oberländer schrieb:
Diese Kosteneinsparungen stehen aber den grossen Investitionen eines Neubaus der Standseilbahn gegenüber. Und ich bin gespannt, wie Du die Kosteneinsparungen rechnen willst, damit du einen Break-even ggü. den massiven Investitionen eines Neubaus erreichst. Bei Neubau von 3.5 km Standseilbahn kommen wir da bald mal in den dreistelligen Millionenbereich...
Ganz und gar nicht.
Als man die Standseilbahn Sierre/Siders - Crans Montana letztes Jahr de facto neu gebaut hat, lag man etwa bei 25 Millionen Franken.
Da hat man den Unterbau komplett neu gebaut, den Oberbau komplett neu gebaut und auch neue Fahrzeuge beschafft. Zudem hat man die Stationen auch barrierefrei gebaut und zwei Zwischenstationen errichtet.
Man hat sogar die Anlage auf Normalspur umgestellt.
Wie gesagt - ungefähr 25 Millionen Franken. Die Bauzeit war ungefähr 9 Monate.
Die Bahn am Niesen ist etwas kürzer und man hätte - wenn überhaupt - nur eine Zwischenstation.
Man hat in Sierre/Siders sogar - weil sich das rechnet - mit dem Performa Zugseil das allerteuerste Zugseil gekauft, das auf dem Markt ist, weil man dann die Lebensdauer vervielfacht. Nun kann man sich darüber streiten, ob das Performa Zugseil am Niesen overkill wäre.
Als wir von den Seilbahningenieuren eine Kostenschätzung für unser eigenes Projekt einer Standseilbahn Siemenswerke - Hellabrunn - Wettersteinplatz erbaten, sagte man uns, dass wir - was die Standseilbahn selbst anbetrifft - bei etwa 35 Millionen € liegen würden. Der Rest waren die Kosten für die Tunnelbauwerke, die komplett neu erstellt werden müssten, nebst dem Neubau zweiter unterirdischer Bahnhöfe, was beim Niesen entfiele.
Die Unterschiede zwischen einer Standseilbahn in München im Vergleich zu einer Standseilbahn am Niesen wären gewaltig.
In München müsste man 16 m/s fahren, 400er Fahrzeuge verwenden und zudem Bahnsteigtüren einbauen. Hinzu käme u.a. ein doppelt redundanter 2 * 4,6 MW-Antrieb nebst einem doppelt redundanten Getriebe.
All das wäre am Niesen gar nicht erforderlich, wenn man am Niesen beispielsweise mit 120er Fahrzeugen und einer Fahrzeit von 8 Minuten rechnen würde, könnte man bei einem 10-Minuten-Takt bereits 720 Personen pro Stunde und Richtung befördern, was mehr als das Doppelte der Leistungsfähigkeit der heutigen Anlage wäre.
Bahnsteigtüren bräuchte man am Niesen auch nicht und einen 4,6 MW-Antrieb erst recht nicht. 16 m/s braucht man am Niesen auch nicht zu fahren, wenngleich die Anlagen in München und am Niesen fast gleich lang wären (München 3512 m, Niesen 3499 m).
Ich schätze mal, dass ein Neubau der Niesenstandseilbahn unter partieller Benutzung der Bestandstrasse in der Größenordnung von maximal 30 Millionen Franken zubuche schlagen würde.
Der Leitzins der Schweizer Nationalbank liegt unter 2 %. Rechnet man mit einer Nutzungsdauer von 50 Jahren und einem Sollzinssatz von z.B. 3 %, dann ergibt sich bei einer Investitionssumme eine jährliche Annuität von 30 * 10^6 * (1,03^50 * 0,03) / (1,03^50 - 1) = 1165964,83 Franken, also weniger als 1,2 Millionen Franken pro Jahr.
Schaut man in den Geschäftsbericht der Niesenbahn, dann stellt man fest, dass der jährliche Personalaufwand bei ca. 1,5 Millionen Franken liegt. Den könnte man auf jeden Fall um mindestens 50 % reduzieren, sodass man alleine schon dadurch mehr als 60 % der Annuität finanziert hat. Hinzu kommt, dass die neue Anlage deutlich geringere Materialkosten verursachen würde. Im Geschäftsbericht ist von einem jährlichen Warenaufwand von ca. einer halben Millionen Franken und von einem übrigen Betriebsaufwand von ebenfalls ca. einer halben Millionen Franken die Rede.
Man müsste jetzt im Einzelnen den Sachaufwand analysieren, aber üblicherweise geht man davon aus, dass sich der Sachaufwand um ca. 30 % reduziert, wenn man auf standardisierte Bauteile nach dem aktuellen Stand der Technik zurückgreift. In dem Fall wären das etwa 300000 Franken jährlich.
Rechnet man all das zusammen, dann hat man gerade noch ein Delta von ungefähr 100000 Franken jährlich.
Allerdings führt so eine topmoderne Bahn, bei der man in 8 Minuten statt in 30 Minuten auf dem Niesen ist, natürlich zu erheblichen Fahrgastzuwächsen.
Die Größenordnung von täglich etwa 25 zusätzlichen Fahrgäste würde ausreichen, um dieses Delta zu schließen. 25 Fahrgäste täglich zusätzlich, das ist ja gar nichts zumal so eine topmoderne Bahn durch intensive Berichterstattung in den redaktionellen Teilen und der sozialen Medien jede Menge kostenloser PR bekäme.
Zitat aus dem Geschäftsbericht der Stoosbahnen bezogen auf die neue Stoosbahn:
Seit der Inbetriebnahme hat das Gästeaufkommen massiv zugenommen.
https://assets.ctfassets.net/7l5wded27svb/6CZR7IWWwjEwN1qVeSXKD6/b544a3f915ec98ec9198deebf7e50f4c/GB-StoB-2017-18-11-Web-Version-2.pdf
auf Seite 28 im ersten Absatz.
Natürlich sind die von mir oben angestellten Überlegungen jetzt nur eine grobe Ad-hoc-Schätzung, aber hier geht es nur darum aufzuzeigen,
dass es alles andere als absurd ist, über einen kompletten Neubau/Umbau der Anlage nebst Zusammenlegung beider Sektionen nachzudenken.
oberländer schrieb:
Ebenso bin ich gespannt, wie du beweisen willst, dass der Defekt dem alten Antrieb geschuldet ist.
Dazu muss man nur in die Pressemitteilungen gucken.
https://www.20min.ch/story/thunersee-nach-44-stunden-panne-laeuft-die-niesenbahn-wieder-832198305317
Vier Fehlerursachen:
Kohlestaub und Fett im Motor (der Motor ist nun wieder in einwandfreiem Zustand)
Ein defekter Ventilator
Ein defekter Feldregler
Ein defekter Umrichter/Thyristor
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Je älter die Anlagen sind, desto mehr steigt der Unterhaltsaufwand überproportional.