Also gefühlsmäßig halten sich die Gletscher diesen Sommer noch recht gut, oder wie sehr ihr das? von einer Zuhname der eismassen dürften wir zwar noch weit entfernt sein, aber immerhin löst sich eis nicht allzusehr auf diesen sommer
Mein Gefühl ist leider etwas weniger optimistisch als deines. Laut ZAMG-Monatsbericht war der Juni im österreichischen Durchschnitt um 3°C wärmer als der langjährige Mittelwert des Referenzzeitraums 1971-2000. Auch aus Prof. Slupetzkys "Gletschertagebuch" vom Stubacher Sonnblickkees kann man ersehen, dass trotz erfreulich großer Altschneemengen aus dem vergangenen Winter die hohen Temperaturen einem allfälligen Massezuwachs den Garaus machen. Welche Witterungsparameter für halbwegs ausgeglichene Massenbilanzen gewisser Gletscher ausreichen, kann man am Bsp. des Vernagtferners nachforschen, bspw. für das Jahr 1978/79, in dem er eine ganz leicht positive Massenbilanz aufgewiesen hat.
Was dieses Jahr bislang weitgehend fehlt sind sommerliche Kaltlufteinbrüche mit ernstzunehmenden Neuschneemengen (Bsp. Vernagtferner-Forscher: "Mitte Juni 1 Meter Neuschnee und Iglo bauen"). Wenn es regnet, sollte es im Idealfall auch kalt genug sein für Schneefall oberhalb von 2600-2700 m.
meiner Meinung nach gehören Geltscherskigebiete im Sommer schlicht und einfach geschlossen. Skifahren ist eine Wintersportart, und ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass man sich einerseits über den Zustand der Gletscher Gedanken macht und andererseits im Sommer bei Temperaturen teilweise weit über dem Gefrierpunkt auf einem Gletscher "rumrutscht".
Deine Meinung in Ehren, aber mit Verlaub: was spricht gegen eine skitechnische Nutzung im Sommer, was nicht auch gegen eine Nutzung von Gletschern in den übrigen Jahreszeiten sprechen würde? Abgase und mögliche Ölverluste von Pistenwalzen und Dieselaggregaten von Liften hat man winters wie sommers. Wenn man bei "Temperaturen über dem Gefrierpunkt" nicht Skifahren sollte, müsste man ab Mitte/Ende Februar untertags zumeist Pistensperrungen aussprechen.
Skifahren ist eine Wintersportart
Skifahren ist eine Sportart, die auf Schnee ausgeübt wird. Wo und warum dieser Schnee liegt ist per se ersteinmal egal. In unseren Breiten liegt nun einmal im kalendarischen Winter am ehesten Schnee, wobei für hochalpine Lagen eher das Frühjahr die höchsten Schneemengen aufweisen kann, auf Gletschern sogar bis in den Frühsommer. Wenn man ein Verächter von technischem Schnee ist, könnte man sogar argumentieren, dass Gletscherskilauf in Juni und Juli "natürlicher" ist, als der alljährliche Start auf "Bozener Pulver" im Spätherbst. Wenn man Deiner Argumentation folgen würde, überspitzt gesagt, könnte man auch sagen: "Weihnachten wird Skigefahren, koste es, was es wolle, her mit Schneekanonen und Skihallen". Man sollte sich danach richten, wann eben Schnee liegt und nicht danach, wann einem eine irgendgeartete gesellschaftliche Konvention sagt "jetzt wird Skifahren und nicht wann anders". Wenn die Sommerskibedingungen der letzten zwei Jahrzehnte besser oder so gut gewesen wären wie in den 1960er und 1970er Jahren, hätte diese Spielart nicht diese großen Rückgänge verzeichnet. Das Angebot und die Bedingungen haben sich in dieser Zeit in vielen Destinationen einfach stark verschlechtert. Aber daraus ein grundsätzliches Verdikt dagegen abzuleiten hielte ich für falsch. Demnach müsste man ja auch sämtliche Eissporthallen im Sommer und alle Hallenbäder im Winter schließen: "Schwimmen ist für mich ein Sommersport".
Also von Schützen der Gletscher kann man hier nicht reden! Das einzige was die machen, ist ein paar Lifttrassen und Pisten mit Vlies auslegen. Das hilft zwar dem Gletscher, dass er nicht so schnell abschmilzt, jedoch nur an den vermatteten Flächen. Da, wo der Skibetrieb weitergeht, schmilzt er dafür umsomehr ab. Außerdem wird an den Flächen, die vermattet wurden, der Skibetrieb teilweise so lange aufrecht erhalten, wie es nur geht, also bis das Gletschereis herauskommt und dann wird vermattet. Bei einem unberürten Gletscher würde da noch eine schneeschicht das Gletschereis schützen.
Wir haben das vor einigen Wochen schon einmal diskutiert, aber nach wie vor fehlt mir für Deine These auch nur irgendein stichhaltiger Beleg. Es kann schon sein, dass wegen mir auf einer Piste von 50-100 m Breite der Firnschnee solange präpariert wird, bis der Gletscher vollständig ausgeapert ist. Nur: durch die Präparation wird der Firn auch verdichtet und nimmt damit nur den natürlichen Prozess in Richtung einer Neubildung von Gletschereis vorweg. Wir befinden uns in diesem Szenario aber sowieso im Zehrbereich der Gletscherzunge, d.h. in diesem Bereich ist die Massenbilanz per se negativ. Wenn an einem heißen Hochsommertag an einem normal großen Gletscher mehrere Millionen Liter Wasser täglich abschmelzen glaube ich nicht, dass da die Präparierung kleiner Teilflächen einen großen Verstärkereffekt bewirkt. Vergleicht mal diese Schmelzwassermengen bitte mit für Skibetrieb notwendigen Wassermengen die bspw. zur technischen Beschneiung auf Gletschern eingesetzt werden. Hier wie dort ist der anthropogene Einfluß relativ gering. Ein Bericht der Stubaier Gletscherbahnen von Ende der 1990er Jahren beschreibt zudem, dass der präparierte Teilbereich des Schaufelferners im Sommer einen mehrere Dutzend Zentimeter hohen Rain zum nicht präparierten Teil bildet.
Insgesamt habe ich trotz intensiver Recherche noch keinen wissenschaftlichen Beleg für den "Schaden" von sommerlichem Skibetrieb für Gletscher gefunden. Ich lasse mich aber sehr gerne um der Sache willen eines besseren belehren.