Ich war gestern auf einen Blitzbesuch am Bocksberg um mir die neue Anlage mal anzuschauen:
Samstag - es war schönes Wetter. Ich hatte an der alten Klapperseilbahn
um 10.05Uhr bereits 8Min. Wartezeit (!) gehabt bis meine Gondel losfuhr, obwohl nur 12 Leute vor mir waren, die sich auf 4 Gondeln verteilten. Als ich um 10.40h wieder unten ankam, hab ich 31 Personen in der Warteschlange bergwärts gezäht, was in der Hochrechnung eine Wartezeit von >15 Min. ergibt. Am Ein/Ausgang kamen mir eine Gruppe von 25-30 weiteren Personen entgegen auf dem Weg zur Kasse.
Wie mag die Warteschlange am WoE zur Tageshauptzeit um 14Uhr wohl aussehen? Bocksbob hat im Forum
http://www.skifahren-im-harz.de gepostet, dass es Warteschlangen wie im Winter sind, d.h. folglich ca. 45 Min.!
Den Coaster selbst bin ich nicht gefahren, weil ich nicht genügend Zeit hatte - doch von der Seilbahn aus betrachtet, scheint es der interessanteste von den Dreien zu sein, die im Harz stehen. Die alte Klapperseilbahn ist mit dem Coaster zumindest am Wochenende total überfordert. Dann soll sie auch noch den Bikepark bedienen, dessen Trails nicht uninteressant sind. Mehr als 30 Biker kann der Berg pro Stunde derzeit nicht verkraften und selbst 30 Biker können angesichts der Wartezeit nur einmal je Stunde abfahren.
Der Coaster endet bergab ungefähr nach 60% der 1000m langen Seilbahntrasse und das verstehe ich nicht:
Warum bauen die den Coaster angesichts der "gigantischen Seilbahnkap." nicht bis in Tal runter? Dann würden sicherlich die 1x Fahrer unten aussteigen und es könnten unten auch neue Leute einsteigen und sich hochziehen lassen. Der Coaster hat eine höhere Kap. als die Seilbahn.
Dennoch ist am Bocksberg keine neue EUB oder KSB vorgesehen!
Für Abhilfe will der Betreiber Wiegand vielmehr nun seine Eigenkonstruktion "Wieli" dort aufstellen - siehe:
http://www.goslarsche.de/Home/harz/goslar_arid,281494.html
Man beachte zu dem Artikel auch die vielen kritischen Kommentare insb. von F. Werner mit technischen Details.
Ein Wieli ist für Skifahrer kein Hit! -(außer Kinder) Er hat eine Geschwindigkeit wie ein SL - und in seiner stäksten Ausführung eine Kap. von ungefähr 1000 Pers./Std. Bei Wartezeiten von derzeit 45 Min. im Winter wird auch dér Wieli keinen attraktive Entlastung für Skifahrer bringen. Harzwinter schätzt die reale Kap. der Seilbahn auf 400 Pers./Std, obwohl sie offiziell mit 600 angegeben ist. Nach meiner Zeitmessung dürfte sie jedoch bei max. 300 Pers. liegen, zumindest wie sie von dem dortigen Personal bedient wird.
Selbst mit Wieli und einer zukünftigen Gesamtkap von dann 1300 Pers./Std. werden Skifahrer dann immerhin noch 15 Min. warten. Wenn die jedoch das Skigebiet wie angekündigt ausbauen, mit Flutlicht und beschneiter Bock/Böckchenpiste, dann werden auch deutlich mehr Besucher kommen, weshalb ich die Wartezeit am WoE weiterhin bei über 30 Min. einschätze.
Rhöni - der Betriebsleiter von Wiegand auf der Wasserkuppe hat am 11.9.2011 noch in diesem Topic gepostet:
Rhöni schrieb:
Der Bocksberg bekommt keinen Wie Li sonder einen Vierer Sessel
...doch mittlerweile ist davon keine Rede mehr. Wiegend dachte wohl mutmaßlich, dass ein Wieli am Bocksberg zwei Vorteile hat: 1. die geringe Windanfälligkeit gegenüber einer EUB und 2. die Umgehung des Seilbahngesetzes. Doch letzeres hat sich als Irrtum erwiesen.
Wenn ein "Wieli" wie im GZ-Zeitungsartikel beschrieben das Seilbahngesetz nicht umgehen kann, dann sollte man lieber gleich ne vernüftige 8ZUB (wegen ihrer Windstabilität), die bis zu 2.800 Pers. schaffen kann und auch für Biker ne vernünftige Aufstiegshilfe ist. Zumindest braucht es eine 4-6KSB. Alles andere ist m.E. Wurschtelei und keine nachhaltige Lösung für den Berg, der eigentlich ein gutes Potential besitzt. Die hohen Warteschlangen im Sommer indizieren, dass eine solche Zweiseilumlaufbahn eine gute Auslastung in Aussicht stellt und die Investition rechnet.
Wir brauchen jedoch nicht weiterdiskutieren: Wiegand wird in Hahnenklee mutmaßlich auch deshalb unter allen Umständen einen Wieli aufstellen, weil er diesen als Werbereferenz braucht, um ihn der Branche als Alternative zu KSB für Skigebiete anbieten zu können. Die 4 bisher existierenden Wielis sind nur im Sommerbrteieb eingesetzt.
Und dann haben die sich ja auch noch den krassen Planungsfehler geleistet, dass sie ursprünglich die automatisierten 4er-Kabinen aus Thale dort einsetzten wollten, aber die haben sich für die Hahnenkleeer Bahn als zu schwer erwiesen. So müssen die weiterhin die Gondeln per Hand durch die Stationen schieben. Das die OmegaGondeln zu schwer sind, hat User "Radim" vorausahnend bereits vor langer Zeit hier im Topic gepoststet (7.9.2011). Ich bin immer wieder erstaunt, was für ein enormes Fachwissen von Einzelnen Usern hier im Forum existiert, was in der Summe ein solch großes Ausmaß hat, dass so mancher Seilbahn/Skigebietsbetreiber dieses Forum vielleicht stärker lesen sollte, als wir es mußmaßen.
In einer Print-Augabe der GZ (ca. Weihnjachten) war dann zu lesen, dass man leider an den alten Kabinen in Hahnenklee festhalten müsse...
Fazit:
Positiv ist, dass der Coaster definitiv ne Menge Tagesgäste nach Hahnenklee bringt, was für den Ort und seine triste Geschäftsstraße wichtig ist - doch die haben noch ne Menge zu tun am Bocksberg.
Was jedoch deren Pläne mit Wieli + Beibehaltung der alten Klapperbahn angeht plus ein Coaster, der im "nowhere" endet, da kommen in mir immer stärkere Zweifel durch, dass der Bocksberg sich auf dem richtigen Weg befindet zu einem "Erlebnisberg", wie auf den neuesten Werbeprospekten plakatiert -
...es sei denn Warteschlangen sind der neueste Erlebnistrend!
P.S. Ich frage mich jedoch, warum Wiegand im ebenso windgefährdeten Thale von einer 4ZUB auf 6EUB umstellt? Liegt die hohe Windanfälligkeit etwa speziell an der alten Seilbahntechnik in Hahnenklee? Vielleicht kann mich mal jemand von den Technikfreaks im Forum aufklären...