Zunächst einmal vielen Dank an Alle für die interessante und viele Facetten des Themas behandelnde Diskussion. An dieser Stelle möchte ich mal ein (zwischenzeitliches) Resümee ziehen.
Umfrageergebnis
Wie erwartet stellen die Kinderlosen und die Kinderarmen im AF die Mehrheit. Dies liegt natürlich vor allem auch an der Altersstruktur im AF. Viele hier haben die übliche Phase des Kinderkriegens noch nicht beendet oder gar nicht erreicht. Allerdings wird die „Dunkelziffer“ der Kinderlosen über das gesamte AF noch höher sein als in dieser Umfrage. Denn es werden vor allem Kinderlose sein, welche diesen Thread erst gar nicht anklicken. Interessant finde ich, dass die Zahl der User mit Einzelkindern höher ist als die mit 2 Kindern. Einzelkinder sind in meinen sonstigen Umfeldern eher selten (wobei ich selbst ein Einzelkind bin). Interessant am „Abstimmungsverlauf“ ist auch, dass die Häufigkeitsverteilung über der Kinderzahl über mehrere Tage hinweg streng exponentiell war. Sie folgte nämlich der Funktion h = K mal 2 hoch minus n (gibt’s hier auch einen Formeleditor?). Aber zum Schluss hat der exponentielle Verlauf dann doch noch ein paar dauerhafte „Dellen“ erhalten, was insbesondere an der „unbeliebten“ Einzelkindsituation liegt, welche im Forum gering ausgeprägt, aber dennoch erkennbar ist.
Aufgrund der Diskussion ist zu vermuten, dass die Forengemeinde dauerhaft deutlich unter der „Selbsterhaltungsquote“ von 2,1 Kindern pro Erwachsenem bleiben wird. Ob dies generell auf die Spezies „Skifahrer“ zutrifft, lässt sich kaum abschätzen. Vielleicht ist der „gemeine AF-User“ ja doch eine ganz besondere Spezies. Die Folgen einer eventuellen unzureichenden Selbsterhaltung der Skifahrer werden später noch mal behandelt.
Allgemeine Diskussion Kindersituation
Aus den Diskussionen lassen sich in erster Näherung 3-4 Personengruppen herausarbeiten.
Gruppe 1: Die Personen mit Kindern. Hier lässt sich feststellen, dass niemand das Rad zurückdrehen möchte und dass die Kinder als Bereicherung des Lebens angesehen werden.
Gruppe 2: Eine relativ große Gruppe mit grundsätzlichem Kinderwunsch. Die Einstellung zur Frage, warum es (seither) beim Wunsch geblieben ist, lässt eine weitere Untergliederung zu:
Gruppe 2a: Noch keinen passenden Partner gefunden.
Gruppe 2b: Allgemeine Zukunftsängste.
Die Diskussion mit Vertretern dieser Gruppe war äußerst spannend. Die Grundfrage ist: Kann ich die heutige Welt potenziellen Kindern zumuten oder mir als Elternteil zumuten? Auffallend ist, dass ein Teil der User die Welt heutzutage als sehr schlecht und problematisch empfindet, während der andere Teil feststellt: So gut wie heute ist es der Menschheit nie gegangen (vermutlich vor allem auf Europa und die Schwellenländer bezogen). Dies erscheint zunächst als krasser Widerspruch. Vermutlich verhält es sich damit wie mit so vielem: An beidem ist etwas Wahres dran. Sicherlich ist der Wohlstand heutzutage sehr hoch, und die schwierigsten Krisen wie Weltkriege, Seuchen und Wirtschaftszusammenbrüche hat Europa (vorerst) hinter sich. Andererseits ist das Leben deutlich komplexer und weniger überschaubar geworden. Waren verschiedene Lebensprozesse früher eher entkoppelt und die Zyklen aller Art länger, sind heutzutage alle Prozesse vernetzt und mit Abhängigkeiten versehen, so dass sie von einzelnen Personen kaum noch zu überblicken sind. Dies betrifft Berufs- wie Privatleben. Weiterhin werden Zyklen (Innovationen, Krisen, etc.) immer kürzer, was zusätzlich zu Stress beiträgt. Richtige „Erholung“ jedweder Art wird rar. Dieser Effekt macht vielen wohl – zumindest im Unterbewusstsein – Angst und überträgt sich auf den Mut Kinder in die Welt zu setzen.
Gruppe 2c: Zweifel an wirtschaftlichem Umfeld.
Diese Gruppe zweifelt daran, dass die wirtschaftliche Situation ein Aufziehen von Kindern sinnvoll ermöglicht. Unter wirtschaftlichem Umfeld subsumiere ich im weiteren Sinne auch die berufliche Situation und die Betreuungssituation. Zum Verringern dieser Zweifel sind auf jeden Fall die Politik und die Unternehmen gefordert, welche auf jeden Fall ein Interesse daran haben müssen, dass „der Laden“ langfristig läuft. Gefordert sind jedoch auch die Betroffenen selbst, auch wenn es im ersten Moment aussichtslos erscheint. Aber: Steter Tropfen höhlt den Stein. Bei entsprechend breiten Anforderungen von der „Basis“ sind auch Politik und Unternehmen gezwungen, zu reagieren. Möglicherweise gibt es inzwischen auch mehr Unterstützung, als mancher glaubt. Bei einigen Personen überlappen sich die Merkmale der Gruppen 2b und 2c.
Gruppe 3: Die überzeugt Kinderlosen.
Treiber für diese Überzeugung ist sicherlich in erster Linie der Wunsch, den gewohnten Lebensablauf nicht zu ändern. Dies ist zu akzeptieren, auch wenn es sowohl für die Gesellschaft als auch für den Einzelnen selbst langfristig nicht zielführend erscheint. Teilweise werden Merkmale der Gruppe 2b zur Unterstützung der eigenen Überzeugung mit herangezogen.
Edit: An dieser Stelle nachträglich noch ein Einschub des Users 3303:
"Man könnte noch die Gruppe anführen, die zwar einen Partner hat, aber sich aus irgendwelchen Gründen (Gesundheit, Psyche...etc.) nicht zutraut, Kinder großzuziehen. Ferner gibt es noch die, die sich "zu spät" gefunden haben, so dass es mit der Familienplanung nicht mehr geklappt hat."
Insgesamt ist davon auszugehen, dass die heutzutage etablierte Lebensform der Kleinfamilien höhere organisatorische Anforderungen an das Aufziehen von Kindern stellt, als die früher verbreitete Großfamilie. Dies kann ich ein Stück weit aus eigener Erfahrung beurteilen, da ich seit längerer Zeit in einer 4-Generationen-Großfamilie lebe, in der das Aufziehen von Kindern sehr gut klappt. Dieses Modell ist geprägt von gegenseitiger Hilfe und Ergänzung jedoch auch von Verantwortung gegenüber einer größeren Anzahl von Familienmitgliedern.
Kinder und Skifahren
Dieser Aspekt war interessanterweise nur peripher Bestandteil der Diskussion. Daher muss ich hier weitgehend auf meine eigenen Erfahrungen zurückgreifen. Für mich sind die Kinder eine Bereicherung für den persönlichen Skisport. Insgesamt hat die Häufigkeit der Skitage kaum gelitten und die Skiaktivitäten sind vielfältiger geworden. Gab es früher nur die Formen „Skifahren alleine“, „Skifahren mit Ehepartner“ und „Skifahren mit Kumpels“, sind jetzt die Formen „Skifahren mit ganzer Familie“ und „Skifahren mit den Kindern“ hinzugekommen, ohne dass die vorgenannten Formen entfallen sind. Dabei ist aus Kosten- und Praktikabilitätsgründen ein Teil der Alpenaktivitäten durch Mittelgebirgsaktivitäten ersetzt worden. Aber auch das sehe ich nicht als Einschnitt, sondern als Bereicherung, da die Alpenaktivitäten ja keineswegs weggefallen sind. Und insgesamt: Mit den Kindern macht das Skifahren eigentlich den größten Spaß.
Unterstellt man in Anbetracht der Umfrageergebnisse, dass die Skifahrer nicht selbst für genügend Nachkommen sorgen, dann hat dies zur Konsequenz, dass die Zielgruppe der Skifahrer mittelfristig deutlich kleiner werden wird. Denn der Zustrom von außen, also von Seiten nicht-skifahrender Familien, sowie die Übertragung des Skifahr-Hobbys von Gelegenheitsskifahrern auf die eigenen Kinder ist weitgehend abgeklungen. Ein starker Treiber in die Zielgruppe der Skifahrer waren früher Ferienlager und Schulskikurse. Beides ist extrem rückläufig, auch in den Alpenländern. Dafür sind Kostengründe und geänderte Prioritäten bei Eltern und Lehranstalten die verantwortlich. Die Bergbahnunternehmen können davon „ein Lied singen“, und spielen deshalb für ihre Langfristplanungen auch Szenarien durch, welche deutlich weniger Skifahrer als Eingangsgröße aufweisen.
Dies spiegelt in Kurzform meine Bestandsaufnahme zu dem Thema wider, wobei die Diskussion sehr hilfreich war. Sollten weitere Aspekte hinzukommen, wird das Fazit erforderlichenfalls erweitert.