Re: Villnöss
Wir (die beste Ehefrau von allen und ich) waren am Dienstag vergangener Woche (22. Juli) mit dem MTB's im Villnöss. Von Lajen kommend durch die Wälder unterhalb der Raschötz. Kurz vor St. Magdalena sind wir ins Tal abgefahren und im Chaos gelandet. Ich war zuletzt 2022 dort, da war es noch (relativ) ruhig. Aber irgendetwas muss in den vergangenen drei Jahren geschehen sein, was einen Irrwitz sondersgleichen ausgelöst hat. Insta-Mist? TikTok-Müll? Ich weiß es nicht.
Das Tal war am Vormittag um kurz nach 10.00h Ortszeit zwischen St. Peter und St. Magdalena von endlosen Auto- und Busschlangen verstopft. An den Bushaltestellen für den Zanser-Alm-Zubringer waren die Schlangen >100M lang. Im Bereich der Kirche St. Johann (die berühmte mit den Geislern im Hintergrund) war kaum ein Durchkommen. Trotz mehrsprachiger Schilder (incl. Japanisch und Koreanisch), dass Drohnnenflug in dem Bereich verboten ist, schwirrte es ständig über unseren Köpfen. Wir haben dann wie bekloppt in die Pedale getreten, um schnellstmöglich auf die Zanser Alm zu kommen (der Kaisschmarrn ruft...). Dort ging es freilich auch schon zu wie vor 'nem Apple-Store, wenn's was Neues für die nimmersatten Kommerz-Deppen gibt.
Dort traute ich meinen Augen nicht: an der Stelle kurz vor der Zanser Schwaige, an der bis vor einem Jahr noch ein kleines und heruntergekommenes Hotel stand: eine riesige Baustelle incl. Höllenlärm und Spektakel, weil sie dort Bodenanker in den Grund rammen. Mit dem Wirt der Schwaiger Hütte und einem Bergführer aus Pardell habe ich mich dann lange und ausführlich unterhalten. Wie es denn möglich sei, wollte ich wissen, dass mitten im Unesco-Welterbe-Gebiet, das zudem unter strengem Naturschutz steht, ein Hotel in die sensible Landschaft geknallt wird? Ja....das geht, weil es ja nur ein Ersatz sei, hat die Landesregierung in Bozen gesagt. Ersatz für die vergammelte Ruine, die abgerissen wurde.
Der Ersatz (sic!) wird ein 5 (!!)-Sterne-Schuppen vom Feinsten, für zahlungskräftige Klientel vor allem aus dem asiatischen Raum. Alleine die Gründung des Gebäudes auf dem schwierigen Boden kostet > 1 Mio. €!! Da kein Krümmel und Staubkorn abgelagert werden darf (Naturschutz), muss der Aushub mit rund 6.000 LKW-Fahrten von der Zanser hinunter ins Eisacktal abgefahren werden. Das alles geschieht übrigens ohne Umweltgutachten - weil - ist ja nur Ersatz....
Aha, hab ich mich gefragt, wer im Villnöss hat denn die Kohle, um solch einen Wahnwitz zu finanzieren? Antwort: Niemand, gebaut wird von einem zahlungskräftigen Konsortium aus Gröden mit besten Kontakten nach Bozen. Dass in diesem Konsortium u.a. auch die Leute sitzen, die die Seceda-Bahn kapazitätsmässig für die Insta-Idioten aufblasen wollen, ist natürlich reiner Zufall. Und dass mit dem Projekt auf der Zanser kein Cent im Villnöss hängen bleiben wird, trägt auch nicht eben zur Beruhigung der aus gutem Grund erhitzen Gemüter im Villnöss bei.
Merke: der Teufel scheisst immer auf den größten Haufen.
K.