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Gondelabsturz in Engelberg

Hat jemand zu der von euch genannten Situation an der Einlaufseite der Stütze mal ein Foto / eine Zeichnung? Ich kenn mich zwar so grob aus, aber die ganzen Begriffe die hier bisher gefallen sind, sowie der technische Aufbau, sind mir dann doch eher weniger bekannt.
 
NeusserGletscher schrieb:
Wenn Du grad in der Gondel sitzt, deren Klemme wegen eines nicht durchgeführten Upgrades und einer unerwartet auftretenden Windbö gegen die Rollenbatterie knallt und vom Seil gehoben wird, dann hilt es Dir wenig, wenn Du bei der Fahrt ins Skigebiet statistisch ein viel höheres Risiko hattest.
Das ist nicht mein Punkt. Sondern dass wir uns tagtäglich viel höheren Risiken aussetzen ohne Angst zu haben. Sowie dass dieses tragische Unglück kein Grund ist, das ganze System grundsätzlich anzuzweifeln. Wie das einige nun tun. In den Kommentarspalten der Medien könnte der Eindruck entstehen, viele Leute halten Seilbahnen nun für das Gefährlichste das es gibt. Es fehlt an Differenzierung.
 
Ich finde es generell fahrlässig, dass da keine 2-3S Gondelbahn im Einsatz ist. Und wieso bei dem Wind nicht die PB statt der EUB fuhrBrauch ich glaub ich gar nicht erwähnen...

Aber wie kann sowas bewilligt werden, dass man auf so einem ausgesetzten Grat (vorallem genau am Grat) eine 8er Gondel ohne besondere Windmaßnahmen baut....

Leider musste durch diese Blödheit (sorry für den Ausdruck) eine Person sterben. Sowas verstehe ich einfach nicht.

Mein aufrichtiges Beileid!
 
GMD schrieb:
NeusserGletscher schrieb:
Wenn Du grad in der Gondel sitzt, deren Klemme wegen eines nicht durchgeführten Upgrades und einer unerwartet auftretenden Windbö gegen die Rollenbatterie knallt und vom Seil gehoben wird, dann hilt es Dir wenig, wenn Du bei der Fahrt ins Skigebiet statistisch ein viel höheres Risiko hattest.
Das ist nicht mein Punkt. Sondern dass wir uns tagtäglich viel höheren Risiken aussetzen ohne Angst zu haben. Sowie dass dieses tragische Unglück kein Grund ist, das ganze System grundsätzlich anzuzweifeln. Wie das einige nun tun. In den Kommentarspalten der Medien könnte der Eindruck entstehen, viele Leute halten Seilbahnen nun für das Gefährlichste das es gibt. Es fehlt an Differenzierung.

Ach so hast Du das gemeint. Ist aber zutiefst menschlich. Das ist bei einem Flugzeugabsturz nicht anders, da erlangt ein Absturz auch mehr Aufmerksamkeit als 100 PKW Unfälle. Wenn sich dann noch im Nachgang heraus stellt, dass wie bei der 737 Max eine Fehlkonstuktion mehrfach Maschinen in Notlage oder zum Absturz gebracht hat, können sie halt aber gleich auch sämtliche Statistiken zur Sicherheit beim Fliegen neu schreiben.

Statistiken zur Sicherheit von Verkehrsmitteln bilden halt überwiegend die Vergangenheit ab. Wenn sich dann grundlegend etwas ändert, etwa die Beurteilung zu Einseil-Umlaufbahnen in windexponierter Lage, Druck des Managements auf den Betriebsleiter oder die Einschätzung zur Sicherheit einer Klemme (wird schon nichts passieren), dann sind solche Statistiken ganz schnell Makulatur.
 
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Reaktionen: TPD
Dasselbe gilt aber auch im erwähnten Strassenverkehr. Jeden Tag treffen unzählige Verkehrsteilnehmer dumme Entscheidungen, sehr häufig auch aus Egoismus bzw. Eigennutz: "Ach nee, wegen dem Traktor da vorne will ich doch nicht bremsen! Da kommt zwar Gegenverkehr, aber der ist noch weit weg, das passt schon!". "Die Warnlampe am Bahnübergang blinkt zwar schon rot, aber die Schranke ist noch oben. Also latsche ich da noch rüber, will doch nicht ewig lange hier rumstehen!" etc, etc.
 
Mr400Liter schrieb:
Gibt es Bilder von diesem Nachrüstsatz im Einsatz? Diese „Raketenspitzen“ am Ende der Hüllen für die Torsionsstäbe hätte ich noch nie an einer Bahn gesehen.
Bislang ist mir ein entsprechendes Foto ausschließlich im gleichen Topic des Nachbarforums bekannt.
Meine Google Bildersuche nach "Doppelmayr DT Klemme Nachrüstung" o.ä. blieb erfolglos.

Franken_Lorenz schrieb:
Hat jemand zu der von euch genannten Situation an der Einlaufseite der Stütze mal ein Foto / eine Zeichnung? Ich kenn mich zwar so grob aus, aber die ganzen Begriffe die hier bisher gefallen sind, sowie der technische Aufbau, sind mir dann doch eher weniger bekannt.
Hier siehst Du den Schließ- und Öffnungsmechanismus einer DT 108-Klemme ... und bei 3:15 die Überfahrt über eine Stütze mit Seilfängern. Was bei der Überfahrt so nah an den Seilfängern vorbeibewegt wird, ist das Rohr mit den Torsionsfedern drin, das bei Frontansicht mit dem blauen Kunststoffdeckel verschlossen ist. Darauf würde der DM-Nachrüstsatz in Form eines Kegels montiert.
 
GMD schrieb:
Dasselbe gilt aber auch im erwähnten Strassenverkehr. Jeden Tag treffen unzählige Verkehrsteilnehmer dumme Entscheidungen, sehr häufig auch aus Egoismus bzw. Eigennutz: "Ach nee, wegen dem Traktor da vorne will ich doch nicht bremsen! Da kommt zwar Gegenverkehr, aber der ist noch weit weg, das passt schon!". "Die Warnlampe am Bahnübergang blinkt zwar schon rot, aber die Schranke ist noch oben. Also latsche ich da noch rüber, will doch nicht ewig lange hier rumstehen!" etc, etc.
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Und vermutlich ist die Wahrscheinlichkeit noch größer, während der Gondelfahrt an einem medizinischen Problem zu sterben als durch einen Gondelabsturz aufgrund der „mangelhaften“ Passierfähigkeit der DT108 in extremen, die Auslegung überschreitenden Situationen.

Ich mein, wie viele Bahnen fahren mit der DT. Das ist so ziemlich die Standardklemme. Und wie viele Stürme und Starkwindsituationen haben die Klemmen schon problemlos überstanden…

Trotzdem: an dem Tag hätte man locker mit der viel windstabileren PB fahren können. Da frag ich mich, warum das nicht gemacht wurde.
 
in der Tat scheint die Front der Hülse der Torsionsstäbe modifiziert worden zu sein irgendwann. Die Frontseite wurde leicht kegelförmig ausgepragt. Das finde ich interessant. Denn es zeigt doch, dass DM sich da Gedanken hat machen müssen. Dennoch ist der Konus nicht so spitz, als dass dies als Eingeständnis gewertet werden könnte, dass es hier Handlungsbedarf hatte.

Ob der somit eher flache Kegelmantel tatsächlich wirkungsvoll ist?

https://www.ropewaygrips.ch/dt-klemme/
 
Beim Fliegen ist es wie bei Gondelbahnen. Du lieferst Dich einem Verkehrsmittel aus, sitzt in einer Blechbüchse und hoffst, dass der Pilot an diesem Tag ausgeschlafen ist, alle Fluglotsen den Überblick behalten oder die Mitarbeiter / Konstrukteure / Wartungstechniker einen ordentlichen Job machen oder gemacht haben.

Beim Auto oder Fahrrad hat man wenigstens das Gefühl, durch eigene Entscheidungen den Verlauf seiner Fahrt zu beeinflussen. Das führt halt oft zu einer verzerrten Einschätzung der Sicherheit der Transportmittel. Auch, wenn objektiv betrachtet Seilbahnen oder Eisenbahnen sicherer sind.

Mr400Liter schrieb:
Trotzdem: an dem Tag hätte man locker mit der viel windstabileren PB fahren können. Da frag ich mich, warum das nicht gemacht wurde.

Vielleicht sind sie von dem plötzlich auftretenden Wind überrascht worden. Vielleicht hat sich das Leerfahren um wenige Minuten mit der einen zu starken Bö überschnitten. Das wird hoffentlich dann im Untersuchungsbericht stehen.

Harzwinter schrieb:
Was bei der Überfahrt so nah an den Seilfängern vorbeibewegt wird, ist das Rohr mit den Torsionsfedern drin, das bei Frontansicht mit dem blauen Kunststoffdeckel verschlossen ist. Darauf würde der DM-Nachrüstsatz in Form eines Kegels montiert.

Ich frage mich, wieso der Zylinder nicht von vorne herein mit einer abweisenden Spitze versehen wurde. Dann müsste DM jetzt auch nichts nachrüsten. Das ist doch eigentlich mechanisches Basiswissen, dass Bauteile so konstruiert werden, dass sie auch bei irregulären Betriebszuständen aneinander vorbei gleiten. Stw. fail safe. Und es hätte vermutlich bei dem Systempreis einer kompletten Bahn das ganze, wenn überhaupt, nur unwesentlich verteuert.
 
Wenn man die Bilder auf Ropewaygrips.net anschaut sieht man, dass die Hülse im Normalfall bestimmt nicht ganz nah an den Seilfänger vorbeibewegen. Bei Grösseren Schwenkungen konnte es ja sein, aber dass hätte halt auch mit andere Klemmen passieren können.
Vermütlich muss man die Betriebsablaufe überprüfen, damit so ein unglückliches Geschehen, nicht nochmal in der Schweiz und anderswo passiert
 
Fungiert der Zylinder bei Sesselbahnen nicht auch als Abstandhalter im Bahnhof? Da ist so eine Spitze natürlich nicht optimal.
 
Seilbahnjunkie schrieb:
Fungiert der Zylinder bei Sesselbahnen nicht auch als Abstandhalter im Bahnhof? Da ist so eine Spitze natürlich nicht optimal.

Das habe ich mir auch gedacht
 
Kris schrieb:
in der Tat scheint die Front der Hülse der Torsionsstäbe modifiziert worden zu sein irgendwann. Die Frontseite wurde leicht kegelförmig ausgepragt. Das finde ich interessant. Denn es zeigt doch, dass DM sich da Gedanken hat machen müssen. Dennoch ist der Konus nicht so spitz, als dass dies als Eingeständnis gewertet werden könnte, dass es hier Handlungsbedarf hatte.
Ob der somit eher flache Kegelmantel tatsächlich wirkungsvoll ist?
https://www.ropewaygrips.ch/dt-klemme/
Die Frage ist, seit wann DM die Modifikation / Revision / Nachrüstung angeboten hat und ob sich ihre Verfügbarkeit noch mit der Auslieferung der nicht revisionierten Bauweise überschnitten hat ... oder ob die Torsionsstabhülsen gegen Produktionseinstellung der DT-Klemme um 2016 herum nur noch modifiziert / revisioniert ausgeliefert wurden. Baubeginn der 8EUB Engelberg-Trübsee war 2014, Inbetriebnahme 2015.
Die Bauform des Kegels / Konus dürfte insofern eine Wirkung haben, als verschiedene Formgebungen sicherlich von DM unter Laborbedingungen getestet wurden. Wie wirkungsvoll die Bauform unter verschiedenen Feldbedingungen ist, werden wir nicht herausfinden. Wer weiß ... vielleicht hat die Modifikation ja sogar schon Unfälle verhindert. Verhinderte Unfälle bleiben für die Öffentlichkeit unbemerkt.
 
Seilbahnjunkie schrieb:
Fungiert der Zylinder bei Sesselbahnen nicht auch als Abstandhalter im Bahnhof? Da ist so eine Spitze natürlich nicht optimal.

Nein, in der Regel liegen die Reibbleche bzw. daran montierte Puffen aneinander an. Wie viel Platz dann zwischen den Torsionsfedern bzw. deren Gehäuse ist und ob dort noch ein nachgerüsteter Konus dazwischenpasst hängt natürlich stark von eingesetzten FBM ab.
 
PXL_20260321_110022194.jpg


Hier mal ein Bild von so einer nachgerüsteten Spitze
 
Man kann nicht alles konstruktiv abdecken.
Irgendwann ist die Grenze auch erreicht.

Die Klemmen sind schon so aufgebaut, das sie in den meisten Situationen über die Rollen kommen.

Für Querpendelfreiheit, Passierbarkeit im Fangschuh bei Seilentgleisung.
Selbst das eine offene Klemme nicht sofort runter fällt, sondern auf dem Seil entlang rutscht. Könnte man dazu zählen.

Und das andere Klemmen auch bei Wind sich an einer Stütze verhängen, hat man auch in der Vergangenheit gesehen. Wüßte jetzt nicht dad dort auch etwas nachgerüstet wurde.
Da ist aber damals keiner zu Tode gekommen.
Und für die ganz genauen, die gleich mit einem Einwand kommen: ein FBM ist auch nicht damals runter gefallen.

Siehe
https://www.mz.de/panorama/hochzillertal-gondeln-von-bergbahn-im-skigebiet-kollidiert-1509295


Kurze Ergänzung:
Vielleicht sollte man an Stützen in exponierter Lage wieder Anweisen montieren. Wenn diese lang genug ausgeprägt sind können diese vielleicht so etwas verhindern.

Die alte Fleckalmbahn hatte z.b. solche Abweiser.
 
Der Winkel der Spitze ist schon ganz schön stumpf.
Ob der im Zweifel wirklich hilft? Über diesen stumpfen Winkel muss das ganze FBM im Falle des Falles zurückgedreht werden (entgegen dem Wind).
Ist das realistisch? Oder wird dann eher das Seil angehoben (mit dem Risiko einer Seilentgleisung)?
 
Ram-Brand schrieb:

Anderer Klemmentyp und es ist trotz des ja sehr brutal aussehenden Gondelsalats keine Gondel abgestürzt. Gut, in so einer Situation kann man schlecht abschätzen, wo einfach Glück im Spiel war und wo das ganze konstruktiv abgefangen wurde.

Natürlich kann man nicht alles konstruktiv abdecken. Aber wenn es ggf. andere Konstruktionsarten gibt, die in so einem Fall nicht anfällig sind, sollte man es abdecken. Zumindest solange das nicht andere große Nachteile mit sich bringt.

Und der Vergleich mit dem Auto hinkt. Erstens - ja, genau deswegen fahre ich oftmals lieber Zug. So viel dazu. Zweitens: Es geht vor allem um die Frage, ob ein Unfall hätte verhindert werden können - ob das grobe Fahrlässig keit bei Betrieb oder Konstruktion war oder nicht. Am Ende des Tages sind Flugzeuge (aber auch Seilbahnen) so sicher, weil man draus gelernt hat. Und eben nicht nur ständig Ausreden gefunden hat.
 
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