übergehen, denn kontrollieren kann man das kaum.
Obwohl ich dem Kommentar im Großen und Ganzen zustimme, würde mich interessieren, aus welchen Überlegungen du zu diesem Urteil kommst?
Die Empfehlung kam wie gesagt von Priesemann. Welches Interesse sollte sie daran haben, Symbolpolitik zu betreiben und Bilder vom Rodeln in den Medien zu verhindern? Die Modelle der Ausbreitungsdynamiker beruhen ja (u.a.) auf zur Verfügung stehenden Verkehrs- und Bewegungsdaten, Verhaltensmuster usw.
Wenn Wissenschaftler wie Priesemann in ihren Modellen zu dem Schluss kommen, dass ein 5km- oder 15km-Radius die Ausbreitung eindämmen können, aus welchen Argumenten kommst du dann zu dem Schluss, dass die die Modelle an der Stelle nicht stimmen (was ja sein kann)?
Und von einigen anderen würde ich auch gerne wissen, über was für Wissensquellen sie verfügen, um einige Minuten oder Stunden, nachdem sie im Ticker der Bild-Zeitung etwas über die Radius-Regelung gelesen haben, zu solchen vehementen und absoluten Urteilen kommen:
... einfach nur sinnlos...
... mit Intelligenz, Vernunft und vor allen Dingen Angemessenheit hat das nix zu tun...
... hirnverbrannt blöd...
uvm.
Woher wisst ihr so viel über Viola Priesemann und andere Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut? ZB dass sie in Panik sind und große Fans des real existierenden Sozialismus?
Über welche Wissensquellen verfügen zB Bäckerburschen, damit sie absolute Experten auf ihrem Wissenschaftsgebiet so locker in die Tasche stecken, alles besser wissen und in Rekordzeit mit absoluter Sicherheit zu konstatieren, dass die blödes Zeug reden (diese Quellen will ich auch haben!)?
Aber leider erwarte ich da kaum mehr als die Geschichte vom dunklen Lord aus Nürnberg, der mit seinen Todesser-Schergen aus Politik und Wissenschaft aus reiner Boshaftigkeit das Volk unterjochen will und damit anfängt, den Skifahrern ihr Hobby madig zu machen. Denn die Geschichte habe ich indirekt schon oft gehört