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Zukunft der Mobilität!?

Der FDL war wohl noch im Dieselmodus, von diesem Gleis geht es nur Richtung Kempten. Deshalb ist das auch nicht elektrifiziert.

Die Schäden sind wohl schon behoben. Aber ja, natürlich mal wieder der Knaller. Naja, in ein paar Wochen vergessen. Wenigstens ist die Strecke jetzt in Betrieb, ein wichtiger Meilenstein.
 
br403 schrieb:
Der FDL war wohl noch im Dieselmodus, von diesem Gleis geht es nur Richtung Kempten. Deshalb ist das auch nicht elektrifiziert.

Die Schäden sind wohl schon behoben. Aber ja, natürlich mal wieder der Knaller. Naja, in ein paar Wochen vergessen. Wenigstens ist die Strecke jetzt in Betrieb, ein wichtiger Meilenstein.

Ein echter Meilenstein wäre auch ein zweigleisiger Ausbau der Strecke... kaum zu glauben, dass die Strecke von Hergatz bis Buchloe eingleisig verläuft.
Und nebenan die zweigleisige Strecke nach Kempten nicht elektrifiziert ist. Im südlichen Bayern ist einem beim Thema Bahnverkehr nur zum Heulen...
 
Pilatus schrieb:
https://www.20min.ch/story/deutsche-bahn-lenkt-sbb-zug-auf-gleis-ohne-strom-605479983492

Die Eröffnung der neuen Eurocity-Linie Zürich-München war leider von einer Panne überschattet. Die DB hat mal wieder jedes Klischee erfüllt :wink:


Was du sagst ist leider völlig richtig.

Unter dem Youtubevideo des Bayerischen Rundfunks habe ich diesbezüglich mit zwei Postings dazu Stellung genommen, um die Medien einmal aufzuwecken, was in Deutschland in der Verkehrsplanung alles schief läuft.

Da gibt es nichts zu diskutieren, bei der Eisenbahn ist die Schweiz klar besser als Deutschland.

Da sich hier inzwischen nicht nur Seilbahnfreaks tummeln, sondern auch immer mehr Eisenbahnfreaks ins Alpinforum finden, kopiere ich einfach meine beiden Postings hier hinein:


Posting 1:

Es wäre wichtig, dass die Medien die Fehler der Deutschen Bahn viel stärker thematisieren würden und mal grundsätzlich falsche politische Entscheidungen viel stärker hinterfragen würden.

Die Fehlplanung der Deutschen Bahn bezüglich Hergatz hat den heutigen Zwischenfall extrem begünstigt. Um die betriebliche Flexibilität in Hergatz zu erhöhen, wäre es extrem wichtig gewesen, nicht nur das Gleis 1 zu elektrifizieren, sondern darüberhinaus an der Ostseite des Bahnhofs Hergatz eine Weichenverbindung vom Gleis 1 zum Gleis 2 zu bauen, damit man auch vom Gleis 1 Richtung Memmingen fahren kann. Gleichzeitig wäre es wichtig gewesen wenigstens einen Kilometer auch von Hergatz Richtung Oberstaufen zu elektrifizieren, damit man dann später, wenn auch die Allgäubahn über Kempten elektrifiziert wird, man in Hergatz nicht erneut alles sperren muss.

Auch ist festzuhalten, dass nicht nur der Fahrdienstleiter, der die Weiche für den ECE Richtung München falsch auf Gleis 1 gestellt hat, gepennt hat, sondern auch der Lokführer. Wenn man von Hergatz aus Richtung Memmingen fahren will, muss man etwa 600 m vor dem Bahnhof Hergatz über den abzweigenden Strang der Weiche von Gleis 1 Richtung Gleis 2 fahren. Da dies mit der Reduktion der Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h verbunden ist, leuchtet am Signal somit eine 8. Fehlt aber diese 8, dann ist die Weiche logischerweise Richtung Hauptgleis (also Gleis 1) gestellt, sodass der Lokführer beim Fehlen der 8 sofort hätte bremsen müssen, da er weiß, dass das Gleis 1 keine Oberleitung hat. Hätte er sofort eine Schnellbremsung durchgeführt - wie gesagt, fahrplanmäßig hätte er sowieso nicht schneller als 80 km/h fahren dürfen - dann wäre der Stromabnehmer noch unter dem Fahrdraht geblieben, da der Stromabnehmer sich beim Schweizer Zug, wie man an den Fernsehaufnahmen sehen kann, auf dem drittletzten Wagen befindet.

Man merkt auch wieder einmal an diesen extremen Sparlösungen wie der unvollständigen Elektrifizierung von Hergatz, dass die Politik nur das Allernötigste in die Eisenbahn investiert. Die Schweiz gibt pro Einwohner und Jahr sechsmal so viel Geld aus für die Eisenbahn wie Deutschland. So lange in Deutschland das Auto extrem bevorzugt wird, sind alle Beteuerungen zum Klimaschutz in der Verkehrspolitik nur Lippenbekenntnisse. Die Verkehrspolitik in Deutschland bedarf einer grundsätzlichen Kurskorrektur in der Verkehrspolitik hin zur Schiene.

In der Schweiz gibt es schon seit Jahrzehnten keine Dieselstrecken mehr; in Deutschland ist auch heute noch auf Jahre hinaus keine Elektrifizierung der zweigleisigen Hauptbahn über Kempten geplant. Auch auf der Hauptbahn Hamburg - Westerland (Sylt) verbrennt Deutschland unmittelbar neben den Windrädern der Nordsee Diesel, währenddessen die Politiker sich selbst auf die Schulter hauen und sich loben, was sie alles für Klimaschutzziele beschlossen haben.

Posting 2:

Wie ich bereits schrieb, hätte der Zug höchstens 80 km/h fahren dürfen. Bei einer Schnellbremsung beträgt der Bremsweg etwa 200 m. Um diese Strecke geht es (Symbolaufnahme von 2016; damals noch ohne Elektrifizierung): https://youtu.be/fJx7bhle6rs?t=975

Im Video fährt ein Dieselzug Richtung Oberstaufen und Immenstadt. Der ECE hätte aber Richtung Memmingen fahren müssen.

Der ECE von Zürich HB nach München Hbf fährt auf Hergatz zu. Bei 16:18 sieht man rechts eine weiße Tafel mit 3 schwarzen Diagonalbalken, die anzeigen, dass in 300 m Entfernung ein Vorsignal kommen wird; danach erscheinen 2 schwarze Diagonalbalken für 200 m, dann ein Diagonalbalken für 100 m und dann kommt das Vorsignal, das hier bei 16:25 zu sehen ist und an dieser Stelle ca. 1000 m vor dem Hauptsignal steht. An diesem Vorsignal, hätte eine orangene 8 leuchten müssen, die besagt, dass dem Lokführer am Hauptsignal eine Reduzierung der Geschwindigkeit auf 80 km/h erwartet, d.h. er am Hauptsignal höchstens 80 km/h fahren darf. Doch es erschien keine 8, weil die Fahrstraße in das durchgehende Hauptgleis, also Gleis 1 eingestellt war. Deshalb griffen auch die Magnete nicht ein, denn die hätten nur dann eingegriffen, wenn die Fahrstraße Richtung Gleis 2 eingestellt gewesen wäre und er mit der Streckengeschwindigkeit weitergefahren wäre. So aber durfte der Lokführer aus Sicht der Leit- und Sicherungstechnik weiter mit Streckengeschwindigkeit fahren.

Bei einer Schnellbremsung aus 80 km/h beträgt der Bremsweg etwa 200 m.

Das Hauptsignal, welches hier bei 16:56 zu sehen ist, zeigte auch keine 8 an. Da das Signal Zs3 welches die Geschwindigkeit im abzweigenden Strang auf 80 km/h anzeigte, fehlte, hätte allerspätestens hier hätte der Triebfahrzeugführer reagieren müssen.

Die Weiche, um die es hier geht, sieht man bei 17:03. Sie war geradeaus eingestellt, hätte aber nach links in den Abzweig nach Gleis 2 eingestellt werden müssen.

Die Elektrifizierung geht nur im gebogenen Zweig nach links weiter, nicht aber im Fahrweg gerade aus. Das ist die von mir schon zuvor scharf kritisierte Sparerei der Deutschen Bahn an der falschen Stelle. Die Fortführung der Elektrifizierung in den Bahnhof hätte etwa 2 Millionen € gekostet. Es ist völlig irrsinnig bei einem 500 Millionen € Projekt an dieser sicherheitsrelevanten Stelle hier 2 Millionen € "einzusparen".

Man sieht, dass der Abstand zwischen dem Hauptsignal und der Weiche etwa 200 m beträgt, was dem Bremsweg von 80 km/h auf 0 km/h entspricht. Hätte der Triebfahrzeugführer eine Schnellbremsung gemacht, dann wäre er im ungünstigsten Fall mit den ersten beiden Wagen über die Weiche geradeaus weitergefahren, aber der Stromabnehmer, der sich auf dem 5. Wagen befindet, wäre VOR der Weiche zum Stehen gekommen.

In dem Fall hätte er über Funk mit dem Fahrdienstleiter vereinbaren können, auf Befehl, etwa 500 m rückzusetzen. Danach hätte der Fahrdienstleiter die eingestellte Fahrstraße zurückgenommen und eine neue Fahrstraße auf Gleis 2 einstellen können. Dann hätte der Zug zwar ca. 20 Minuten Verspätung gehabt, aber es wären keine Sachschäden entstanden.

Im Untersuchungsbericht wird nun auch zu klären sein, ob bereits die Ausfahrt in Hergatz auf Gleis 1 Richtung Immenstadt für den ECE gestellt war.

Mir ist auch nicht klar, warum der Triebfahrzeugführer, nachdem er saht, dass er in das Gleis 1 ohne Oberleitung fährt, nicht eine Notabsenkung des Stromabnehmers vorgenommen hat. Dann hätte der Zug zwar danach auch von einer Diesellok abgeschleppt werden müssen, aber die Sachschäden an der Oberleitung und dem Stromabnehmer hätten vermieden werden können.

Halten wir fest: Der Fahrdienstleiter hat eine falsche Fahrstraße eingestellt, der Triebfahrzeugführer hat gleich mehrfach gegen die Vorschriften verstoßen und das Ganze wurde noch durch Planungsfehler der Deutschen Bahn unter dem falschen Spardiktat der Politiker an der völlig falschen Stelle massiv begünstigt.

Im Video sieht man das Ausfahrtssignal bei 18:47. Ebenfalls im Video ist zu erkennen, dass hinter dem Ausfahrsignal die Weichenverbindung nach links zum Gleis 2 und nach Memmingen fehlt. Ich hoffe sehr, dass diese fehlende Weichenverbindung nun nachgerüstet wird. Auch hier muss man feststellen, dass es hier um unterlassene Investitionsaufwendungen im unteren Millionenbereich geht. Bei einem 500 Millionen € Projekt ist es völlig destruktiv, an solchen Punkten einzusparen, denn das beeinträgt die die Flexibilität im Betrieb enorm. Unter dem Spardiktat von unfähigen Politikern wird dann bei der Eisenbahn an Stellen eingespart, wo man keinesfalls einsparen sollte.

Solche Planungsfehler reduzieren die Leistungsfähigkeit im Netz und begünstigen Verspätungen und Betriebsstörungen.

Ich hoffe sehr, dass dieser erneute Zwischenfall nun ein Weckruf für die Medien ist, den Politikern und der Deutschen Bahn wesentlich schärfer auf die Finger zu gucken.
 
ThomasK schrieb:
Wenn man von Hergatz aus Richtung Memmingen fahren will, muss man etwa 600 m vor dem Bahnhof Hergatz über den abzweigenden Strang der Weiche von Gleis 1 Richtung Gleis 2 fahren. Da dies mit der Reduktion der Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h verbunden ist, leuchtet am Signal somit eine 8. Fehlt aber diese 8, dann ist die Weiche logischerweise Richtung Hauptgleis (also Gleis 1) gestellt, sodass der Lokführer beim Fehlen der 8 sofort hätte bremsen müssen, da er weiß, dass das Gleis 1 keine Oberleitung hat.
Ist ein Lokführer wirklich verpflichtet, so eine umfassende Schlussfolgerung zu führen? Also aus dem Detail "falsche Geschwindigkeit" auf "Fahrt in Gleis ohne Oberleitung" schließen? In der Praxis könnte das einem natürlich schon auffallen, aber am ersten Betriebstag, vielleicht mit bisher nur ein paar Schulungsfahrten auf dieser Strecke?

Ansonsten muss ich dir voll zustimmen. Dass man bei dem Projekt nicht mal eine Weiche östlich des Bahnhofs eingebaut hat, ist echt ein Witz. So muss ein Zug Lindau-Memmingen immer im Gegengleis in den Bahnhof fahren, blockiert also die Ausfahrt für die Gegenrichtung nach Lindau. Bei der Bahn wird echt gespart an allen Ecken und Enden.
 
flamesoldier schrieb:
Ein echter Meilenstein wäre auch ein zweigleisiger Ausbau der Strecke... kaum zu glauben, dass die Strecke von Hergatz bis Buchloe eingleisig verläuft.
Und nebenan die zweigleisige Strecke nach Kempten nicht elektrifiziert ist. Im südlichen Bayern ist einem beim Thema Bahnverkehr nur zum Heulen...

Diese Strecke wurde gewählt weil sie doch kürzer ist, es ging ja hauptsächlich um die kürzere Fahrtzeit. Irgendwann wird vielleicht auch mal nach Kempten elektrifiziert.

Zum Bahnausbau in Deutschland: Seit Jahren ein Thema, es ist politisch nicht gewollt. Man hat schon nach dem Krieg mehr auf das Auto gesetzt, und viele Leute sind glücklich damit, leider. Ich kenne viele für die Bahn fahren nie in Frage kommt (leider). Ich bin gerne mit der Bahn unterwegs, wenn auch dieses Jahr weniger (keine Spassfahrten). Normalerweise wäre ich gestern im ersten ECE ab München gesessen.

Nächstes Jahr sind wieder Wahlen, wir haben es in der Hand. Aber ich fürchte es wird wieder eher ein Autominister, kein Verkehrsminister...
 
br403 schrieb:
flamesoldier schrieb:
Ein echter Meilenstein wäre auch ein zweigleisiger Ausbau der Strecke... kaum zu glauben, dass die Strecke von Hergatz bis Buchloe eingleisig verläuft.
Und nebenan die zweigleisige Strecke nach Kempten nicht elektrifiziert ist. Im südlichen Bayern ist einem beim Thema Bahnverkehr nur zum Heulen...

Diese Strecke wurde gewählt weil sie doch kürzer ist, es ging ja hauptsächlich um die kürzere Fahrtzeit. Irgendwann wird vielleicht auch mal nach Kempten elektrifiziert.

Zum Bahnausbau in Deutschland: Seit Jahren ein Thema, es ist politisch nicht gewollt. Man hat schon nach dem Krieg mehr auf das Auto gesetzt, und viele Leute sind glücklich damit, leider. Ich kenne viele für die Bahn fahren nie in Frage kommt (leider). Ich bin gerne mit der Bahn unterwegs, wenn auch dieses Jahr weniger (keine Spassfahrten). Normalerweise wäre ich gestern im ersten ECE ab München gesessen.

Nächstes Jahr sind wieder Wahlen, wir haben es in der Hand. Aber ich fürchte es wird wieder eher ein Autominister, kein Verkehrsminister...

Dass die Elektrifizierung auf dieser Strecke als erstes sinnvoll ist bestreite ich ja gar nicht. Ich kann nur bis heute nicht verstehen wie so eine wichtige Hauptstrecke eingleisig sein kann. Dasselbe bei der Strecke nach Oberstdorf, wo ja zumindest vor ein paar Jahren täglich ein IC gefahren ist, ob das heute noch so ist weiß ich nicht.
Das wäre eine super Alternative zur zu Ferienzeiten chronisch verstopften B19, aber man lässt die eingleisige nicht elektrifizierte Strecke direkt in den Ort hinein lieber als Bummelbahn verkommen.
Während der Sperre der Südbahn (ebenfalls Elektrifizierung) in Baden-Württemberg bin ich einmal die große Runde von Ulm nach Kempten gefahren. Eigentlich wäre ich bis Lindau gefahren, aber die Verspätung war bereits bei Memmingen so hoch, dass ich mich dann in Kempten abholen lassen habe. An jeder Ausweiche stand mein Zug 5-15 Minuten doof in der Gegend rum und hat auf den Gegenzug gewartet. Das kann doch nicht die Zukunft sein?
Hier im Süden der Republik ist den meisten Leuten das Pseudo-Argument "Arbeitsplätze" wichtiger als eine umweltfreundliche, sinnvolle Mobilität. Alles was gegen den Dieselmotor und Individualverkehr im Auto geht wird sofort konsequent bekämpft. Keiner bedenkt, dass auch die Alternativen Arbeitsplätze schaffen und riesige Kosten für Straßenausbau und -erhaltung wegfallen würden, wenn nicht mehr jeder jeden Weg mit dem eigenen PKW zurücklegen würde.
Allein durch das vermehrte Home Office im sogenannten "Lockdown Light" hierzulande haben sich z.B. in NRW die rush hour bedingten Staus um mehr als 80 % reduziert. Und da arbeiteten noch längst nicht alle, die es könnten, im Home office. Man stelle sich vor es würden regelmäßig die meisten Leute ein paar Tage die Woche von zu Hause aus arbeiten, es müsste ja nicht einmal die ganze Woche sein. Der Verkehr würde spürbar zurückgehen, viele Ausbauvorhaben in kritischen Stadtlagen würden plötzlich überflüssig werden. So ein A7 Ausbau mitten im Hamburg z.B. kostet inklusive Überdeckelung Unmengen Geld. Was man dafür alles an Bahnstrecken bauen/elektrifizieren könnte...
 
Ist das wirklich so, dass in Deutschland die Bahn so wenig Rückhalt hat in der Bevölkerung? Und dass da nicht einfach die Politik schuld ist? Dass sich da in Deutschland wirklich was ändern würde, müssten die Grünen ja praktisch die Wahlen mit der absoluten Mehrheit gewinnen (mit allen damit verbunden Nachteilen) :wink:

Man darf nicht vergessen, in der Schweiz sind eigentlich alle grossen Bahnprojekte mit Volksabstimmungen beschlossen worden. Irgendwelche Partikularinteressen spielen dann keine Rolle mehr und auch eine Blockadepolitik durch Anwohner gibts eigentlich kaum noch.
 
Ja, ist schon so, hat die Bahn drei Minuten Verspätung geht die Welt unter, Staus und Flugverspätungen interessieren niemanden. Sieht man auch hier im Forum, da gibt es einige Bahnhasser.

Ich habe es aufgegeben, ich nehme es wie es kommt, es wird hier nie eine bessere Bahn geben, schon aus diesen Gründen. Eher werden alle Autobahnen und Landstrassen elektrifiziert als das was passiert. Obwohl es gar nicht so schlecht ist, ich fahre normalerweise viel Bahn und habe sehr selten Probleme. Da steh ich mehr im Stau als ich Probleme mit der Bahn habe.
 
Die gibt es eher im Strassenbau, prominentestes Beispiel ist aktuell sicher der "Westast" der A5 durch Biel. Geplant und herumgedokert wird dort seit 50 Jahren, vor 4 Jahren wurde dann das aktuelle Projekt des ASTRA (Bundesamt für Strassen) über Verlauf und Anschlüsse der Autobahn zwischen der Verzweigung Brügg und dem linken Bielerseeufer in der Nähe von Twann veröffentlicht. In Biel war der Aufschrei gross, es formierte sich sofort ein grosser und relativ breit abgestützter (Umweltverbände, Grüne, Linke, Fussgängervertreter, Architekten usw.) Widerstand gegen das vorliegende Projekt.
Es wurde zu einem runden Tisch mit Pro- und Contra-Lager gebeten, dort wurde lange diskutiert und abgewägt und so... letzte Woche dann das Resultat: Der vorliegende Plan landet im Mülleimer, man startet neu.

Die grossen Streitpunkte waren (neben ein paar Banalitäten) die beiden gigantischen Anschlussbauwerke mitten in der Stadt, die scheinen nun vom Tisch zu sein. Wie es weitergeht? Keine Ahnung... aber in nächster Zeit wird dort garantiert nichts gebaut, auch wenn es durchaus nötige und wenig umstrittene Teile (Porttunnel zB) hätte.

Edit: Als Antwort auf Pilatus' letzten Abschnitt...
 
Wurzelsepp schrieb:
Die gibt es eher im Strassenbau, prominentestes Beispiel ist aktuell sicher der "Westast" der A5 durch Biel. Geplant und herumgedokert wird dort seit 50 Jahren, vor 4 Jahren wurde dann das aktuelle Projekt des ASTRA (Bundesamt für Strassen) über Verlauf und Anschlüsse der Autobahn zwischen der Verzweigung Brügg und dem linken Bielerseeufer in der Nähe von Twann veröffentlicht. In Biel war der Aufschrei gross, es formierte sich sofort ein grosser und relativ breit abgestützter (Umweltverbände, Grüne, Linke, Fussgängervertreter, Architekten usw.) Widerstand gegen das vorliegende Projekt.
Es wurde zu einem runden Tisch mit Pro- und Contra-Lager gebeten, dort wurde lange diskutiert und abgewägt und so... letzte Woche dann das Resultat: Der vorliegende Plan landet im Mülleimer, man startet neu.

Die grossen Streitpunkte waren (neben ein paar Banalitäten) die beiden gigantischen Anschlussbauwerke mitten in der Stadt, die scheinen nun vom Tisch zu sein. Wie es weitergeht? Keine Ahnung... aber in nächster Zeit wird dort garantiert nichts gebaut, auch wenn es durchaus nötige und wenig umstrittene Teile (Porttunnel zB) hätte.

Edit: Als Antwort auf Pilatus' letzten Abschnitt...

Sowas ist bei deutschen Autobahnplanungen mittlerweile der Standardprozess. Wenn du mal Langeweile hast: les dich mal in die Planung der A98 Hochrheinautobahn ein...
Auch sehr spannend wäre noch das Thema A20 bei Bad Segeberg, A8 Ausbau am Albaufstieg oder die diversen "gelben Autobahnen" rund um Stuttgart. Die B14 sollte z.B. bis 2006 zur damaligen Fußball-WM bis Backnang autobahnähnlich ausgebaut sein. Spoiler: ist sie bis heute nicht.
 
Skitobi schrieb:
ThomasK schrieb:
Wenn man von Hergatz aus Richtung Memmingen fahren will, muss man etwa 600 m vor dem Bahnhof Hergatz über den abzweigenden Strang der Weiche von Gleis 1 Richtung Gleis 2 fahren. Da dies mit der Reduktion der Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h verbunden ist, leuchtet am Signal somit eine 8. Fehlt aber diese 8, dann ist die Weiche logischerweise Richtung Hauptgleis (also Gleis 1) gestellt, sodass der Lokführer beim Fehlen der 8 sofort hätte bremsen müssen, da er weiß, dass das Gleis 1 keine Oberleitung hat.
Ist ein Lokführer wirklich verpflichtet, so eine umfassende Schlussfolgerung zu führen? Also aus dem Detail "falsche Geschwindigkeit" auf "Fahrt in Gleis ohne Oberleitung" schließen? In der Praxis könnte das einem natürlich schon auffallen, aber am ersten Betriebstag, vielleicht mit bisher nur ein paar Schulungsfahrten auf dieser Strecke?

Ansonsten muss ich dir voll zustimmen. Dass man bei dem Projekt nicht mal eine Weiche östlich des Bahnhofs eingebaut hat, ist echt ein Witz. So muss ein Zug Lindau-Memmingen immer im Gegengleis in den Bahnhof fahren, blockiert also die Ausfahrt für die Gegenrichtung nach Lindau. Bei der Bahn wird echt gespart an allen Ecken und Enden.


Genau aus diesem Grund darf ein Lokführer erst dann fahren, wenn er für die jeweilige Strecke Streckenkenntnis nachweist. Streckenkenntnis bedeutet, dass er auf dieser Strecke alle Bahnhöfe und Gleisgeometrien kennt, sagen kann, mit welcher Geschwindigkeit man wo fahren kann und spezielle Besonderheiten dieser Strecke kennen muss.

Wenn also beispielsweise ein Lokführer mit 20 Jahren Berufserfahrung an eine für ihn neue Strecke kommt, dann könnte er anhand der gesamten Signalbilder zwar theoretisch diese Strecke fehlerfrei fahren, da ihm anhand der gesamten Signalbilder alle relevanten Informationen angezeigt werden, aber er darf es trotzdem nicht. In diesem Fall müsste ein anderer Lokführer, der die notwendige Streckenkenntnis hat, ihn auf der Lok begleiten. Aber da kann dann der andere Lokführer dann auch gleich selbst fahren.

Wie oft man eine Strecke vom Führerstand aus in beiden Richtungen gefahren sein muss, um die Streckenkenntnis zu erlangen, hängt von Einzelfall ab. Bei einfachen Strecken ohne besondere Örtlichkeiten reichen meistens schon ca. jeweils 5 Fahrten in beide Richtungen; bei schwierigen Strecken können das dann aber auch schon 10 - 15 Fahrten sein.

Eine schwierige Strecke ist z.B. die zweigleisige Hauptbahn Stuttgart - Ulm über die Geislinger Steige. Sehr viele Geschwindigkeitswechsel; bei Überschreiten der Höchstlast muss an der Geislinger Steige nachgeschoben werden. Wie heißt es so schön: Was für die Schweiz der Gotthard, ist für Deutschland die Geislinger Steige. Während der Gotthard Basistunnel aber schon seit Jahren in Betrieb ist, wird die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Wendlingen und Ulm erst in 2 Jahren fertig sein. Immerhin: Statt mit 70 km/h in den engen Kurven der Geislinger Steige donnern dann die Züge mit 250 km/h von Stuttgart nach Ulm.



flamesoldier schrieb:
Ein echter Meilenstein wäre auch ein zweigleisiger Ausbau der Strecke... kaum zu glauben, dass die Strecke von Hergatz bis Buchloe eingleisig verläuft.
Und nebenan die zweigleisige Strecke nach Kempten nicht elektrifiziert ist. Im südlichen Bayern ist einem beim Thema Bahnverkehr nur zum Heulen...


Wir haben mal für das Allgäu ein zukunftweisendes Konzept erarbeitet, aber das ist politisch gar nicht durchsetzbar. Unsere Bundesregierung ist so autofanatisch, dass es nicht mehr feierlich ist.

Wie sähe die Zukunft der Mobilität nach unseren Vorstellungen im Allgäu aus? Da unser Konzept sehr umfangreich ist, beschränke ich mich auf ein paar Ideen aus unserem Konzept.

Grundsätzlich gilt, dass Seilbahnen und Eisenbahnen zusammenarbeiten müssen. In Oberstdorf hätte man zwischen Langenwang und Oberstdorf einen neuen Haltepunkt bauen können Oberstdorf Nebelhornbahn und dann von diesem Haltepunkt aus die neue Nebelhornbahn bauen können. Die Talstationen der Seilbahnen müssen an die Bahnlinien. Von Langenwang aus hätte man eine Zweigstrecke ins Kleinwalsertal bauen können und das Kleinwalsertal - genauso wie Zermatt - autofrei machen können.

Von Kempten aus hätte dann der Zug in Langenwang geflügelt - ein Zugteil über Oberstdorf Nebelhornbahn nach Oberstdorf und der andere Zugteil über Söllereckbahn, Riezlern, Hirschegg, Mittelberg nach Baad, mit Haltepunkten an den Talstationen der Söllereckbahn, Kanzelwandbahn und Walmedinger Hornbahn. Mit einem Schlag hatte man fast alle Bergbahnen im Gebiet Oberstdorf/Kleinwalsertal an die Eisenbahn angebunden.

In Kempten macht man einen Vollknoten zur Minute 00 und in Immenstadt einen Teilknoten zur Minute 15/45 mit Übereckanschluss Oberstaufen - Immenstadt - Oberstdorf. Von Kempten fährt man Richtung Oberstdorf und Baad als elektrifiziertes S-Bahn-System im Halbstundentakt. Aufgrund der Kantenzeit Kempten - Langenwang von 30 Minuten ergibt sich in Langenwang ein Übereckanschluss Baad - Langenwang - Oberstdorf.

Was den Fernverkehr anbetrifft, sehen wir Kempten, Buchloe, Memmingen als Allgäuer Dreieck, wobei im Integralen Taktfahrplan die Kantenzeiten zwischen allen drei Punkten jeweils 30 Minuten betragen sollten. Um Buchloe - Kempten auf 30 Minuten zu verkürzen, bietet sich eine kurze ca. 20 km lange Neubaustrecke zwischen Betzigau und Marktoberdorf entlang der B 12 an, die für 200 km/h trassiert ist, was mit zwei Zwischenhalten in Kaufbeuren und Marktoberdorf eine Kantenzeit von 30 Minuten ergibt. Zusammen mit kleinen Linienverbesserungen zwischen Kempten und Hergatz ist dann die Allgäubahn genauso schnell wie die Strecke über Memmingen, sodass man ab Dezember 2034, wenn der Eurocity Zürich HB - München Hbf im Stundentakt fahren soll, abwechselnd alternativ über Memmingen und über Kempten fahren könnte. Sowohl Kempten als auch Memmingen als auch Buchloe sind jeweils 00/30 ITF-Vollknoten.

Dasselbe haben wir auch in der Schweiz. Dort wird die Strecke über Biel/Bienne so ausgebaut, dass Zürich HB - Geneve über Biel/Bienne genauso schnell ist wie über Bern. Die Kantenzeit Bern - Lausanne wird dann ebenfalls auf 60 Minuten reduziert; Lausanne - Geneve dann auf 30 Minuten.

Im Wallis ist die Situation komplexer, da man sich dort entscheiden muss, ob man Visp oder Brig zum 00/30 ITF-Vollknoten machen will. Entscheidet man sich für Brig, dann müsste die Rhonetalbahn Lausanne - Sion - Sierre/Siders - Visp, wo aktuell 160 km/h gefahren wird, auf 200 km/h ausgebaut werden, damit man in 90 Minuten von Brig nach Lausanne kommt. Da das Rhonetal sehr breit ist und man zahlreiche freie Parameter hat, wäre es kein Problem, die Eisenbahn Lausanne - Brig von derzeit 160 km/h auf 200 km/h auszubauen. Im aktuellen Entwurf Step 2035 für den schweizerischen Bundesrat steht Visp als ITF-Vollknoten, sodass es bei den 160 km/h zwischen Lausanne und Visp bleibt. Zwischen Bern und Visp wird dann im Halbstundentakt gefahren anstatt dem 30/30/60-Minutentakt heute.

Zurück zu Zürich HB - München Hbf.

Wenn nächstes Jahr beim SBB-Astoro, also SBB RABe 503 bzw. ETR 610 die ETCS-Anpassung SBB/DB erfolgreich abgeschossen ist, dann gelten folgende Kantenzeiten:

Zürich HB - 60 - St. Gallen - 30 - Bregenz - 60 - Memmingen - 30 - Buchloe - 30 - München Hbf.

Mit unserer NBS Betzigau könnten wir dann auch Zürich HB - 60 - St. Gallen - 30 - Bregenz - 60 - Kempten - 30 - Buchloe - 30 - München Hbf fahren.

Die 30 Minuten zwischen Buchloe und München erfordern aber noch Ausbaumaßnahmen im S-Bahn-Bereich, was aber ein anderes Thema ist.

__________

Da die Strecke Hergatz - Memmingen - Buchloe aber eingleisig ist, ist aufgrund der Kreuzung mit den Regionalzügen der Stundentakt des EC aktuell nicht möglich. Der Schweizerische Bundesrat will nun im Rahmen von Step 2035 das BAV beauftragen, Deutschland eine Mitfinanzierung der Schweiz für die Doppelspurinsel zwischen Hergatz und Memmingen anzubieten, damit der EC ab Dezember 2034 im Stundentakt von Zürich HB nach München Hbf fahren kann.

Da aber Kempten völlig abgehängt ist und das Oberallgäu auch an den Fernverkehr angebunden werden soll, halten wir es für wesentlich zielführender, die NBS Betzigau zu realisieren, um wieder Kempten an den Fernverkehr anzubinden.

Langfristig bietet sich auch an, zusätzlich noch eine 25 km lange Neubaustrecke Bregenz - Oberstaufen Ost zu bauen. Diese Strecke liefe zwar größenteils im Tunnel, würde aber eine Kantenzeit von 30 Minuten zwischen Bregenz und Kempten ermöglichen, und somit eine Kantenzeit von 3 Stunden zwischen Zürich HB und München Hbf.

All dies setzt aber voraus, dass in Deutschland die aktuell völlig unfähige Bundesregierung abgewählt wird und begreift, dass zum Klimaschutz eine komplette Neuausrichtung in der Verkehrspolitik zwingend notwendig ist.

Immerhin: Die Schweiz hat erfolgreich Deutschland geprügelt, die Strecke über Memmingen zu elektrifizieren; vielleicht schafft es die Schweiz ja auch Deutschland erfolgreich zu prügeln, damit auch über Kempten mit derselben Fahrzeit gefahren werden kann.

Immerhin: Wenn ich im Sommer 2022 von München Hbf nach Zermatt fahre, dann fällt die Schallmauer von 7 Stunden. Abfahrt in München Hbf 6.55 Uhr und Ankunft in Zermatt um 13.51 Uhr. Wenn ich am letzten Urlaubstag in Zermatt um 16.13 Uhr abfahre und in München Hbf um 23.04 Uhr ankomme, dann kann ich in Zermatt vor der Abfahrt um 16.13 Uhr noch schnell auf den Gornergrat rauf und runter gehen. Die Bergschuhe sind dann zwar schon im Koffer, aber ich gönne mir dann den Luxus in normalen Halbschuhen auf den Gornergrat zu gehen. :ja: Das ist zu geil. Um 10 Uhr raus aus der Ferienwohnung, Koffer abgestellt, in Halbschuhen hoch und runter auf den Gornergrat, 16.13 Uhr Abfahrt in Zermatt und 23.04 Uhr in München. :ja:
 
Pilatus schrieb:
Ist das wirklich so, dass in Deutschland die Bahn so wenig Rückhalt hat in der Bevölkerung? Und dass da nicht einfach die Politik schuld ist? Dass sich da in Deutschland wirklich was ändern würde, müssten die Grünen ja praktisch die Wahlen mit der absoluten Mehrheit gewinnen (mit allen damit verbunden Nachteilen) :wink:

Man darf nicht vergessen, in der Schweiz sind eigentlich alle grossen Bahnprojekte mit Volksabstimmungen beschlossen worden. Irgendwelche Partikularinteressen spielen dann keine Rolle mehr und auch eine Blockadepolitik durch Anwohner gibts eigentlich kaum noch.

Das ist eine schwierige Frage. Zunächst mal: die Nimby-Mentalität ist in Deutschland leider sehr verbreitet. Ich hab aber das Gefühl bei der Bahn noch mehr als bei Straßenprojekten. Liegt wahrscheinlich an "Ich fahr ja eh nicht mit der Bahn." Das ist dann vorwiegend die ältere Generation, denen dann auch entsprechende Immobilien gehören, bei denen die Befürchtung besteht, sie werden weniger wert, wenn ein Verkehrsprojekt in der Nähe umgesetzt wird.

In meiner Generation (ich bin 34) hat, denk ich, schon ein Umdenken stattgefunden. So sind in meinem Freundeskreis zwar eigene Autos schon noch sehr verbreitet (ich würde sagen ca. 80% haben ein eigenes Auto oder durch ihren Partner Zugriff darauf), aber es wird das Verkehrsmittel eher nach Reisezweck gewählt, also durchaus auch die Bahn, wenn diese eben das beste Mittel der Wahl ist. Ich würde sagen, niemand schließt die Bahn kategorisch aus.

In der Generation meiner Eltern und Großeltern hingegen wird die Bahn kaum verwendet oder gar kategorisch abgelehnt. Mein Papa ist hingegen trotz seiner fast 80 Jahre schon offen für die Bahn, wenn er die Bahnfahrt als beste Lösung ansieht. Das sind dann aber Fälle wie: langer Flug im Anschluss oder Rückreise von langem Flug (wo dann Autofahren echt nicht sinnvoll ist, wenn man übermüdet ist), oder wie diesen Sommer, wo er mit mir von München aus in den Urlaub gefahren ist, und zurück mit meiner Schwester auf direktem Wege nach Franken. Allerdings muss man ihm das mit dem Ticket und der Verbindung organisieren, das mach ich aber gerne. ^^

Wobei ich auch sagen muss: natürlich bin ich und meine "Kreis" nicht repräsentativ. Das schaut sicher nochmal anders aus bei Leuten, die auf dem platten Land wohnen.

Ansonsten: Politik spielt eine große Rolle hier in Deutschland, was die Verkehrsprojekte betrifft. So fördert der Bund meines Wissens nur Bahnstrecken für Fernverkehr und Güterverkehr, sagt aber für reine Nahverkehrsstrecken sind die Länder (finanziell) verantwortlich. Gleichzeitig baut der Bund aber neben Autobahnen auch Bundesstraßen, die schon längst oftmals auch der lokalen Feinverteilung dienen und eben nur selten dem überregionalen Verkehr - dafür gibts ja in den meisten Fällen dann doch eine passende Autobahn.

Aber die Probleme liegen nicht nur auf Bundesebene, sondern auch auf Landesebene. Gerade der Freistaat Bayern lobt sich zwar gerne, aber betreibt eine eher bahnfeindliche Politik, z.B. was Reaktivierungen betrifft. So wird relativ stur daran festgehalten, dass eine Bahnstrecke nur dann reaktivierungswürdig ist, wenn auf ihr mehr als 1000 Personenkilometer pro Werktag erreicht werden, also 1000 Personen müssen die komplette Strecke fahren, oder 2000 Personen die halbe Strecke, usw. Dabei wird ignoriert, dass manche Bahnstrecken gerade am Wochenende im Freizeitverkehr höher frequentiert sind, ein Beispiel hierfür wären die Bahnstrecken im Bayerischen Wald. Baden-Württemberg nimmt zwar auch das Kriterium "Fahrgäste an Schultagen", geht hier mittlerweile einen besseren Weg mit Abstufungen (siehe z.B. hier); so reichen schon 750 Fahrgäste pro Schultag, damit das Land den Bahnverkehr auf Landesstandard (Stundentakt) finanziert, und bei 500 - 750 Fahrgästen wird eine anteilige Finanzierung von 60% angeboten, wobei der Rest dann wohl von den Landkreisen getragen werden müsste.
 
Florian86 schrieb:
Das ist eine schwierige Frage. Zunächst mal: die Nimby-Mentalität ist in Deutschland leider sehr verbreitet. Ich hab aber das Gefühl bei der Bahn noch mehr als bei Straßenprojekten. Liegt wahrscheinlich an "Ich fahr ja eh nicht mit der Bahn." Das ist dann vorwiegend die ältere Generation, denen dann auch entsprechende Immobilien gehören, bei denen die Befürchtung besteht, sie werden weniger wert, wenn ein Verkehrsprojekt in der Nähe umgesetzt wird.
hier scheinen mir bei der Bahn aber immer noch alte Denkweisen vorzuherrschen. 2spurige Strecke reicht nicht -> ein oder 2 Gleise direkt dran ist da die einzige Standardlösung. Statt vielleicht eine neue Trasse zu entwickeln. Merke das bei uns im Inntal, die ÖBB buddelt einen Tunnel nach dem anderen (200+ km/h Verkehr und der Güterverkehr sind halt einfach laut, also unter die Erde damit) und bei der Bahn hat man sich erst mal auf 3. oder 4.Gleis auf der bisherigen Trasse bzw. wenn eine neue Trasse, dann billig über Land (was es im engen Tal dann nicht mehr hergibt), eingestellt. Und dann wundert man sich, wenn die Bürger dagegen sind - warum wurde nicht gleich eine lärmoptimierte Tunnellösung geplant?
 
kaldini schrieb:
hier scheinen mir bei der Bahn aber immer noch alte Denkweisen vorzuherrschen. 2spurige Strecke reicht nicht -> ein oder 2 Gleise direkt dran ist da die einzige Standardlösung. Statt vielleicht eine neue Trasse zu entwickeln. Merke das bei uns im Inntal, die ÖBB buddelt einen Tunnel nach dem anderen (200+ km/h Verkehr und der Güterverkehr sind halt einfach laut, also unter die Erde damit) und bei der Bahn hat man sich erst mal auf 3. oder 4.Gleis auf der bisherigen Trasse bzw. wenn eine neue Trasse, dann billig über Land (was es im engen Tal dann nicht mehr hergibt), eingestellt. Und dann wundert man sich, wenn die Bürger dagegen sind - warum wurde nicht gleich eine lärmoptimierte Tunnellösung geplant?

Ich verstehe deine Aussage nicht. Einerseits sagst du die ÖBB baut Tunnel was ja teilweise stimmt, vor allem halt dort wo ein hoher Raumwiederstand herrscht den freiwillig macht man das nicht - dort wo es geht wird natürlich oberirdisch gebaut (wie große Teile der neuen Westbahn und kleiner Teile der Unterintalbahn), andererseits herrscht bei "der Bahn" (also auch wieder die ÖBB???) eine alte Denkweise vor?
 
Da gilt aber das gleiche wie in Österreich - solange es nicht technisch möglich ist werden sie logischerweise Tunnel vermeiden, weil diese nicht nur im Bau sondern vor allem auch im Unterhalt unglaublich teuer sind. Manchmal geht es halt nicht anders.
 
kaldini schrieb:
Florian86 schrieb:
Das ist eine schwierige Frage. Zunächst mal: die Nimby-Mentalität ist in Deutschland leider sehr verbreitet. Ich hab aber das Gefühl bei der Bahn noch mehr als bei Straßenprojekten. Liegt wahrscheinlich an "Ich fahr ja eh nicht mit der Bahn." Das ist dann vorwiegend die ältere Generation, denen dann auch entsprechende Immobilien gehören, bei denen die Befürchtung besteht, sie werden weniger wert, wenn ein Verkehrsprojekt in der Nähe umgesetzt wird.
hier scheinen mir bei der Bahn aber immer noch alte Denkweisen vorzuherrschen. 2spurige Strecke reicht nicht -> ein oder 2 Gleise direkt dran ist da die einzige Standardlösung. Statt vielleicht eine neue Trasse zu entwickeln. Merke das bei uns im Inntal, die ÖBB buddelt einen Tunnel nach dem anderen (200+ km/h Verkehr und der Güterverkehr sind halt einfach laut, also unter die Erde damit) und bei der Bahn hat man sich erst mal auf 3. oder 4.Gleis auf der bisherigen Trasse bzw. wenn eine neue Trasse, dann billig über Land (was es im engen Tal dann nicht mehr hergibt), eingestellt. Und dann wundert man sich, wenn die Bürger dagegen sind - warum wurde nicht gleich eine lärmoptimierte Tunnellösung geplant?

Also ich hab schon den Eindruck, dass die Bahnen versuchen, es den Bürgern Recht zu machen. Gerade das Inntal in Österreich ist doch ein gutes Beispiel, bei dem einige Neubauabschnitte mit Tunneln gebaut werden, die eben nicht direkt an die bestehenden Gleise angrenzen. Ich hätte übrigens auch ein Gegenbeispiel: der S-Bahn-Verschwenk durchs Knoblauchsland nördlich von Fürth. Seit vielen Jahren schon streiten Bahn und Stadt Fürth darum. Die Bahn möchte "verschwenken", die Stadt Fürth einen Ausbau entlang der Bestandesstrecke, wohl auch mit dem Hintergedanken, dass dann die Bahn in der Pflicht ist, an der Bestandesstrecke Brücken zu sanieren, würde der Verschwenk gebaut müsste die Stadt Fürth dafür aufkommen. Fakt ist aber auch, dass die Stadt Fürth schon lange (ich meine seit den 90ern) sich gegen den Verschwenk ausgesprochen hat, weil die Stadtentwicklung anders verlaufen sollte als ursprünglich geplant, und somit der Verschwenk weniger Nutzen hatte. Ansonsten fällt mir noch die Schnellfahrstrecke Nürnberg - Ingolstadt ein, ist ja ein kompletter Neubau, aber in großen Abschnitten direkt neben der Autobahn, was lärmschutztechnisch sicher sinnvoll ist. Bei der Neubaustrecke Wendlingen - Ulm ist das meines Wissens auch ähnlich.

Mein Gedanke bezüglich Nimbys bezog sich aber tatsächlich eher auf Reaktivierungen von niemals entwidmeten Bahnstrecken. Da sind dann Anwohner ganz erstaunt, weil sie ja neben einer Bahnstrecke wohnen, auf der schon ewig kein Zug mehr gefahren ist. Also sind sie beim Kauf (fälschlicherweise) davon ausgegangen, dass das auch auf ewig so bleiben wird. Meistens gabs die Bahnstrecke aber vor der Immobilie...

Letzten Endes hab ich aber den Eindruck, dass gerade die DB immer mehr Angebote für die Bürger bietet, sich frühzeitig über Planungen zu informieren: dieses Jahr gab es z.B. einige Online-Veranstaltungen in ganz frühen Planungsstadien (z.B. Bahnausbau Karlsruhe - Mannheim, oder über die geplanten Elektrifizierungen in Nordostbayern). Und Online ist für die meisten sogar bequemer als physisch zu einer Veranstaltung vor Ort zu gehen. Bis auf ein paar wenige - ich nenn sie jetzt mal Berufsquerulanten - glaube ich schon, dass die meisten Menschen zumindest gesprächsbereit sind und auch prinzipiell bereit sind, eine adäquate Lösung zu finden (auch wenn sie erstmal kategorisch gegen jede Veränderung sind).
 
Florian86 schrieb:
Ansonsten fällt mir noch die Schnellfahrstrecke Nürnberg - Ingolstadt ein, ist ja ein kompletter Neubau, aber in großen Abschnitten direkt neben der Autobahn, was lärmschutztechnisch sicher sinnvoll ist.

Nur nebenbei, weil ich zufällig an der alten Strecke wohne:
Der Grund warum ein Ausbau der Bestandstrasse nicht in Frage kam war, dass diese in weiten Teilen eine Kurve nach der anderen hat, besonders im Altmühltal-Abschnitt. Ein Ausbau hätte da wenig Sinn gemacht, die Kurvenradien hätte man nicht groß ändern können. Bürgerproteste hätte es zwar sicher auch gegeben, die waren aber nicht der Grund für die Neutrassierung. Hier hat man meiner Meinung nach eine recht gute Trasse gefunden mit der Verkehrswege-Bündelung an der Autobahn. Die Autobahn ist, zumindest zwischen Nürnberg und ca. Hilpoltstein da auch super geeignet. Schnurgerade, ohne große Steigungen, weiter südlich wirds dann problematischer. Und ein paar andere Probleme gabs da auch. Schwierige Geologische Verhältnisse, viele Tunnel notwendig, insbesondere im angesprochenen südlicheren Teil, noch größere Zerschneidung des Köschinger Forst, Bürger die argumentierten "Wir haben schon die Autobahn, warum soll auch noch die Bahn zu uns?", usw.
Ingolstadt-München hat man dann ja durch einen Ausbau der Bestandsstrecke gemacht. Absolut sinnvoll, die verläuft schon recht geradlienig.
 
David93 schrieb:
Florian86 schrieb:
Ansonsten fällt mir noch die Schnellfahrstrecke Nürnberg - Ingolstadt ein, ist ja ein kompletter Neubau, aber in großen Abschnitten direkt neben der Autobahn, was lärmschutztechnisch sicher sinnvoll ist.

Nur nebenbei, weil ich zufällig an der alten Strecke wohne:
Der Grund warum ein Ausbau der Bestandstrasse nicht in Frage kam war, dass diese in weiten Teilen eine Kurve nach der anderen hat, besonders im Altmühltal-Abschnitt. Ein Ausbau hätte da wenig Sinn gemacht, die Kurvenradien hätte man nicht groß ändern können. Bürgerproteste hätte es zwar sicher auch gegeben, die waren aber nicht der Grund für die Neutrassierung. Hier hat man meiner Meinung nach eine recht gute Trasse gefunden mit der Verkehrswege-Bündelung an der Autobahn. Die Autobahn ist, zumindest zwischen Nürnberg und ca. Hilpoltstein da auch super geeignet. Schnurgerade, ohne große Steigungen, weiter südlich wirds dann problematischer. Und ein paar andere Probleme gabs da auch. Schwierige Geologische Verhältnisse, viele Tunnel notwendig, insbesondere im angesprochenen südlicheren Teil, noch größere Zerschneidung des Köschinger Forst, Bürger die argumentierten "Wir haben schon die Autobahn, warum soll auch noch die Bahn zu uns?", usw.
Ingolstadt-München hat man dann ja durch einen Ausbau der Bestandsstrecke gemacht. Absolut sinnvoll, die verläuft schon recht geradlienig.

Volle Zustimmung, was die Trassierung betrifft. Man sieht aber schon, dass die Autobahn südlich von Nürnberg schon auf und ab geht, während die Bahn diese Höhenunterschiede nicht mit macht. Ansonsten wäre die Bestandestrasse bei München - Nürnberg meines Wissens wohl eher über Augsburg geführt worden, da sind dann nicht so viele Kurven dabei wie über Eichstätt. Ich finde aber auch, dass man hier mit Ingolstadt ne gute Lösung gefunden hat, da eben dadurch eine weitere Stadt ans ICE-Netz angeschlossen wurde. Natürlich mit dem Nachteil, dass insbesondere nach der Fertigstellung der Schnellfahrstrecke Nürnberg - Erfurt für Augsburg weniger Verbindungen in Richtung Berlin/Hamburg/... raussprangen. Aber auch hier wurde schon ein bisschen korregiert meines Wissens, und es werden wieder ein paar mehr Verbindungen über Augsburg angeboten.

Was bei München - Ingolstadt ein bisschen schade ist, ist dass am Bahnhof Pfaffenhofen immer noch rumgedoktort wird, während der Rest schon fertig ist. Längerfristig sollte München - Nürnberg in unter 1h gefahren werden, zumindest wenn man in beiden Orten einen Taktknoten zur vollen und halben Stunde möchte. Wobei ich meine auch mal gelesen zu haben, dass München als Taktknoten nicht ganz so relevant ist, weil viele Linien dort beginnen/enden. Laut 3. Entwurf für den Deutschlandtakt wird wohl 1h 1min die schnellste Fahrtzeit München - Nürnberg.
 
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