Als ehemaliger "Heim- wie auch Importspieler" fühle ich mich irgendwie angesprochen und will ich euch meine 2ct daher nicht vorenthalten...
Guest schrieb:
Was die Qualität betrifft ist der österr. staatliche Skilehrer die hochwertigste skifahrerische Ausbildung weltweit und gilt gemeinhin als Maßstab.
Die Deutschen haben zwar ihr System angepasst, sind aber in der Hinsicht nicht vergleichbar und werden auch nicht auf gleichem Level anerkannt.
:lol: :lol: :lol:
Das wird dich jetzt vielleicht erschüttern, aber ich habe noch nie einen französischen Skilehrer getroffen, der diese Ansicht geteilt hätte.

Auch keinen italienischen oder schweizerischen. Auch in D ist das sehr standardisiert und von hoher Qualität.
Der zweite Teil stimmt auch nicht. Die Abschlüsse sind natürlich anerkannt. Haben sie dir denn in deiner "hochwertigsten Ausbildung weltweit" nicht nahegebracht, wofür das erste I in ISIA steht?

Deshalb können ja auch so viele deutsche Skischulen in Ö operieren.
Das System beim DSLV ist auch noch im Prinzip dasselbe wie vor 30 Jahren. Nur dass der Verband vor etwa 20 Jahren auf die Idee verfiel, noch mehr Kohle abziehen zu können, wenn er noch eine weitere Stufe einfügt - früher: Regionalskilehrer, unterdessen Level 2. War immer schon vollkommen nutzlos und - wie auch die Grundstufe (heute: Level 1) - nicht zwingend notwendig. Erst die Ausbildung zu Level 3 (ehedem: Verbandsskilehrer) stellt einen essenziellen Teil der staatlichen Ausbildung dar und kann über eine Anwärterprüfung (1 Tag) direkt begonnen werden.
Wooly schrieb:
ich bin davon ausgegangen das man in Deutschland wie in Österreich eine Ausbildung braucht. Das man da "einfach so" unterrichten kann wäre mir neu. Wo genau soll das gehen ?
Überall. War vor 25 Jahren schon so, hüben wie drüben. Was meinst du wo der Thoma die ganzen Leute hernimmt?
Kreon100 schrieb:
Hmmm, also schon zu meiner Zeit in den 80ern hieß es, dass sich der staatliche Skilehrer eigentlich nur für den lohnt, der eine eigene Skischule gründen will. Wer das trotzdem aus Spaß an der Sache machen will, kann sich m.E. aber nicht beschweren, dass es in dem Bereich (neuerdings) verstärkte Konkurrenz durch Studenten und die hier viel zitierten Bett-Schneehasen-Skilehrerinnen gibt (wo sind die eigentlich anzutreffen? ich frage für einen Freund).
Das mit dem Staatlichen war damals so, ist heute so und wird sich zumindest bei uns auch sicherlich nicht ändern, weil die Strukturen dem entgegen stehen. Erklären tut einem das im Vorfeld freilich keiner - jedenfalls nicht vom Verband oder den Skischulen, weil die einen ja ins System locken wollen. Hat man dann mal angefangen, versteht man alsbald was Phase ist - die einen halt früher, die anderen bisserl später.
Gleiches gilt für die Student:innen und die Schneehasen auch. Die Sache mit dem Bett lassen wir mal weg. Klingt herabsetzend und idR ist da eher der Wunsch des Gegenübers Vater des Gedankens.

Fakt ist, dass alle Mädels, die ich in der Funktion getroffen habe, da einen super Job geleistet haben.
Guest schrieb:
Nur als Beispiel: mir wurde bereits in zwei Skischulen sinngemäß gesagt: "bevor ich Dich (als Staatlich geprüften Skilehrer + Trainer (=Meisterstufe)) anstelle, zahl' ich lieber zwei
Holländerinnen/Däninnen, die bekommen zusammen weniger als du + denen kann ich jeweils 12 Kinder in der Kindergruppe mitgeben- da verdien' ich mehr als bei deinen Privatstunden"
Betriebswirtschaftlich ist diese Aussage ja grundsätzlich richtig,
(...)
Dadurch komme ich zu meiner Aussage, dass die "Billiglöhner" den Preis drücken, denn wer ob der genannten Faktoren dennoch für wenig Lohn arbeitet bringt das Gefüge nach unten.
Betreffend
skifahrerischem Können: Wie oben erwähnt braucht es viele verschiedene Fähigkeiten um ein guter Skilehrer zu sein und neben dem Skifahren gehören
psychologische und soziale Aspekte zweifelsohne dazu. Gegenüber dem Gast ist wichtig, dass man gut vorzeigen/ vorfahren kann und Spaß an der Sache vermittelt. Ich kenne
"Kinderlandfeen" die didaktisch und pädagogisch einer Kindergärtnerin vermutlich nicht viel nachstehen.
Alles was ich erwarte ist ein gewisses skifahrerisches Mindestkönnen, was angesichts dessen, dass man als Skilehrer Dienst in Uniform verrichtet und gewissermaßen als Vorbild ggü. dem Lernenden und allgemein als Repräsentant der österr. Skischule auftritt, auch nicht zu viel verlangt sein kann
In meiner persönlichen Einschätzung, läge diese Anforderung in etwa so, dass man jede Piste in kurzen oder langen Radien befahren kann.
Wer das nicht schafft, sollte mMn die
Berufswahl überdenken. Nur hier wird leider in der Anwärter-Ausbildung die Messlatte zu niedrig angesetzt, da man die Skilehrer ja für die Saison produzieren "muss" und O-Ton "fürs Kinderland wirds schon reichen" bzw. "wenn sie außer Dienst fahren, sollns halt die Jacke umdrehen"
Ich denke es ist ähnlich wie in anderen Dienstleistungen auch, im Kern sollte man sich mit der Sache auskennen und diese entsprechend repräsentieren, z.B. ein
Installateur kann noch so sympathisch und lustig sein, wenn die Leitung nach seinem Werk weiter tropft stelle ich seine Fähigkeit infrage.
Ich verstehe deinen Frust, aber merkst du denn nicht, wie sehr du dir selbst widersprichst? Ich fange mal von hinten an und greife deinen Vergleich auf: die Leitung tropft am Ende eben nicht. Im Kinderland ist perfekte Buckelpistentechnik nunmal kein Asset. Wichtig ist, dass die Kinder Spaß haben und die Eltern sie dort gut versorgt wissen. Wie du richtig erkannt hast, sehen die niederländischen Kinderlandfeen nicht nur blendend aus, sondern verfügen auch über einen angehenden akademischen Hintergrund, beherrschen vier Sprachen fließend und können sehr gut mit Kindern. Wie viele dieser Kernkompetenzen kann die durchschnittliche österreichische Dorfliesl auf sich vereinigen? Wie viele davon erfüllst du?
So sind es denn auch nicht die Holländerinnen, die ihre Berufswahl überdenken. Die arbeiten an ihrem Teint, ihrer Skitechnik und bringen ganz nebenbei ihr Deutsch von fließend auf verhandlungssicher. Wenn sie dann mal ausgelernt und ihren Abschluss in internationaler BWL oder Jura in der Tasche haben, stimmt auch die Kasse. Denn merke, 1800€ als Einstiegsgehalt fühlen sich besser an, wenn es sich um den Wochenlohn handelt.
Jene Dorfliesl, die das mitbringen - solche gibt's sehr vereinzelt auch (es scheitert meistens am Niederländischen, oft leider auch am Englischen) - haben wiederum keinen Bock sich für null Euro in den Schnee zu stellen, sondern setzen sich lieber in den Semsterferien an die Rezeption eines Luxushotels ins Warme und verdienen da Geld. Denn was in der "weltbesten Ausbildung" offenbar auch zu kurz gekommen scheint, sind die Grundzüge der BWL. Für Sätze des Typs, "Das mag betriebswirtschaftlich richtig sein, aber...", gilt nämlich das alles, was nach dem Aber kommt, auf dem freien Markt irrelevant ist. Wenigstens haben sie das jetzt in Form einen Praxismoduls nachgereicht.
Was die anderen "Importspieler" anbelangt, so beherrschen die in aller Regel kurze und lange Radien, da mach dir mal keine Sorgen.

Das spitzeln die Skischulleiter auch sofort und teilen entsprechend ein oder es kommt halt erst gar nicht zu einem Beschäftigungsverhältnis. Denn, da gebe ich dir schon Recht, gut vorfahren können ist jenseits des Kleinkindalters schon sehr wichtig. Zwecks Demo, aber vor allem auch aus psychologischen Gründen. Auch stimme ich dir hinsichtlich der erstaunlich komplexen psychologischen und sozialen Herausforderungen zu. Deshalb gibt's ja auch gar nicht so wahnsinnig viele richtig gute Skilehrer. Aber gerade unterm Nachwuchs sehe ich die Importspieler da durchaus nicht im Nachteil, weil die - wenn ich das mal so offen sagen darf - im Durchschnitt einen wesentlich bildungsnäheren Hintergrund mitbringen.
Meine Auffassung ist, dass Schneeprofi nur in Selbstständigkeit funktionieren kann. Die Summen und Margen reichen einfach nicht, als dass da jemand als Mittler noch groß was abgreifen könnte, auch ist die Verhandlungsmacht des einzelnen Angestellten einfach zu schlecht. Wenn du also weiterhin am Gast arbeiten willst, wäre der Bergführer quasi unerlässlich.